(23.06.2026, 07:33)Reichtathletik schrieb: Ich will mal einen anderen Denkanstoß geben. Vielleicht ist für den Umstieg von 400m auf 800m gar nicht so entscheidend, was in den "800-Meter"-Jahren gemacht wird, sondern was in den 10 Jahren zuvor gemacht wurde. Im Lauf wird immer so getan, als sei ein Quereinstieg gar kein Problem, weil das ja alles so leicht sei. Wer würde denn einem Weitspringer, der vorher keinen Dreisprung gemacht hat und keine Mehrfachsprünge beherscht einen reibungslosen Übergang zum Dreisprung zutrauen?
Rund um den starken 600er damals gab es ein Video von ihr selbst gepostet wo sie klar zum Ausruck gab wie k.O. sie nach einer halben Stunde Dauerlauf war. Sprich Ausdauer hat zuvor nie eine Rolle gespielt. Ich treffe auch immer wieder Jugendtrainer die der Meinung sind, Ausdauertraining mache langsam und müsse deshalb aktiv vermieden werden.
Jetzt vergleich mal zu Femke Bol: Die hat als 400-Meter-Läuferin bereits zwei aerobe Einheiten pro Woche absolviert. Natürlich ist dann ein Umstieg ganz anders möglich.
Daraus ergibt sich zwei Dinge:
1. Mit welchem Training kam eine 400-Meter-Leistung zustande? Hier ist eben nicht die Schlussfolgerung "Oh geil, bisher kaum 800-Meter-Training also super Potenzial" richtig sondern eher wichtig: Ah, ja, kann direkt Adaptionsrelevante Einheiten ohne Stress absolvieren.
2. Wir müssen im Jugend-Training der Langstrecke bereits Voraussetzungstraining für einen Disziplinwechsel integrieren – zumindest bei allen die entweder bei den so gehassten Kadertests schonmal ein gutes aerobes Niveau andeuten von Natur aus und denen die über 100-Meter obwohl 400-Meter-Sprinter nicht konkurrenzfähig sind. Diese Potentiale werden aber ständig verbaut. Das ist genauso wie wenn man im Schüleralter nie Hürde läuft, dann werden auch die 400 Meter Hürden nie eine Option sein.
Das geht in viele Köpfe nicht hinein. Solche Dinge kann man meistens nicht flächendeckend bei großen Institutionen "einhämmern". Das werden immer wieder oft "einsame" Wege bleiben, es sei denn, dass z.B. Cheftrainer auf Landesebene oder Disziplinen (wie in den Niederlanden) solche Inhalte über lange Zeiträume in die Peripherie bringen. Tobi Rüttgers war da zunächst ein singulärer Rufer in der Wüste. Er dringt aber mit seiner Philosophie, die hinsichtlich Chemie begründet ist, allmählich durch.
Das Schlimme ist aber, dass man mit neuen Inhalten immer zunächst gegen Wände rennt. Ich habe mit meiner Verletzungsprophylaxe auch zunächst gemeint, viele TuT im DLV überzeugen zu können. Ich diskutiere heute in vorgerücktem Alter kaum noch darüber. Ich schaue bei der Fehlerquote heute ruhig zu - vornehmlich zum eigenen gesundheitlichen Schutz. Ich habe auch beim Mehrkampf eine völlig andere Einstellung als der DLV-Mainstream. Ich habe nie im Team vor Ort die Zwischenstationen gefeiert, sondern die Langfristigkeit von Sabine bei nicht gerade optimalen Bedingungen nach Übernahme der Athletin.
Wer hätte gedacht, dass Femke Bol so überragend einsteigt? Ihr Trainer kennt das Energiesystem eben aus den FF!!!
Gertrud

