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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt (/showthread.php?tid=6242) |
RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 11.09.2025 (11.09.2025, 11:14)Notalp schrieb: PS: Ich frage mich aber generell, wo die Elternschaft bleibt: die doch ansonsten bereits allergisch reagiert, wenn der eigene Nachwuchs vom Lehrer ungerecht behandelt wird. Ist das leistungssportliche Metier etwa eine ‘geheiligte’ Sphäre? Wenn - wie in der ZDF-Doku - das menschliche Versagen von betroffenen Athletinnen sogar als hinzunehmender Preis überragender Zielorientierungen erachtet wurde, dann ist das nicht weniger verstörend wie die Grenzüberschreitung selbst. (Und die wird von Tätern ja nicht ohne strategische Raffinesse vorbereitet!) Insofern muss es auch einen inneren Schutzwall gegen das Missverhältnis von Zielsetzungen und Mitteln geben. Wenn jugendliche Athletinnen das alleine oder unter der Dominanz leistungssportlicher Kompetenzen austarieren müssen, ist das kein gutes Zeichen. Das ist wie ich finde eine berechtigte Frage, die ich auch schon in vielen Diskussionen gehört habe. Dass sich die Betroffenen offenbar nicht ihren Eltern anvertraut haben oder diese nicht reagiert haben, spricht nicht für ein perfektes Elternhaus. Gleichwohl muss ich sagen, dass ich es in dem Alter auch nicht getan hätte, so glaube ich. Denn in Wahrheit ist nunmal kaum ein Elternhaus "perfekt" – gerade deshalb ist der Sport als weitere Stütze so wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. In der Praxis haben wir es z.T. mit Eltern zu tun, die kaum Zeit haben, einige Fälle in Internaten und man muss auch Festhalten, dass Kinder, die Leistungssport betreiben, in der Regel aus leistungsaffinen Familien stammen, sprich auch gewisser Stolz und gewisse Erwartung mit Blick auf die sportlichen Leistungen bestehen. Will heißen: Ja, es wäre wünschenswert, wenn die Eltern "was mitbekommen". Ich sehe sie aber nicht an erster Stelle der Kontrollmechanismen, die versagt haben. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - dominikk85 - 11.09.2025 Bezüglich Eltern ist es leider so das der Spitzensport ein sehr umkämpftes Feld ist wo sehr viele talentierte Athleten um sehr wenige Plätze in kadern, leistungszentren etc kämpfen. Dazu sind viele Eltern emotional und finanziell extrem investiert in die Karriere. Natürlich sollte der Schutz des Kindes wichtiger sein, aber die schwelle was zu sagen ist sehr hoch, vor allem wenn man kein vertrauen hat das Verband einen schützt und nicht das eigene Kind als faules ei oder querulant betrachtet und aussortiert. Ähnliches gilt auch in anderen sehr umkämpften Feldern wie Model Business, Schauspiel Business oder auch "hohe künste" wie Ballett und klassische Musik, wenn man nicht bereits ein Star ist kämpft man mit sehr vielen ähnlich guten um sehr wenige Plätze und hat daher oft Angst was zu sagen um den bisher geleisteten Aufwand nicht obsolet zu machen. So eine machtposition wo ein Entscheider aus 20 fast gleich guten einen rauspickt sind natürlich eine hohe Gefahr für Missbrauch, vor allem wenn der Verband lieber Erfolgreiche leute schützt statt sie auszusortieren wenn es probleme gibt. Hier liegt es wiederum an den Verbänden eine Atmosphäre zu schaffen wo Athleten geglaubt und problematische Trainer aussortiert werden und nicht Eltern und Kinder die was sagen problematisiert werden, denn dann werden sich Betroffene eher trauen was zu sagen. RE: Netzfundstücke - diwa - 11.09.2025 (11.07.2025, 11:18)S_J schrieb: Dann müssten nur noch alle Vereine auch das Führungszeugnis einfordern, wenn sie neue Trainer anstellen... Wenn man sieht, für welche "Jobs" man heute überall ein _erweitertes_ Führungszeugnis braucht, sollte DAS eigentlich (und leider) wohl schon die Regel sein. Meine Schwägerin sollte auf einem Fest der Kirchenjugend Kuchen verkaufen - und brauchte ein erweitertes Führungszeugnis... RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mark1967 - 11.09.2025 Mir kann niemand erzählen, dass die Leute sich nicht erkundigen, bevor sie jemanden einstellen. Der erwähnte Trainer kam doch aus Sachsen, war in Chemnitz quasi groß geworden. Vielleicht war er früher schon so drauf, vielleicht nicht. Oder liegt es an der Stadt? Bei den Turnerinnen in Chemnitz hatten wir doch erst den großen Skandal. Ich tippe da eher auf Kumpanei unter alten Freunden. Auf Kosten der eigenen Athletinnen. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Kyascaily95 - 11.09.2025 Was mich am meisten erschüttert, sind nicht nur die Taten selbst, sondern die Reaktionen vieler, die jetzt sagen: „Das war in der Szene doch schon lange bekannt.“ oder „Ich war gegenüber der Personalie immer schon skeptisch.“ Wenn es wirklich bekannt war, warum hat man denn dann auch als Außenstehender nicht gehandelt? Daß betroffene Athletinnen und Athleten sich zunächst niemandem anvertraut haben, ist nachvollziehbar. Es gibt viele Gründe dafür:
Ich selbst sehe mich als Teil der sogenannten „Szene“. Aber mir waren die Fälle, die jetzt aus Hannover öffentlich wurden, nicht bekannt. Vor allem in den Anfängen seiner Trainerlaufbahn in Chemnitz und Düsseldorf habe ich viel Positives von Seiten der von ihm trainierten Athletinnen und Athleten gehört. Das sehr persönliche Verhältnis hatte man immer darauf zurückgeführt, daß er zu Beginn selbst noch aktiv als Athlet war und die Gruppe parallel dazu gecoacht hat. Daß aber das, was einfach nur vertraut und persönlich wirkte, an irgendeinen Punkt in eine massive und systematische Grenzüberschreitung mündete, war mir unbekannt und ist mMn unentschuldbar. Jetzt zu lesen, man habe es gewusst, und gleichzeitig die Verantwortung nur bei den Verbänden abzuladen, finde ich hochgradig doppelmoralisch. Natürlich haben auch die Verbände Fehler gemacht. Ein Trainer, bei dem schon früher ein fragwürdiger Umgang mit Sportlerinnen und Sportlern beobachtet wurde, hätte nie ohne tiefgehende Prüfung wieder eine verantwortliche Rolle erhalten dürfen. Aber die Verantwortung endet nicht beim Verband, sondern fängt bei uns allen an. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 11.09.2025 Kyascaily95, da will und muss ich umbedingt zustimmen. Ich glaube es gibt auch aktuell einige, die sich selbst genau das fragen: Hätte man persönlich was anders machen können/müssen? Ich glaube, die intensität der Vorwürfe war den meisten nicht bekannt. Vermutlich hätten viele dann stärker gehandelt. Oft ist es bei Akteueren ja eher, dass man ein schlechtes Gefühl hat, oder Grenzen überschritten sieht, aber nicht ahnt, wie weit sie wirklich überschritten werden, weil das doch offen gestanden auch oft unvorstelltbar ist. Ein wenig wollte ich auf das, was du nun forderst, vor einigen Wochen bereits hinaus, als ich betonte, es sei wichtig, auch Anmerkungen wie "damit fühle ich mich unwohl" oder so ernst zu nehmen und ein Klima zu schaffen, in der auch "kleine Namen" gegenüber großen äußern können, dass sie ein verhalten falsch empfinden (was ich allein dieses Jahr auf Einlaufplätzen gehört habe...). Aber les dir nur mal den Verlauf des Threads hier an, der ja weit vor der Doku begonnen hat. Bis zu dieser Doku wurde mehrheitlich fast jeder Ruf nach einem anderen Klima und besseren Hinsehen abgetan mit "man darf ja nichts mehr machen", "Sexismus ist wo anders viel schlimmer", etc. Wenn schon betroffene sorge haben, nicht ernst genommen zu werden, wie hoch ist die Wahrschenlichkeit, dass Leute die "nur etwas gehört haben" nicht einfach nur als Nestbeschmutzer gelten. Vor allem wenn es um Akteure geht, die ein Hauptamt haben. Selbst jetzt hab ich diese Woche noch von mehreren Menschen Vorwürfe gegen die Personen, die sich in der Doku geäußert haben und das ZDF gehört, in denen diesen jeweils eigene Interessen unterstellt werden. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Roy Schmidt - 11.09.2025 (11.09.2025, 13:02)mark1967 schrieb: Mir kann niemand erzählen, dass die Leute sich nicht erkundigen, bevor sie jemanden einstellen. Der erwähnte Trainer kam doch aus Sachsen, war in Chemnitz quasi groß geworden. Vielleicht war er früher schon so drauf, vielleicht nicht. Oder liegt es an der Stadt? Bei den Turnerinnen in Chemnitz hatten wir doch erst den großen Skandal. Ich tippe da eher auf Kumpanei unter alten Freunden. Auf Kosten der eigenen Athletinnen. Legit jeder wusste was diese Personalie für ein Typ war und das schon immer. Das Thema wird halt leider immer erst ernst genomen, wenn es Druck von außen gibt. Und es gibt noch ganz andere Vorfälle über und von dieser Person außerhalb sexueller Nötigung/Vorfälle, auch wenn das alleine schon mehr als schlimm genug ist. Dazu kommt, dass mir ohne nachzudenken noch mindestens 10 weitere Trainer einfallen, die einen Auftritt in der Doku verdient hätten. Man könnte meinen, es ist ein strukturelles Problem und der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf... RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - trackwatchnds - 11.09.2025 (11.09.2025, 13:02)mark1967 schrieb: Mir kann niemand erzählen, dass die Leute sich nicht erkundigen, bevor sie jemanden einstellen. Der erwähnte Trainer kam doch aus Sachsen, war in Chemnitz quasi groß geworden. Vielleicht war er früher schon so drauf, vielleicht nicht. Oder liegt es an der Stadt? Bei den Turnerinnen in Chemnitz hatten wir doch erst den großen Skandal. Ich tippe da eher auf Kumpanei unter alten Freunden. Auf Kosten der eigenen Athletinnen. Besagter Trainer und ein anderer Trainer des Team Saxxspeed, der bis letztes Jahr noch BT war, waren in der Jugend Zimmerkollegen im Internat. Apropos Turnen: Als wäre die Ironie hier noch nicht ausreichend vertreten, darf jeder gerne mal schauen, wer den Instagram Content für das Team macht... Ich weiß nicht, ob es hier eine maximale Zeichenbegrenzung für Beiträge gibt, aber ich habe auf jeden Fall einige Fragezeichen. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 11.09.2025 (11.09.2025, 13:31)Roy Schmidt schrieb:Es wird ja immer schlimmer. Der Trainer ist seit mehr als 15 Jahren tätig. Einige seiner Athleten waren dauerhaft jahrelang bei ihm, u.a. auch trotz Standortwechsel von der Jugend bis weit ins Aktivenalter hinein.(11.09.2025, 13:02)mark1967 schrieb: Mir kann niemand erzählen, dass die Leute sich nicht erkundigen, bevor sie jemanden einstellen. Der erwähnte Trainer kam doch aus Sachsen, war in Chemnitz quasi groß geworden. Vielleicht war er früher schon so drauf, vielleicht nicht. Oder liegt es an der Stadt? Bei den Turnerinnen in Chemnitz hatten wir doch erst den großen Skandal. Ich tippe da eher auf Kumpanei unter alten Freunden. Auf Kosten der eigenen Athletinnen. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Kyascaily95 - 11.09.2025 (11.09.2025, 17:06)mariusfast schrieb:(11.09.2025, 13:31)Roy Schmidt schrieb:Es wird ja immer schlimmer. Der Trainer ist seit mehr als 15 Jahren tätig. Einige seiner Athleten waren dauerhaft jahrelang bei ihm, u.a. auch trotz Standortwechsel von der Jugend bis weit ins Aktivenalter hinein.(11.09.2025, 13:02)mark1967 schrieb: Mir kann niemand erzählen, dass die Leute sich nicht erkundigen, bevor sie jemanden einstellen. Der erwähnte Trainer kam doch aus Sachsen, war in Chemnitz quasi groß geworden. Vielleicht war er früher schon so drauf, vielleicht nicht. Oder liegt es an der Stadt? Bei den Turnerinnen in Chemnitz hatten wir doch erst den großen Skandal. Ich tippe da eher auf Kumpanei unter alten Freunden. Auf Kosten der eigenen Athletinnen. Genauso sieht es aus. Ein Großteil seiner Gruppe folgte ihm von Chemnitz nach Düsseldorf und dann noch nach Schalke, darunter auch (junge) Frauen. Deshalb ist die Aussage "er war schon immer so" nicht glaubwürdig für mich. Und wenn man tatsächlich schon in früheren Jahren den Eindruck gewonnen hatte, sein Umgang mit den Athletinnen und Athleten ist fragwürdig, dann frage ich mich, warum man jetzt hier im Forum erst in die Tasten zu hauen beginnt, anstatt vorher schon Alarm zu schlagen? Neben den Verbänden gibt es auch andere Anlaufstellen, wo solche Hinweise gerne angenommen werden - auch anonym. Sich über eine Person auszulassen, nachdem sie bereits von anderen an den Pranger gestellt wurde, ist natürlich der einfachere Weg. Ich möchte damit i.Ü. nichts, was dem Trainer vorgeworfen wird, schönreden. Trotzdem darf wohl die Kritik erlaubt sein, daß ich Äußerungen wie "ist schon lange in der Szene bekannt", "der war schon immer so" und "es gibt noch ganz andere Vorfälle mit dieser Person" skeptisch gegenüberstehe. Wenn ich dieses Wissen gehabt hätte, hätte ich nicht geschwiegen. Warum es andere (=Mitwisser) taten, erschließt sich mir nicht. Ausgehend von seinen Trainerkollegen kann es natürlich möglich sein, daß der eine oder andere unter ihnen auch Dreck am Stecken hatte, und sie sich dann gegenseitig gedeckt haben. Schon alleine, wenn man bedenkt, daß es Foristen gibt, die viel mehr Trainer kennen, die eben (noch) nicht öffentlich in die Mangel genommen wurden - das könnte meine These unterstreichen. Ich möchte aber betonen, daß das lediglich meine Spekulation ist und ich nichts von solch einem Fall weiß. Und ich hoffe inständig, daß auf die Doku noch eine Fortsetzung folgt mit weiteren Fällen, die noch nicht zur Sprache kamen. Wir brauchen diese Transparenz, damit sich Athlet*innen im Leistungssport wieder wohl und mündig fühlen. Aber die DLV-Manier "wir können ja einfach den Namen des Trainers von der Website entfernen und schon ist unsere Pflicht getan" führt zu nichts. Das ist ganz weit weg von Transparenz und Aufklärung. Ohne diese nützt das beste Schutzkonzept nichts. |