Leichtathletikforum.com
EM-Bilanz - Druckversion

+- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com)
+-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1)
+--- Forum: EM 2026 in Birmingham (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=54)
+--- Thema: EM-Bilanz (/showthread.php?tid=6654)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7


EM-Bilanz - Befürworter - 17.08.2026

Zeit für ein sportliches Fazit der EM. Alles in allem fand ich die äußerst unterhaltsam und nach meinem ungeprüften Eindruck in vielen Disziplinen auch hochklassig. Die europäische Leichtathletik hat sich hervorragend präsentiert, wie auch die stundenlangen Übertragungen mit guten Quoten bestätigen.

Aus deutscher Sicht hat man die extrem schwache EM in Rom 2024 vergessen gemacht und sich sowohl in der Medaillenwertung als auch in der Platzierungstabelle wieder auf angemessenen Positionen eingefunden. Viele Favoriten haben die erwarteten Medaillen geholt (was alles andere als selbstverständlich ist), es gab aber auch einige absolute Überraschungen, mit denen kaum jemand gerechnet haben dürfte (Thumm, Ulbricht, meines Erachtens auch Gürth, trotz der vielen Nennungen im Tippspiel für mich persönlich auch Bremm). Dazu sind auch viele Jüngere angetreten, denen die gesammelten Erfahrungen in den nächsten Jahren helfen werden.

Positiv kann man auch sehen, dass noch einiges Potential ersichtlich war, dass nicht ganz abgerufen wurde oder werden konnte:

- Leistungsmäßig wären bspw. Mihambo, Fischer-Breiholz, Farken, Sprengel oder die Staffeln zu nennen. 

- Die Liste mit ganz knapp an der Qualifikation für die nächste Runde Gescheiterten war endlos. Wenn davon nur ein paar weitergekommen wären, wären viele persönliche EM-Bilanzen noch erheblich besser ausgefallen. Smilla Kolbe hätte ich im Finale bspw. durchaus zugetraut, sich dort bei den hinter den drei Superstars Platz 4 zu holen, die Zeiten hätten die Möglichkeit geboten.

- Die Liste der Verletzten (Abdilaahi!, Batz, Potye, Blech, Minoué, Otchere) oder Angeschlagenen (Joyeux, Lückenkemper, Junk in der Staffel, Onnen) war recht lang, die hätten die Bilanz noch mal erheblich aufbessern können.

Ich bin zufrieden und freue mich auf die nächsten Jahre, womit ich mir mit Dr. Jörg Bügner einig bin, der mir mit seiner Bilanz zuvorgekommen ist. Dass der Abstand zur Weltspitze trotzdem größtenteils weiterhin riesig ist, bleibt allerdings das Kernproblem, betrifft aus europäischer Sicht in der Breite aber nicht nur Deutschland. Und da muss man wohl realistisch sein, dass man bei WM oder Olympia wohl nie mehr als eine Handvoll Medaillen holen wird.


RE: EM-Bilanz - longbottom - 17.08.2026

Meine persönliche Hoffnung ist, dass man nach der EM die Bestätigungsnorm zumindest in der aktuellen Form überdenkt. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass der Silbermedaillengewinner im Speerwerfen die Norm buchstäblich mit dem letztmöglichen Wurf erfüllt hatte. Fast hätten wir deshalb letztlich eine Medaille weniger gehabt.

Gerade wenn ich an Olympia 2026 denke, wofür der Nominierungsschluss sehr wahrscheinlich Mitte allerspätestens aber Ende Juni sein wird, frage ich mich, ob da eine Bestätigung überhaupt Sinn macht. Erst recht nicht für die EM, die dann schon Anfang Juni ist.


RE: EM-Bilanz - Straßenläufer - 18.08.2026

(17.08.2026, 18:29)Befürworter schrieb: Dass der Abstand zur Weltspitze trotzdem größtenteils weiterhin riesig ist, bleibt allerdings das Kernproblem, betrifft aus europäischer Sicht in der Breite aber nicht nur Deutschland. Und da muss man wohl realistisch sein, dass man bei WM oder Olympia wohl nie mehr als eine Handvoll Medaillen holen wird.

Ich bin da nicht so pessimistisch ("nie mehr als eine Handvoll Medaillen").

Ohne lange nachzudenken fallen mir auf die Schnelle mit 
Malaika, Gesa (Lea), Julian, Leo (Niklas), Mo, Amanal (Richard, Samu), Freddy (Karl)
insgesamt 12 Sportler in 6 verschiedenen Disziplinen ein, bei denen man eine WM-Medaille 2027 jetzt nicht als sportliche Welt-Sensation einschätzen würde. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die ein oder andere positive Überraschung (zB Sprintstaffel Frauen) immer drin ist.


RE: EM-Bilanz - Sandmann - 18.08.2026

Aus der Deutschlandfunk-Presseschau von heute:

Die SÜDWEST-PRESSE zieht eine Bilanz der deutschen Leistungen: „Sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze: Die deutsche Leichtathletik strahlt wieder. Das starke Abschneiden begeistert und macht Mut auf dem Weg Richtung Olympia 2028. Die Athletinnen und Athleten sorgten mit authentischen Auftritten und echten Emotionen für eine Stimmung, nach der sich Sport-Deutschland nach der Fußball-Blamage in diesem Sommer wirklich gesehnt hat. Und das ist sehr viel mehr wert als eine Medaille mehr oder weniger.“

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG formuliert: „Die Resultate zeigen, dass die strukturellen Anpassungen in den Spitzenverbänden greifen und Trainingskonzepte zielgenau auf den Höhepunkt ausgerichtet wurden. Diese Europameisterschaften haben gezeigt, dass der deutsche Spitzensport nicht nur konkurrenzfähig ist, sondern wieder begeistern kann.“

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hebt die Unterschiede zum Profi-Fußball hervor: „In der Leichtathletik begegnet man nach den Wettbewerben echten, reflektierenden Menschen. Frauen und Männer, mitgerissen von den Emotionen des Augenblicks, und manchmal auch zu sehr mitgerissen. Aber warum denn nicht? Eine beschwerte sich über angeblich respektlose Fragen der Reporter. Eine faltete, im Moment tiefster Enttäuschung, sämtliche Konkurrentinnen zusammen. Eine wies darauf hin, welch menschenverachtende und rassistische Kommentare in den sozialen Netzwerken manche Sportler ertragen müssen. Zur besten Sendezeit ein hochpolitisches, wirkmächtiges und dringend nötiges Statement gegen Hass und Hetze. Ein Weckruf aus dem Reich der Leichtathletik, wo Diversität mit großer Selbstverständlichkeit gelebt wird.“


RE: EM-Bilanz - Reichtathletik - 18.08.2026

Ich denke man kan zwei sehr positive Dinge hervorheben:

1. Sportlicher Erfolg – und dieser vor allem auch in verschiedenen Disziplinen, oftmals in der gleichen Disziplin auch mehrere gute Leute. Damit wäre man weg davon, allein von einzelnen Personen abhängig zu sein und sieht, auch nationale Konkurrenzsituationen sind ein Beitrag dafür, international mithalten zu können.

2. Echte Persönlichkeiten. Ich teile nicht alles, manches fand ich sogar sehr falsch. Aber: Aussagen und Auftritte wie die von Yemisi Marby oder Lea Meyer, ebenso wie die von Smilla Kolbe, OFB oder den Marathon-Frauen zeigen: Hier sind vielfältige Charaktere unterwegs, die ihre Meinung und ihre Gefühle zeigen. Davon kann unser Sport so ungemein profitieren. Von daher sollte man sicher das ein oder andere intern auch mal aussprechen, ggf sogar extern widersprechen – aber eben auch aushalten müssen. Zu lang waren unsere Leichtathleten – meine Meinung – zu langweilig.

Natürlich finde ich auch kritische Dinge. Ich denke sogar es ist wichtig, gerade auch im Erfolg zu schauen, wo noch Potentiale liegen. Hier würde ich aufzählen:
1. Die Mittelstrecken sind nachwievor ein Problem. Die Leistungsdichte bei den Männern ist weitestgehend inexistent. Ein guter 800m-Läufer, für den das Halbfinale aber bereits ein Erfolg ist, ein Farken der im Ausland trainiert, von den 800m-Damen sind auch 2/3 im Ausland. Hier muss Leichtathletik-D noch besser werden.
2. Wir haben in einigen Disziplinen eine bedenkliche Konzentration auf einen Standort bzw. einen oder zwei Trainer. Gefühlt 2/3 des Teams wurden von David Corell oder Christian Kupper trainiert. Das spricht zunächst einmal für deren hervorragender Arbeit. Aber zum einen könnte "uns" auch ein Katar oder wer auch immer diese Leute wegkaufen, zum anderen zeigt es für mich vielmehr: Was in Frankfurt (auch aus anderen Disziplinen kamen ja viele Teilnehmer vom dortigen BSP) funktioniert, kann doch auch an anderer Stelle klappen. Ziel sollte es nicht sein, dass andere Standorte verkümmern, sondern wir versuchen, die Infrastruktur und finanziellen Mittel auch in anderen Metropolen zu ermöglichen.
3. Massive Ungleichheit innerhalb des Teams: Auch wenn nach außen (abgesehen vom Meyer-Interview) viel heile Welt herrscht, so gibt es innerhalb der Nationalmannschaft massive Unterschiede. Einige dürfen ihren Heimtrainer mitnehmen, andere nicht. Einige sind in Kader und Co und bekommen alles gestellt, andere müssen ihre Vorbereitung und Untersuchungen komplett selbst bezahlen. Das Interview von Laura Hottenrott hat da einiges Durchblicken lassen. Zur Hackordnung in den Staffeln fängt man besser erst gar nicht an. Hier braucht es dringend eine Lösung "Fördersystem Nationalmannschaft ohne Bundeskader". Vielleicht sollte das den EK in der jetzigen Funktion der ja nur für Trainingspartner gedacht ist ersetzen. Weil wichtiger noch als der Trainingspartner ist doch letztlich der Staffel- oder Teamkollege...


RE: EM-Bilanz - Gertrud - 18.08.2026

(18.08.2026, 07:53)Straßenläufer schrieb:
(17.08.2026, 18:29)Befürworter schrieb: Dass der Abstand zur Weltspitze trotzdem größtenteils weiterhin riesig ist, bleibt allerdings das Kernproblem, betrifft aus europäischer Sicht in der Breite aber nicht nur Deutschland. Und da muss man wohl realistisch sein, dass man bei WM oder Olympia wohl nie mehr als eine Handvoll Medaillen holen wird.

Ich bin da nicht so pessimistisch ("nie mehr als eine Handvoll Medaillen").

Ohne lange nachzudenken fallen mir auf die Schnelle mit 
Malaika, Gesa (Lea), Julian, Leo (Niklas), Mo, Amanal (Richard, Samu), Freddy (Karl)
insgesamt 12 Sportler in 6 verschiedenen Disziplinen ein, bei denen man eine WM-Medaille 2027 jetzt nicht als sportliche Welt-Sensation einschätzen würde. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die ein oder andere positive Überraschung (zB Sprintstaffel Frauen) immer drin ist.

Die EM war sehr positiv. Natürlich ist die Bilanz bei der WM und bei OS noch eine ganz andere Nummer; aber Wunder dauern aber auch länger. Ich empfinde den Anschluss im Langstrecken- oder 400m-Hürdenbereich männlich schon positiv erwähnenswert. 

Ich bin entgegen Dr. Bügner etwas anderer Meinung, was diese Teambildung anbetrifft. Er vertritt den DLV nach außen aber sehr gut und hoffentlich nach innen auch. Ich habe noch kein Wort mit ihm gewechselt. Um eine Leistung in der DLV-Mannschaft anzuerkennen, bedarf es keiner Teambildungsmaßnahmen, sondern es beinhaltet einfach Takt und Anstand trotz Konkurrenz, ohne Wenn und Aber die Leistungen innerhalb der Mannschaft anzuerkennen und auch zu vertreten. Entscheidend sind Fakten wie Kenntnisreichtum bei den BT und TuT in der Peripherie und eine angewandte Verletzungsprophylaxe und vor allem das Füllen der unteren Klassen z.B. bei Kreismeisterschaften. Das sehe ich nicht vorrangig als Leistungsaufgabe der Landesverbände. 

Das reine Abgrasen dieser Regionen muss aufhören, weil es im BT-Bereich nicht nur First Class gibt. Nehmen wir den Sprung- oder auch Siebenkampfbereich, dann sind hervorragende Heimtrainer wie Weber, Tscherer und Metzler... "beerbt" worden. Diese Trainer brechen auf Dauer nach den Enttäuschungen weg. Ich sehe in den jetzigen Zuständigkeiten seitens des Verbandes keine besonderen Vorteile in der Verletzungsprophylaxe durch besseres Übungspotential und kann das anhand meiner Aufzeichnungen auch belegen. Wink Ich verhalte mich da aber aus bestimmten Gesundheitsgründen sehr passiv. Im Siebenkampfbereich gibt es auch die vorsätzliche Form der Kanalisierung nach Leverkusen. S. Weißenberg hat sich in meinen Vorstellungen durch Standort- und Trainerwechsel verbessert. Ich habe vorher immer Anwendungen zurecht anscheinend moniert. Es gibt allerdings noch viel Verbesserungspotential und auch etwas andere Hebel in einem meiner favorisierten Zubringer; aber die Verbesserungen im Hürdenlauf im Zusammenhang mit der Differenz zum Sprint und im Weitsprung sind augenscheinlich.

Ich habe enorm viel gerade im Siebenkampf natürlich gesammelt und wegen einiger Vorkommnisse auch "gebunkert", das ich nur Freunden zugängig mache. Das meiste Wissen habe ich im Kopf und nicht in den Unterlagen und ist somit nicht abzugreifen. Ich konstatiere, dass man die allerneuesten Querverbindungen, die ich durch permanentes Recherchieren erschlossen habe, nicht auf dem Zettel der TuT ist, weil eben bestimmte TuT-Fertigkeiten nicht trainiert werden. Ich gehöre noch zur Generation, die autark arbeiten gelernt haben.

Wenn ich hier Freunde in meinem Haus "in die Mangel nehme", dann gehen sie mit mehr Kenntnissen nach Hause, als sie gekommen sind. Das ist mein Anspruch. 

Gertrud


RE: EM-Bilanz - Läufer 800m - 18.08.2026

Ganz ehrlich mir ist es egal gewesen ob wir eine zwei oder dreizehn Medaillen hohlen. Wer seine Motivation für die Leichtathletik nur über den Erfolg der deutschen misst, ist deswegen auch Bayern München Fan. So funktioniert die Welt leider.


RE: EM-Bilanz - mariusfast - 18.08.2026

Wieso freut sich Dr. Bügner über die Leistungen? Ich dachte die EM sei für den DLV nur wichtig bezogen auf die WM und Olympia. Wie hier geschrieben wurde, kann man dies nur bedingt hochrechnen aufgrund anderer Konkurrenz. Und wie im anderen Thread auch geschrieben wurde haben hier Athleten tolle Leistungen gebracht, die nicht mal im Kader sind oder die Vorbereitung nicht bezahlt bekamen. Von daher ist es ja schön, dass wenigstens einmal geklatscht wurde. Aber für mich als Sportler, wenn ich bspw. Marathonläufer wäre, würde ich mir die Frage stellen wieso ich bei der EM laufen sollte. Der DLV gibt ja da kein Zeichen dafür. Ganz im Gegenteil. Ein Richard Ringer braucht ja noch die Kadernorm. Und es sah jetzt auch nicht mehr gut aus die letzten 3 Kilometer. Ob er wirklich für Frankfurt wieder fit ist?

Edit: Ringer hätte m.W.n. 8ter werden müssen für den Kader. Er wurde aber 10ter und holte Silber mit der Mannschaft.


RE: EM-Bilanz - TranceNation 2k14 - 18.08.2026

(18.08.2026, 12:15)Läufer 800m schrieb: Ganz ehrlich mir ist es egal gewesen ob wir eine zwei oder dreizehn Medaillen hohlen. Wer seine Motivation für die Leichtathletik nur über den Erfolg der deutschen misst, ist deswegen auch Bayern München Fan. So funktioniert die Welt leider.

Wovon sprichst du?


RE: EM-Bilanz - Läufer 800m - 18.08.2026

(18.08.2026, 12:33)TranceNation 2k14 schrieb:
(18.08.2026, 12:15)Läufer 800m schrieb: Ganz ehrlich mir ist es egal gewesen ob wir eine zwei oder dreizehn Medaillen hohlen. Wer seine Motivation für die Leichtathletik nur über den Erfolg der deutschen misst, ist deswegen auch Bayern München Fan. So funktioniert die Welt leider.

Wovon sprichst du?

das alle hier zu oft alles nur an Medaillen fest machen .... sorry hätte ich besser erklären sollen. Wer Leichtathletik wirklich mag, freut sich auch über die Leistung anderer, nicht nur wenn die deutschen erfolgreich sind. Selbst wenn kein einziger Deutscher dabei war, konnte ich mich dafür begeistern, 800m Lauf der Frauen. Oder den Marathonlauf der Finnin, der Lauf des Schweden über 1okm, das sind Ereignisse die meine Bilanz mit beeinflussen. Und selbst ein Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil einer positiven Bilanz, siehe Farken oder Mihambo, zwei die scheitern und völlig anders vor der Kamera damit umgehen.   Der Link zu Bayern soll nur ausdrücken sich für etwas zu begeistern wenn man Erfolg hat ist einfach, wahre Leidenschaft hat aber nichts mit Titeln und Medaillen zu tun.