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Spurtschwäche der Sujew-Twins - Druckversion

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Spurtschwäche der Sujew-Twins - beity - 22.06.2014

(22.06.2014, 22:29)dominikk85 schrieb: Besonders erfreulich waren auch die Leistungen im Mittel und Langstrecken Bereich (benitz, Gabius...). Die Sujews sind natürlich beide langsam im Spurt. Wenn ich ihr Trainer wäre würde ich im winter noch mal gezielt mit einem Sprinttrainer zusammenarbeiten und wenn das nicht klappt Richtung 5/10K oder sogar Straße gehen.

Das mit dem Sprinttrainer ist nicht die Lösung.
Benitz war heute der schnellste im Spurt. Ich bin mir nicht sicher, ob Benitz auch der schnellste der Teilnehmer im Sprint wäre.
Würden alle Teilnehmer des 800 Meterfeldes ausgeruht einmal mit Lichtscheine max. 100 Meter fliegend laufen, Benitz wäre eher am Ende einer solchen Rangliste.
Mit den Sujews ist entweder ein mentales Problem oder es gibt Trainingsfehler. Vielleicht fehlt im Training aber auch die richtige Abstimmung zwischen Regeration und höherschwelligen Reizen. Sie erscheinen mir zu oft im Wettkampf nicht wirklich frisch und ich habe den Eindruck, das sie in dem ein oder anderen Training eine bessere Leistung abrufen als im Wettkampf. Natürlich unter Vorbehalt, da ich nicht Zeuge von deren Trainingseinheiten bin.

edit mod: abgetrennt aus "Team-EM 2014, Braunschweig"


RE: Team-EM 2014, Braunschweig - DerC - 23.06.2014

(22.06.2014, 23:14)beity schrieb: Mit den Sujews ist entweder ein mentales Problem oder es gibt Trainingsfehler. Vielleicht fehlt im Training aber auch die richtige Abstimmung zwischen Regeration und höherschwelligen Reizen. Sie erscheinen mir zu oft im Wettkampf nicht wirklich frisch und ich habe den Eindruck, das sie in dem ein oder anderen Training eine bessere Leistung abrufen als im Wettkampf. Natürlich unter Vorbehalt, da ich nicht Zeuge von deren Trainingseinheiten bin.

Das ist ja für Heinig eine gute Gelegenheit zu zeigen, was er als Trainer drauf hat. Entweder die Sujews können nächstes Jahr besser spurten, oder sie werden eher auf längere Strecken wechseln. Dann haben sie zwar immer noch das Problem, dass sie im Spurt nix gewinnen können ... aber vielleicht sehen wir dann irgendwann einige 5000er in dem die Sujews sich mit der Führungsarbeit abwechseln.

Mir komt der Laufstil etwas seltsam vor und nicht gerade perfekt für längere Strecken geeignet. Sieht für mich nicht ökonomisch genug aus dafür.

Gruß

C


RE: Team-EM 2014, Braunschweig - beity - 23.06.2014

(23.06.2014, 07:31) DerC schrieb:
(22.06.2014, 23:14)beity schrieb: Mit den Sujews ist entweder ein mentales Problem oder es gibt Trainingsfehler. Vielleicht fehlt im Training aber auch die richtige Abstimmung zwischen Regeration und höherschwelligen Reizen. Sie erscheinen mir zu oft im Wettkampf nicht wirklich frisch und ich habe den Eindruck, das sie in dem ein oder anderen Training eine bessere Leistung abrufen als im Wettkampf. Natürlich unter Vorbehalt, da ich nicht Zeuge von deren Trainingseinheiten bin.

Das ist ja für Heinig eine gute Gelegenheit zu zeigen, was er als Trainer drauf hat.

Gruß

C
Heinig.....meine Erfahrungen mit ihm liegen schon einige Jährchen zurück.... Nach meiner Einschätzung kommt er am besten mit Athleten zurecht, die physisch und psychisch sehr robust sind und....die seine Entscheidungen nicht hinterfragen, geschweige denn diskutieren.
Tesfaye ist so ein robuster Typ. Wenn der mal in ein Übertraining reinrutscht, kommt der nach einigen Tagen da auch wieder raus und vielleicht sogar besser als zuvor. Die eigene Ehefrau war auch brutal belastbar. Wenn Trainer sagt, jetzt machen wir als semispezifische Ausdauereinheit 3 Stunden Ergometertraining oder 1 Stunde Dauerschwimmen dann wurde das gemacht. Vielleicht gab es auch eineOrientierung  an japanische Trainingsmentalität, wo einige Frauen irrwitzige Kilometerumfänge robotermässig abgespult haben und diskutiert wurde da auch nicht. 
Ich persönlich bin der Ansicht, das ein guter Trainer auch ein guter Pädagoge sein muss, der in der Lage ist, dem Athleten verständlich zu machen, warum was und wie trainiert werden sollte. der Athlet muss es mittragen und zwar aus eigener Überzeugung. Es muss ein Dialog da sein, auf beiden Seiten eine Reflexion.
es reicht nicht aus, einen Trainingsplan abzuarbeiten wie 5x 1000 in 2:45 oder 15 km in 3:40 km/min, dann abzuhaken, Vorgabe erreicht, ja, alles gut.
es geht eben nicht darum, DAS das Pensum erfüllt wurde, sondern meines Erachtens auch um das WIE.
Mit hartem Training und stringenten Vorgaben kannst Du talentierte Athleten schnell zu deutlichen Leistungssteigerungen führen. Wie sieht es nach 2 Jahren aus? 
Wie wird sich die immer noch sehr junge Frau Krause entwickeln?
die ist ganz sicher nicht so robust wie ein Tesfaye.
Ohne jetzt ungerecht zu werden, zumindest für einen guten Pädagogen halte ich Heinig nicht. Die "Athletenrevolte" gegen ihn kommt nicht von ungefähr.


RE: Team-EM 2014, Braunschweig - dominikk85 - 23.06.2014

Natürlich kann man das Training hinterfragen, allerdings ist Grundschnelligkeit auch zu einem großen Teil angeboren.

Eine Paula Radcliffe hat das auch nie gelernt und hat es sicher jahrelang mit den besten Methoden probiert.

Bei den Sujews ließe sich sicher noch was rausholen, aber eine wirklich scharfe Schlussrunde werden sie wohl nie haben. und da sie zwar gute Zeiten, aber eben auch keine 4:00 laufen muss man sich IMO schon überlegen auf längere strecken zu gehen.


RE: Team-EM 2014, Braunschweig - beity - 23.06.2014

(23.06.2014, 10:31) dominikk85 schrieb: Natürlich kann man das Training hinterfragen, allerdings ist Grundschnelligkeit auch zu einem großen Teil angeboren.

Eine Paula Radcliffe hat das auch nie gelernt und hat es sicher jahrelang mit den besten Methoden probiert.

Bei den Sujews ließe sich sicher noch was rausholen, aber eine wirklich scharfe Schlussrunde werden sie wohl nie haben. und da sie zwar gute Zeiten, aber eben auch keine 4:00 laufen muss man sich IMO schon überlegen auf längere strecken zu gehen.

Wirklich scharfe Schlussrunde ....verlangt doch keiner ernsthaft.
Aber es kann doch nicht sein, wenn vorne eine 59/60ger Schlussrunde gelaufen wird, die beiden quasi nicht aus ihrem Schritt rauskommen und die letzten 200 auf 33/34 Sec. Niveau sich abquälen und Platz um Platz verlieren.
Extrem Gegenbeispiel sind doch Defar und die ältere Dibaba zu ihren besten Zeiten.
Die liefen im Meisterschaftsrennen in ungleichmäßigen Rennen die 10.000 Meter deutlich unter 31 Minuten. Also kein Schlafwagentempo und die haben eine letze Runde unter 60 sek. rausgeknallt. Die beiden können in einem Solo 400 Meterlauf ganz bestimmt keine 54 Sekunden laufen.
Die Überlegung muss also sein, wie sind bestimmte Fähigkeiten durch Training ausgeprägt, die Mittel- und Langstreckler dazu in die Lage versetzen, zum Ende eines Rennens noch stark beschleunigen zu können. Ein Gabius ist hier auch deutlich stärker geworden und das liegt jetzt nicht daran, das er die 100 Meter fliegend nun schneller läuft als vor 10 Jahren, ganz bestimmt nicht.


RE: Team-EM 2014, Braunschweig - DerC - 23.06.2014

(23.06.2014, 08:39)beity schrieb: Ich persönlich bin der Ansicht, das ein guter Trainer auch ein guter Pädagoge sein muss, der in der Lage ist, dem Athleten verständlich zu machen, warum was und wie trainiert werden sollte. der Athlet muss es mittragen und zwar aus eigener Überzeugung. Es muss ein Dialog da sein, auf beiden Seiten eine Reflexion.
es reicht nicht aus, einen Trainingsplan abzuarbeiten wie 5x 1000 in 2:45 oder 15 km in 3:40 km/min, dann abzuhaken, Vorgabe erreicht, ja, alles gut.
es geht eben nicht darum, DAS das Pensum erfüllt wurde, sondern meines Erachtens auch um das WIE.

Da stimme ich dir vollkommen zu. Den Heinig kenne ich ja nicht persönlich, aber das was du schreibst passt so zu dem, was man sonst so hört und liest. Es gibt eben Typen, die gut mit autoritären Trainern klar kommen, das funktioniert aber dann nicht mehr, wenn die Eigeninitiative nötig ist.

Nochmal zum Spurten: Da bin ich auch sehr ähnlicher Meinung. Gabius kann heute in erster Linie besser spurten, weil er mehr (spezifische) Ausdauer hat als früher, nicht weil er so viel besser im Sprint an sich geworden ist. Auch ein Farah hat vermutlich nicht die besten Werte im fliegenden Sprint unter den Langstrecklern, er gewinnt die Rennen, weil er gut positioniert ist und noch genügend Reserven hat - di esind wiederum bedingt durch seine hohe spezifische Ausdauer.

Und so grundlangsam können die Sujews ja nicht sein, sonst hätten sie ihre Mittelstreckenzeiten nicht laufen können. 400m ohne Vorbelastung müssten auch bei denen wohl pi mal Daumen zwischen 55 und 58 gehen, die Frage ist, warum sie selbst in eher langsamen Rennen nicht gut umschalten können. Und das Umschalten kann man durchaus trainieren. Und wenn sie nicht so explosiv sind, (das ist ein Gabius auch nicht) müssen sie eben den langen Spurt lernen.

Gruß
C


RE: Spurtschwäche der Sujew-Twins - Atanvarno - 23.06.2014

(23.06.2014, 13:42)DerC schrieb: Auch ein Farah hat vermutlich nicht die besten Werte im fliegenden Sprint unter den Langstrecklern, er gewinnt die Rennen, weil er gut positioniert ist und noch genügend Reserven hat - di esind wiederum bedingt durch seine hohe spezifische Ausdauer.

100m fliegend (laut Alberto Salazar)
Mo Farah: 11,2
Galen Rupp: 10,9

Trotzdem wird Farah Rupp in 9 von 10 Rennen auf der letzten Runde plattmachen, weil er am Ende des Rennens einen höheren Prozentsatz seiner Höchstgeschwindigkeit erreichen kann als Rupp.

Dazu auch eine schöne Anekdote von Renato Canova zum 10000m Weltmeister von 1983, Alberto Cova

Zitat:But these are the final 400m of AEROBIC ANIMALS [...] I want to say an anecdote. The Italian Alberto Cova won the first edition of WCH (1983, Helsinki) in 10000m with a last lap of 53.2. We were curious to see his real speed, and with his coach Giorgio Rondelli we bet about his time in a local competition of 400m one week after his victory. His result was... 52"8 ! Also about the training we use, we NEVER use max speed (apart short sprints uphill). Never, for example, Vivian Cheruiyot goes 400m at max speed, however she won 5000m in Berlin running the last lap in 57"9, and Sylvia Kibet 58"2. Since I'm the coach of Sylvia, I know very well she can run a little faster than 57" in a competition of 400m, and with, may be, 56"5 of PB can run 2'03" in 800m. The key is the SPEED ENDURANCE, connected with the AEROBIC POWER, not with the lactic system.

Schließe mich also der Meinung an, dass die Sujews nicht unbedingt ihre Vmax verbessern müssen, sondern die Fähigkeit in der Endphase eines Rennens möglichst nah an ihre Höchstgeschwindigkeit herankommen zu können.
Das ist trainierbar. Galen Rupp hat im College etliche Rennen im Spurt verloren. Heute muss er in den USA nur noch Bernard Lagat fürchten und hat in einem langsamen Rennen auch mal eine 52er Runde raus.


RE: Spurtschwäche der Sujew-Twins - dominikk85 - 23.06.2014

Ich lese da viel Spekulation. Natürlich gibt es keine 100% korrelation, aber ich bin 100% sicher, dass eine Defar über 400m mehrere Sekunden schneller war als Paula.


RE: Spurtschwäche der Sujew-Twins - mic.now - 23.06.2014

Diana Sujew hat einen Startplatz bei der Diamond-League in Lausanne über 3000 m bekommen.

Startliste