16.09.2021, 19:03
(16.09.2021, 17:51)Piroschka schrieb:Bei aller Berechtigung auf die Bedeutung der Front side mechanics hinzuweisen machst du es dir mit dieser Argumentation etwas zu einfach. Die Natur kennt kein "Schwarz/Weiß"(16.09.2021, 17:27)dominikk85 schrieb:Wenn dies so wäre, dann könnte man ja, sobald man mit aufrechtem Oberkörper geht oder läuft, nicht mehr schneller werden! Wie man zum Beispiel bei Thompson-Herah wieder sehen konnte, ist dies jedoch nicht der Fall. Ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht sie erst sehr spät im Rennen. Bodenkontakt geht physikalisch immer mit Reibung einher und führt zu einem Abbremsen. Jedoch handelt es sich ja beim Fuß/Bein nicht um ein träges Objekt, sondern eines, welches aktiv selbst Energie erzeugen und durch den Bodenkontakt Vorschub erzeugt. Wenn du dich mit dem Rücken an eine Wand stellst und jetzt einen Fuß nach vorne stellst und es schaffst allein durch den Zug des vor dem Körper aufgesetzten Beins deine Hüfte und Oberkörper über den Vorderen Fuß zu bringen, dann hast du deine Aussage ja schon widerlegt.(16.09.2021, 16:51)Piroschka schrieb:soweit ich weiß ist es gar nicht möglich vor dem KSP positive Geschwindigkeit zu erzeugen, das "ziehen" reduziert lediglich dem bremsstoß, sprich jeder Athlet egal ob 13.0 Läufer oder bolt verliert bis zum mittelstütz Geschwindigkeit, aber die frontside mechanics können diesen Verlust kleiner halten.(16.09.2021, 14:32)CoachnEngineer schrieb:Ich glaube, dass es eher um ein Missverständnis geht. Frontside mechanics bedeutet primär erstmal nicht längerer Schritt, sondern es ist eine andere Phase, in der der Vortrieb erzeugt wird, nämlich vor dem Körperschwerpunkt. Dass die Schritte bei richtigem Einsatz der Technik länger werden, liegt nicht primär daran, dass man weit ausgreift, sondern dass bei richtigem Einsatz die Abfluggeschwindigkeit höher wird, da der Körper während des Bodenkontakts länger horizontal bewegt werden kann. Anatomisch ist dies auch schlüssig, da der normale Mensch nur eine maximale Hüftextension von 12° erreicht und folglich der effektive Weg, welcher hinter dem Körperschwerpunkt zur Geschwindigkeitsgewinnung genutzt werden kann, sehr kurz ist.(16.09.2021, 12:58)Piroschka schrieb:Die Methodik, die du da beschreibst führt ja nachher gerade dazu, dass wir in Deutschland einigermaßen viele Hürdensprinter haben die (ohne Probleme mit dem Abstand) entspannt zwischen 13,90 und 14,40 laufen, aber keinen unter 13,30.(16.09.2021, 11:11)CoachnEngineer schrieb:Der durchschnittliche 14jährige ist auch keine zwei Meter groß. Der Shuffle wird ja eingesetzt, wenn der Abstand für Schrittlänge und Körpergröße zu gering ist. Das Problem ist jedoch, dass die Schüler*innen eben Geschwindigkeit über die Frequenz beigebracht bekommen und nicht über den Vortrieb vor dem Körperschwerpunkt. Das würde auch zu einer größeren Schrittlänge und weniger Problemen bei den Hürdenabständen führen.(16.09.2021, 10:40)Piroschka schrieb: Ist das Problem nicht eher, dass in Deutschland viel zu sehr auf die Frequenz geschaut wird?!Hier geht es eher darum, wie an der Frequenz gearbeitet wird.
Das Problem der Umstellung von kurzen auf längere Hürdenabstände ist also auch eine Folge falscher Technik, da frontside mechanics insbesondere im Kinder-, Schüler- und Jugendbereich immer noch ein Fremdwort sind.
Natürlich muss sie vortriebsorientiert (wie Sprunggott es nannte) sein. HJH nannte es "Shuffle"-Schritt, wenn ich mich richtig erinnere.
Nur mit 8,60m Abstand bringe ich einem 14jährigem (wenn er nicht sehr akzeleriert ist) keinen Shuffle bei.
Wenn man mit der für diese Zeiten notwendigen Sprintfähigkeit durch die 9,15 Abstände Geschwindigkeit aufbauen will, muss man Shufflen, selbst wenn man nicht 2m groß ist. Lernt man das nicht von Kleinauf, sondern versucht immer nur mit längerer Schrittlänge die geforderten (eigentlich zu langen) Abstände zu überwinden, wird das nix. Darum geht es doch bei der Kritik an der Didaktik.
1) Der Fussaufsatz geschieht, gerade bei guter Front side mechanics nur relativ wenig weit vor dem KSP. Schau dir doch einfach die von dir herangezogene Thompson Herah an.
2) Auch bei recht aufrechtem Oberkörper löst der Fuß deutlich hinter dem KSP.
3) Ist es tatsächlich so, dass der weit überwiegende Teil von F_Integral dt (sorry, lässt sich hier nicht beser schreiben) im Vorderstütz negativ ist, also Bremskraft. Schnaut man sich den gesamten Verlauf von F_horizontal an, dann passiert der beschleunigende Anteil tatsächlich erst im Hinterstütz. Problem ist, dass das länger dauert und die Bodenkontaktzeit erhöht. Daher liegt das Optimum eben in einer Technik, die über gute Frontside mechanics, d.h. einen hohen Teilimpuls des Fußes die negativen Anteile durch Bremskräfte minimiert, um auch mit einer verkürzten Druckphase im Hinterstütz signifikant beschleunigen zu können.
4) relevant werden die Frontside Mechanics ja auch erst bei absoluter Vmax, da dort die Bremskräfte eben auch deutlich höher ausfallen und die Zeit für signifikante Druckphase nicht zur Verfügung steht.
Jetzt sind wir aber ziemlich weit vom ursprünglichen Thema entfernt. Der Hürdenshuffle-Schritt sieht halt eben noch mal etwas anders aus, da hier anders als im Sprint Front-side Aktivität trotz Schrittlängen-Verkürzung erzielt werden soll.

