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Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) (/showthread.php?tid=1431) |
RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - Hellmuth K l i m m e r - 01.10.2015 (01.10.2015, 18:52)beity schrieb: @HellmuthEin ehrliches Statement hätte vielleicht lauten können/sollen: Ich habe mich überschätzt; ich war doch nicht so gut vorbereitet; hintenraus fehlten mir die "Körner"; Baumann hat vielleicht recht: mir fehlt evtl. die Unterdistanz-Leistungsfähigkeit ... Das mit dem "plötzlich 'gezogenem' Stecker" kann man eigentlich nur als erste Reaktion hinterm Ziel akzeptieren; später wäre/ist(!) eine plausiblere Aussage/Analyse notwendig. H. Klimmer / sen. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - t.win.ning snail - 01.10.2015 Wir sollten auch nicht vergessen, dass ihr Opa letzte oder vorletzte Woche verstarb, weshalb Anna ein schwarzes Tuch in die Haare eingebunden hatte. Das war sicherlich weder motivations- noch leistungsfördernd. Da kann dann schon mal ein Stecker schneller heraus rutschen und ein Ankämpfen gegen die Verlangsamung fällt auch schwerer. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - Solos - 02.10.2015 Ich weiß überhaupt nicht, mit was für einem Recht hier behauptet wird, Hahners Aussage sei nicht ehrlich. Ehrlicher als zu sagen, dass auf einmal nix mehr ging ("Stecker gezogen") geht es nun doch wirklich nicht. Eine ausführliche Analyse möglicher Ursachen wird es sicher intern geben/schon gegeben haben. Das diese nach außen getragen wird kann man nicht verlangen. Selbiges gilt für familiäre Todesfälle. So etwas bleibt Sache des Athleten, jeder geht damit anders um. Ich finde das hier ähnlich anmaßend wie die Aktion, Kipchoge einer Lüge zu bezichtigen. Was reitet dich nur manchmal, Hellmuth? RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - DerC - 02.10.2015 (01.10.2015, 20:19)Hellmuth K l i m m e r schrieb: Baumann hat vielleicht recht: mir fehlt evtl. die Unterdistanz-Leistungsfähigkeit ...Wenn ich von Canova trainiert würde, wäre mir sehr unwichtig, was ein oder eine Baumann sagt. (01.10.2015, 20:19)Hellmuth K l i m m e r schrieb: Das mit dem "plötzlich 'gezogenem' Stecker" kann man eigentlich nur als erste Reaktion hinterm Ziel akzeptieren; später wäre/ist(!) eine plausiblere Aussage/Analyse notwendig.Die wird es sicher geben. Aber bei aller Vermarktung, die diverse Menschen den Hahners aus verschiedenenen Motivation gerne vorwerfen, wahrscheinlich nicht so öffentlich, wie du das gerne hättest. Daran ist nichts verwerflich. Was einigen hier, die sich noch nicht intensiv mit Marathon beschäftigt haben nicht ganz klar sein mag: Eine geringe Fehleinschätzung kostet meist mehr als die Differenz zur Zielzeit. Was bedeutet das im Fall Hahner? Eben dass sie wenn sie ne 2h28 draufhat, aber ne 2h26 angeht bei 2h30 rauskommt. Wenn PB und Norm weg sind, wird die Quälbereitschaft geringer, außerdem zahlt mensch für die zu schnelle erste Hälfte. Dass sie die 2h26 angeht, bedeutet dass sie sich sehr sicher war. Also kann die Vorbereitung kaum schlecht gewesen sein. Hinterher ist es leicht zu sagen, dass die Form falsch eingeschätzt worden war. Vorher ist das mit Berücksichtigung von Tagesform etc deutlich schwerer. Und so ein Trauerfall kann sich durchaus auswirken. Dass man sowas dann nicht öffentlich breit treten möchte, ist wohl verständlich. Das "Unterdistanzgerede" geht mir auf den Sack. Da geht eben nicht viel, ist in dem Fall sehr offensichtlich typabhängig. Dazu sollte man die anderen WK-Ergebnisse nicht so ernstnehmen: Es ist z. b. offensichtlich, dass der 10er in 36' neulich nicht voll gelaufen war - sonst wäre Hahner in Berlin viel später ins Ziel gekommen. So hoffentlich schafft es Canova jetzt, sie zu einem frühen Marathon 2016 zu bewegen, auch wenn sie dadurch womöglich auf Geld verzichten würde. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - dominikk85 - 02.10.2015 die 36 Minuten waren sicher nicht voll gelaufen, aber auch ihre BL liegt ja nur bei knapp 34 Minuten (auf der straße glaube ich, habe nur auf IAAF geschaut). wenn sie da eine Minute zulegen könnte würde ihr das vermutlich sehr weiterhelfen mit 34m ist sie bei 2:26 ja vermutlich schon im grenzbereich ihres potentials. zum vergleich: eine soja oberem hat eine ähnliche Marathon BL, aber eine 10K PB von 32:29. dörre Heinig hat gar eine BL von unter 32m, aber ihre Marathon PB ist auch unter 2:25, also wäre der Maßstab vielleicht zu hoch. nicht jeder läufertyp ist gleich, aber um 33:00 wäre wohl schon angebracht für eine Läuferin die 2:26 laufen kann. wenn man es positiv sieht könnte man natürlich sagen, sie hat das Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht. besser so als wie mocki mit 31 und ein bisschen auch nur 2:26 laufen . aber wenn sie noch steigerungsmöglichkeiten auf der unterdistanz hat (nicht jeder kann das, im interview hat sie auf die frage ja gesagt sie würde viel daran arbeiten), sollte sie das auch wahrnehmen.
RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - lor-olli - 02.10.2015 Ich stimme "dem hohen C" zu ( ), Unterdistanzen zählen für andere Strecken, hauptsächlich auf der Bahn! Ich bin die 100m in 11 sec gelaufen, vermutlich flotter als die meisten Marathonies und was besagt das? (außer das ich beim Marathon eher eine "Schnecke" war) Bei 10K etwa ist das reine Lauftempo auf Unterdistanzen (1k5 oder 3k) interessant, aber nicht weil man dadurch auf 10k schneller wird, sondern weil diese Rennen oft im Spurt entschieden werden. Eine Strecke erfordert ein gewisses Tempo und optimal läuft es bezüglich der Zeit, wenn man annähernd gleichmäßig schnell läuft. Je kürzer die Distanz, desto besser kann man die Sauerstoffschuld wegen Overpacing beherrschen, dass funktioniert aber schon beim Halbmarathon nicht mehr. Niemand läuft eine PB bei sehr ungleichmäßigen Rennen, beim Marathon ist Overpacing die Garantie dafür, dass man den Stecker gezogen bekommt. Der Vorteil der erfahrenen Läufer ist, dass sie besser abschätzen können was (an DIESEM TAG) geht und was nicht. Renneuphorie, Wetterbedingungen, Vorbereitung, Renngestaltung, Streckenprofil, Gegner - alles muss mit einkalkuliert werden ohne zu überziehen / sich mitreißen zu lassen. Der "negative split" ist kein "showcase", sondern der Beweis für ein kluges Rennen, Marathons "beginnen" bei 30k, bis dahin sollte der Athlet wie eine "Maschine" laufen (nicht denken spart Energie! Keine Tempoveränderung, alles genau nach Plan - weswegen z.B, eine überlaufene Verpflegung durchaus kritisch sein kann). Ab km 30 ist dann die Unterdistanzgeschwindigkeit ziemlich irrelevant, hier entscheidet die Psyche manchmal mehr als die Physis, vorausgesetzt man hat gut geplant und es treten keine gesundheitlichen Probleme auf (Wund gelaufen, Sehnenschmerzen etc.). Nach der Logik der "Unterdistanzgeschwindigkeiten" müssten eigentlich die 1500m Läufer bei ausreichendem Training die Marathons gewinnen… Auch eine Orientierung an Ausnahmekönner wie Gebresselassie bringt nichts, der war einfach begnadet ALLES zu können. Mo Farah z.b. kann viel, aber einen Marathonweltrekord sehe ich bei ihm nicht kommen - vielleicht gewinnt er mal einen "Großen", vielleicht wird es auch ein Europarekord, aber einen WR sehe ich nicht, trotz allen Talents und aller psychischen Stärke und jeder Menge Trainings! RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - Wassergraben - 02.10.2015 Naja, mit Underdistanz sind in diesem Zusammenhang wohl eher die Strecken von 10K bis Halbmarathon gemeint und nicht 1500 oder 3000m. Alle Marathon-Topleute sind in der Lage, einen scharfen HM im Weltklassebereich zu laufen. So ganz kann man die Physiologie doch nicht außer Kraft setzen, irgendwann sind die Schonzeiten ausgereizt. Wenn dieses Verhältnis ohnehin recht eng ist, fehlt einfach die Luft zu weiteren Steigerungen. Apropos Canova: der kocht auch nur mit Wasser und seine Pläne müssen nicht zu jedem Athleten passen. Schließlich wurde vor diesem Trainerpapst auch schon schnell gelaufen und nicht jeder Spitzenläufer wird von ihm trainiert. Spätestens nach Wien(da hatte Anna vor der HM-Marke auch schon Probleme!) und den farblosen Starts danach hätte er ihr den Angriff auf die PB in Berlin ausreden sollen(vielleicht hat er es ja versucht . . ). Hier wäre ein klares Fokussieren auf die Norm vernünftig gewesen, vor allem auch weil Anna vielleicht mehr als sie wahrhaben wollte durch den Tod ihres Großvaters belastet war. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - beity - 02.10.2015 @lor-olli ich stimme allen Deinen Überlegungen zu, erlaube mir dennoch ein/zwei Ergänzungen. Wenn Dein Marathonziel eine 2:26 ist (das sind im Schnitt etwa 3:27 - 3:28 den Kilometer) dann ist es wirklich hilfreich, wenn Du auf kürzeren Strecken im Training oder auch bei Trainingswettkämpfen "entspannt" vom Schritt und der Anstrengung her, schneller laufen kannst. Ich denke schon, das eine Anna Hahner auf 10 km eine 33:20 laufen kann (3:20 Schnitt) aber das läuft die dann nicht eben so, da muss sie schon ackern. Meines Erachtens fehlt da eine gewisse Reserve. Eine Reserve, wie sie beispielsweise so einige der Afrikaner haben. Wenn an einem guten Tag dann plötzlich bei Kilometer 32 ein paar Kilometer knapp über 2:50 eingestreut werden, der Schritt, den die dann noch haben....unfassbar. Gut, jetzt darf man fairerweise die Hahners nicht im direkten Vergleich stellen zu Weltrekordkandidaten bei den Männern..... Aber da bin ich wieder mal bei der Talentfrage. Man kann durch konsequentes Training und Belastungsverträglichkeit viel erreichen, aber es gibt Limitierungen, die, zumindest meine Einschätzung, nicht nur aber auch optisch erkennbar sind. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - DerC - 02.10.2015 (02.10.2015, 09:17)dominikk85 schrieb: wenn sie da eine Minute zulegen könnte würde ihr das vermutlich sehr weiterhelfen mit 34m ist sie bei 2:26 ja vermutlich schon im grenzbereich ihres potentials.Bei vielen MarathonläuferInnen wissen wir nicht, was die in Hochform über 10k laufen könnten. Weil die in Bestform immer nur Marathon laufen und da auch am wichtigsten ist, wie gut die Marathonform ist. Was hätte Hahner dieses oder letztes Jahr am Marathontag im HM laufen können? Sicher eine PB ... über 10k womöglich auch. Viele WK-Ergebnisse gerade von Marathonis, sind Muster ohne Wert: Ohne Tapering, nicht voll gelaufen, weit von Höchstform entfernt, in Marathontopform un nicht in 10kTopform etc Und dann: Theoretisch bringt die Minute über 10k sehr viel, aber das funktioniert nur, wenn das nicht mit deutlich schlechterer Umsetzung erkauft wird. Was Hahner machen könnte: Die Halbmarathon EM ins AUge fassen, falls es mit Rio nicht klappt. Da müsste sogar ihre Zwischenzeit von Berlin als Quali gelten und sie bräuchte 2016 nur noch einen Leistungsnachweis. Und bei einer EM könnte sie vielleicht sogar einen Achtungserfolg erzielen. Nebenbei wär so ein Fokus für Mocki noch deutlich attraktiver, da der Hm tendenziell deren beste Strecke ist. Mocki ist wahrscheinlich tendenziell "von unten zu schnell" für den Marathon. (schnelle LäuferInnen die eine sehr große Range haben wie Radcliffe oder Haile sind die Ausnahme. Wobei bei Radcliffe ihre Spurtschwäche schon auf das Marathontalent hindeutete) Womöglich liegt Mockis theoretische Idealstrecke sogar klar unter dem HM. Bei ihr vermute ich, dass sie sich an ein Trainingskonzept gewöhnt hat, dass zu ihren physischen Anlagen nicht perfekt passt. Das wird sie aber nicht mehr umstellen, nachdem alle vorherigen Versuche gescheitert sind. (02.10.2015, 09:17)dominikk85 schrieb: zum vergleich: eine soja oberem hat eine ähnliche Marathon BL, aber eine 10K PB von 32:29.Wenn man weiß wie viel km Oberem so gelaufen ist, kommt man da eher zu dem Schluss, dass Oberem was falsch gemacht hat und Hahner ziemlich viel richtig. Oder das Oberem eben nicht so viel Talent für den Marathon hat wie Hahner. (02.10.2015, 09:17)dominikk85 schrieb: nicht jeder läufertyp ist gleich, aber um 33:00 wäre wohl schon angebracht für eine Läuferin die 2:26 laufen kann.Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich mit besserem Training bei nicht wenigen Läufern deutlich bessere Unterdistanzumsetzungen produzieren lassen als einige bisher ahnten. Das haben die Italiener in den 80ern schon bewiesen und dann haben die Ostafrikaner unter Trainiern wie Berardelli oder Canova ähnlich trainiert und wenn man unter 27 über 10 laufen kann kommt dann eben auch mal ne 2h03 raus. In D haben viele die Entwicklung lange verschlafen - Baumann ist da nur ein Beispiel. Und warum soll das nicht für Europäer funktionieren? Ich denke, z. B. ein Carlos Lopez wäre imo mit modernem Marathontraining 2h05 gelaufen oder gar 2h04 hoch. (dann wäre der Europarekord für Gabius unerreichbar ... ). Aber Lopez lief afaik im Training eben fast nie länger als 90min. Da war noch Potenzial - aber da es für u.a. den Olympiasieg gereicht hat brauchte er das nicht abrufen. Und jetzt bloss nicht mit dem angeblich flächendeckenden Doping speziell in Ostafrika kommen ... nach allem was an belastbarem Material öffentlich ist, sollten die Europäer aus ihrem Glashaus nicht mit Steinen schmeissen. Man muss das aus der Berechnung erstmal ausschließen, weil wir normalerweise nicht wissen, was wer nimmt oder nicht nimmt. Falls Gabius (den ich für clean und auch sehr gut kontrolliert halte) hoffentlich in den nächsten 2 Jahren eine 2h06 läuft werden hoffentlich ein paar mehr wach. RE: Die Hahner-Ausrede (Berlin-Marathon) - dominikk85 - 02.10.2015 was heißt tapering? theoretisch wäre der ideale Marathonläufer wohl jemand der in der unterdistanz schnell ist, aber eher eine Tendenz nach oben hat (von kurz zu lang) würde vermutlich eher passen als jemand der über 1500/3000 brutal schnell, über 5K sehr schnell und über 10k nur noch schnell. tergat würde z.b gut in das Profil passen. 1500: 3:40+ 5K: 12:49 10K: 26:27 ich würde mal intuitiv behaupten, dass so ein läufer bessere Voraussetzungen hat als jemand der 3:31, 12:43, 26:27 stehen hat. aber generell hilft es natürlich schon Reserven zu haben. |