10.08.2024, 13:23
(10.08.2024, 12:39)Sinafan schrieb: Die Naivität einiger User hier ist rührend.
Die Afghanin setzt sich für den Umsturz eines Terroregimes ein. Der Einsatz für Menschenrechte ist gleichermaßen politisch wie selbstverständlich. Natürlich sind viele NOK korrupte Anhängsel von kriminellen Regimen, die sich nicht gerne als solche bezeichnen lassen. Deshalb sind Selbstverständlichkeiten verboten.
Religion ist wiederum selten privat. Oftmals gibt es Organisationen dahinter. Diese Organisationen versuchen ihre moralischen und politischen Überzeugungen durchzusetzen, obwohl diese keine rationale Basis haben. Das führt zu den repressiven Systemen der islamischen Länder, aber auch zum bedrohlichen Missionarstum der Evangelikalen, die mit Trump oder Bolsonaro an der Demokratie sägen oder Todesstrafen für Schwule in Afrika durchzusetzen versuchen.
Auch unsere Olympiasiegerin gehört übrigens einer evangelikalen Pfingstkirche an.
Dass hinter Religionen nicht selten Organisationen stehen, ist klar. Aber was heißt das schon? Rechtfertigt das eine generelle Aussage über Offenbarungsreligionen? Außerdem: hinter ehrenwerten politischen Kundgebungen stehen bisweilen auch sehr fragwürdige Organisationen. Natürlich kann man behaupten, dass ein völlig neutrales Bibelzitat, von einer Evangelikalen geäußert, seinen neutralen Charakter verliert und deshalb nicht in gleicher Weise zu rechtfertigen ist wie die im Raum stehende politische Äußerung. Aber das ändert nichts daran, dass es unstatthaft wäre, zu behaupten, dass die Gläubige die von Dir angeführten politischen Auffassungen teilt.
Es gibt keinen Vorrang des Politischen in der Frage: Botschaft ja oder nein! Die Auffassung, dass das Eine öffentlich und das Andere eher privat ist, ist ebenfalls kein Rechtfertigungsgrund. Es sei denn, man macht die OS zur Bühne für Politik - weil die OS sehr öffentlich sind. In dem Fall würde man sich in Bezug auf die Konsequenzen sehr wundern…
Alle Beteiligten, die Zuschauer nicht weniger als die Aktiven, nehmen Teil an der Zelebration des Ungewissen ...
(Martin Seel)