Eine gewisse externe Gruppe von TuT schmunzelt schon lange über die deutschen Programme. Die Quittung kam prompt.
Statt einen hervorragenden Wissenschaftler wie Argiris Vasiliadis vom OSP Köln zu integrieren, der ganz auf der niederländischen Schiene liegt, lässt man lieber die Leute platt trainieren. Es ist unglaublich, was in Deutschland alles passiert.
Letztens sagte mal ein hervorragender 400m-Fachmann zu mir: "In Deutschland hat man nur gut trainiert, wenn man platt nach den Programmen auf dem Boden liegt oder sich übergibt! Das ist der Mainstream".
Man sollte als Verantwortlicher für die Langsprintbereiche im DLV schon sehr "sattelfest" im Energiesystem sein und wissen, welche Energien man von 300m bis zum Ziel benötigt. Das liegt alles vor. Lesen und Recherche bilden. Solche "Knallerprogramme" überlebt man nur unter bestimmten Bedingungen mit guten Leistungen. Ansonsten "geht man baden"!!!
Ein Verband ist oft sehr starr in seinen Strukturen. Als einzelner Trainer ist man meistens sehr viel schneller in seinem "Bewegungsradius", wenn man fleißig ist und sich kenntnisreich immer weiter fortbildet. Der Verband braucht aber zum Erfolg Menschen, die zum Gegenteil gehören, schnell im Handeln sind, sich gegen alle Widerstände durchsetzen und delegieren können und möglichst nicht primär daran interessiert sind, Machtstrukturen zu ihren eigenem Vorteil sukzessive aufzubauen, die also an echter Kooperation mit Arbeit möglichst gleichmäßig aufgeteilt interessiert sind.
Innovationen, Paradigmenwechsel, vernünftige Taskforces mit lebendigen Inhalten und "Bewegungsfreiheiten" am Puls der Zeit aufzubauen, sollten vorrangig Aktionen beinhalten. Dazu sollte man junge, dynamische und ältere, kenntnisreiche Trainer*innen zu einem guten Gelingen verbinden. Bei der WM in Eugene fiel auf, dass es viele ältere Trainer*innen in anderen Nationen gibt, die noch an vorderster Front stehen. Man lässt in Deutschland so viel Potential bei sehr guten älteren TuT liegen. Es ist nicht immer gut, junge Trainer*innen sofort nach einem Erfolg als BT einzusetzen. Man sollte sich schon bessere Konstruktionen überlegen.
Mal was anderes: So, liebe Gutmenschen. Jetzt haben wir den Salat und Tamberi wird als Olympiasieger vorgestellt, obwohl er nur ein halber solcher ist, und man dem anderen Halbsieger Barshim damit Unrecht tut. Ich war schon damals sofort entsetzt und dagegen, dass die beiden sich die Medaille teilen, ja schlimmer: dass zweimal Gold vergeben wird. Für mich sind beide kein Olympiasieger, weil sie haben ja nicht gesiegt sondern haben sich aus Kalkül der Entscheidung verweigert. Sie haben gekniffen, weil sie nicht bereit waren zu verlieren. Da haben sie einander lieber ein Geschenk gemacht, das jetzt zum Schwarzen Peter und zum Bumerang wird. Und alle unsportlichen Gutmenschen in der Welt waren begeistert über so viel „wahren Sportsgeist und Olympismus“. Aber sie haben davon rein gar nichts verstanden. Mit Bescheidenheit siegen und ohne Neid verlieren – das ist wahrer Sportsmenship. Nicht aus Feigheit verzichten und das als Großzügigkeit verkaufen! Die überschwängliche Freude bei Tamberi nach der Übereinkunft war das krasse Gegenteil von Olympismus, denn er hat dabei nur an sich gedacht: „Ich bin Olympiasieger. Alles andere, das wie und warum wird allen egal sein.“ Und da hat er sich getäuscht in seinem jugendlichen Leichtsinn. Und den Makel wird er nie mehr los. Und auch sein Vater nicht, der ja nicht abseits stand, sondern das Ganze abgesegnet hat. Ich würd mich schämen bis ans Ende meiner Tage.
Was wirklich ärgerlich ist ist das es die LA nicht wirklich schafft außerhalb der großereignisse eine Bühne zu haben.
Bei olympia und co gibt es durchaus gute einschaltquoten und volle stadien, aber wir schaffen es nicht neben dem istaf ein zweites meeting mit weltklasse format in Deutschland zu halten.
Eigentlich müssten wir in Deutschland ein diamond league meeting und noch 2-3 weitere meetings mit internationalen stars haben, idealerweise auch mit sendeplatz im live TV.
Sowohl von einigen Athleten als auch Forumsteilnehmern wurde der tolle gestrige Abend als Beleg dafür gewertet, dass die Sportart (in Deutschland) lebt. Das tut sie meines Erachtens mitnichten, eher handelt es sich um eine Untote, die schon seit Jahrzehnten zu solchen Ereignissen erscheint und danach ein Stück weiter stirbt.
Eine Sportart lebt nicht von ein paar weniger werdenden Spitzenathleten, sondern von einem breiten Unterbau in vielen Altersklassen und auf vielen Ebenen. Man schaue sich die Felder bei Kreis-, Bezirks-, oder Landesmeisterschaften an, schaue auf die Leistungsdichte in den Bestenlisten vergangener Jahrzehnte und die Anzahl der Vereine, die noch Erwachsenensportler haben. Man schaue auf die Trainer und auch auf die Ränge (war in Götzis), wo man inklusive des Autors die Vergreisung sieht. Ähnliches im Kampfrichterwesen. Die Vernachlässigung der Sportart im Unterricht und die Einführung der wettkampflosen Kinderleichtathletik tragen ein Übriges dazu bei.
Bei der EM im Frauenfußball sprach auch jeder davon, dass die mediale Präsenz und der Erfolg einen Auftrieb geben wird, aber war Deutschland nicht dort auch lange schon das Mass der Dinge? Genauso bezweifele ich die Wirkung dieser Großereignisse auf die Sportart.
Das sind so ein paar Gedanken, die ich über eine lange betriebene und geliebte Sportart mal loswerden wollte.
(11.08.2022, 14:44)New schrieb: Cheyenne Kuhn hat laut instagram wohl auch ihre Karriere beendet.
Eine weitere, die in den U-Klassen (internationale) Erfolge feiert, aber nicht oben ankommt. Der DLV sollte mal ausgibig bei diesen Leuten evaluieren, warum der Sport so früh nicht mehr möglich oder attraktiv ist.