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800m mit 60Jahren Die Trainingswissens-Lücke beim Wiedereinstieg in den Leistungsspor - Läufer 800m - 19.06.2026 Hallo zusammen, nach jahrelanger Pause und einem anschließenden, sehr vorsichtigen Wiederaufbau der Grundlagen bin ich nun an einem Punkt, an dem ich mein Training langsam wieder leistungsorientiert ausrichten möchte. Mein Ziel ist sicherlich ungewöhnlich: Ich will mir mit 60 Jahren noch einmal die 800 Meter als Wettkampfstrecke vornehmen. In meiner Studienzeit war ich aktiv im Leistungssport unterwegs. Mein ursprünglicher Gedanke, einfach auf diese alten Erfahrungen zurückzugreifen, hat sich jedoch als Trugschluss erwiesen. Die Realität im Masters-Training sieht anders aus. Bei meiner Suche nach Studien, passender Trainingsliteratur oder konkreten Übungen stoße ich auf ein großes Loch: ·[size=1] [/size]Marathon-Dominanz: Gefühlt 90 % der Masters-Literatur dreht sich um die Langstrecke. ·[size=1] [/size]Die Alters-Lücke: Pläne für Kurz- und Mittelstrecken richten sich meist an Athleten im besten Leistungsalter. ·[size=1] [/size]Die Niveau-Lücke: Tipps für Senioren-Leichtathleten setzen oft voraus, dass man bereits auf hohem Niveau trainiert. Für Spät- oder Wiedereinsteiger gibt es kaum Content, abgesehen von den üblichen Warnungen zu verlängerter Regeneration oder dem altersbedingten Leistungsabfall. Kurz gesagt: Rehasport ist unterdimensioniert, das Training der Top-Masters überdimensioniert. Die alten Trainingspläne und - Grundsätze von früher funktionieren verletzungsfrei nicht mehr. Meine Fragen an die Community: 1. Auf welche wissenschaftlichen Quellen, Bücher oder Studien kann man für diese spezifische Übergangsphase (Mittelstrecke/Masters-Wiedereinstieg) zurückgreifen? 2. Gibt es hier Gleichgesinnte, die sich ebenfalls von fast null wieder an die Startlinie der Senioren-Meisterschaften gekämpft haben? Wie habt ihr die Lücke strukturell geschlossen? Ich freue mich auf euren Input und Erfahrungsaustausch! RE: 800m mit 60Jahren Die Trainingswissens-Lücke beim Wiedereinstieg in den Leistungsspor - S_J - 19.06.2026 Wenn die Trainingsgrundsätze von früher nicht mehr funktionieren, waren sie schon damals falsch, konnten aber durch die Jugend ausgeglichen werden ![]() Um von einem "sehr vorsichtigen Wiederaufbau der Grundlagen" auf ein Leistungstraining umzusteigen, muss man es graduell angehen. Krafttraining halte ich für unerlässlich. Einerseits um die Muskeln zu erhalten (bzw. wiederaufzubauen) und andererseits um genügend Stabilität und Belastungsverträglichkeit für das spezifische Training zu haben. Das fällt für mich allerdings unter das Grundlagentraining. Wie sah denn dein Krafttraining während dieses Wiederaufbaus aus? Koordinationstraining hat ebenfalls einen hohen Stellenwert. Auch hier sind wir im Bereich der Grundlagen. Sind Gleichgewichtsfähigkeiten (noch) vorhanden? Können Bewegungen auch unter komplexen Bedingungen sauber ausgeführt werden? Hier gibt es natürlich auch wieder Schnittmengen zur Kraft und Verletzungsprophylaxe: Bleiben z.B. Knieachsen und Hüfte stabil auch in komplexen und schnellen Bewegungen? Je länger man unterwegs ist über die 800m, desto wichtiger wird der aerobe Anteil. Von daher wird das Training hier wichtiger, je älter und langsamer man wird. Es ist ein großer energetischer Unterschied ob ich 1:50 oder 2:20 laufe. Das gilt es bei der Trainingsplanung zu beachten. Das gleiche gilt bei dem Training der anderen metabolischen Voraussetzungen. Wenn ich ein Energiesystem trainieren möchte, das z.B. bei Belastungen in der Länge von 7-15s die Hauptlast trägt, dann muss ich eben die Streckenlänge im Training entsprechend wählen und nicht einfach die Strecken aus einem Hochleistungstrainingsplan übernehmen. Aber den Fehler machen auch viele Jugendtrainer Ein anderer Fehler, den ich oft sehe, ist, wie bereits oben erwähnt, ein plötzlicher Umstieg auf das Leistungstraining. Dabei gilt hier doch ganz einfach der gleiche Grundsatz wie auch in jüngeren Altersklassen. Wenn beispielsweise 4 Tage Grundlagentraining gut klappen, dann kann ich ja beginnen, einen davon für spezifischeres Training zu nutzen. Und auch hier mit Intensität und Umfang erst einmal konservativ beginnen und dann steigern. Das gilt es, wie in jeder Altersklasse im Leistungstraining, zu überwachen und ggf. nachzusteuern. Wenn das gut vertragen wird, kann ich entweder wieder einen zusätzlichen Tag Grundlage dazu nehmen oder einen zweiten Tag umwandeln. Das hängt von den Rahmenbedingungen und individuellen Verträglichkeiten und Präferenzen ab. Im Jugendalter erfolgt diese Steigerung eben über Jahre. Und quasi analog zu den Prinzipien in denen im Leistungsbereich innerhalb des Jahresverlaufs periodisiert wird. Vom Allgemeinen zum Spezifischen. Ganz klassischer Trainingsgrundsatz, der schon immer funktioniert hat und wohl auch immer funktionieren wird. Bezüglich Lektüre empfehle ich die Artikel in leichtathletiktraining zum Training von Ingo Schultz. Da gab es vor 25 Jahren eine mehrteilige Reihe. Weniger zum Kopieren der Inhalte, sondern zum Verstehen, wie Leistung bei einem Quereinstieg aufgebaut werden kann und welche Unterschiede sich daraus zu einem klassischen Training ergeben. Er war nun natürlich kein Mastersathlet, aber ich bin der Meinung, dass die gleichen Grundsätze gelten. Um Leistung abrufen zu können bzw. überhaupt darauf trainieren zu können, muss ich auch leistungsfähig, d.h. gesund sein. Daher muss die Priorität darauf liegen. Wie viele allgemeine und spezifische Einheiten das jeweils sind, ist individuell. |