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Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Jugend (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=4) +--- Thema: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? (/showthread.php?tid=6478) |
Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - Javeman86 - 13.03.2026 Guten Morgen zusammen, ich würde in meinem Verein gerne eine Talentiade ausrufen und bin aktuell dabei mir Übungen zu überlegen, welche aussagekräftig für spätere gute Leistungen in der Leichtathletik sein können. Ich möchte diese Talentiade gerne im zweiten U12-Jahr durchführen. Ich kenne auch die E-Kader-Auswahl-Übungen, finde diese aber nicht komplett passend. Welche Übungen haltet ihr für sinnvoll? Viele Grüße RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - S_J - 13.03.2026 Meines Wissens nach sind die "E-Kader-Auswahl-Übungen" nicht normiert, daher wäre es vielleicht hilfreich, wenn du kurz erläuterst, welche Übungen du ggf. geeignet und welche du ungeeignet findest (und wieso). Dann können wir dir vielleicht bei der Suche nach für dich und deine Zielsetzung geeigneten Übungen weiterhelfen. Es gibt natürlich bei den meisten Verbänden eine gewisse Schnittmenge an üblichen Verdächtigen, die sich aus unterschiedlichen Gründen bewährt haben, wie z.B. fliegende Sprints mit Lichtschranken. Ist eben sehr einfach und zügig en masse durchführbar. Ganz grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es schwer wird, hier zuverlässige Übungen zu finden, da die meisten (quantifizierbaren) Übungen ohnehin nur dazu dienen werden, akzelerierte Kinder zu finden. Je früher man diese Tests macht, desto geringer ist die Aussagekraft bezüglich der zu erwartenden Lebenshöchstleistung Auf Vereinsebene oder innerhalb einer Stadt können sie als Werbemaßnahme dagegen sehr sinnvoll sein. Auch hier bietet sich aus meiner Sicht wie gesagt ein Lichtschrankensprint an. Ansonsten besteht ja die Leichtathletik ja auch quasi nur aus Tests: Warum nicht einfach ein paar Übungen aus der KiLa als altersgemäße Tests nutzen. Idealerweise auch welche mit hohem Spaßfaktor, wenn man das Ganze zur Mitgliedergewinnung nutzen möchte. Zuverlässiger ist es aus meiner Sicht, weniger quantitativ zu arbeiten, sondern die qualitative Beurteilung in den Vordergrund zu stellen. Koordination, Lerngeschwindigkeit, Motivation, Frustrationstoleranz, etc. sind hier sicherlich relevant. Aber das wird man kaum im Rahmen einer Talentiade testen können, sondern eher im Rahmen von Probetrainings. Das ist natürlich deutlich zeit- und personalintensiver. Also daher erstmal an dich die Frage: Was möchtest du mit deiner Talentiade erreichen und wieviel Zeit und Aufwand möchtest / kannst du investieren?
RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - dominikk85 - 07.04.2026 Wenn man ehrlich ist ist die Hauptmethode der Talent Akquise in der Leichtathletik (und den meisten anderen Sportarten die nicht Fußball sind) doch "Eltern, Onkel etc haben den Sport betrieben oder sind sogar als Trainer aktiv". Das müssen natürlich nicht auch die besten Talente sein, aber ist in der Regel das womit man leben muss. Eine Flächendeckende Rekrutierung von Talenten ohne Familiären Bezug ist einfach extrem schwierig zumal die "guten" Kinder mit Talent auch sehr oft bereits im Fußball gebunden sind. RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - Sandmann - 07.04.2026 (07.04.2026, 06:00)dominikk85 schrieb: Wenn man ehrlich ist ist die Hauptmethode der Talent Akquise in der Leichtathletik (und den meisten anderen Sportarten die nicht Fußball sind) doch "Eltern, Onkel etc haben den Sport betrieben oder sind sogar als Trainer aktiv". Das höre ich so oder ähnlich immer wieder. Aber ist es nicht so, dass in Deutschland jedes Schulkind über Jahre hinweg vor den Augen akademisch ausgebildeter Sportlehrer immer wieder läuft, wirft und springt? Ist die Leichtathletik hier nicht sogar spektakulär privilegiert gegenüber, sagen wir, Bogenschießen und Judo? RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - S_J - 07.04.2026 (07.04.2026, 07:23)Sandmann schrieb:(07.04.2026, 06:00)dominikk85 schrieb: Wenn man ehrlich ist ist die Hauptmethode der Talent Akquise in der Leichtathletik (und den meisten anderen Sportarten die nicht Fußball sind) doch "Eltern, Onkel etc haben den Sport betrieben oder sind sogar als Trainer aktiv". Im Sportunterricht herrscht traditionell sehr viel Narrenfreiheit. Aber klar, allein durch die Jugend trainiert / Bundesjugendspiele etc gäbe es für entsprechend inklinierte und motivierte Lehrkräfte Sichtungspotenzial. Man bekommt ja so auch ab und zu neue Talente. Und wenn ich mir ansehe wie voll die KiLa an vielen Orten ist, haben wir auch grundsätzlich nicht zu wenig Nachwuchs. Die Frage ist ja nur, wie und wen man fördert, dass "die richtigen" oben ankommen. RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - diwa - 07.04.2026 (07.04.2026, 07:23)Sandmann schrieb:Sowohl ich als auch meine Kinder hatten in der Mittelstufe genau einmal im Jahr Leichtathletik in der(07.04.2026, 06:00)dominikk85 schrieb: Wenn man ehrlich ist ist die Hauptmethode der Talent Akquise in der Leichtathletik (und den meisten anderen Sportarten die nicht Fußball sind) doch "Eltern, Onkel etc haben den Sport betrieben oder sind sogar als Trainer aktiv". Schule: Bei den Bundesjugendpielen. Die fanden bei mir (Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre) NICHT als Sportfest statt, sondern im Rahmen des normalen zweistündigen Sportunterrichts. Also 2 von vielleicht 80 Stunden Schulsport im Jahr. Bei meinen Kindern waren die BJS ein Sportfest auf einem (externen) Sportplatz. Aber wenn es regnete, sind sie ausgefallen und wurden nicht an einem anderen Tag wiederholt. Da kann der Sportlehrer noch so gut ausgebildet sein (was weder bei meinem, noch bei denen der Kinder in Bezug auf Leichtathletik der Fall war), Talente lassen sich so nicht entdecken… RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - dominikk85 - 08.04.2026 (07.04.2026, 08:21)S_J schrieb:(07.04.2026, 07:23)Sandmann schrieb:(07.04.2026, 06:00)dominikk85 schrieb: Wenn man ehrlich ist ist die Hauptmethode der Talent Akquise in der Leichtathletik (und den meisten anderen Sportarten die nicht Fußball sind) doch "Eltern, Onkel etc haben den Sport betrieben oder sind sogar als Trainer aktiv". Es gibt halt eine Art hackordnung im sport. Erstmal fängt jedes kind mit Fußball an, in der regel wechseln dann die in sekundäre Sportarten die im Fußball nicht die top Talente waren. Ausnahme sind Talente mit starkem familiären Bezug da hat man dann auch bessere chancen sie im sport zu halten.die erstkontakt Möglichkeiten sind in der Leichtathletik ja gar nicht schlecht, aber man muss die talentierten kids halt von Fußball wegbekommen. Vielleicht wäre Timo boll auch Fußballer geworden wenn sein Vater kein Tischtennis gespielt hätte RE: Talentiade - Welche Zulieferübungen machen Sinn? - Läufer 800m - 20.06.2026 hi Javeman 86 ich sehe das Ganze ehrlich gesagt aus einer etwas anderen Perspektive. Für mich steht im Jugendbereich eine ganz andere Priorität im Vordergrund: Wir müssen die Jugendlichen überhaupt erst einmal bei der Stange halten und die Begeisterung für den Sport entfachen. Was nützt uns die akribischste, technisch versierteste Talentsuche, wenn uns die Jugendlichen mit 15 oder 16 Jahren reihenweise weglaufen, weil der Druck zu hoch oder der Spaß auf der Strecke geblieben ist? Leidenschaft und Teamerlebnis schaffen die Basis. Wenn ein Jugendlicher brennt und gerne ins Training kommt, entwickelt sich das technische Potenzial oft ganz von alleine – oder zumindest mit einer viel gesünderen Motivation. Die beste "Talentsuche" ist für mich die, die es schafft, ein Umfeld zu kreieren, in dem Jugendliche langfristig Bock auf Leichtathletik haben. Aber wenn du wirklich nicht auf einen Sichtungssystem verzichten willst würde ich folgende Inhalte, aber denk dran die Entwicklungsunterschiede in dem alter sind sehr groß 1. Schnelligkeit & Frequenz (Die neuronale Basis) Klassische 30m aus dem Hochstart selektieren nur die Personen , die schon einen Wachstumsschub hatten. Besser sind Übungen, die die reine Frequentierung und Reaktionsfähigkeit testen: Tapping-Test: 15 bis 20 Sekunden so viele Kontakte wie möglich auf der Stelle (auf einer Matte/Linie). Das zeigt die neuronale Ansteuerungsfähigkeit unabhängig von der Körpergröße. Fliegender Sprint (20m mit Anlauf): Misst die reine Höchstgeschwindigkeit, entkoppelt vom oft noch unkoordinierten Startverhalten. 2. Koordination & Gewandtheit (Das eigentliche Fundament) Wer sich in der U12 im Raum bewegen kann, lernt später jede Technik im Schlaf. Hindernis-Lauf / Gewandtheitslauf (z.B. „Boxtest“): Ein Parcours mit Richtungswechseln, Abrollen auf einer Matte und Unterqueren/Überspringen von Hürden auf Zeit. Einbeinige Sprungbälle / Rhythmus-Hüpfen: In Reifen koordinierte Sprungfolgen absolvieren (z.B. links-links-rechts-rechts). 3. Schnellkraft & relative Kraft Statt schwerer Medizinbälle, die die Gelenke belasten, nutzt man Übungen, die das eigene Körpergewicht fordern: Froschsprünge (3er-Hopp oder 5er-Hopp) aus dem Stand: Zeigt die Reaktivkraft und die Fähigkeit, Kraft horizontal auf die Bahn zu bringen. Medizinball-Schocken (1 kg) rückwärts über den Kopf: Testet die Ganzkörperstreckung und die Kette von den Beinen bis in die Arme, was viel aussagekräftiger für Würfe/Sprints ist als das Stoßen aus der Brust. 4. Ausdauer (Spielerisch verpackt) Bloß kein stupides Rundenlaufen – das killt die Motivation in der U12 sofort. Shuttle-Run (20m-Pendellauf) oder ein 6-Minuten-Lauf als „Spendenlauf“ / Punktejagd: Es geht darum, die aerobe Basis zu sehen, verpackt in ein Format, bei dem das Tempo durch Signaltöne gesteuert wird oder die Kids sich gegenseitig anfeuern. Grüße und viel Spas |