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Zustand deutscher Wurfbereich - Druckversion

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RE: Zustand deutscher Wurfbereich - dominikk85 - 07.08.2019

(07.08.2019, 20:13)Sebastian schrieb: Mir gehen schon länger ähnliche Gedanken durch den Kopf, noch verstärkt um das "neue" Sorgenkind Stab, wo es vor gar nicht allzu langer Zeit noch vor Weltklasse (vor allem bei den Männern) wimmelte.

Ich habe natürlich nicht mal im Ansatz Einblick (oder Ahnung) von Training, Trainern, Stützpunktstrukturen oder gar der allgemeinen "Nachwuchssituation" in diesen Bereichen, aber mich beschleicht so das Gefühl, dass die Polen das deutlich besser machen.

Wieso ausgerechnet Polen? Weil die polnische Leichtathletik, ähnlich wie die deutsche (zumindest noch vor einigen Jahren), ihre Stärken im technischen und Wurf-/Stoßbereich hat. Ja, im Speerwurf ist dort gar nichts, aber die momentane Situation in Deutschland (eigentlich nur bei den Männern) ist jetzt auch gerade mal 3-4 Jahre so luxuriös, vorher war hier auch länger Brachland und Peter Blank war noch bis in die 2000er rein ganz weit vorne in Deutschland.

Ich glaube, mit einer Konzentration und gezielter Förderung dieser DIsziplinen wäre der deutschen Leichtathletik wesentlich mehr geholfen. Wenn man kein äußerst erfolgreicher Sprintstar ist (Nein, bei aller Liebe, das ist Gina Lückenkemper nun doch nicht), zählt für die Leichtahtletik eigentlich vorrangig Olympia um Erfolge/Ruhm/Präsenz und Storys zu erzeugen (und selbstverständlich auch finanziell erfolgreich zu sein, das gehört dazu). Bei Olympia ist es aber wesentlich einfacher, in den Wurfdisziplinen Medaillen zu erreichen als im Laufbereich. Und Olympiymedaillen SIND eben "sexy", Harting war mit Abstand der größte Star der letzten Jahre (gut da kommt auch Charisma hinzu, aber geschenkt), aber hir rennt ja fast alles dem scheinbaren Lauferfolg nach, ich denke, dass das noch ein böses Erwachen gibt.

Man merkt es ja hier im Forum: Koko der neue Darling, wo stellenweise zukünftige Weltrekorde prognostiziert werden: Davon ist sie noch weitweit weg und sie hat noch absolut gar nichts Zählbares im internationalen Bereich gerissen. Irgendwie ist dann die Leichtathletik als Ganzes doch anscheinend zu heterogen um jede Disziplin entsprechend zu würdigen, es wäre vielelicht ehrlicher von der Sportart "Sprinten, dann längeres Laufen und noch lästiges Beiwerk dazu" zu sprechen, aber dass selbst der Verband die Technikseite vernachlässigt ist dann doch mindestens ärgerlich, wenn nicht fahrlässig.

goldmedaillen helfen natürlich sehr, aber sie sind keine Garantie ein Star zu werden. Viele deutsche Gold gewinner sind keine Stars, niemand erkennt Thomas röhler auf der Straße oder Christina schwanitz.

Robert harting war ein Star weil er jahrelang dominierte und noch dazu eine "big personality" hat.um in der LA ein echter Star zu sein braucht es sowohl Erfolg als auch Charisma.


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - Gertrud - 08.08.2019

1. Erst einmal muss man konstatieren, dass es immer wellenförmige Bewegungen und Entwicklungen geben wird. 
2. Man sollte auch immer bei Hochzeiten der Protagonisten die Reihe danach und den Nachwuchs im Auge behalten und auch personell untermauern.
3. Außerdem sollte man Verletzungsstatistiken führen und die Verletzungen katalogisieren. Dann sollte man die verschiedenen Zentren danach abklopfen. 
4. Es müssen Alternativprogramme mit dem Verletzungspotential Cero eingeplant werden.
5. Die Fortbildungsschiene im Wurfbereich war immer sehr intensiv durch das IAT begleitet. Die Biomechanik war und ist exzellent. Allerdings richte ich den Kritikpunkt auf den Kraftbereich, den ich teilweise völlig umgestalten würde, auch wenn weltweit immer noch das Gewichtheben als Zubringer dient.
6. Natürlich kann es Zentren geben, die trainermäßig gut bestückt sind. Blutet aber die "Nester" nicht aus, sondern unterstützt sie sogar!
7. Ich würde Zentren nicht nur auf bestimmte Disziplinen "betonmäßig" festlegen. Das ist der größte Fehler im jetzigen System aus meiner Sicht! Neben der Durchstrukturierung muss immer noch Platz für Kreativität und Flexibilität bleiben. Nehmen Sie Wattenscheid! Es ist doch ein Witz, dass man eine Sabine Braun nicht schwerpunktmäßig im Siebenkampf und Sprungbereich trotz Schnabel einsetzt und bestückt. Außerdem gibt es mich auch noch, wenn ich auch momentan etwas Pause benötige. Mir ist die Vereinszugehörigkeit völlig gleichgültig. Zudem hat Sabine auch im Hürdenlauf ihre Qualitäten gezeigt. Es muss doch nicht nur einen Trainer am Zentrum geben. Es sollte nicht nur ein Slabo die Talente erhalten. Konkurrenz im eigenen Stall belebt das Geschäft und erhöht die Vielfalt. Nicht jede Athletin kommt mit jedem Trainer klar. 
8. Der DLV sollte einen "think tank" (Denkfabrik) in den Blöcken einrichten - auch mit "Querdenkern"!!

Robert Harting hat letztens beim Interview sinngemäß etwas sehr Gutes gesagt. Jetzt ist Magdeburg beim Diskuswerfen vorne und Berlin das Zentrum. Lasst sie dort in Magdeburg. Wie wahr!!! Übrigens führt Evonik hier vor Ort eine Denkfabrik, die eine enorme Geldsume bekommt. Sie dürfen in alle Richtungen forschen - auch mit Geldausgaben, die sich hinterher als Irrwege und Fehler herausstellen. 

Ich gebe mal ein Beispiel: Wenn bei Storl beim Anfang seiner Karriere eine "Denkfabrik" als Begleitung z.B. mit Personen, die Querdenker und Arbeiter auf bestimmten Gebieten sind wie ich, gearbeitet, hätte der jetzige Trainer nicht die Last mit den Rezidiven. Es ist immer schwierig, wenn man einen lädierten Athleten übernimmt. Ich habe diese massiven LWS-Beschwerden bei Storl bei einem Vortrag im Ausland genannt und gezeigt.  

Gertrud


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - gera - 08.08.2019

ich wehre mich dagegen zu sagen , Wurfdisziplinen können nicht populär werden.
Hier fehlt es m.E. vor allem an der Darstellung in den Medien. So stiefmütterlich wie die Wurfdisziplinen werden die anderen Diszplinen nicht behandelt. Es werden doch meist nur die Ergebnisse bebildert gemeldet, ein Wettkampf insgesamt garnicht.
Es muss natürlich zuerst Leistung gebracht werden.
Wir hatten Zeiten da war auch Hammer populär ( Uwe Beyer u.a.) oder Diskus ( Riedel.. )


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - longbottom - 08.08.2019

(08.08.2019, 09:29)gera schrieb: Hier fehlt es m.E. vor allem an der Darstellung in den Medien. So stiefmütterlich wie die Wurfdisziplinen werden die anderen Diszplinen nicht behandelt. Es werden doch meist nur die Ergebnisse bebildert gemeldet, ein Wettkampf insgesamt garnicht.
Es muss natürlich zuerst Leistung gebracht werden.

Das stimmt in der Regel, was die internationale Regie zum Beispiel in der Diamond League angeht. Aber das ist nicht der Fall bei Übertragungen mit deutscher Regie, wie bei ARD/ZDF. Da kommen die Wurfdisziplinen in der Regel zu ihrem Recht. Zumindest die mit aussichtsreichen deutschen Startern.


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - Mica - 08.08.2019

Ich persönlich finde, dass die Wurfdisziplinen die Interessantesten in der Leichtathetik sind.

Jeder (m/w/d) hat drei Versuche, um in den Endkampf zu kommen.

Es zählt nur der beste Versuch (außer bei Weitengleichheit: Daher kann es auch sinnvoll sein, einen schlechten Versuch messen zu lassen).

Im normalen Wettkampf mit 6 Versuchen passiert es meistens, dass im 4. Durchgang keiner eine gute Weite erzielt (Spannungsabfall bzw. Erholung).


Im 5. Versuch gibt es dann oft eine gute Weite, mit der nicht unbedingt gerechnet wurde.


Dann steigt das Finale:

Werfer auf Platz 8 macht den Wurf seines Lebens und bringt andere in Zugzwang.

Es wird gekontert (oder auch nicht). 

Werfer auf Platz 5 verbessert sich auf Platz 2.

Die anderen bringen nichts.

Werfer A, der sich nach dem dritten Versuch sicher war, zu gewinnem, wird auch in Zugzwang gesetzt.

Schafft er es - oder doch nicht?

JAA! Neuer deutscher Rekord!


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - dominikk85 - 08.08.2019

Was dem wurf wie auch 3 und Weitsprung ein wenig fehlt ist der direkte Duell Charakter. Durch die modernen Methoden im Fernsehen mit virtuellen Linien ist das schon deutlich verbessert, aber man hat halt nicht dieses direkte wer zuerst im Ziel ist hat gewonnen. Und vor allem hat man nicht diese dramatische Zuspitzung. Ein 1500m Rennen ist die ersten 2 Runden langweilig und dann wird es immer spannender bis zur Ziellinie. Es gibt Ausnahmen wo jemand das Rennen früh entscheidet, aber in der Regel passiert das erst auf der letzten Runde.

der Wurf hat diese Zuspitzung nicht, da kann es einen Konter im letzten Versuch geben, oft ist es aber auch nach dem 2. Durchgang quasi vorbei.

ein früherer Trainer von mir hatte mal einen speerwurf cup veranstaltet für gute Junioren (Teilnehmer warfen so 60-70m mit dem 700er) und da gab es ein KO System mit setzliste wie im Tennis (damit nicht die Nummer 1 die 2 in Runde 1 raushaut) und dann hatte in jeder Runde (ich glaube 1 oder 2 würfe) und der bessere kam weiter. Am ende gab es dann ein Finale um den Sieg.

bei den Athleten kam das damals gut an, hat sich aber anscheindend nicht durchgesetzt.

fände das eigentlich keine schlechte Idee. Im der Quali ermittelt man konventionell die top8, und dann gibt es eine setzliste und je 2 würfe pro ko Runde (um den Glücks Faktor zu reduzieren wertet man nur den besseren, also quasi 1 Streich resultat) und am Ende hat man ein Finale. Wären dann zwar 8 statt 6 würfe zum Sieg, aber das sollte man ja hinbekommen.

dann gewinnt zwar nicht unbedingt der beste Versuch den Wettkampf, aber das ist im stabhoch ja auch so, da hilft es die auch nicht wenn du einen 6m Sprung bei 5.70 machst. Denke das würde es für die Zuschauer schon interessanter machen als wenn der Sieger irgendwann mitten im Wettkampf bestimmt wird.


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - Sebastian - 09.08.2019

Das ist schon ewig lange mein Ansatz!

Ich würde den Wettkampf sogar auf 16 erweitern nach der Quali, danach Setzliste, 1 vs. 16 usw.; Duelle "Best of 3", abwechselnd beginnen und schon hätte man einen knackigen, vor Spannung knisternden Wettkampf, der mindestens die langweiligen Langstreckenrennen in den Schatten stellt Big Grin ‌ Das wäre übrigens auch näher an der Ursprungsidee der Leichtahtletik dran: In Olympia wurden gar keine Weiten gemessen sondern es ging schlicht darum, weiter als der direkte Kontrahent zu sein.

Auch für die Vertikalsprünge gäbe es eine mögliche Variante: Die SpringerInnen haben gesamt 10 Versuche und können die verteilen, wie sie wollen. Bei 3x selbe Höhe gerissen (bzw. beim Auslassen 3x gerissen ohne dazwischen eine neue Höhe geschafft zu haben) ist der Wettkampf natürlich nach wie vor vorbei. Auch das würde interessante Wettkämpfe bedeuten, keine Ahnung, wieso es so wenig Ideen in diese Richtung gibt? So macht es (ansatzweise) das Gewichtheben schon ewig und das macht diesen an sich ziemlich "drögen" Sport auch durchaus interessant.


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - longbottom - 09.08.2019

(09.08.2019, 09:58)Sebastian schrieb:  

Auch für die Vertikalsprünge gäbe es eine mögliche Variante: Die SpringerInnen haben gesamt 10 Versuche und können die verteilen, wie sie wollen. Bei 3x selbe Höhe gerissen (bzw. beim Auslassen 3x gerissen ohne dazwischen eine neue Höhe geschafft zu haben) ist der Wettkampf natürlich nach wie vor vorbei. Auch das würde interessante Wettkämpfe bedeuten, keine Ahnung, wieso es so wenig Ideen in diese Richtung gibt? So macht es (ansatzweise) das Gewichtheben schon ewig und das macht diesen an sich ziemlich "drögen" Sport auch durchaus interessant.
Und warum sollte man ausgerechnet Gewichtheben als Maßstab nehmen? Weil das so populär ist und derart oft im TV übertragen wird? Jede Leichtathletik-Disziplin außer vielleicht (und auch nur vielleicht) Gehen ist hierzulande um Längen populärer als Gewichtheben.


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - Sebastian - 09.08.2019

Das war nur ein Beispiel für Formate, die es eben schon gibt und die sich (im Rahmen dieser Sportart) auch bewährt haben.

Seit Jahren ist allseits das Gejammer groß, wie "unpopulär" die Leichtathletik doch sei und woran das liegen könnte und vor allem was dagegen unternommen werden könnte.

Von daher war das eben ein Ansatz, wie man Wettkämpfe  "spektakulärer" gestalten könnte, ohne sie einfach nur grob zu verkürzen. Eine Garantie, dass so etwas funktioniert, gibt es natürlich ex ante nicht, aber "Versuch macht kluch". Auch die Ausscheidungsrennen bei der Team-EM waren ein durchaus innovativer Ansatz anstatt eben zu sagen : "Alles zu lang und langatmig, wir laufen jetzt nur noch bis maximal 1500 Meter". Dass es dann in der Praxis nicht das Gelbe vom Ei war, ok, aber den Versuch war es allemal wert.

Sorry für das Off-Topic!


RE: Zustand deutscher Wurfbereich - RalfM - 09.08.2019

(09.08.2019, 09:58)Sebastian schrieb: Auch für die Vertikalsprünge gäbe es eine mögliche Variante: Die SpringerInnen haben gesamt 10 Versuche und können die verteilen, wie sie wollen. Bei 3x selbe Höhe gerissen (bzw. beim Auslassen 3x gerissen ohne dazwischen eine neue Höhe geschafft zu haben) ist der Wettkampf natürlich nach wie vor vorbei. Auch das würde interessante Wettkämpfe bedeuten, keine Ahnung, wieso es so wenig Ideen in diese Richtung gibt? So macht es (ansatzweise) das Gewichtheben schon ewig und das macht diesen an sich ziemlich "drögen" Sport auch durchaus interessant.

Die Wurfideen klingen sehr nach Skispringen, kann man überlegen.

Die Vertikalidee verstehe ich noch nicht. Ist doch der selbe Wettkampf wie schon immer, nur mit der Limitierung auf 10 Sprünge. Das hat doch nur zur Folge, dass der Sieger am Ende keinen letzten Versuch mehr für die Weltrekordhöhe hat.