Um das nur “fast alles” zu rechtfertigen: Hier eine Korrektur meiner fehlerhaften Zuschreibung.
"Ich finde, man sollte von Größerem träumen. Und wenn ich sage, ich will 80 Meter werfen, dann ist das zum einen Lebens-Philosophie, aber zum anderen auch grundehrliche Einstellung", sagte Diskuswerfer Christoph Harting am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Weltbeste der noch jungen WM-Saison will in kleinen Schritten zu großen Zielen. Aber 80 Meter? Der fünfeinhalb Jahre jüngere Bruder von Weltmeister Robert Harting glaubt fest daran.” (Vgl. bei Leichtathletik.de das Interview unter dem Titel: ‘Christoph Harting träumt von 80 Metern.’)
Man könnte jetzt eine hypothetische Veränderung des Interviews vornehmen, und zwar mit der Frage: ‘Was ist Glück für Sie?’ Eine hypothetische, aber gleichwohl realistische Antwort wäre: ‘Glück ist, sich mit einer sehr großen Zielsetzung in ein Abenteuer zu stürzen.’
Von Unglück also erstmal keine Spur! Es handelte sich dabei ja um das Glück eines Wagenden. Mag sein, dass sich dieses Glück erst in einem Endzustand erfüllt, aber es wäre dennoch falsch, es ausschließlich mit der ekstatischen Freude zu identifizieren. Denn der Werfer weiß sehr wohl, dass sich dieser Zustand womöglich nicht einstellt. Und noch wichtiger: Wer die Verfolgung großer Ziele öffentlich kundtut, kann zum Erfolgsdruckerzeuger werden. Und wer dem Ziel in der Folge nicht sukzessive näher kommt, begibt sich in unmittelbare Nachbarschaft zur Verzweiflung.
Deshalb ist das Prinzip der Sparsamkeit nicht verkehrt. Denn dies ermöglicht dem Realisten, das Glück bereits mit einem spannungsgeladenen Weg zu identifizieren - ganz so, wie es sich für Abenteurer gehört. Und, falls ihm (weil er kein Hasardeur ist) eine tugendethische Vorstellung nicht ganz fremd sein sollte, wird er das Glück stets auch in einem besonnenen und zugleich gelassenen Vorgehen sehen.
Alles auf ‘hypothetische’ Weise realistisch - aber auf jeden Fall sehr verschieden von einer (wie oben genannt) hedonistischen Auffassung. Aber umso unverständlicher ist die nachträgliche Aussage des Athleten, dass er beim Sport niemals glücklich gewesen ist. Nachvollziehbar ist sie allenfalls dann, wenn er das o.g. Risiko unterschätzt hat…
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
10.06.2026, 08:06 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.06.2026, 08:15 von Notalp.)
(06.06.2026, 15:35)Sandmann schrieb: Im Artikel war die Rede von einer bipolaren Störung. Da sollte man es mit dem exegetischen Ehrgeiz vielleicht nicht übertreiben.
Du darfst getrost sein, lieber Sandmann, dass mir die Psychologie nicht ganz fremd ist. An der Auffassung, dass die fulminante Zielsetzung des Athleten als geradezu prädestinierte Eintrittskarte in die Welt prekärer Stimmungsschwankungen angesehen werden kann, halte ich fest.
Entscheidend für meine Betrachtung war, dass der Athlet sie mit dem Label ‘lebensphilosophisch’ versehen hat. Und genau so habe ich sie unter die Lupe genommen und mit einer kritischen Bewertung versehen. * Und zwar im Rückgriff auf eine klassische Ethik, die mit der Frage nach dem Glück immer auf das Gelingen des Lebens abzielte.
Also jederzeit wieder! Gleichzeitig würde ich mich jedoch einer personalen Zuschreibung enthalten und das Ganze als reines Gedankenexperiment präsentieren!
*Die Bewertung eines Trainers, der die 80m Zielsetzung unter rein sportlichen Gesichtspunkten als durchaus realistisch einschätzte, spricht für mich nicht dafür, dass es sich um eine Handlungsorientierung handelte, die aus einer ‘Stimmungslage’ geboren war.
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
Das Komitee hat den Olymp in die Liste des kulturellen Welterbes aufgenommen und ehrt damit auch den griechischen Mythos in seiner Bedeutung für den Sport.
Vom Logos ist der Mythos lang nicht so weit entfernt, wie manche glauben!
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
30.07.2026, 09:04 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.07.2026, 09:05 von Notalp.)
...Es sei denn natürlich, man vertritt das im 19. Jahrhundert von Auguste Comte propagierte Drei-Stadien-Gesetz der Geistesentwicklung der Menschheit. Dort gehört der Mythos in die Kindheitsgeschichte, an die sich die ‘pubertäre’ Metaphysik als Weltdeutung anschließt, um letztlich vom Erwachsensein abgelöst zu werden. Dort also, wo die Wissenschaft nicht nur die Welt erklärt (wobei man sich nicht selten immer noch im Kampf gegen Mythen wähnt), sondern im Zuge des Positivismus das Maß aller sinnvollen Fragen darstellt. Dieses Modell ist zwar alles andere als plausibel, beeinflusst aber dennoch mit seiner simplen Erklärung bis heute nicht nur den Common Sense, sondern auch viele unbedarfte Wissenschaftler - und auch szientistisch gestimmte Philosophen. Alles Leute, die sich im 21. Jahrhundert wähnen, aber im 19. Jahrhundert ( vielleicht sogar bereits in einer bestimmten Formation antiken Denkens) stecken geblieben sind.
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
Was anderes: Friedrich Nietzsche wusste zwar nichts von “sozialen” Medien und den Kommentarspalten großer Zeitungsblätter. Dennoch bleibt sein Satz auch für Athleten zu bedenken:
“Und wenn du lange in den Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein!"
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
Wenn Sie sportliche Ambitionen haben: Machen Sie die umfassendendste Leistungsdiagnostik, die derzeit möglich ist und lassen Sie sich, nachdem Sie die letzten Trainingsjahre (und Wettkampfergebnisse) akribisch dokumentiert haben, danach einen KI-gesteuerten Trainingsplan erstellen: der gleichzeitig auf eine KI-gestützte ‘Trainingssteuerung’ hinausläuft.
Preisfrage im Verweis auf dieses Gedankenexperiment: Ist die Künstliche Intelligenz intelligent genug, um mehr zu bieten als eine “sportwissenschaftliche” (als objektivistisch verfahrende) Programmatik - also intelligent genug, um ein individuiertes und von jener Hermeneutik getragenes Training zu bieten, das in dem Statement von Werros Trainerin beispielhaft zum Ausdruck kam? Um es philosophisch auszudrücken: Ist die KI intelligent genug, um Athleten überhaupt als Subjekte zu erfassen?
Die Antwort kann meiner Ansicht nach nur negativ ausfallen. Denn einer Maschine fehlt der Erfahrungshorizont eines Ich-Subjekts, das diesen Horizont nur als biologisches Wesen erwerben kann. Und daher auch nicht nur über einen Körper verfügt, sondern gleichzeitig auch über eine Innendimension leiblicher (Selbst-) Erfahrung. Eine Maschine kann das entsprechende Wissen weder haben noch verstehend nachvollziehen. Jede Programmierung ist deshalb eine Simulation und die Rede von einem unterstützenden Wachstum falsch - selbst wenn Neurowissenschaftler geneigt sind, zu widersprechen.
Mit dieser Erinnerung an das Zitat von Waldenfels über den Hintergrund menschlichen Handelns verabschiede ich mich - vielleicht bis zum nächsten Jahr.
"Nicht jeder Forscher forscht unentwegt, wie es der Forschende eigentlich tun müsste."
Die künstliche Idiotie kann nur das aus dem Netz herausklau(b)en, was drin ist.
Was also von den natürlichen Idioten reingekippt worden ist.
Beispiel Leichtathletik: Unmengen von hochqualifizierter Forschung,
um den Begriff Wissen zu vermeiden, bewegt sich ausserhalb der Klaufänge des Netzes.
Dumm gelaufen für die KI!
(19.09.2026, 16:16)Brettermeier schrieb: Die künstliche Idiotie kann nur das aus dem Netz herausklau(b)en, was drin ist.
Was also von den natürlichen Idioten reingekippt worden ist.
Beispiel Leichtathletik: Unmengen von hochqualifizierter Forschung,
um den Begriff Wissen zu vermeiden, bewegt sich ausserhalb der Klaufänge des Netzes.
Dumm gelaufen für die KI!
das trifft nur teilweise zu, denn das zugängliche Wissen wächst rasant. Dass uneingeschränkter Zugang zu Informationen nicht automatisch vor Fehlinterpretation und Mangelwissen schützt, sieht man am Menschen selbst: Trotz fundierter naturwissenschaftlicher Erkenntnisse glauben manche weiterhin an Verschwörungsmythen. Kognitive Verzerrungen sind also keineswegs ein reines KI-Problem. Und bei der Ki Entwicklung wird auch dieser Fehler der aus falschen Wahrheiten auch wenn sie Massenhaft sind immer mehr berücksichtig in den Basisstrukturen.
In naher Zukunft wird die KI den Standardtrainer weitestgehend ersetzen können. Zwar bleiben Spitzentrainer der KI vorerst überlegen, doch dieser Vorsprung schmilzt. Der Grund liegt in der begrenzten kognitiven Aufnahmekapazität des Menschen. Sich darauf zu verlassen, dass menschliche Intuition bei komplexen Datenmengen langfristig bessere Ergebnisse liefert als eine systematische Analyse, ist ein Trugschluss. In fünf plus X Jahren werden auch die besten Experten KI-Systeme nutzen, um eigene Trainingskonzepte zu simulieren und zu validieren. Was danach kommt, werden wir sehen – das hängt auch davon ab, wie viel Geld man in solche Systeme investiert.
Die derzeit größte Schwachstelle der KI liegt in der Erfassung psychischer Faktoren. Während eine KI heute noch auf strukturierte Abfragen angewiesen ist, erfasst ein erfahrener Trainer den Zustand eines Athleten in Sekundenbruchteilen über wenige Worte und die Körpersprache. Doch auch diese Lücke schließt sich: Moderne Computer Vision erkennt biomechanische Mikrostörungen früher als das menschliche Auge, und fortschrittliche Stimmanalysen bestimmen den emotionalen Zustand bereits erstaunlich präzise.
Ich halte es für vermessen zu glauben, dass wir Menschen immer noch besser sind. Das sind wir nicht – vor allem dann nicht, wenn wir als Trainer nur Standard- beziehungsweise Massentraining anbieten, anstatt wie im Spitzensport individuell zu steuern. Im Schach sind wir längst geschlagen, und selbst bei komplexeren Spielen haben wir kaum noch eine Chance.
Für mich ist letztlich entscheidend: Geht es im Sport rein um Leistungsoptimierung oder ist der menschliche Kontakt genauso wichtig? Und wie schlecht darf ein Trainer sein, bevor man schon heute eine KI nutzt, die die bessere Trainingssteuerung liefert? Natürlich wird es für eine KI in hochtechnischen Disziplinen etwas schwerer sein als in Sportarten, die primär über den Stoffwechsel dominiert werden.