16.03.2025, 22:08
(16.03.2025, 15:57)mariusfast schrieb: Dieselben Leute bezeichnen es aber als jammern, wenn Athleten DE das Mindestmaß an staatlicher Absicherung fordert.
Weil sie eben immer noch denken, dass Sponsoren die Athleten für Leistung bezahlen.
Keiner von Athleten DE sprach übrigens davon, dass man so viel Geld wie Fußballer möchte. wir reden ja nichteinmal von Mindestlohn (allein das plus die Abdeckung aller Kosten wäre utopisch). Es geht einzig und allein darum, dass unsere potentiellen Olympia Athlten erhalten bleiben. Dennoch denke ich auch, dass es sinnvoll ist auch an zukünftige Sportler zu denken. Wir haben das Thema ja schon X Mal durchgekaut. Es ist offensichtlich, dass unsere Athleten insbesondere Studenten sind und i.d.R. aus einer elitären Bevölkerungsschicht kommen. U.a. darum, weil eben Leistung nicht mit den nötigen finanz. Anreizen belohnt wird. D.h. weil es eben kein Beruf ist. Und ein Beruf sein zu wollen ist ein leichter Unterschied zu, wir wollen denselben Stellenwert haben wie die Fußballer.
Übrigens ist ja die Nachfrage nach Leistung da. Siehe Einschaltquoten, insbes. Leichtahtletik bei Olympia. Man muss sich nicht kleiner machen als man ist.
Ich weiß nicht, wie wir von Warholms Promovideos und der Diskussion über Leistung und finanzielle Wertschätzung jetzt genau auf die Forderungen von Athleten Deutschland und deren Meinung zum Fußball gekommen sind.
Konkret bezog ich mich auf die häufigen Äußerungen in Richtung "die verdienen die Kohle, dabei arbeite ich viel härter", wie etwa bei Marius Probst in Folge #236 im Kraftraum-Podcast, auf auch im Podcast-Thread schon hingewiesen wurde (Beitrag #253).
Zitat:Witzigerweise trainiere ich, also ich trainiere jeden Tag zwei Mal, ich wohne und lebe in Bochum und eine meiner Dauerlauf-Strecken geht am VfL Bochum Stadion vorbei - Fußball. Ich sehe die teilweise dann, die haben dann morgens um 10 Uhr Training und ich lauf dann da am Platz vorbei, sehe die dann auch trainieren, und denk mir dann: Ey ihr verdient hier alle Millionen, spielt ein bisschen den Ball hin und her und ich reiß mir hier am Nachmittag nochmal den Arsch auf und ihr sitzt wahrscheinlich zuhause auf der Couch, trinkt nen Käffchen und freut euch dann auf den nächsten Tag. Und ich muss am Nachmittag jetzt gerade in der Kälte, bei strömendem Regen muss ich hier nochmal malochen und verdiene halt im Gegensatz zu euch nichts. Das ist einfach nicht fair...
[bei Minute 37:49 Minuten]
Man hört in beinahe jedem Satz den Frust, die Folge wurde im Nachgang an den Kader-Kahlschlag 2023 aufgezeichnet, unter einigem Gejammer, das ich aufgrund der beschriebenen Situation nicht zu sehr ernst nehmen würde, mischen sich auch immer wieder nachvollziehbare Kritik an der deutschen Sportförderung, aber auch wieder offenbarendes wie:
Zitat:Ich habe gelesen, der Sieger im Dschungelcamp bekommt 150.000€ Prämie. Der muss nicht viel tun. Da fahre ich auch gerne nach Australien und lege mich dann zwischen Schlangen und Spinnen, aber was ich jeden Tag leisten muss, ich meine, dass ist ja kaum vorstellbar. Ich trainiere 12-13x die Woche, 52 Wochen im Jahr. Ich habe kaum Pause, außer die Saison ist vorbei. Meine Saisonpause belief sich auf zwei Wochen Urlaub in Ägypten mit meiner Freundin, wo ich tatsächlich trotzdem Volleyball, Wasserball, andere Aktivitäten gemacht habe. Das war meine Saisonpause und danach geht es jeden Tag weiter.
[bei 46:37 Minuten]
Ehe das wieder in eine Grundsatzdebatte über den Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten und die Omnipräsenz des Fußballs abgleitet, sind genau solche Aussagen bei etlichen Leistungssportlern aller möglicher Sportarten leider sehr häufig zu hören und dann muss man einfach konstatieren: Ihr habt es nicht verstanden.
Keine Ahnung, ob ein Warholm (wir reden hier natürlich nochmal über ein anderes Kaliber) auch so viel rumjammert, weil er sich als Olympiasieger und Weltrekordhalter für sein Land möglicherweise nicht finanziell adäquat eingeordnet sieht, aber der rennt dann eben für seinen Sponsor durch Schnee und auf zugefrorenen Seen.
Zu den Einschaltquoten: Haben die Leute wirklich Interesse an Leistung? Olympia ist das Event schlechthin, weswegen der Durchschnittsdeutsche da einschaltet. Das gilt neben der Leichtathletik aber genau so für Kanu-Slalom, Turmspringen, Bahnrad-Verfolgung und Dressurreiten. Wenn da gerade mal ein Deutscher Leistung zeigt, dann wird er auch eine Woche medial beklatscht und ganz eventuell erinnert man sich vier Monate später sogar noch an den ein oder anderen Namen, wenn Deutschlands Sportler des Jahres gekürt werden.
Die Einschaltquoten sind sicher ganz vernünftig, aber die sieben bis zehn Tage pro Jahr beim Großereignis reichen dann eben doch nicht aus, um nachhaltige Präsenz in den Köpfen der Leute und auf den Konten der Athleten zu schaffen.
Da halte ich es ganz mit Dethloff's Aussagen bzgl. der Zuschauer:
Zitat:Wir haben in der Leichtathletik keine Fans, keine Zuschauer. Wir haben nur Bekannte, Freunde und Verwandte, die sich auf die Tribüne setzen.