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Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - Druckversion

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RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - Knueppler - 17.08.2014

Reus ist wieder ein anderes Thema. Da sollte sich sein Umfeld Gedanken darüber machen, wie er auch unter starkem Druck und Gegner seine Leistung bringen kann. Immerhin hat er in Ulm den späteren Fünften der Em geschlagen.Big Grin

Von früher kenne ich Fälle oder besser Athleten, die im Training deutlich besser waren als im Wettkampf. Ein Staffelkamerad von mir blieb im Einzelrennen immer unter seinen Möglichkeiten,  in der Staffel dagegen packte er immer einen aus.

Auch Pierre Carraz, Trainer von Lemaitre, hadert mit dem Start seines Schützlings. Im Training muss das wohl immer deutlich besser geklappt haben.


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - alist - 17.08.2014

(16.08.2014, 23:51)Robb schrieb: Ich glaube, Jakubczys 10.23 aus dem Halbfinale war sogar die schnellste Zeit eines Deutschen beim Saisonhöhepunkt seit SEHR langer Zeit, aber irgendwann muß doch mal einer eine 10.15 bei ner grossen Meisterschaft hinkriegen.
Steffen Bringmann lief 1986 als EM-Zweiter 10,21s., seit der Wiedervereinigung war Alexander Kosenkow mit seinen 10,24s aus dem Zwischenlauf von Athen 2004 der Schnellste.


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - Knueppler - 17.08.2014

Eine Anmerkung noch zu Jens Knipphals:

Vor der EM war Jens 12. (inkl.Vicaut) der bereinigten Bestenliste.
(Ich meine damit nur diejenigen, die in Zürich gestartet sind.)
Und was ist er letztendlich geworden?  12.   (ok, Guliyev ist mit Fehlstart rausgeflogen)

Seine Saisonbestleistung betrug 10,22 Sek. (1,4 RW). Gelaufen ist er 10,35 Sek. bei 16 °C und einem RW von 0,6 m/s.

In meinen Augen hat er damit nicht enttäuscht.


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - Natus_Vincere - 17.08.2014

(17.08.2014, 10:11)Knueppler schrieb: Eine Anmerkung noch zu Jens Knipphals:

Vor der EM war Jens 12. (inkl.Vicaut) der bereinigten Bestenliste.
(Ich meine damit nur diejenigen, die in Zürich gestartet sind.)
Und was ist er letztendlich geworden?  12.   (ok, Guliyev ist mit Fehlstart rausgeflogen)

Seine Saisonbestleistung betrug 10,22 Sek. (1,4 RW). Gelaufen ist er 10,35 Sek. bei 16 °C und einem RW von 0,6 m/s.

In meinen Augen hat er damit nicht enttäuscht.
Er heißt immer noch Sven Teufel


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - Knueppler - 17.08.2014

(17.08.2014, 04:35)Gertrud schrieb:
(16.08.2014, 22:48)Knueppler schrieb:  
So langsam keimt bei mir die Vermutung auf, dass Gertrude, angestachelt von einem ihr bekannten Trainer, immer nur alles negativ sehen will.
 
Ach ... wenn Lucas in der Staffel voll gelaufen wäre, dann hätte der deutsche Rekord gewackelt. 

Ich lasse mal das gesamte Vorgeplänkel weg. Fakt ist, dass Lukas Jakuczyk 5. im Finale war und seine Zeit wie immer 2 Zehntel über den deutschen Zeiten liegt. Die Züricher Bahn ist wohl knüppelhart und hat die Wetterbedingungen wohl mehr als kompensiert. Gemeli hat sich auf die 200m konzentriert und Vicaut fällt halt auch für die Staffel aus. 

So - nehmen wir mal den Weltstandard mit USA und Jamaika, dann muss auch LJ noch eine Schippe drauflegen und würde zur Zeit das Finale nicht erreichen. Man rettet sich hier meistens über die EM und vermarktet einen Finalplatz gut. Seine Verbesserung erkenne ich auch gebührend an, sehe sie aber auch im Weltstandardkontext. Er hat sich im letzten Jahr gut verbessert, wobei er auf gutem Weg zu einer 10,1-Zeit auch auf internationaler Bühne ist. Sie sollten trotzdem doch die Augen nicht vor Fakten verschließen. Es ist zweifelsohne ein schöner Erfolg, aber von absoluter Weltklasse trennen uns noch einige Zehntel!!! Der mir bekannte Trainer hat vor 20 Jahren schon die internationale Sprintphilosophie verinnerlicht, als hier die meisten sich noch im Dornröschenschlaf befanden. Es hat sich alles bewahrheitet, was er mir schon vor 20 Jahren überlassen hat und jetzt im DLV als Errungenschaft gepriesen wird. Fortbildungen waren für uns ein Offenbarungseid erster Güte. Es gibt längst neuere Erkenntnisse, die mir in Einzelheiten vorliegen und von denen ich bei der Sprintfortbildung in Mainz nichts gehört habe. 

Ich kann das gesamte Übungspotential von LJ nicht abschätzen. Mir liegt nur einiges vor. Ich weiß aber aus meinen Analysen, dass er anatomisch noch einige Klippen bekämpfen muss, wobei in meinem Kopf sofort ein Versus-Programm abläuft. Da trügt mich mein Auge ganz bestimmt nicht. Ich habe übrigens diese Beweise in einem Vortrag, den ich irgendwann mal halte, integriert. Hatte ich nicht auch im Falle Usain Bolt mit seinen Füßen und der LWS recht, als ich vor geraumer Zeit schrieb, dass es Baustellen sein werden? Auch bei Martin Keller fiel mir in seiner Statik ein gravierender Fehler auf, der sicherlich auch die Achillessehnenproblematik begünstigt. Ich habe übrigens vor langer Zeit mal einem jungen Sprinttrainer Bildmaterial in der Hinsicht mit den Belegen geschickt - lange vor den MK-Achillessehnenproblemen. Man greift mich in der Hinsicht ja oft massiv an, selbst wenn sich hinterher herausstellt, dass ich richtig gelegen habe. In der Hinsicht habe ich in der Zwischenzeit mein Auge sehr geschult, weil ich sehr akribisch bis ins Detail bin. Ich verfolge sehr viel, auch z. B. halten einige neue Gerätekonstruktionen, die als super gepriesen werden, meinem Urteil nicht stand. Ich stelle sehr oft die Frage: "Sehen sie das eigentlich nicht?" HjH und ich schütteln oft den Kopf darüber, aber ich kritisiere das nicht mehr direkt und lasse die machen, die am Ruder sind.

Gertrud 
Leider kann auch Gertrudes Beitrag aufgrund von Zeitproblemen nicht eingehen (eigentlich muss ich noch einige private Dinge regeln).

Achillessehenproblematik an sich: Fußballer haben ganz selten Achillessehnenprobleme, warum eigentlich? Die laufen und sprinten doch auch viel. Rasen anstatt Kunststoffbahn?
Gertrude schreibt hier und auch in anderen Beiträgen viel von "Beweisen". 
Schade, dass wir das idR nicht nachvollziehen können.
Ich habe wohl "Beweise", dass Gertrudes Annahme aus dem alten Forum, dass während der Stützphase alle Muskeln nur exzentrisch arbeiten, nicht richtig ist. Big Grin   (Sofern ich Gertrude hier richtig verstanden habe! Wenn ja, dann lasse ich Gertrude jetzt mal ein bisschen zappeln Big Grin)


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - lor-olli - 17.08.2014

Zitat:Fußballer haben ganz selten Achillessehnenprobleme, warum eigentlich?
Weil sie selten / nie reines Kraft- bzw. Gewichtstraining machen…?! Auch sprinten sie häufig, aber immer sehr kurz, in der Regel sind das überwiegend Antritte.

Fußball und Sprint sind nur begrenzt vergleichbar, die Bewegung sieht sehr ähnlich aus, das Training und die Spitzenbelastung gerade im Bereich der Achillessehne ist aber recht unterschiedlich.

Beim Fußball kommen dazu noch viele Ausgleichsbewegungen dazu (Richtungswechsel, Dauerlauf etc.) die Belastung ist insgesamt nicht so einseitig. (Fußfehlstellungen etwa, werden dadurch eher kompensiert, genau wie der Stützapparat im Fuß besser trainiert wird> retinacula)


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - runny - 17.08.2014

(17.08.2014, 08:37)Gertrud schrieb: Gwen Mill scheint konzeptionell vieles vor allem in technischer Hinsicht richtig zu machen.
 

Glen Mills heißt der werte Herr.

Unzwar was? Diese Diskussion würde uns weiter bringen und nicht ein rumhacken auf dem System und auf die Athleten.
Wenn schon nicht hier geführt, dann hoffentlich doch an richtiger Stelle!

Ich sehe es ebenfalls so, dass Sven Knipphals und Lucas Jakubczyk in voller Linie überzeugt haben nach den Eindrücken der bisherigen Saison.
Julian Reus hat jedoch nicht das abgerufen, was er kann und er ist sich dessen auch mit Sicherheit bewusst.

Mir scheint einfach die Erwartungshaltung vieler hier viel zu hoch. Lasst mal einen Lemaitre über 100m in Weinheim bei Rückenwind laufen - das ist direkt wieder eine 9.90!
Und so muss man eben auch die Zeiten der deutschen auf den Rennpisten einzuordnen wissen.
Dass wir nicht Weltspitze sind gerade ist bedauerlich, aber das rumgehacke auf den deutschen Athleten ist fehl am Platz und hilft niemand weiter.


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - krzom - 17.08.2014

Für mich war eigentlich gar nicht so sehr Reus die Enttäuschung, sondern Erewa und Menga. Wobei letzterer ja offenbar seit Wochen nicht fit ist. Ich sehe einen gewissen Aufwärtstrend. Als Laie würde mich interessieren, was von dem Spiegel Online- oder FAZ-Artikel zu halten ist, in dem massive Technikumstellungen nach dem Vorbild Blake bei Jakubczyk die Verbesserungen gebracht haben.


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - lor-olli - 17.08.2014

Es geht nicht ums "Rumgehacke", es geht um eine Einschätzung! Wenn ein Athlet selbst eine 10,05 zum Maßstab nimmt, wird er daran gemessen, andere relativieren eine Ausnahmezeit wie z.B. 10,07 sofort.
Der (Durchschnittszuschauer-)Zuschauer orientiert sich, wenn im Vorfeld "Fabelleistungen" in den Raum gestellt werden und glaubt daran, die LA-Kenner zwinkern dazu. 

Athleten sind verschieden, einige sind robust und rufen ihre Leistung fast immer ab, andere sind verunsichert wenn Erwartungshaltung (innere und äußere), Leistungsdruck (Meisterschaft) "plötzlich" da sind. Die Frage sollte also lauten: Wie ist es zu bewerkstelligen, dass ALLE Athleten eine Leistung nach ihren besten Möglichkeiten abrufen können, wenn es darauf ankommt. Ich hatte ja schon weiter vorn beschrieben, was in England z.B anders läuft, genau wie in den USA (vom größeren potentiellen Pool ganz abgesehen). Frankreich kenne ich diesbezüglich nicht.

Man kann sich aber auch national orientieren: Wie läuft das, wenn sich z.B. ein Diskuswerfer oder Mehrkämpfer durchsetzen möchte…


RE: Sprint in Zürich: Das Maß der Dinge! - MZPTLK - 17.08.2014

(17.08.2014, 10:23)Knueppler schrieb: Ich habe wohl "Beweise", dass Gertrudes Annahme aus dem alten Forum, dass während der Stützphase alle Muskeln nur exzentrisch arbeiten, nicht richtig ist. Big Grin   (Sofern ich Gertrude hier richtig verstanden habe! Wenn ja, dann lasse ich Gertrude jetzt mal ein bisschen zappeln Big Grin)
Ich hatte Gertrud an anderer Stelle schon mal recht gegeben, auch wenn ich der Meinung bin, dass die Aussage: 'während der Stützphase arbeiten alle Muskeln nur exzentrisch' nicht zu 100 % für zutreffend halte. Das ist empirisch (als Ist-Zustand) und auch theoretisch (als Soll-Vorgabe) nicht möglich. Ich würde formulieren, dass während über 95 % der Stützphase exzentrisch gearbeitet wird, Dabei muss man nach Raum und Zeit unterscheiden.