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RE: Germany Athletics - Reichtathletik - 05.12.2025 MikeStar, SJ: Da habt ihr beide vollkommen recht. Und ich sag auch mal so: Manche Athleten, die sich gegen sportlich sinnvolle Angebote entscheiden (das betrifft ja nicht allein GA und nicht jedes Angebot von GA ist sportlich nicht sinnvoll, Gott bewahre), sondern lieber andere Faktoren bevorzugen (da reicht die Palette ja von Geld über schöne Trainingslagerorte bis hin zur Farbe des Trikots), die wollen sportlich orientierte Vereine und Trainer eigentlich auch gar nicht bei sich haben. Und es ist sicher ein Unterschied zwischen Werben und Abwerben. Wobei ich halt bei GA schon finde, dass man nicht so tun sollte, als kommen alle aus Verzweiflung zu ihnen. Es wird schon zumindest sehr offensiv geworben und damit auch nicht selten bestehenden Strukturen auf die Füße getreten. Und Abwerben ist es für mich auch, wenn man Athleten Verträge anbietet, für die man keine Trainingsgruppen oder Trainer hat. Das sehe ich als unlauter an. Hier wäre es sportlich richtig zu sagen: An dem Ort, in der Disziplin bist du woanders besser aufgehoben. Ich kenne aber keinen Fall wo GA das gemacht hat. Da gehören für mich nämlich auch zwei Seiten dazu: Die Seite die bei dir landen will und die Seite die jede:n nimmt. In anderen Kontexten gibt es dafür allseits bekannte Schimpfwörter
RE: Germany Athletics - frbcrane2 - 05.12.2025 (05.12.2025, 14:38)Reichtathletik schrieb: Vielleicht wertschätzt dich dein bisheriger Verein sogar so sehr, dass er dir eben gerade kein Geld gibt, sondern dieses verwendet, damit du ein gutes Trainingsumfeld hast.Wenn du deine Miete mit Wertschätzung bezahlen willst, fliegst du aus der Wohnung. Was bringt ein gutes Trainingsumfeld, wenn ich mir den Sport nicht leisten kann? RE: Germany Athletics - Reichtathletik - 05.12.2025 (05.12.2025, 16:58)frbcrane2 schrieb:(05.12.2025, 14:38)Reichtathletik schrieb: Vielleicht wertschätzt dich dein bisheriger Verein sogar so sehr, dass er dir eben gerade kein Geld gibt, sondern dieses verwendet, damit du ein gutes Trainingsumfeld hast.Wenn du deine Miete mit Wertschätzung bezahlen willst, fliegst du aus der Wohnung. Was bringt ein gutes Trainingsumfeld, wenn ich mir den Sport nicht leisten kann? Sorry, aber das ist wieder mal so verkürzt, dass es einfach nur populistisch ist. Wenn du vom Sport deine Miete zahlen musst/willst, brauchst du definitiv noch andere Einnahmequellen als nur den Verein: Sponsoren, Sporthilfe, etc. Der Verein ist in erster Linie für das sportliche da. In manchen Sportarten musst du sogar zusätzlich noch den Trainer bezahlen. Wenn also ein Verein dir beispielsweise Trainer (Plural), Trainingsstätte, Physio, Leistungsdiagnostik, Trainingslager, Teams, etc. zur Verfügung stellt dann ist das die Basis dafür, dass du auch entsprechende Gelder durch Sponsoren oder so generieren kannst. Ich verstehe nicht warum wir Vereinsarbeit auch im Leistungssport mittlerweile darauf beschränken, was auf dem Konto ankommt. RE: Germany Athletics - TranceNation 2k14 - 05.12.2025 Ich denke auch die Zugänge des VfB Stuttgart von zB LE oder SZ in letzter Zeit waren bestimmt ausschließlich aufgrund von Trainern/Training, Teams und Trainingsstätten... RE: Germany Athletics - frbcrane2 - 05.12.2025 (05.12.2025, 17:27)Reichtathletik schrieb: Sorry, aber das ist wieder mal so verkürzt, dass es einfach nur populistisch ist. Wenn du vom Sport deine Miete zahlen musst/willst, brauchst du definitiv noch andere Einnahmequellen als nur den Verein: Sponsoren, Sporthilfe, etc.Aber deine Ergüsse sind Kunstwerke? Sporthilfe ist nicht viel, Sponsoren findet nicht jeder (Aileen Kuhn hat als deutsche Meisterin Und U23-Europameisterin genau einen). Bleibt der Verein und eventuell ein Platz in der Sportförderung bei Zoll/Polizei/Bundeswehr. Als der DLV vor ein paar Jahren die U23-Förderung einstellte und dabei rund 70 Sportler aus der Förderung kickte (und den Athleten dafür auch noch die Schuld gab), standen viele vor dem Ende der Karriere. Damit wären wir wieder bei meinem Punkt, Wertschätzung bezahlt keine Rechnungen. RE: Germany Athletics - MikeStar - 05.12.2025 Ohne das populistisch zu meinen, kann ich mir vorstellen, dass mittlerweile viele Menschen, die früher ohne Probleme Ehrenamt ausüben konnten, incl. Kosten selbst tragen, mit dem eigenen PKW Sportler zu Wettkämpfen fahren etc... heute die Zeit einfach nutzen müssen um Geld zu verdienen, bzw. die Auslagen nicht mehr tragen wollen und das Geld anders anlegen wollen / müssen. Ein Hobby/Ehrenamt kann ich solange ausführen, solange ich hauptberuflich genug Geld für Leben + Hobby/Ehrenamt verdiene. Ist das Gleichgewicht gestört muss ich entweder mehr verdienen oder Kosten reduzieren. Im Leistungssport kommt man halt irgendwann an einen Punkt an dem man so viel Zeit/Energie in Training investieren muss, dass Beruf darunter leider oder unmöglich wird. Ergo muss sich der Leistungssport finanziell irgendwie lohnen, sprich ich muss als Berufssportler davon leben können, wenn ich keine Sponsoren oder eben z.B. das Aussehen/Charisma für Insta oder YT habe um dort Kohle zu akquirieren. Ich habe keine Ahnung was GA-Vertragssportler verdienen, aber das Prämiensystem reicht imho nicht aus um Spitzensportler hinter dem Ofen hervor zu locken. Da verdient man teilweise als Kreisliga-Kicker mehr an Prämie. Die Leichtathletik muss im Spitzenbereich finanziell für die Sportler wertiger werden. Ein Profiathlet muss davon leben können, sonst wird das langfristig nichts. RE: Germany Athletics - mariusfast - 05.12.2025 (05.12.2025, 19:31)MikeStar schrieb: Ohne das populistisch zu meinen, kann ich mir vorstellen, dass mittlerweile viele Menschen, die früher ohne Probleme Ehrenamt ausüben konnten, incl. Kosten selbst tragen, mit dem eigenen PKW Sportler zu Wettkämpfen fahren etc... heute die Zeit einfach nutzen müssen um Geld zu verdienen, bzw. die Auslagen nicht mehr tragen wollen und das Geld anders anlegen wollen / müssen. In der aktuellen Runningagspodcastfolge wird auch nochmals auf die Beweggründe eingegangen. Es geht genau um das hier diskutierte Thema. Sie haben auch X andere Vereine angeschrieben in der Umgebung, aber niemand hatte Interesse wegen den hohen Aufwandsentschädigungen. Mathestudent Dieterich konnte bspw. letztes Jahr von Höchstadt deshalb nicht aufgenommen werden, weil das Budget für Finanzierung Fahrtkosten nicht erhöht werden konnte. Deshalb wechselte er letztes Jahr zu Frankfurt Athletics. Das Geld ist jetzt bei GA bei Weitem nicht so, dass es ein Gehalt wäre. Ein Plus kommt da immer noch nicht raus und eher ein Minus (Außer natürlich bei Flo Bremm, der bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist. Zu dem Argument von Reichtathletik mit der Miete und dass das Geld ja sowieso nicht ausreicht, weshalb sie ja sowieso noch der Lebensunterhalt durch Arbeit finanziert werden muss. Ich denke das entspricht nicht der Realität. Die meisten, die Leistungssport machen in der Leichtathletik sind wohl Studenten und wie soll man da jetzt noch einen Job reinpacken. Die bekommen Bafög wodurch sie ihre Miete finanzieren können. Alles was darüber hinaus geht, dafür müsste dann mehr gearbeitet werden, wie Kosten für TL etc.. Und für Leute mit Ausbildung gilt ja das Gleiche ( Sie haben nicht mehr als 1000 Euro und von daher sind sie darauf angewiesen, dass sie ihren Aufwand in der La einigermaßen gedeckt bekommen, weil 1000 Euro für Miete und Essen schon weggehen. Im Block Lauf bspw. bekommen ja nicht nur die Jugendlichen Kaderathleten keine vollständigen TL mehr finanziert. RE: Germany Athletics - Delta - 05.12.2025 (29.11.2025, 18:00)S_J schrieb:(29.11.2025, 17:42)gelpi schrieb: Eben, aber warum wechselt Sie dann von Frankfurt nach München? Vielleicht ist Heil etwas schlauer als einige denken. Wer an die EM will benötigt einen Klub mit Substanz. Das ist in Sindelfingen ohne Zweifel gegeben. Der Klub hat 50+ Jahre Erfahrung mit Athleten im Nationalkader. Das ist sicher kein Nachteil beim Bundestrainer. RE: Germany Athletics - S_J - 06.12.2025 Eine nachhaltigere Möglichkeit, die Kosten für Wettkampffahrten zu reduzieren, wäre es allerdings, sich um (mehr) hochklassige Meetings mit schnellen Zeiten bzw. vielen Punkten für die Rangliste in Deutschland zu bemühen. Investitionen in bzw. Lobbying für Infrastruktur kann helfen, Nachteile auszugleichen, die dadurch entstehen, dass nicht ausreichend individuelle Sponsoren für teure und häufige Trainingslager bereitstehen. Das wäre doch gerade auch für den Nachwuchs relevant, die strukturell bedingt ohnehin weniger an Trainingslagern und weit entfernten Wettkämpfen teilnehmen können. Es braucht nicht in jedem Ort eine Halle mit sechs Rundbahnen. Aber ein bisschen Tartan in einer Sporthalle für Sprints und Sprünge, vielleicht gar Wurfnetze, oder einfach nur Sachen, die eigentlich Basics sein sollten, wie Flutlicht und ein sinnvoll ausgestatteter Kraftraum direkt auf dem Stadiongelände... Vereine und Orte, die erfolgreich sind, sind es oft, weil sie solche Infrastruktur nicht nur für die Eliten sondern auch für ihren Nachwuchs zur Verfügung stellen können. Das braucht es flächendeckender. Eines der großen strukturellen Probleme in Deutschland ist es doch, dass alle Anreize dafür gesetzt werden, Athletinnen und Athleten zu akzelerieren, damit sie Zugriff auf die wenigen und ungleich verteilten Ressourcen haben, die sie benötigen, um sinnvoll trainieren zu können, seien es Kadermaßnahmen, Trainingslager, Zutritt zu Hallen und Leistungszentren, oder einfach nur die Aufmerksamkeit von Trainern und Funktionären. Wenn man Ressourcen darin investiert, diesen Druck zu nehmen, kann man auch leichter sowohl mehr Athleten entwickeln, als auch diese langfristiger aufbauen. Natürlich ist die Elitenförderung auch wichtig und sicherlich presseträchtiger. Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs und sich auf diese zu fokusieren, wird die unterliegenden Probleme nunmal nicht lösen. Eine andere große Baustelle ist wie hier auch schon angesprochen der sinkende Stellenwert des Ehrenamts und sozialen Engagements in Vereinen. Vielleicht bin hier zu naiv und idealistisch, aber ich denke, dass man eher versuchen sollte, hier wieder Attraktivität und Wert zu schaffen, anstatt zu versuchen künstlich zu professionalisieren. Davon profitiert dann nämlich wieder überproportional die Elite, was die oben erwähnten strukturellen Anreize eher verstärkt. Wenn ich mich z.B. nicht nur um die fünf Frühentwickler, sondern um 30 Kinder sinnvoll kümmern kann, weil ich genügend Kapazitäten an gut ausgebildeten Trainern und Trainingsflächen habe, dann bekomme ich eine höhere Leistungsdichte und dadurch oben auch mehr Talente raus. Hier braucht es mehr sinnvolle zeitgemäße Konzepte und Leuchtturmprojekte. Ein Schulstaffeltag ist schön und gut, aber stellt an sich noch kein nachhaltiges Nachwuchs- und Trainingskonzept dar, sondern ist nur ein Bestandteil davon. Viele Vereine und Verbände bemühen sich hier ja schon. Durch neue Wettkampfformate, mehr dezentrale Stützpunktarbeit gerade für Altersklassen, in denen es momentan hohe Dropoutraten gibt: Der Übergang vom Kinder- ins Grundlagentraining, wo sich die Kinder von mehreren Sportarten für eine entscheiden (müssen); der Übergang ins Aufbautraining, wenn durch verschiedene Disziplinblöcke der spezialisierte Trainerbedarf steigt und gleichzeitig die Ansprüche durch Schule steigen und damit eine Vereinbarkeit mit Leistungstraining komplexer wird; und natürlich auch der Übergang ins Profitraining, aber eben nicht nur dieser! RE: Germany Athletics - mariusfast - 06.12.2025 Nur kurze Verbesserung von meinem Text. Ich habe es falsch ausgedrückt. Es ging nicht nur explizit um Fahrtkosten, sondern natürlich einfach alle Aufwandsentschädigungen. Dafür gab es nur pauschal eine Summe x an die Laufgruppe von Höchstadt. Also auch Unterkunftskosten für Wettkämpfe etc. sind damit gemeint (die evtl. auch in DE anfallen, wenn es nicht in der Nähe ist). |