Vor 8 Stunden
(Vor 8 Stunden)Diak schrieb:(Vor 9 Stunden)CoachnEngineer schrieb:(Vor 9 Stunden)Befürworter schrieb: Zur U18-EM-Diskussion über Svea Funcks Potenzial ist Beitrag 41 diesbezüglich nicht verkehrt, dass die körperliche Entwicklung von Frauen früher stattfindet als bei Männern. Das sagt aber meines Erachtens nicht das Geringste über noch mögliche Leistungsentwicklungen aus. Dazu muss man nur mal schauen, dass diese Saison schon fast alle deutschen Top-Siebenkämpferinnen neue Persönliche Siebenkampf-Bestleistungen aufgestellt haben: Weißenberg (28 Jahre alt und aus einer schweren Verletzung zurückgekehrt), Grimm (29), Ehlers (19), Kaul (20) und Dehning (23)! Sandrina Sprengel war nicht weit weg und hat noch den Saisonhöhepunkt vor sich. Nur Serina Riedel war irgendwie angeschlagen, hat aber den größten Sprung mit 22 Jahren gemacht und dieses Jahr immer noch in einigen Disziplinen neue Bestleistungen aufgestellt.
Das sollten genug Beispiele sein, um einer seit heute 17jährigen noch deutliche Steigerungen zuzutrauen. Wenn ich alleine die immense Höhe von Funck beim Hochsprung sehe, dürften dort mit etwas ausgereifterer Technik noch ganz andere Höhen drin sein.
Und erstmal Weitsprung. Mit ihren derzeitigen Zubringerwerten sollte man bereits deutlich >6m springen können. Aber das ist ja aktuell ein grundsätzlich deutsches Problem im Siebenkampf.
Das Entwicklungsloch, das sehr viele Athletinnen gegen Ende der Pubertät erleiden, hat sehr viel mit der prognostischen Qualität früher Leistungsausprägungen zu tun. Ich zeige dazu auf Aus- und Fortbildungen und in Vorträgen immer schrittweise eine Grafik, die die Weitsprungleistung von untrainierten zeigt. Bis zum Alter von 14 entwickeln sich Jungen und Mädchen linear und parallel (was auch heißt: Leistungsentwicklung in dem Alter ist kein Hinweis auf gutes Training oder Talent, sondern schlicht Biologie). Ab dann verläuft die Mädchenkurve mit leichten Schwankungen parallel zur X-Achse, die der Jungen verläuft nicht ganz so steil wie bis dato, aber weiterhin ziemlich linear weiter.
Das ist für die Frage deswegen relevant, weil:
- leider nur sehr wenige früh erfolgreiche Mädchen darauf vorbereitet werden, dass Stagnationen und Leistungseinbrüche in der U18 und U20 auch bei sehr gutem Training häufig und erwartbar sind (und deswegen frustriert aufgeben)
- die pubertätsbedingten Körperschwerpunktverschiebungen biomechanisch limitieren
- die notwendige Gewichtszunahme nicht immer erfolgreich begleitet, ggf. gesteuert und gesund limitiert wird (woraus Krankheiten und Verletzungen resultieren können, die eine spätere Entwickung verhindern)
- (zu) früh gesetzte intensive Trainingsreize die spätere Entwicklung limitieren, das betrifft Jungen weniger, weil das Testosteron einfach so sehr hilft. Talentierte Jungs können den größten Mist trainieren und werden besser. Talentierte Mädchen können fast alles richtig machen und sich ggf. trotzdem über Jahre nicht oder kaum entwickeln. Das ist ziemlich gemein (und zeigt mal wieder einen hübschen Gender-Gap, denn natürlich verlangen sowohl Kadernormen als auch z.B. Abituranforderungen eine sehr ähnliche Leistungsentwicklung von Jungen wie Mädchen)
Nichts davon heißt, dass spätere Bestleistungen nicht möglich wären, das wäre ja das Ende des Frauenleistunssports. Sie brauchen aber oft länger und sind zwischendurch ggf von größeren Rückschlägen begleitet. Deswegen ist so immens wichtig, dass Jugendleistungen als nette Zwischenergebnisse gesehen (und Erfolge fröhlich mitgenommen werden) und immer wieder deutlich gemacht wird: Leistungssport heißt über viele Jahre intensiv und umfangreich darauf hinzuarbeiten, im individuellen Höchstleistungsalter die beste Leistungsausprägung zu entwickeln - und das liegt disziplinabhängig irgendwo zwischen 25 und 30 - da kommen aber sehr viele sportlich nie an.
Ob Svea morgen 5.800 oder 6.100 macht, sagt über ihr Potenzial wenig aus. Dass sie erneut zum Höhepunkt sehr gut performt schon, es zeigt eine große mentale Stärke und ein klug handelndes Umfeld. So erlebe ich Svea und ihre Eltern, hier wird ganz offensichtlich sehr gute Arbeit gemacht und die Perspektive ist sehr gut.
Alles richtig!
ich habe das auch nicht so kritisch gemeint, wie es vll auch gelesen werden könnte. Nein, ich wollte nur aufzeigen, welche Potentiale noch zu erschliessen sind, weil die Voraussetzungen dafür offensichtlich schon da sind.
Einzig der Verweis auf den Weitsprung im dt. Siebenkampf allgemein war kritisch gemeint, weil ich das Gefühl habe, dass man hier technisch/methodisch möglicherweise nicht optimal unterwegs ist. Früher sind viele mittelmäßige Siebenkämpferinnen sicher über 6m gesprungen, heute schaffen das unsere Spitzenathletinnen (Grimm, Sprengel etc) gerade mal so eben mehr oder weniger stabil. Und die Technikbilder zeigen eben auch warum.

