01.07.2026, 11:20
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.07.2026, 11:21 von Reichtathletik.)
(01.07.2026, 09:14)Notalp schrieb: Am Anfang ging es hier um aerobes und anaerobes Training im kurzen Mittelstreckenbereich. Und zwar im Hinblick auf ein rel. neues sportwiss. “Paradigma”: den Blick aufs Mitochondrium. Ein Missverständnis wurde aufgelöst, eine sinnvolle Abfolge im Training präsentiert (die weitgehend das bestätigte, was man im Saisonaufbau immer schon praktizierte), gefolgt vom Plädoyer für Individualisierung des Trainings - um dann dort zu landen, wo man bei 800m in diesem Forum immer landet, nämlich bei der Influencerprominenz: diesmal konzentriert auf das ethisch-prekäre Leerräumen des Apothekenregals - denn das Training ist die Hölle und das Bicarbonat das Elixier der Milchsäure-Überfluteten.
Deshalb noch ein Wort zum Lifestyle: Im Influencer-Gewerbe geht es nie um etwas anderes! Um jetzt einmal nen ungebührlichen Überschuss von Ironie ins Spiel zu bringen: Wenn einem Follower-freundlichen Nachwuchs klar wird, wo das wahre Faszinosum der 800m und die Schönheit vernunftorientierten Handelns wohnt, hat die Leichtathletik mit der Ansammlung solcher Banalitäten sicher einen gewaltigen Zugewinn erzielt!
Die Frage ist doch ob ich quantitativen oder qualitativen Zuwachs – oder beides gewinne. Zur Verteidigung des Diskussionsstrang muss man sagen, dass der Thread losgelöst wurde. Das Gespräch über aerobes und anaerobes Training kam also quasi auch bereits aus der Influencer-Ecke hier

Die Frage die ich mir eher stelle ist, warum schaffen es DLV-(Akademie), DLV-Leistungssport, Landesverbände, Trainer, etc. nicht sinnvoll zu influencen. Es gibt ja durchaus eine Szene des Science Slam (darunter auch Sportwissenschaftler wie Oliver Quittmann). Und es gibt eine Vielzahl an Jugendsportlern die sich massiv für Training interessieren – weit mehr als das früher der Fall war. Oft stoßen sie aber auf ungefilterte teils blödsinnige Dinge im Netz. Vielleicht sollten unsere Spitzentrainer und die Verbände, ggf auch Athleten/Vereine viel mehr Zeit darin investieren, gutes Training nahbar zu erklären und zu vermitteln. Immer wieder beklagen sich ja Spitzentrainer, dass der Nachwuchs nicht gut genug ausgebildet ist. Vielleicht wäre es Zeit, dann man mehr zu kommunizieren, statt noch immer das eigene Tun als Geheimwissen zu bewahren und sich dann zu wundern, dass es keiner vorbereitet in der Jugend.
Und damit kämen wir dann auch zurück zu alica und 400/800. Das ist eine unfassbar spannende Story und ein spannendes, Ergebnisoffenes Projekt. Das wäre eine großartige Chance gewesen, von anfang an mit trainingswissenschaftlicher Begleitung in eine immense Reichweite begleitet zu werden. Da wäre Aufmerksamkeit für Leichtathletik über das reine Fotos machen hinaus möglich gewesen, die Verbindung zu einer Fachdiskussion und die Chance zahlreiche ggf besser geeignete Kandidaten zu finden. Wie wir bereits haben anklingen lassen, gab es gar nciht so viele gute Umstieg-Versuche in Deutschland. In meinen Augen liegt es auch daran, dass wir nicht systematisch gute Kandidaten dafür sichten.
Ceterum censeo limites numeri certantium in certaminibus Germaniae esse delendos.

