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Marita Kochs Weltrekord wird 40 - Druckversion

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RE: Marita Kochs Weltrekord wird 40 - Diak - 12.10.2025

Ich sichte in meiner Eigenschaft als Leistungssportkoordinator an einem Regelgymnasium den 6. und 8. Jahrgang. Talente anderer Schulen sehe ich beim legendären Lübecker Schulstaffeltag und ggf. beim Staffelmarathon. 
Das einzige, was wir über Talentsichtung ziemlich valide wissen, ist, dass sie schlechter wird, je früher sie einsetzt. In unserem Klientel sind sehr viele 1. und 2. Klässler im Verein aktiv und sollten dort eine polisportive Ausbildung erfahren und von Talentsichtung verschont bleiben. Die Mondos und Ingebrigsen finden ihren Weg neben den Systemen. 

Die Schwierigkeit beim Testen von Talent besteht in der unzureichenden Differenzierung zwischen Fähigkeiten (angeboren) und Fertigkeiten (erlernt) [bewusst verkürzt, bitte nicht schimpfen, liebe Sportwissenschaftler, die Definitionen sind für diesen Zweck tauglich, scheint mir] Viele Tests (so zum Beispiel unsere weitgehend schwachsinnigen Landeskadertests und auch die für den NK2) differenzieren nicht danach, sondern prüfen weitgehend Fertigkeiten. Sie tun also das gleiche, was Wettkämpfe tun, und messen, was jemand zum Zeitpunkt x kann, weil er nun mal biologisch so und so weit ist und dies oder das bereits gelernt hat. 

Wir testen: 
Dropjump (Reaktikraft, recht valides Testkriterium, aber natürlich auch entwickelbar) 
Stiffness (Standardtest in Optojump: 7 Prellsprünge hintereinander, möglichst auf der gleichen Stelle: mehr Fertigkeit drin, dennoch interessant im Vergleich) 
30 fliegend (zyklische Schnelligkeit, angeborene Fähigkeit, die gut enwickelbar ist und dennoch ein sehr guter Prädikator für späteren Erfolg) für die 6er wären 20fliegend sinnvoller, aber das ändere ich aus Pragmatismus nicht mehr)
BeepTest (zyklische und azyklische Ausdauer, Widerstandsleistungsfähigkeit) kein Talenttest, verrät aber viel über Motive und Haltungen der Athleten
Qualitativer Koordinationstest: ständig wechselnde Anforderungen des Lauf ABC durch Hütchen und Bügel hin zur Steigerung durch Bügel. Darin Kopplungs- und Entkopplungsfähigkeit (Arme anders als Beine), Differenzierungsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit etc. Der würde mir eigentlich reichen, aber wie sieht das aus =) 

Die öffentliche Hand hat die teuren Geräte bezahlt... 

Vielleicht machen wir nächstes Jahr mal stiftungsfinanziert so was wie "wir suchen die schnellsten Lübecker Kinder" Dann tatsächlich auch in der Grundschule, nur 20 fliegend und ein paar motivierende Kleinigkeiten drumherum. Mit so was kommst Du recht leicht auch in die Breite und findest vlt. mal jemanden, der sonst nicht aufgefallen wäre. So viel ich weiß haben die HSV-Ansahs über so was (Rapido heißt das in HH) den Weg in die Leichtathletik gefunden. 

Hilft das?


RE: Marita Kochs Weltrekord wird 40 - Befürworter - 13.10.2025

Danke. Bitte die folgenden Gedanken nicht als Kritik verstehen, ich finde es großartig, was Du den den Kindern anbietest.

- Täuscht mein laienhafter Eindruck, dass die Übungen und der Zeitpunkt recht leichtathletiklastige Erkenntnisse liefern? Für Ballsportarten oder das Schwimmen sind sicherlich auch noch weitere Aspekte wesentlich. 

- Beim Ansatz einer Sichtung in der Grundschule habe ich eher an Sportarten wie das Turnen gedacht, wo Talent deutlich früher erkennbar ist und auch bereits nach der Pubertät Weltklasseleistungen erbracht werden können. 

- Fähigkeiten wie die Schnelligkeit könnte man auch früher testen und muss die Klassenschnellste dann vielleicht nicht beim Tischtennis anmelden. Das würde dann auch das von Dir erwähnte Problem reduzieren, dass bei einer ersten Sichtung in Klasse 6 die eingefahrenen Wege nur schwer verlassen werden.


RE: Marita Kochs Weltrekord wird 40 - Diak - 13.10.2025

(13.10.2025, 19:58)Befürworter schrieb: Danke. Bitte die folgenden Gedanken nicht als Kritik verstehen, ich finde es großartig, was Du den den Kindern anbietest.

- Täuscht mein laienhafter Eindruck, dass die Übungen und der Zeitpunkt recht leichtathletiklastige Erkenntnisse liefern? Für Ballsportarten oder das Schwimmen sind sicherlich auch noch weitere Aspekte wesentlich. 

- Beim Ansatz einer Sichtung in der Grundschule habe ich eher an Sportarten wie das Turnen gedacht, wo Talent deutlich früher erkennbar ist und auch bereits nach der Pubertät Weltklasseleistungen erbracht werden können. 

- Fähigkeiten wie die Schnelligkeit könnte man auch früher testen und muss die Klassenschnellste dann vielleicht nicht beim Tischtennis anmelden. Das würde dann auch das von Dir erwähnte Problem reduzieren, dass bei einer ersten Sichtung in Klasse 6 die eingefahrenen Wege nur schwer verlassen werden.

1. nun ja, ich bin halt Leichtathlet =) Und wir sind der kooperierende Verband und Leichtathletik hat vor allem wegen des städtischen Staffelwettbewerbs einen besonderen Stellenwert. Meine Kollegen wollten am Anfang den Polizeitest für Agilität dabeihaben, weil sie fanden, dass der was für Mannschaftssport bringen würde. Ich hab den dann mal ausgewertet und eine wundervolle Korrelation gefunden: alle, die da sehr gut waren, teilten eine Eigenschaft: sie waren extrem klein =) 
Handball ist angewandte Leichtathletik und Fußballer finden Leute, die schnell und ausdauernd laufen auch interessant. Fürs Schwimmen bringt das nichts, aber Schwimmer fangen ja mit 10 oder früher mit dem Leistungssport an, denen ist das Wumpe. Das Ganze ist viel stärker ein kommunikativer Akt ("wir sehen Dich, cool, was Du kannst, mach was draus, wir helfen Dir, wenn Du nicht recht weißt, wohin) 

2. beim Turnen finde ich Talentscouting ähnlich wie beim Schwimmen extrem schwer, gut ist, wer rechtzeitig gedrillt wird und Gefühl für die jeweiligen Bewegungsmuster bzw. das Element hat, aber da bin ich kein Experte...

3. korrekt, das führe ich ja weiter unten auch ungefähr aus. Dennoch greift ihr wieder mein Ursprungsargument: schnelle Leute fallen auch Sportlehrern auf, da ist Sichtung nicht das Problem, sondern die Gewinnung.