(08.09.2026, 16:12)mariusfast schrieb: [...] Genauso bei den Ärzten. Es ist halt für das Volk unglaubwürdig, wenn bei Lanz gesagt wird, dass der Fachkräftemangel ausschließlich durch ausländische Ärzte gelöst werden muss, aber die Bevölkerung weiß, dass der NC hier bei 0,9 steht und die eigenen Kinder keinen Platz bekommen und von Deutschland nicht ausgebildet werden. Die Menschen müssen wieder mitgenommen werden, dann sind auch wieder toleranter für Migration. [...]
Der Ärztemangel ist tatsächlich kein so einfaches Problem...
Das Medizinstudium kostet die Universität etwa 25.000 EUR pro Student und Jahr. Physik liegt bei etwa 13.500 EUR, Jura bei etwa 5000 EUR. (sagt die KI, klingt nachvollziehbar). Medizin ist für die Bundesländer also eine relativ teure Angelegenheit.
Auch aus meinem "Connections" in die Medizin hört man, dass immer mehr Mediziner Wert auf geregelte oder reduzierte Arbeitszeiten legen. Also kein Knochenjob
im Klinikum mit Nachtdienst, langen Schichten, etc. . Auch vielleicht lieber geregelte Arbeitszeiten als angestellter Arzt z.B. in einem MVZ oder einer Gemeinschaftspraxis, als eine eigene Praxis. Jeder ausgebildete Medizinstudent füllt damit prozentual weniger Arbeitszeit aus als es in der Vergangenheit der Fall war.Die Bevölkerung altert, also wird mehr und mehr medizinische Betreuung erforderlich sein. (Das kenne ich aus der Verwandtschaft, wo man Besuche nach deren Arztterminen abstimmen muss...).
Wir bräuchten also insgesamt mehr Mediziner, weil mehr Bedarf und weniger Angebot.
Was also tun?
- Niedrigerer NC (gültig für etwa 30% der Bewerber), bedeutet dass mehr Studienplätze erforderlich sind, bedeutet höhere Kosten für das Bundesland, mehr Leichen zum Sezieren müssen gespendet werden, ... Woher kommt das Geld, woran wird gespart (wer protestiert dann dagegen) oder sollen doch lieber Steuern erhöht werden? Wer soll mehr bezahlen? Quer durch die Bevölkerung, weil ja alle davon profitieren? Für den Einzelnen ändert sich aber eigentlich nichts, die medizinische Versorgung wird dadurch nicht besser, weil einfach der Mangel ausgeglichen werden muss. Dauert einige Jahre bis die zusätzlichen Mediziner im Arbeitsmarkt angekommen sind.
- Studiengebühren für Medizin, damit die frischgebackenen Mediziner mit Schulden ins Berufsleben starten (wie z.B. in den USA) und sich gar nicht leisten können nur halbtags zu arbeiten. Unser Universitätssystem beruht auf kostenloser Bildung. Wenn nun die Mediziner Studiengebühren bezahlen, warum nicht auch die Physiker? Die Juristen brauchen vielleicht nichts bezahlen, deren Ausbildung ist ja günstig. Aber als Jurist verdient man nicht schlecht, wäre das nicht ungerecht? Was ist gerecht? Die gleichen Studiengebühren für alle oder anhand der Kosten die der Student verursacht? Oder anhand eines fiktiven zu erreichenden Durchschnittslohns? Wenn alle Studiengebühren bezahlen muss das Geld wieder reinkommen. Also muss der Beruf mehr Geld "abwerfen". Die Löhne für Akademiker werden steigen, weil der Druck, mehr zu verdienen zunimmt. Das Geld müssen die Firmen wieder reinholen, damit steigen tendenziell die Kosten für Produkte oder Stellen werden ins Ausland verlagert. Auch hier dauert es einige Jahre bis die Mediziner im Arbeitsmarkt angekommen sind.
- Man zwingt Mediziner mit verpflichtenden Diensten z.B. in Kliniken zur Bereitstellung ihrer vollständigen Arbeitskraft für einen bestimmte Zeitraum. Kann man das wirklich machen? Kombiniert man das mit Studiengebühren und nur wenn man sich zur Vollzeit-Arbeit verpflichtet werden die Studiengebühren erlassen? Dafür geht das schnell, es sei denn, man macht das erst verpflichtend für Studienanfänger, damit man sich vorher noch überlegen kann ob man unter den Bedingungen Medizin studieren möchte, oder nicht.
- Man stellt ausgebildete Mediziner aus dem Ausland ein, wo der Heimatstaat für die Ausbildungskosten aufgekommen ist. Aber ist das fair dem Heimatstaat gegenüber, wo vielleicht auch Mediziner gebraucht werden? Und der Heimatstaat hat vielleicht auch in das Studium investiert und bekommt nichts in Form von gezahlten Steuern zurück? Gibt es eine Sprachbarriere zum Patienten? Aber es kostet den Steuerzahler nichts zusätzlich für die Ausbildung, die zusätzlichen Ärzte sind sofort verfügbar und damit ist das Problem schnell und kostengünstig gelöst...
Das ist also alles ziemlich komplex und gar nicht so einfach zu lösen. Und bei jeder Entscheidung wird es jemanden geben, der meckert weil es immer Vorteile für manche und Nachteile für andere gibt. Und das ist nicht die einzige der Problemstellungen, mit der sich die Politik beschäftigen muß...
[Edit: Ach ja, bitte gerne korrigieren falls ich etwas falsch sehen sollte.]

