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RE: Germany athletics - Jakob94 - 22.11.2025

(22.11.2025, 10:58)TranceNation schrieb:
(21.11.2025, 20:44)Jakob94 schrieb: Nein - nicht lächerlich, sondern gesellschaftlich unglaublich wertvoll!

Die Frage ist wo man hinwill. Wenn du die LA als reinen Jedermann- und Vereinssport siehst, dann geht es nur über niedrige Beiträge. Wenn wir jedes Jahr im August über den Niedergang der LA heulen, brauchen wir Profitum. Wenn wir aber alles haben wollen, brauchen wir Profi- und Jedermann-Teams. Das soll von mir keine Wertung sein, aber man kann sich nicht über die mangelnden Möglichkeiten zur Professionalisierung beklagen und gleichzeitig Profi-Konzepte verteufeln.

Im Prinzip volle Zustimmung - natürlich brauchen wir beides. GA verkauft sich momentan aber so, dass es nur das eine geben soll und macht alles andere schlecht. Und das ist halt Quatsch: Den Spitzenbereich ohne das klassische Vereinswesen kann es nicht geben!


RE: Germany athletics - MikeStar - 22.11.2025

@TranceNation 2k14

Meine Befürchtung bzgl. der Reaktion darauf RBL und BVB auf eine Ebene zu setzen bezog sich lediglich auf die Empörung darüber, weil wenn man sowas in einem Fußball-Forum machen würde, man vermutlich gelyncht würde.

Ich bleibe aber bei meiner Aussage und erachte diese mitnichten als Blödsinn oder Allgemeinplätze. Egal ob BVB, RBL, FCB oder andere Profivereine im Fußball. Es sind Konstrukte deren Ziel Erwirtschaftung (und Maximierung) von Gewinn ist. Eine Komponente ist halt Spieler günstig einzukaufen und später teuer zu verkaufen. Jugendspieler werden oft auch von kleinen Vereinen ausgebildet und wechseln erst in der U14-U16 zu den großen Vereinen. Die Basis-Ausbildung erfolgt "auf dem Dorf", die Spezialisierung bei den großen Vereinen. Spieler mit Potential werden verliehen und holen sich dort weitere Ausbildung.

Wenn ich es richtig verstehe macht GA es nicht viel anderes. Ich kann das Konzept auch komplett falsch verstanden haben, das will ich nicht ausschließen. 

Und ich sehe halt eine Gefahr, dass wenn Vereine die Spitze revolutionieren, ohne dass die Basis mitbetrachtet wird, die Schere zwischen Profitum und klassischem Vereinswesen (Basis) auseinander geht. Ich glaube die LA braucht eine solche Revolution bzw. kann von GA durchaus profitieren. Aber dazu bräuchte es meiner Meinung nach eben auch finanzielle Ausgleiche von oben nach unten. 

Ich weiß z.B. nicht, wie es in der LA ist, wenn ein junger Athlet z.B. von einem Verein wie Bayer Leverkusen oder potentiell GA wechselt, ob der abgebende Verein eine Ausbildungsentschädigung enthält?!


RE: Germany athletics - alex72 - 22.11.2025

Nein. Erhält er nicht


RE: Germany athletics - Poliquin - 22.11.2025

Die Fußballdiskussion welcher Verein besser ist wollte ich nicht lostreten. Ich schaue kein Fußball und kenne mich nicht ehrlich gesagt in den Details nicht aus.

Ich hätte exemplarisch auch jeden anderen Verein nennen können, der die Leistungsträger aufkauft....

Wenn GA sich bei seinen Insta-Storys rühmt, dass man der erfolgreichste Verein in Deutschland ist, dann hat das einen faden Beigeschmack, weil diese Erfolge "zusammengekauft" wurden.

Und es finden nicht immer freiwillige Wechsel der Athleten statt.

In den Kooperationsvereinen ist es so, dass Athleten für die Teilnahme an deutschen Meisterschaften ihr Startrecht bei dem jeweiligen Franchise habe müssen. Also ist der Wechsel des Startrechtes zum Franchise bei Teilnehmern von Landesmeisterschaften obligatorisch.

Auch das aktive Abwerben ist Gang und Gäbe - ob erfolgreich oder nicht.

Vereine suchen Trainer, Sportler - bilden aus - bezahlen und sobald man sie als Aushängeschild nutzen könnte, um Werbepartner an Land zu ziehen, kommt jemand mit viel Geld und holt sich diese Leistungsträger.
Sponsoren für den kleinen Verein? Schwierig.

Die Ausbildungsvergütung wie im Fußball würde der LA in diesem Fall helfen. Wurde ja bereits hier erwähnt. 

M.E. sind Kooperationen mit Startgemeinschaften für die einzelnen Vereine besser, da die Athleten/Athletinnen mit ihrem Startrecht bei ihren Heimatvereinen bleiben und die Werbewirksamkeit für die Vereine durchaus besser ist.

Extrem störend fand ich zudem die Übertragung der deutschen Meisterschaften durch die ARD, weil bei fast jedem startenden Athleten die Zugehörigkeit von CA genannt wurde - andere Vereine wurden nur bei Platzierungen genannt.

Gut, wenn man den Moderator in seinen Expertenrat holt und so noch öffentlich rechtlich kostenlos Fernsehwerbung hat.


RE: Germany athletics - Sallermann - 23.11.2025

Müssten unsere Vereine einen Exodus an leistungsstarken Athlet:innen verkraften wie aktuell die LG Stadtwerke München an Munich Athletics, würden ihnen Sponsoren abspringen.

Mit dem Geld der Sponsoren werden aber die U14-, U16- und U18 Trainer bezahlt, die, die ehrenamtlich mehrmals die Woche auf dem Platz stehen und die Arbeit leisten sollen, die in anderen Threads (wenn es um Nachwuchsarbeit geht) hier immer wieder gefordert wird.
Der Verein soll ihnen bestenfalls auch Aus- und Fortbildungen bezahlen und natürlich auch Fahrtkosten zu Wettkämpfen erstatten.

All das ist über den Mitgliedsbeitrag allein nicht zu leisten. Für Sponsoren musst du mit den Athleten, die von diesen Trainern profitiert haben, als sie selbst U16 waren und jetzt erfolgreich sind, sichtbar in der Region sein. 

Wenn GA schon selbst keine Nachwuchsarbeit machen möchte - und ordentliche Nachwuchsarbeit ist mühsam, manchmal frustrierend und teuer - sollten sie in den Vereinen, von denen sie Athlet:innen abwerben, wenigsten mindestens eine Trainerstelle bezahlen.


RE: Germany athletics - alex72 - 23.11.2025

GA plant auch eine Nachwuchsarbeit. Bis jetzt gibt es nur Ansätze.


RE: Germany athletics - trackwatchnds - 23.11.2025

(22.11.2025, 13:48)TranceNation 2k14 schrieb:
(22.11.2025, 12:04)trackwatchnds schrieb: Ich wollte mit meinem Beitrag in erster Linie den ursprünglichen Populismus-behafteten und sachlich falschen Beitrag korrigieren (à la Bayern kauft die Bundesliga leer und schmückt sich mit der Arbeit der anderen). Welches andere Kriterium als Bundesliga-interne Wechsel denn eher passen sollten, erschließt sich wiederum mir nicht. Holt GA die Burghardts, Potyes, Onnens und Madukas aus dem Ausland?

Du kannst Fußball- und LA Transfers insofern nicht vergleichen, als Ausländer kein Startrecht bei DM haben, in der BuLi aber schon. Daher ist das Transferverhalten nicht vergleichbar. Zudem kannst du zum Thema Leerkaufen und Schwächen nicht über die Anzahl, sondern über den Impact argumentieren. Du musst nur die Statistik rauswühlen, in der der heilige FCB immer den gefährlichsten Konkurrenten fundamental durch Transfers der jeweiligen Anker schwächte (zB Borowski, Götze) ohne dass die dort eine längere Perspektive hatten oder gehabt hätten. Straf mich Lügen aber das Transferfenster 2021 zugunsten des FCB hatte so überhaupt nichts mit einer Schwächung von RBL zu tun?

Bevor wir in die Plauderecke umziehen müssen: Ich habe bewusst nichts rausgewühlt, sondern Transfers der letzten 25 Jahre benannt. Da ist nichts geschönt oder mit einem selektiven Blickwinkel betrachtet. Bei einer Diskussion über Impact muss man allerdings erstmal zugrunde legen, dass sich jeder im Wettbewerb stehende Bundesligaverein versucht im Rahmen der eigenen (v. a. finanziellen) Möglichkeiten zu verbessern, so wie die Spieler selbst natürlich auch. Um die eigene Mannschaft auf dem Transfermarkt sinnhaft zu verstärken oder ergänzen, bedienen sich ranghöhere Vereine beinahe qua Naturgesetz bei denen eins darunter. Das ist nur logisch und weit verbreitete Praxis. Während es bei den Bayern dann eben die gefährlichsten Konkurrenten sind, halten es der BVB, RBL, Leverkusen oder früher eben Bremen, Schalke und Stuttgart bei ihren "Zulieferern." Jeder fischt in seinem passenden Teich, bzw. in dem für ihn zugreifbaren von dem er sich Impact verspricht. Der fleißigste Fischer ist nachweislich nun mal der BVB, ohne dass ich ihnen unterstellen würde, dass sie sich ihre Konkurrenten dadurch gezielt vom Hals halten würden. Selbstverständlich kann das trotzdem passieren, wenn die abgebenden Vereine mit den Ablösesummen - die leichtathletischen Vereine stehen nach den Abgängen blank da - keinen passenden Ersatz finden. Wenn bspw. Fans von BMG oder zuletzt dem VfB Stuttgart gegenüber dem BVB noch tiefergehende Absicht unterstellen, dann werde ich ihnen aber auch nicht widersprechen (können).

Ohne die Intentionen der Bayern-Transfers in 2021 zu kennen, würde ich also entgegnen, nicht zuzustimmen. In erster Linie sollte das eigene Team verbessert werden und da war jeder einzelne Transfer rational begründ- und nachvollziehbar. Zumal der mitverpflichtete Trainer (logischer Karriereschritt) da den ein oder anderen Wunsch platziert haben könnte...
Ebenso könnte man argumentieren, dass es nicht aus dem Transferverhalten von RBL ersichtlich wird, das eigene Team möglichst zusammenhalten zu wollen. Sie verkaufen dann eben ins Ausland, wodurch das mittlere Niveau der Bundesliga eher sinkt.


RE: Germany athletics - Reichtathletik - 23.11.2025

Der große Unterschied ist aber doch Teamsport/Individualsport. Auch wenn ich den Teamfaktor in der Leichtathletik für bedeutend halte, ist die Aufgabe von Vereinen letztlich Athleten zu bestmöglichen Ergebnissen zu befähigen. Das bedingt, dass in manchen Karrierephasen eine Wechsel sinnvoll ist. Es bedingt aber auch, dass man keine Transferstrategie als Verein hat, sondern Umfeldfaktoren erschafft, um besagtes zu leisten. Und eine Fähigkeit die vielen Vereinen, und nun sehr prominent, GA, dabei fehlt, ist "nein" sagen, wenn man ehrlicherweise Athleten nicht besser entwickeln kann als andere. Und dazu gehört nunmal mehr als Geld. Manchen Athleten würde sogar weniger Geld gut tun, aber das ist nochmal eine andere Sache


RE: Germany athletics - MikeStar - 23.11.2025

Warum sollten LA-Vereine denn keine Transferstrategie haben?

Athletenausbildung kostet Geld und wie ihr ja schreibt, die Beiträge sollten möglichst gering sein. 

Wenn jetzt ein Verein bis zu einem gewissen Punkt Talente ausbildet, irgendwann aber strukturell und personell an seine Grenzen kommt oder aber ein Verein wie GA Talente abwirbt, die der Verein ausgebildet hat, finde ich es schon gerecht und angebracht, dass der ausbildende Verein entschädigt wird. 
Letztlich sind ja die Athleten/Talente ein nicht unerheblicher Teil des Potential (ich will nicht "Kapital" sagen) des Ausbildungsvereins. 

Wenn ich als Verein weiß. dass ich meinen Talenten z.B. nur semi-professionelle Bedingungen bieten kann und sie irgendwann abgeben muss bzw. sie irgendwann wechseln werden, kann ich auch Vorkehrungen treffen mich dafür finanziell abzusichern. 
Die zuvorderste Aufgabe von Vereinen ist immerhin überleben, also Erträge gleich oder größer Kosten/Aufwendungen zu halten. Ab einem Bereich können Vereine die Kosten einfach nicht mehr nur über die Beiträge decken und wenn dann finanzstärkere Konstrukte die leistungsstarken Sportler kostenlos abwerben, kann sich das finanziell nicht mehr ausgehen. 

Auf dem Papier (Website) finde ich den Ansatz von GA mittelweile gar nicht verkehrt, allein wie die Praxis mittel- bis langfristig umgesetzt wird, wird aber entscheidend sein.


Edit: Mir ist klar, dass es keine Transferstrategien gibt, wenn es keine Entschädigungen bei Vereinswechseln gibt. Evtl. bringt GA aber die Notwendigkeit das Wechselsystem zu überdenken?


RE: Germany athletics - Reichtathletik - 24.11.2025

Wir reden viel zu viel über Geld statt über Sport!
Sowohl wir als Trainer/Vereine als auch wir als Athleten.

Und genau das ist der Fehler.

Wir sollten das doch alle machen, weil wir es wollen, nicht weil wir dafür bezahlt werden!

Vereine/Trainer sollten die Motivtion haben, Athleten bestmöglich weiterzuhelfen. Wenn sie an einen Punkt geraten, an dem andere das besser können, ist es in der Logik auch unsere Aufgabe, Athleten weiterzugeben. Der beste Rat ist dann der, auf den Rat anderer zu hören! Das passiert eh schon viel zu wenig.

Athleten sollten die Motivation haben, sich bestmöglich zu entwickeln. Dazu kann auch Geld gehören, aber viel wichtiger sollten Umfeld, Trainer(!!!!!), langfristige Perspektive, Trainingspartner, etc. sein.

Ich empfehle sich mal mit dem sog. Korrumpierungseffekt zu beschäftigen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Korrumpierungseffekt

Vereinfacht ausgedrückt: Werde ich für etwas, dass ich zunächst aus intrinsicher Motivation gemacht habe, extrinsisch belohnt, sinkt(!) meine intrinsiche Motivation.
Und glaubt wirklich jemand, dass jemand dauerhaft Spitzensport betreibt, weil er dafür belohnt wird? Nein, das wichtigste ist die intinsche Motivation. Sie ist vielleicht sogar der wichtigste Aspekt.
Und wir machen ihn immer weiter kaputt – bei Athleten aber auch Ehrenamtlichen.

Und da wundert sich jemand über Drop-Outs?!?!

Deshalb finde ich es auch unsäglich minderjährigen bereits Prämien zu zahlen. Und ich finde es falsch, Athleten kleine Geldsummen zu zahlen, die keinen Unterschied im Leben, aber in der Psyche machen. Sportförderung, auf Nebenjob oder ähnliches Verzichten zu können, Miete für Umzug, das ist etwas anderes. Aber "100 Euro und bleib in deinem Umfeld" ist keine Förderung, das ist Motivationsvernichtung!

Was bleibt nach 1-2 Jahren: Athlet: Wenn ich kein Geld bekom, ist es ein Abstieg, ich hör auf. Trainer/Verein: Alles was wir machen ist weniger wert als 100 Euro.
-> Nicht nur Motivation schwindet, sondern auch unsere Leistung als Sportler und Trainer/Verein wird von uns selbst schlechter bewertet.