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Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen AuA haben - Druckversion

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Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen AuA haben - Gertrud - 30.03.2021

Von CR7 wird immer ein Bild des wahnsinnigen Talentes gezeichnet. Sicherlich hätte er nicht seine Position ohne Talent erreichen können; aber er hat sich sehr kreativ seinen eigenen Weg abseits des Vereinstrainings erschlossen. Er ist ein wahnsinnig harter Arbeiter mit einem sehr starken Willen zu außerodentlich guten Trainingsinhalten. Ärzte waren ob seiner Form in der Coronazeit total überrascht. Während andere Fettpölsterchen angelegt haben, strotzt er nur so vor Fitness. Er ordnet aus eigenem Willen alles seiner Maxime des sehr ausgefeilten Zusatztrainings neben der Vereinsarbeit im Fitnessbereich an. Er spricht diese Art des eigenen Trainings wohl nur mit sich selbst ab. Er hat in seinem Haus ein Unterwasser-Laufband im Pool eingesetzt, hat im Kraftraum viele Spezialgeräte untergebracht, trainiert mit Kollegen im leichtathletischen Bereich. Er stellt sich diese Inhalte in Eigenregie zusammen. Er hat Köche für seine Ernährung eingesetzt, nutzt polyphasischen Schlaf, geht bis auf wenige Ausnahmen sehr früh schlafen, legt Wert auf Regeneration. Es ist ein sehr eigenbestimmter Weg, der sicherlich nicht in viele Konzepte passt. Er ist absolut professionell auch hinsichtlich der Werbung. Ich glaube nicht, dass er sich durch irgendwelche Zwänge in eine Form pressen lässt. Er weiß, was ihm bekommt. Er vermittelt auch seinem ältesten Sohn schon großen Spaß am FB-Training und den Zubringern.

Ich komme immer mehr zu dem Fazit der Athleten, die ihren eigenen Weg vor Ort möglichst ohne Einfluss "von oben" gehen sollten. Natürlich gibt es auch Beispiele, dass Talente nicht die adäquate Zuwendung vor Ort bekommen. Da sollten sicherlich die Verbände helfen. Es gibt für mich nicht den einen zentralisierten Weg der Leistungsausprägung, sondern sehr viele individuelle Wege. Ich sehe diese Zentralisierung möglichst zu den OSP und den Großvereinen als den Tod der Leichtathletik an. Wir sollten die übrigen Nester nicht vergessen und Kreativität schulen. Die Weltmeisterin M.M. und der WM Kaul sind von Heimtrainern und nicht BT vorrangig trainiert worden. 

Gertrud


RE: Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen Athletinnen und A - beity - 30.03.2021

Alles was Du über CR7 schreibst ist ja richtig. Ob er nun der ideale Gradmesser sein kann....nicht einfach. Seine ureigene Triebfeder ist sein ausgeprägter Narzissmus, seine Besessenheit sich immer und immerzu sich zu optimieren. Er braucht das Licht, will immerzu angestrahlt sein, die Anerkennung, die Bewunderung...der beste zu sein. Hat er auch mit Messi zusammen mehr als ein Jahrzehnt geschafft. Interessant was er machen wird, wenn die Sportkarriere vorbei ist. Der wird was Neues finden. Nicht falsch verstehen, ich sehe Ronaldo jetzt nicht negativ. Er leistet extrem und tut dafür wirklich alles.

Du propagierst immer wieder den mündigen, den reflektierten Athleten. Kann ich aus Deiner Sicht auch verstehen.
Wäre bestimmt auch wünschenswert wenn Athleten sich so entwickeln (aber auch eine Herausforderung für den Trainer Tongue ‌und auch für Verbände und Vereine) .
Habe leider nicht wenige Trainer erlebt, die bewusst Ihre Athleten abhängig machen. Ob das wirklich die besten sind?
Zurück zu den Athleten, nicht wenige verstehen nicht wirklich, was sie machen, warum sie es machen und wie sie es vielleicht besser machen können.
Ob sie es nicht können, oder nicht wollen oder bestimmte Bewusstseinsprozesse eben erst später kommen.....warst ja selber Lehrerin.
Ich bin oft bar überrascht gewesen, wie wenig Spitzenathleten über ihr Training und überhaupt selber über leistungsfördere Umstände/Bedingungen wissen. (Schlaf/Ernährung/ Regenerationsförderung....) Die machen was der Trainer sagt und denen fehlt das Einschätzungsvermögen, ob dies auch wirklich gut für sie ist. Ist bisweilen auch ein intellektuelles Problem oder fehlendes Selbstbewusstsein dazu oft eine Art von "Obrigkeitshörigkeit", nicht jeder will auch Selbstständigkeit.


RE: Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen Athletinnen und A - dominikk85 - 30.03.2021

Es gibt sicherlich absolute ausnahmeleute die bezüglich Talent und der Bereitschaft zu investieren absolut über allen anderen stehen und diese Leute muss man auch machen lassen.

Ronaldo ist sicher so jemand, auch zum Beispiel der basketballspieler LeBron james, der jedes Jahr mehrere Millionen Dollar in Fitness, Gesundheit und Ernährung steckt und so mit mitte 30 immer noch extrem fit ist (er verdient aber auch jedes jahr mit Werbung etwa 100m, also lohnt es sich für ihn).

Allerdings wollen sich große Strukturen wie Verbände, Vereine und Unternehmen auch nicht zu abhängig von solchen Genies machen. 

Große Unternehmen haben z. B heute sehe detaillierte Qualitätsmanagement Prozesse, nicht weil diese ideal sind, sondern weil sie vielleicht zu 80% ideal sind und so versuchen die "downside" zu reduzieren. 

Denn wenn man sich von einem "genie" zu abhängig macht und diese Person dann geht kann das ganze Gebilde extrem zusammenbrechen. 

In der Firma wo meine Mutter arbeitet hat sie so was erlebt. Dort gab es einen sehr eigensinnigen Chef der alten Schule der einem an der Waffel hatte aber ein geniales verkaufstalent hatte. Und als es darum ging einen Nachfolger zu suchen hat er wohl extra schwache Leute gesucht und ihnen nicht genug auf den Weg gegeben damit er sagen kann ohne mich läuft hier nichts. 

Meine Mutter hatte ihn sogar mal damit konfrontiert und gesagt sie haben den doch gewählt weil er schwach ist und sie keine Götter neben sich dulden und er hat wohl nur gegrinst und gesagt sie kennen mich. 

Insofern geht es in großen Strukturen nicht nur um die spitzenleistung und das geniale Moment, sondern auch um Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit, sprich man will nicht von einem narzistischen genie abhängen und dann wieder bei Null anfangen wenn es nicht klappt. 

Optimalerweise wäre es natürlich so das eine Organisation es schafft Genies zu bändigen und ihnen Freiheiten zu geben, andere Leute die das brauchen aber im exakter definierten Prozessen zu führen. 

Das ist aber kein leichter Spagat weil es auch zu Konflikten führen kann, sprich Mitarbeiter sehen das der eine narrenfreiheit bekommt und sie "auf schienen" gesetzt werden und wenig kreative Freiheit haben. 

Das ist immer eine Balance zwischen Genies machen lassen und andere Mitarbeiter so einzubinden das ein Mindestmaß an Qualität gesichert ist und das personalfluktuation ausgeglichen werden kann. 

Wenn man nur die richtigen leute einstellen könnte und die dann machen lassen könnte (du hast jetzt 2 jahre, es zählt was am ende reauskommt, alles andere ist mir egal) hätten Firmen ja kein Qualitätsmanagement und keine SOPs. 

Umgekehrt gibt es natürlich gerade in Deutschland auch einige Firmen die zu sehr auf solide und zuverlässig setzen und so nicht genug Innovation schaffen. 

Das ist nicht einfach, denn zwischen Innovation und "verrücktes genie sprengt den Laden" ist es schon teilweise ein feine Linie.


RE: Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen Athletinnen und A - Atanvarno - 31.03.2021

(30.03.2021, 19:45)dominikk85 schrieb: Allerdings wollen sich große Strukturen wie Verbände, Vereine und Unternehmen auch nicht zu abhängig von solchen Genies machen. 

Du kannst den Sport nicht wie die Wirtschaft organisieren. Weltspitzenleistungen im Sport werden immer von genau diesen Genies erbracht und eben nicht von den Dienst nach Vorschrift 80%igen. Die Spitzenkönner sollte man als Verband suchen und fördern oder wenigstens ihnen und ihren Trainern keine Steine in den Weg legen.

Denken in Prozessen statt Personen hat in der Wirtschaft, wenn man es nicht übertreibt, seine Berechtigung, aber im Sport sind die Personen das Entscheidende.


RE: Womit Verbände und Vereine ein Problem bei herausragenden kreativen Athletinnen und A - Gertrud - 31.03.2021

(31.03.2021, 07:06)Atanvarno schrieb:
(30.03.2021, 19:45)dominikk85 schrieb: Allerdings wollen sich große Strukturen wie Verbände, Vereine und Unternehmen auch nicht zu abhängig von solchen Genies machen. 
Du kannst den Sport nicht wie die Wirtschaft organisieren. Weltspitzenleistungen im Sport werden immer von genau diesen Genies erbracht und eben nicht von den Dienst nach Vorschrift 80%igen. Die Spitzenkönner sollte man als Verband suchen und fördern oder wenigstens ihnen und ihren Trainern keine Steine in den Weg legen.

Denken in Prozessen statt Personen hat in der Wirtschaft, wenn man es nicht übertreibt, seine Berechtigung, aber im Sport sind die Personen das Entscheidende.

Ich bin deiner Meinung. Natürlich sollte man sich als Athletin und Athlet mit seinem Trainern nicht aus Prinzip gegen den Verband stellen. Der Verband unterstützt in vielen Fällen auch finanziell und somit hat er auch das Recht, nach dem Verbleib zu fragen. Ich wende mich aber gegen solche obligatorischen Sachen wie verbindliche TL und Zusammenarbeit auf Teufel komm heraus mit dem BT. Ich brauche z.B. keinen Bundestrainer Mehrkampf. Deshalb muss ich nicht gegen ihn sein. Ich muss ihn auch nicht über meine Trainingsinhalte informieren - warum??? Es gibt eh keine Übereinstimmungen. Dafür bleiben meine AuA wahrscheinlich unverletzt. Die gesamte Angelegenheit ist ein Konkurrenzwettkampf, den ich natürlich mit meinen Probanden gewinnen will und mich 180%ig einsetze und nur solche Menschen unterstütze, die nicht nur den Rahm abschöpfen, sondern sich auch stark einbringen. 

Mich wird demnächst wieder ein Trainer mit seiner Athletin besuchen, der auf einem gewissen Gebiet von mir stark profitiert, von dem ich aber auf anderem Gebiet ebenfalls in gewisser Weise Nutzen habe. Das muss natürlich nicht immer 1:1 sein. Es sind so Fach-Freundschaften über Jahre bei mir entstanden. Ich informiere momentan meine älteren und auch jüngeren Freunde sehr stark über Ernährungsfragen hinsichtlich eines guten Herz-/Kreislaufverlaufes, weil ich mich aufgrund meines Krankheitsverlaufes enorm informiere. Von einer sehr guten Freundin erhalte ich regelmäßig einschlägige Fachjournale über die Zukunftsmedizin hinsichtlich Forschung. Ich habe einen unheimlich guten Freundeskreis in wissenschaftlicher Hinsicht.

Gertrud