Zitat:Schon allein ein wenig googeln hift, sich zu informieren. Ob aber ein Laie in der Lage ist, dann die richtige Diagnose (nur nach Sicht) zu stellen, das bezweifle ich. Wie sieht es denn eigentlich mit der Versicherungsfrage aus, wenn Folgeschäden eintreten ?
Heinz Engels, Mainz
Übrigens genau das ist der Punkt, auf den ich immer wieder zusteuere und wo ich die meisten Defizite bei Leichtathletiktrainern sehe. Genau diesen Versicherungsfragen sehe ich sehr gelassen entgegen, weil ich sehr akribisch an der Schnittstelle Theorie und Praxis arbeite. Ich will Athletinnen und Athleten verantwortungsbewusst trainieren und möglichst unverletzt über die Runden bringen. Mittlerweile fragen mich permanent vier Athletinnen unserer früheren Nationalmannschaft nach gesunden Übungen für ihre Wehwehchen.
Der Unterbau stimmt aus meiner Sicht in den wenigsten Fällen. Ich habe letztens ein Bild eines deutschen Protagonisten aus dem Leichtathletikbereich katalogisiert, wo der Gewichthebertrainer danebensteht und nur die gewichtheberische Technik korrigiert, aber die Dysbalancen absolut nicht sieht und auch nicht korrigiert. Da stelle ich mir dann doch die Frage nach der Qualität eines derartigen Trainings. Ich kann nur immer wieder das Beispiel anführen, als mich ein Trainer aus einem bestimmten Bereich Deutschlands nach den Werten von Sabine im Reißen und in der beidbeinigen Kniebeuge gefragt hat und ich antwortete, dass sie diese Übungen nicht durchführe. Ihm fiel fast die Kinnlade hinunter. Er hat mich sehr ungläubig angeschaut. Sabine hätte mit dem Gleitwirbel, mit dem sie zu uns gekommen ist, nicht lange leichtathletisch bei traditionellen Gewichtheberübungen überlebt. Sie war aufgrund bestimmter Einflussnahmen in speziellen Körperregionen enorm stark, die wir als Dreh- und Angelpunkt angesehen haben. In der Hinsicht haben Ärzte, Physiotherapeutin und Trainer an einem Strang gezogen. Wir waren uns unserer Sache absolut sicher!!! Auch ihre sehr schlanke Figur mit teilweise enormen Kraftwerten war durch Trainingskonsequenz und Übungssteuerung initiiert und so gewollt. Diese Spezialwerte hätte man durch gewichtheberische Übungen niemals erreicht. Es wären durch Hypertrophie an den falschen Stellen Dysbalancen entstanden. Das heißt, sie hätte bestimmte Leistungen aufgrund von in der Leichtathletik gebrauchten starken Partien nicht abrufen können, weil sie einfach nicht geschult worden wären. Sie war keine Gewichtheberin!!! Ich hoffe, dass ich durch meine Beiträge zum Verständnis meiner Philosophie beitrage.
Wenn man Übungen z.B. gegen den hallux valgus anbietet, die offiziell in Programmen stehen und anatomisch begründet sind, kann eigentlich nichts schiefgehen. Wenn man dann noch Equipment sehr akribisch aussucht, kann das die Situation nur verbessern. Wissen beruht nicht immer auf Ablegen bestimmter Prüfungen.
Wissenschaftliche Konsequenzen bedürfen bestimmter Kenntnisse und können völlig unabhängig von Examina vorhanden sein. Nehmen wir mal das Problem der vielen Achillessehnenbeschwerden! Dann sollte man meinen, dass Ärzte das in den Griff bekommen; aber aus meiner Sicht sind Personen wichtig, die an den Schnittstellen von Theorie und Praxis forschen. Ich habe Stück für Stück in der Hinsicht zusammengefügt und bin in der Lage, erheblich gegenzusteuern.Ein bekannter Trainer sagt sehr oft: „Den Trainer würde ich wegen Körperverletzung verklagen!“ Daran krankt unser gesamtes System. Ich habe mich gestern mit Dr. Helmut Schreiber unterhalten, der sagte: „Es wird schon sehr gut in der deutschen Leichtathletik trainiert. Wir haben das Stabitraining vielfach verinnerlicht!“ Ich sehe Helmut Schreiber für die vielen Verletzungen auch nicht primär verantwortlich. Was bringen schlechte oder schlecht ausgeführte Kraftübungen, wenn man zusätzlich mit Stabiübungen kompensiert? Man hinterfragt nicht bei jahrelang „erfolgreich“ durchgeführten Kraftübungen hinsichtlich Ergebnis in der Spezialdisziplin und blendet die Nachteile (Operationen und Verletzungsausfälle) einfach aus und wendet genau dieselben Übungen nach den Operationen wieder an. Ich bekomme die Krise, wenn eine Athletin nach Knieoperationen sagt: „Jetzt kann ich die Kniebeugen wieder durchführen!“ Die Verantwortlichen haben den Schuss wirklich nicht gehört!!!
Gertrud

