(28.02.2015, 08:50)Halloo schrieb: Ich kenne Übungsleiter, die eine hervorragende Ausbildung. genossen haben, von Weiterbildung zu Weiterbildung eilen und trotzdem totale Nieten sind. Sehr oft sind das Selbstdarsteller.
Es ist eine Frage der Qualität der Fortbildungen!!!
Nicht die Anzahl der Fortbildungen macht es. Man muss dann auch Kenntnisse über die relevanten Fortbildungsmöglichkeiten haben. Ich habe zudem den Vorteil, dass ich meinen finanziellen Einsatz dafür, der erheblich ist, nicht abzustimmen brauche. Ich habe jetzt wieder zwei sehr gute Geräte gesehen, die ich, ohne lange zu überlegen, kaufe.Ob diese Trainer/innen Nieten sind, kann man wohl am Athletenerfolg und an der Vielzahl der orthopädischen Schäden erkennen. Natürlich müssen die Trainer noch fähig sein, das Wissen einzuordnen und richtig anzuwenden. Die Trennung von Wissenschaft und Praxis ist ein entscheidender Fehler. Man kann einem Trainer nicht die autodidaktische Arbeit vorwerfen, weil man selbst aus irgendwelchen Gründen diese Zeit nicht hat oder nicht aufbringen möchte.
Nehmen Sie mich mal als Beispiel! Ich habe in der Vergangenheit orthopädisch wohl sehr gut mit den Athleten gearbeitet; sonst würde meine Statistik über Jahre nicht so gut ausfallen. Das kann kein Zufall sein. Ich trete hier nicht als Selbstdarstellerin auf, sondern dokumentiere nur meine Einstellung und Arbeitsweise. Natürlich erzeugt diese Form nicht immer nur Anerkennung, sondern ist manchmal auch mit einem gewissen Neidfaktor belegt oder einfach mit einem Gefühl, den Trainer mit diesen Voraussetzungen zu beneiden.
In den letzten zwanzig Jahren habe ich eine sehr intensive Fortbildung betrieben, aber immer in Anbindung an die Praxis z.B. in meiner Schularbeit bis heute. Momentan arbeite ich sehr ausgiebig mit einem Schüler im Langsprintbereich, bei dem einiges funktionell korrigiert werden muss. Da Mutter und Vater aus dem medizinischen Bereich kommen, fällt meine Arbeit auf sehr fruchtbaren Boden. Der Vater ist Chirurg im HWS- Und Kopfbereich. Hier ist folglich eine gute Kooperation gegeben, bei der auch ich immer wieder lerne. Man kann einem Trainer, einer Trainerin doch nicht vorwerfen, seine Zeitressourcen intensiv einzusetzen, weil man selbst nicht in der Lage dazu ist.
Ich messe die Qualität eines Trainers nicht immer nur am Erfolg. Ein Trainer eines Olympiasiegers kann für mich trotzdem eine partielle Niete sein!!! Ich verkneife mir mal einen solchen nachweisbaren Katalog von Trainern.
Ich halte das nicht für überheblich, das besser als Sie einschätzen zu können. Außerdem hängt in Deutschland der Erfolg bei Trainern sehr wesentlich davon ab, ob man vereins- oder verbandsmäßig mit Athleten "bedient" wird. Ich habe sehr gutes Hintergrundwissen, um Fehlentscheidungen in manchen Fällen voraussagen zu können und ob Athletinnen und Athleten verschlissen werden. Ich lasse aber ruhigen Gewissens machen, weil es bestimmte Cliquen gibt, die das Procedere bestimmen. Es sind fast "politische" Entscheidungen. Ich betrachte mich selbst nie als fertig und habe "Antennen" zu sehr vielen Inhalten. Ich bin momentan in sehr regem Kontakt, was den Langsprint anbetrifft. Ich lerne täglich dazu. Es findet ein sehr stetiger Datenaustausch statt. Können Sie sich nicht vorstellen, dass das in mir ungeheuren Spaß auslöst, umfangreich zu recherchieren? Ich bin in einer sehr professionellen Lebenslage, Dinge intensiver als jeder BT zu recherchieren, weil ich meine anderweitigen Verpflichtungen reduziere. Ich lebe für die Schnittstelle Theorie - Praxis.
Ich würde z. B. die Fortbildungsschiene erheblich mit neuen Gedanken zum Test- und Prüfungsprocedere verbessern, um die Trainer in eine bessere Position von relevanten Inhalten zu versetzen. Beispiel Westfalen: Ein Marler LA-Trainer war ganz stolz, mir ausgiebig zu berichten, dass er bei der Fortbildung die Übungsbeispiele eines Gewichthebertrainers toll fand. Ich habe ihm in drei Sätzen diesen Nonsense für die LA erklärt. Sein Mund ging nicht mehr zu.
Kein Trainer ist sicherlich ohne Fehler. Es kommt auf den Auswirkungsgrad und die Schnelligkeit an, diese Fehler zu orten und zu begradigen. Wenn in einer Gruppe immer wieder dieselben Symptome auftreten, muss ich mich als Trainer doch nach meinen Fehlern fragen. Geschieht das aber oder wird vorrangig durch OP korrigiert? Ich gehe dann nach eingehender Recherche einen Schritt weiter und sehe die Fehler im Übungspotential und im System der Fortbildungsinhalte und damit verbundener sehr unvollkommener und teilweise falscher Inhaltsvermittlung aus meiner Sicht.
Gertrud

