30.07.2014, 10:37
Es gibt bei Leichtathletikfreunden immer wieder Missverständnisse, was die Endspurtfähigkeiten und die Voraussetzungen dafür angeht.
Um im Endspurt erfolgreich zu sein, sind viele Faktoren notwendig:
1. Nah genug an der Spitze sein. Deswegen hat Usain Bolt im 5000m Rennen keine Chance gegen Farah - er wäre nicht nah genug an der Spitze. Um mithalten zu können, wird genügend spezifische Ausdauer für die Strecke benötigt.
2. Zum Zeitpunkt des Spurts noch genügend Reserven haben, um möglichst viel von der eigenen Spurtfähigkeit einsetzen zu können. Das ist der Punkt, der gerne unterschätzt wird. Gabius und Ringer sind beide eine 53er Schlussrunde gelaufen in Ulm. Um in der absoluten Weltspitze mithalten zu können, müssten sie das aber in einem Rennen können, das in einer Zeit von <= 13'15 zu Ende geht. Dafür brauchen sie wieder extrem gute spezifische Ausdauer.
Wenn die vorhanden ist, können Langstreckler die letzte Runde sehr nahe an ihrer 400m Bestzeit laufen - um so näher, je mehr vorher gebummelt wurde.
Benitz hat wahrscheinlich den deutlich schnelleren Spurt als Gabius - er könnte ihn sogar in einem 5000m Rennen schlagen, wenn die ersten 11,5 Runden in 3'/km gelaufen werden. Wenn das aber in 2'40/k läuft, ist Benitz zu kaputt, um noch schnell genug spurten zu können.
3. Eine hohe Maximalgeschwindigkeit nützt wenig, wenn 1 und 2 nicht erfüllt sind. Dazu kommt auch noch, dass es mehr und weniger explosive Typen gibt. Schlangen, Gabius oder Tesfaye sind eher Läufer für den langen Spurt. Ein Baumann früher oder heute ein Benitz oder auch Maren Kock für den kurzen Spurt. Einige Weltklasseläufer konnten oder können beides, z. B. Bekele zu seinen besten Zeiten auf der Bahn, Farah würde ich auch dazu rechnen.
Bekele hatte als einer der ersten die extrem schnellen 4 letzten Runden in Perfektion demonstriert, glaube es war über 5000 in Peking? Mittelerweile gab es einige Rennen mit letzten 1600m um 4 min. Ähnlich nur auf geringerem Niveau wollte Gabius in Ulm laufen, hat sich aber dann nicht getraut. Damit wollte er Ringer den Zahn ziehen, das hätte vielleicht auch funktioniert.
Man kann nicht einfach irgendwelche Unterdistanzzeiten nehmen und anhand derer auf die Spurtfähigkeiten in einem Mittel oder Langstreckenrennen schließen. Gabius hat glaube 3'41 über 1500 stehen. Aber er würde Benitz wohl auf den letzten 4 Runden einen 5000ers stehen lassen, weil er da viel näher an seine 1500m PB ranlaufen kann.
Die Explosivität kann man nur bedingt trainieren ... da werden die Sujews nie an eine Kock rankommen. Aber sie hätten über 1500 bei der DM eben mindestens die vorletzte Runde deutlich schneller laufen müssen, um ihr die Tour zu vermasseln.
Die 800 sind nochmal ein Sonderfall. Wenn die erste Runde nicht extrem langsam gelaufen wird, geht es darum, wer am wenigsten langsamer wird. Da es momentan einige sehr gute Läufer gibt, die gerne von vorne laufen (Rudisha), sind klassische langsame Spurtrennen seltener geworden.
Der 400/800 Typ ist meist der, der entweder eine sehr schnelle oder eine sehr langsame erste Runde braucht. Im schnitt hat dieser Typ bei PB Rennen den größeren Unterschied zwischen Runde 1 und 2.
Man unterschätzt aber gerne die Ausdauer von solchen Läufern auf dem Top Niveau. Leute wie Rudisha oder Amos sind trotz 45er Zeiten über 400 relativ ausdauernd.
Das ist ja das schöne an Herings Entwicklung: Das Rennen bei der DM hat gezeigt, dass zu der guten 400m Fähigkeit eine große Verbesserung der spezifischen 800m Ausdauer statt gefunden hat.
Gruß
C
Um im Endspurt erfolgreich zu sein, sind viele Faktoren notwendig:
1. Nah genug an der Spitze sein. Deswegen hat Usain Bolt im 5000m Rennen keine Chance gegen Farah - er wäre nicht nah genug an der Spitze. Um mithalten zu können, wird genügend spezifische Ausdauer für die Strecke benötigt.
2. Zum Zeitpunkt des Spurts noch genügend Reserven haben, um möglichst viel von der eigenen Spurtfähigkeit einsetzen zu können. Das ist der Punkt, der gerne unterschätzt wird. Gabius und Ringer sind beide eine 53er Schlussrunde gelaufen in Ulm. Um in der absoluten Weltspitze mithalten zu können, müssten sie das aber in einem Rennen können, das in einer Zeit von <= 13'15 zu Ende geht. Dafür brauchen sie wieder extrem gute spezifische Ausdauer.
Wenn die vorhanden ist, können Langstreckler die letzte Runde sehr nahe an ihrer 400m Bestzeit laufen - um so näher, je mehr vorher gebummelt wurde.
Benitz hat wahrscheinlich den deutlich schnelleren Spurt als Gabius - er könnte ihn sogar in einem 5000m Rennen schlagen, wenn die ersten 11,5 Runden in 3'/km gelaufen werden. Wenn das aber in 2'40/k läuft, ist Benitz zu kaputt, um noch schnell genug spurten zu können.
3. Eine hohe Maximalgeschwindigkeit nützt wenig, wenn 1 und 2 nicht erfüllt sind. Dazu kommt auch noch, dass es mehr und weniger explosive Typen gibt. Schlangen, Gabius oder Tesfaye sind eher Läufer für den langen Spurt. Ein Baumann früher oder heute ein Benitz oder auch Maren Kock für den kurzen Spurt. Einige Weltklasseläufer konnten oder können beides, z. B. Bekele zu seinen besten Zeiten auf der Bahn, Farah würde ich auch dazu rechnen.
Bekele hatte als einer der ersten die extrem schnellen 4 letzten Runden in Perfektion demonstriert, glaube es war über 5000 in Peking? Mittelerweile gab es einige Rennen mit letzten 1600m um 4 min. Ähnlich nur auf geringerem Niveau wollte Gabius in Ulm laufen, hat sich aber dann nicht getraut. Damit wollte er Ringer den Zahn ziehen, das hätte vielleicht auch funktioniert.
Man kann nicht einfach irgendwelche Unterdistanzzeiten nehmen und anhand derer auf die Spurtfähigkeiten in einem Mittel oder Langstreckenrennen schließen. Gabius hat glaube 3'41 über 1500 stehen. Aber er würde Benitz wohl auf den letzten 4 Runden einen 5000ers stehen lassen, weil er da viel näher an seine 1500m PB ranlaufen kann.
Die Explosivität kann man nur bedingt trainieren ... da werden die Sujews nie an eine Kock rankommen. Aber sie hätten über 1500 bei der DM eben mindestens die vorletzte Runde deutlich schneller laufen müssen, um ihr die Tour zu vermasseln.
Die 800 sind nochmal ein Sonderfall. Wenn die erste Runde nicht extrem langsam gelaufen wird, geht es darum, wer am wenigsten langsamer wird. Da es momentan einige sehr gute Läufer gibt, die gerne von vorne laufen (Rudisha), sind klassische langsame Spurtrennen seltener geworden.
Der 400/800 Typ ist meist der, der entweder eine sehr schnelle oder eine sehr langsame erste Runde braucht. Im schnitt hat dieser Typ bei PB Rennen den größeren Unterschied zwischen Runde 1 und 2.
Man unterschätzt aber gerne die Ausdauer von solchen Läufern auf dem Top Niveau. Leute wie Rudisha oder Amos sind trotz 45er Zeiten über 400 relativ ausdauernd.
Das ist ja das schöne an Herings Entwicklung: Das Rennen bei der DM hat gezeigt, dass zu der guten 400m Fähigkeit eine große Verbesserung der spezifischen 800m Ausdauer statt gefunden hat.
Gruß
C

