Leichtathletikforum.com
Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Druckversion

+- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com)
+-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1)
+--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2)
+--- Thema: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer (/showthread.php?tid=4020)



Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Gertrud - 18.02.2021

Grundsätzlich finde ich seine Ansichten über die duale Karriere sehr gut und stimme mit ihm überein. Früher kamen noch die Arbeitlätze bei Steilmann und im Bayerwerk dazu und waren ein Garant für einen Ausbildungsplatz. Auch das VW-Werk hat etliche AuA angestellt. Man sollte die AuA von dieser Denkweise überzeugen, den Berufsweg frühzeitig in Angriff zu nehmen.

„Der Trainerberuf ist ein spannender und ein erfüllender Beruf. Man muss aber auch die Rahmenbedingungen kennen. Es ist ein Beruf mit hohen Anforderungen und zeitlich wechselnden Parametern. Ich würde mir wünschen, dass das Berufsbild des Trainers in Anerkennung und Bezahlung verbessert wird.“

Hier geht Chounard wahrscheinlich von der Hauptberuflichkeit aus. Da stimme ich absolut nicht in der Eingleisigkeit zu. Es "stranden" zu viele Trainer/innen und sind somit unglücklich. Ich hatte auch mal die Möglichkeit der Trainer-Hauptberuflichkeit und habe mich zum Glück dagegen entschieden. Die Abhängigkeit, Dinge nicht mehr nach meinem Gusto zu formulieren, hätte mich frühzeitig krank gemacht. Der DLV plant aus meiner Sicht knallhart nur mit hauptberuflichen Trainern. Dabei sollte man die "Exemplare" HjH, Eisinger, Krempin, I. Baumann und z.B. meine Wenigkeit nicht vergessen. Wir konnten zu jeder Minuten entscheiden, was für die AuA notwendig war und brauchten uns nicht im DLV-Sinne "teamfähig" zu verhalten. Wir haben aber unsere Erfolge für den DLV erzielt. - International gibt es ähnliche Muster in
Gjert Ingebrigtsen oder Greg Duplantis. Es muss beide Formen geben. Es gibt doch auch im DLV eine hohe Fluktuation an Trainern und an Umschichtungen in den unterschiedlichen Bereichen. Das meiste Geld wird wahrscheinlich dort verdient, wo sich TuT auf die Funktionärsebene begeben.  Wink

Gertrud


RE: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Sprunggott - 18.02.2021

(18.02.2021, 17:21)Gertrud schrieb: Grundsätzlich finde ich seine Ansichten über die duale Karriere sehr gut und stimme mit ihm überein. Früher kamen noch die Arbeitlätze bei Steilmann und im Bayerwerk dazu und waren ein Garant für einen Ausbildungsplatz. Auch das VW-Werk hat etliche AuA angestellt. Man sollte die AuA von dieser Denkweise überzeugen, den Berufsweg frühzeitig in Angriff zu nehmen.

„Der Trainerberuf ist ein spannender und ein erfüllender Beruf. Man muss aber auch die Rahmenbedingungen kennen. Es ist ein Beruf mit hohen Anforderungen und zeitlich wechselnden Parametern. Ich würde mir wünschen, dass das Berufsbild des Trainers in Anerkennung und Bezahlung verbessert wird.“

Hier geht Chounard wahrscheinlich von der Hauptberuflichkeit aus. Da stimme ich absolut nicht in der Eingleisigkeit zu. Es "stranden" zu viele Trainer/innen und sind somit unglücklich. Ich hatte auch mal die Möglichkeit der Trainer-Hauptberuflichkeit und habe mich zum Glück dagegen entschieden. Die Abhängigkeit, Dinge nicht mehr nach meinem Gusto zu formulieren, hätte mich frühzeitig krank gemacht. Der DLV plant aus meiner Sicht knallhart nur mit hauptberuflichen Trainern. Dabei sollte man die "Exemplare" HjH, Eisinger, Krempin, I. Baumann und z.B. meine Wenigkeit nicht vergessen. Wir konnten zu jeder Minuten entscheiden, was für die AuA notwendig war und brauchten uns nicht im DLV-Sinne "teamfähig" zu verhalten. Wir haben aber unsere Erfolge für den DLV erzielt. - International gibt es ähnliche Muster in
Gjert Ingebrigtsen oder Greg Duplantis. Es muss beide Formen geben. Es gibt doch auch im DLV eine hohe Fluktuation an Trainern und an Umschichtungen in den unterschiedlichen Bereichen. Das meiste Geld wird wahrscheinlich dort verdient, wo sich TuT auf die Funktionärsebene begeben.  Wink

Gertrud
Wie etliche Beispiele zeigen behandelt der DLV "seine Trainer" gelinde gesagt suboptimal, und dann redet man von mehr Anerkennung. Der Fisch stinkt von hinten !


RE: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - dominikk85 - 19.02.2021

Man muss sich allerdings auch fragen wie viele voll berufstätige den enormen zeitlichen Aufwand von Frau Schäfer heute noch leisten können.

Ihr Job als Sportlehrer war da sicherlich ideal, dazu hatten Sie ja auch familiär alles darauf abgestimmt.

Selbst ein Lehrer muss heute mindestens 2 Fächer unterrichten was im Gegensatz zum Sportunterricht bedeutet nachmittags Klausuren zu korrigieren. Und in der freien Wirtschaft sind die Anforderungen an die Zeit meistens noch höher und die Flexibilität meistens noch geringer.

Dazu kommt das viele Trainer auch Frau und kinder haben.

Wenn es jemanden wie Frau Schäfer gibt sollte der verband es auch nutzen und nicht starr auf hauptamtlichkeit beharren, aber es ist denke ich auch klar das die Zahl der Leute die heutzutage in der Lage sind neben einem Vollzeitjob einen solchen immensen Aufwand zu betreiben Recht gering ist, die meisten Nebentätigkeitstrainer machen ein paar Stunden die Woche und dann am WE Wettkampf (was auch schon belastend ist), aber Vollzeit arbeiten und 25 + Stunden auf dem Platz stehen können nur ganz wenige.


RE: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Diak - 19.02.2021

(19.02.2021, 08:24)dominikk85 schrieb: aber Vollzeit arbeiten und 25 + Stunden auf dem Platz stehen können nur ganz wenige.

beides ist ja auch nicht erforderlich. Zumindest im öffentlichen Dienst kann ich jedes Jahr stundengenau skalieren, wie viel ich arbeiten will/kann, was für ein riesengroßer Luxus! Und wenn ich mündige Athlet*innen haben will, dann muss ich auch nicht 25 Stunden auf dem Platz stehen. Klar ist es immer hilfreich, da zu sein, aber wie sagt Ina Müller so nett über die Fernbeziehung als optimale Lebensform: "Wenn ich ihn brauche, ist er ja da! Und umgekehrt natürlich genauso. Wenn ich ihn nicht brauche, ist er nicht da."

Nebenamtler können unabhänig arbeiten, haben vielfältige externe Erfahrungen, die sie auch im Trainerjob nutzen können, können sich (zumindest im Topbereich) aussuchen, wen sie trainieren und die Bedingungen dafür genau festlegen. Sie können sich ohne nennenswerten Druck entwickeln und sich die Nische suchen, in der sie gut sind. Uns passiert es nicht, dass wir versehentlich Bundestrainer werden, weil wir als einzige Berührung mit der zu betreuenden Disziplin mal mit einer Hürdenläuferin geschlafen haben. Entscheidend aber: Wir sind nicht abhängig vom Erfolg unserer Athlet*innen. Ich kann langfristig und gesund aufbauen, weil sich keine Sau dafür interessiert, was ich tue. Solange ich kein Geld vom DLV bekomme, kann ich ganz viel Blödsinn lesen, den Kopf schütteln, und weiter das machen, was mir Freude und meine Athletinnen besser macht.


RE: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Sprunggott - 19.02.2021

(19.02.2021, 09:05)Diak schrieb: Uns passiert es nicht, dass wir versehentlich Bundestrainer werden, weil wir als einzige Berührung mit der zu betreuenden Disziplin mal mit einer Hürdenläuferin geschlafen haben.

   Big Grin ‌  Der war gut, aber eigentlich zwei Tage zu spät (poli. Aschermittwoch).


RE: Talk: Dietmar Chounard über duale Karriere, Olympia und das Berufsbild der Trainer - Gertrud - 20.02.2021

(19.02.2021, 08:24)dominikk85 schrieb: Man muss sich allerdings auch fragen wie viele voll berufstätige den enormen zeitlichen Aufwand von Frau Schäfer heute noch leisten können.

Ihr Job als Sportlehrer war da sicherlich ideal, dazu hatten Sie ja auch familiär alles darauf abgestimmt.

Selbst ein Lehrer muss heute mindestens 2 Fächer unterrichten was im Gegensatz zum Sportunterricht bedeutet nachmittags Klausuren zu korrigieren. Und in der freien Wirtschaft sind die Anforderungen an die Zeit meistens noch höher und die Flexibilität meistens noch geringer.

Dazu kommt das viele Trainer auch Frau und kinder haben.

Ja, es ist auffällig, dass z.B. Günter Eisinger, HjH und ich Single sind oder waren, alle auch im Schuldienst gearbeitet haben. Das hat sicherlich den Zeitfaktor für den Leistungssport erhöht. Ich habe wirklich fast alles meiner Sportleidenschaft untergeordnet, war und bin aber dabei glücklich und zufrieden. Manchmal träume ich davon, noch einmal jung und meine heutige pekuniäre Lage zu haben: Ich würde ein Haus mit sportlich allem Drum und Dran hinsetzen. Als ich Jochen und Manon Eigenherr mal in ihrem Haus mit 3000m Land besucht habe, sagte Manon zu mir, als sie meinen weit schweifenden Blick sah: "Ich weiß, du würdest hier Wurfanlagen errichten!"
Zitat:Wenn es jemanden wie Frau Schäfer gibt sollte der verband es auch nutzen und nicht starr auf hauptamtlichkeit beharren, aber es ist denke ich auch klar das die Zahl der Leute die heutzutage in der Lage sind neben einem Vollzeitjob einen solchen immensen Aufwand zu betreiben Recht gering ist, die meisten Nebentätigkeitstrainer machen ein paar Stunden die Woche und dann am WE Wettkampf (was auch schon belastend ist), aber Vollzeit arbeiten und 25 + Stunden auf dem Platz stehen können nur ganz wenige.

Man muss unterscheiden: Der Verband würde mich sicherlich in der Fortbildung mehr einsetzen. Ich wollte aber immer selbst "am Mann arbeiten". Ich bin nicht die "Teamfrau im DLV-Sinne". Es ist doch ein Witz, verletzungsproduzierende Trainer einzusetzen und die erfolgreichste Trainerin im Mehrkampf mit einer 0-Quote an Verletzungen und OP innerhalb von 25 Jahre nicht. Ich könnte auch als Scout arbeiten und der DLV hätte hundertprozentig kein Nachwuchsproblem mehr. Das ist aber nicht meine Intension. Das rate ich übrigens dem DLV, in der Richtung einiges zu tun.

Auch wenn man es im DLV niemals zugibt, hat man meine Ideen und Hinweise z.B. hinsichtlich Sprint, Krafttraining und funktioneller Anatomie doch meistens hier aus dem Forum nachgeahmt, wenn auch oft erst sehr viel später. Wink ‌Ein BT-Speerwurf hat mal bei einer Fortbildung öffentlich gesagt, dass man wie Gertrud in der Prophylaxe arbeiten möchte.

Zudem bin ich von einer Person in Wattenscheid dermaßen hinter meinem Rücken bis zur Vereinsspitze und sogar bis Neubrandenburg schlecht gemacht worden, weil man mich als Konkurrenz ausräumen wollte und in Wattenscheid ausgeräumt hat. Ein Trainer von Neubrandenburg setzte mich davon in Kenntnis. Ich hatte nie mit Michael Huke einen Disput oder eine entsprechende Diskussion; trotzdem hat er zu einer Person gesagt: "Die wollen wir nicht einmal auf dem Platz hier sehen, geschweige denn als Trainerin!!!" Eine solche Demontage hinter meinem Rücken hat mich sehr getroffen. Ich war immer harmoniebedürftig; aber mit einer Person werde ich bis zur Urne keinen Frieden schließen!!! Ich unterscheide sehr genau, wer mich genutzt oder benutzt hat. Ich musste über die Ausbeute bei den letzten DM von Wattenscheid doch schmunzeln. Wink ‌Das gab´s seit Jahren dort nicht. Über den Verletzungspunkt der Protagonisten und Protagonistinnen im Verein sollte sich Michael Huke mal Gedanken machen. Es gibt andere Lösungen, als Verletzungen zu produzieren und hinterher durch Physiotherapeuten behandeln zu lassen; aber darauf muss man erst einmal kommen.  Wink

Daher rate ich D. Chounard beim Einsatz von Trainern vor allem auch im Jugendbereich, TuT mit einer ordentlichen Verletzungsstatistik einzusetzen und auch die Gehälter in diesem Bereich zu staffeln. Gesundheit der AuA hat mehr Wert als "Teamgesülze". Man hält sich im Verband als TuT nicht, wenn man nur gut im Fach ist. Man muss auch noch die Vernetzungen beherrschen. Das ist aus meiner Sicht so. Ich lehne diese hierarchischen Ränkespiele völlig ab, wenn ich fachlich recht habe.

Gertrud