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Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Druckversion

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Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Gertrud - 29.05.2023

Der Abstand der deutschen AuA im Vergleich zum Weltstandard ist teilweise schon gewaltig. Im Kugelstoßen der Männer sind es 3,50m bis 4,00m. Das sind Welten. Im 400m-Bereich ist die Spanne auch enorm hoch. Im Siebenkampf haben wir unser Niveau aus den 90er Jahren unterschritten.

Da sind absolute Ursachenforschung und eventuelle Paradigmenwechsel zeitnah angesagt. Es gehören alle Bereiche auf den Prüfstand. Man sollte schon sehr selbstkritisch hinterfragen und auch Fehler einfach zugeben und Veränderungen vornehmen.

In bestimmten Bereichen wird es ganz schwierig, weil wir gesellschaftspolitisch hinsichtlich Leistungssport ganz anders in der Werteskala als z. B. die USA "ticken". Da ist - zugegebenermaßen - der DLV in einer ganz schwierigen Lage. 

Ich zeichne mal ein Bild, das ich mir zukünftig vorstelle; aber natürlich nur mit "Fernblick" annähernd realisierbar ist:

1. Es müsste eine kompetente Person in der Regierung für den Gesundheitssport, den Leistungssport und auf medizinsicher Ebene geben. Ein Minister wäre natürlich das Optimum. Der Sport führt als "Appendix" des Innenministeriums ein Schattendasein. Das darf kein Beziehungsmensch sein, sondern ein "Malocher" im Sinne des Fortschritts.

2. Auf Schulebene müsste die tägliche Sportstunde eingeführt werden. "Vom Chillen an die Arbeit"!!! Wink ‌Die Sportinhalte sollten auf den Prüfstand und die Praxis sollte wieder mehr betont werden. Es müsste orthopädische Reihenuntersuchungen am Beginn der Grundschule und der weiterführenden Schulen geben. Das Fach Gesundheit mit einem großen Ernährungsanteil sollte in allen Schulformen installiert werden...

3. An der Schnittstelle DLV zum DOSB sollte es vor allem auch praxisnahe Lösungen geben. Die Regularien dort sind teilweise eine praxisferne Katastrophe. Die Förderformen sollten überdacht werden. Was bringt uns unsere gute Jugend, wenn sie nach dem System nicht in eine gute Seniorenarbeit überführt werden kann?

4. Auf beruflicher und universitärer Ebene muss es "Durchbrüche" geben. Wir sollten etwas von dem Kuchen in den USA für uns nutzbar machen.

5. Bei der Einstellung der TuT sollte mehr auf Qualität als auf "Teamfähigkeit" Wert gelegt werden. Die Kontrollmechanismen sollten verbessert werden. "Netzwerke können gut sein, wenn sie denn gut sind.  Wink ‌Dienen Sie nur den persönlichen Vorteilen und der Machtfülle, geht der Schuss nach hinten los. Gibt es temporär keine guten TuT in einem Bereich, sollte man keine Person einsetzen. 

6. Es sollte in der DLV-Lehre auf Technik und adäquates Krafttraining viel Wert gelegt werden. Es darf nicht sein, dass wir über 20 Jahre nicht auf den Zug der Veränderungen in der Kugelstoßtechnik und dem gesamten Wandel im Sprintbereich aufspringen. Wir brauchen "Querdenker" und "Unruheherde" bei den TuT, die permanent den Standard dem Weltniveau angleichen.

7. Es muss vor allem etwas in der Verletzungsprophylaxe geschehen. Ich arbeite fast täglich an der Verbesserung meiner Kenntnisse. 

Das sind nur so einige Gedanken. Vielleicht sollte man zunächst einfach mal eine Stoffsammlung initiieren. Firmen bitten oft auch bei Bewertungen um Verbesserungen. Dabei bricht sich der DLV keinen Zacken aus der Krone. Wir haben in der Peripherie teilweise sehr gute Leute zur Verfügung. 

Gertrud


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Reichtathletik - 29.05.2023

Viel gutes dabei. Ich glaube es bedarf vor allem auch einem Mentalitätswechsel im Bereich Ehrenamt/Freizeit. Der DLV versteift sich allein auf seine Hauptamtlichen, die nur wenigen Athleten zugute kommen. Ich befürchte, auch im Bereich der "Sportlobbyarbeit" passiert nicht viel in anderen Bereichen. Alle Jungtraineroffensiven bringen nichts, wenn die Jungtrainer dann nach einem Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften nach Hause kommen und für ihre Tätigkeit null Anerkennung von Uni, Arbeitgeber, Gesellschaft, Verband bekommen. Das Rückrat sind noch immer die vielen Ehrenamtlichen, ob als Coach, als Kampfrichter, als Kassenwart. Und da fehlen an allen Ecken Leute. Also müssen wir den Sport entweder flächendeckend mit mehr Geld bestücken, dass wir wie im US-Schulsportsystem flächendeckend Profi-Trainer haben, egal für welches Niveau (sehe nicht, woher das Geld kommen soll) oder wir brauchen in Deutschland eine andere Wertschätzungskultur für Ehrenamtlichen Engagement (inkl. des Engagements sich als aktiver Sportler den A Aufzureißen). Ideen meinerseits dazu wären:
- Wer ein Ehrenamt ausführt bekommt dafür zwei zusätzliche gesetzliche Urlaubstage oder einen Arbeitszeit-Rabett von 2 Stunden
- Mitgliedschaft im Sportverein ähnlich wie Mitgliedschaft in einer Partei als Spende werten und damit steuerentlastend machen
- Trainer-Stipendien: Jährlich eine zu bestimmende Zahl an Jungtrainern für zwei Jahre mit 250 Euro moantlich Unterstützen (oder mehr)
- Mehr Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften M/F zulassen
- Ausweitung von sportlichunterstützung an Unis: Teilnehmer an Überregionalen Meisterschaften erhalten automatisch das Recht für Wettkämpfe oder Trainingslager Prüfungstermine zu verschieben oder alternative Prüfungsleistungen abzulegen


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Athletix - 29.05.2023

Das von Gertrud angeschnittene Thema beschäftigt mich auch schon ein paar Jahre - spätestens seitdem man in immer deutlich werdender Weise feststellen muss - das die deutsche Leichtathletik in den letzten 3 Jahrzehnten in immer größer werdendem Abstand dem Weltstandard hinterher läuft.

Ich habe dies einmal durch einen statistischen Vergleich der Leistungsentwicklungen in Dekadenschritten herausgearbeitet. Dabei habe ich den Standard auf Welt- und nationaler Ebene und der Basis am Beispiel des LV Nordrhein einmal nachvollzogen (siehe Anhänge).

Zur Verdeutlichung der Entwicklungen habe ich die 3 besten Dekaden jeder Disziplin in "Medaillenfarben" optisch herausgehoben.

Das Ergebnis war noch viel deutlicher als ich es ohnehin schon vermutet habe. Aus den angehängten Dateien ist eindeutig erkennbar, dass der Weltstandard nach wie vor tendenziell nach oben geht, auch wenn das Entwicklungtempo nicht in allen Disziplinen gleich ist.

In Deutschland ist die Entwicklung aber krass rückläufig. Hier lag das hohe Niveau eindeutig in den 1960er- bis 1980er-Jahren.
Das hat nicht nur mit der damaligen Stärke der DDR-Leichtathletik und Dopingproblematiken zu tun, sondern ist auch auf unterer Ebene, hier am Beispiel des LVN, ersichtlich.

Die Leistungsschere wird immer größer und das auf allen Ebenen.

Daraus kann man m. E. auch schlussfolgern, dass man die Rolle der Basis auch für die Entwicklung im Spitzenbereich nicht unterschätzen kann.

Insofern muss man an vielen "Schrauben" ansetzen. Die bisher aufgezeigten Lösungsansätze gehören zweifellos dazu.


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Athletix - 29.05.2023

Hier noch die letzte noch fehlende Datei zum vorigen Beitrag ...


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Delta - 29.05.2023

Das ist ja wohl nichts neues. Ohne die DDR Athleten hätte das schon 1995 begonnen. Der DLV hat mit seiner Anti Doping Hysterie die Grundlagen zerstört. Finanziell ist man schon weit unter dem Niveau der 70iger Jahre als man Geld ohne Ende gegen die DDR eingesetzt hat.

In den Sprüngen geht es gewaltig Berg ab. Es wird immer mal 1-2…Ausnahmen geben. Nicht mal für Olympia Paris war man in der Lage zusätzliche 100 Mio zu organisieren.


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Mkfan - 29.05.2023

??? "Der DLV hat mit seiner Anti-Doping-Hysterie die Grundlagen zerstört"???

Geht's noch? Machst du hier Werbung für Doping??! 

Mit Drogen verdient man auch mehr Geld als mit ehrlicher Arbeit (solange man sich nicht erwischen lässt). Daraus abzuleiten, dass es das Wichtigste ist, sich nicht erwischen zu lassen, zerstört die Grundlagen einer (wenigstens halbwegs solidarischen) Gesellschaft. 

Denk mal drüber nach, bevor du so einen Unsinn schreibst!


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Reichtathletik - 29.05.2023

(29.05.2023, 13:15)Athletix schrieb: Daraus kann man m. E. auch schlussfolgern, dass man die Rolle der Basis auch für die Entwicklung im Spitzenbereich nicht unterschätzen kann.

Insofern muss man an vielen "Schrauben" ansetzen. Die bisher aufgezeigten Lösungsansätze gehören zweifellos dazu.
Der Vorteil daran, wenn an vielen Ecken was gemacht werden muss ist, dass auch viele etwas tun können.
Zuallererst sollte das Ganze aber getreu mancher beliebter TV-Serien bzw Filmreihen als "alles hängt mit allem zusammen" angesehen werden. Vor diesem Hintergrund stört es mich, wenn Leute sich auf einen (ihren) Teilaspekt konzentrieren und sagen, der Rest sei nicht ihre Baustelle. Natürlich sollte sich nicht jeder überall einmischen und natürlich kann zB der DLV nicht für jeden Verein Sponsoren oder ehrenamtliche suchen, aber nur zu sagen: nicht unsere Baustelle ist halt zu kurz, es geht schon immer darum, das Ganze zu bearbeiten


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - Diak - 29.05.2023

(29.05.2023, 12:13)Reichtathletik schrieb: Ideen meinerseits dazu wären:
- Wer ein Ehrenamt ausführt bekommt dafür zwei zusätzliche gesetzliche Urlaubstage oder einen Arbeitszeit-Rabett von 2 Stunden
- Mitgliedschaft im Sportverein ähnlich wie Mitgliedschaft in einer Partei als Spende werten und damit steuerentlastend machen
- Trainer-Stipendien: Jährlich eine zu bestimmende Zahl an Jungtrainern für zwei Jahre mit 250 Euro moantlich Unterstützen (oder mehr)
- Mehr Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften M/F zulassen
- Ausweitung von sportlichunterstützung an Unis: Teilnehmer an Überregionalen Meisterschaften erhalten automatisch das Recht für Wettkämpfe oder Trainingslager Prüfungstermine zu verschieben oder alternative Prüfungsleistungen abzulegen

ausgezeichnet, das unterschreibe ich alles mit Nachdruck. Es ist ein sehr grundsätzliches Problem, das nur gesellschaftlich gelöst werden kann. Dazu könnte vielleicht eine nachhaltige und nicht korrupte Olympiabewerbung beitragen, aber ich will hier kein neues Fass aufmachen. Irgendwas muss zumindest dazu beitragen, dass ein neues Bewusstsein in der Breite entsteht.


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - diskobolos - 29.05.2023

Bevor man sich damit beschäftigen kann, was man zur Förderung des Leistungssports tun kann, ist zu klären: Wozu wollen/brauchen wir Spitzen-Leistungssport?
Für die DDR war das klar. Es ging um die internationale Anerkennung. Und hat ja auch gut geklappt. Für die damalige BRD war es auch klar. Man wollte im Vergleich mit der DDR nicht zu schlecht aussehen. Hat nicht so gut geklappt. Wer die Spitzenergebnisse der DDR nur auf Doping zurückführt ist auf dem Holzweg. Es gibt doch m. E. keinen Grund anzunehmen, dass in der Sowjetunion, in Bulgarien, in den USA weniger gedopt wurde.
Die eigentlichen Gründe waren die hohe Zahl an professionellen Trainern bis in untere Jugendklassen und die hohe gesellschaftlichen Anerkennung. Eine Kinder- und Jugendspartakiade auf Kreisebene z. B war ein Riesenereignis in vielen Sportarten für die Teilnehmer. So etwas gibt es heute nicht ansatzweise


RE: Deutsche Athletinnen und Athleten im LA-Weltstandard - matthias.prenzlau - 29.05.2023

Stichwort: Spartakiadenfeuer. Das Ereignis wurde richtig zelebriert.