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Achillessehnen-Seuche - Druckversion

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RE: Achillessehnen-Seuche - Diskusmann - 05.07.2014

Herzlich willkommen, Gertrud!
Das eh schon hohe Niveau dieses Forums wächst damit weiter. Ich hoffe auf viele interessante und gehaltvolle Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen!


RE: Achillessehnen-Seuche - lor-olli - 05.07.2014

Guten morgen und willkommen im Forum Gertrud (Wann schläfst Du eigentlich Wink...),

Die Problematik der Achillessehnenbelastung scheint meines Erachtens wirklich entweder nicht vollständig verstanden (und meine Physios vor Ort sind wirklich gut), oder die individuelle Komponente ist derartig dominierend, dass sie jede pauschale Aussage verbietet (DAS hören Trainer natürlich überhaupt nicht gern…)

Meiner eigenen, sehr subjektiven Erfahrung nach, spielt aber auch die Ernährung und Entzündungen andernorts im Körper eine gravierende Rolle. Ich hatte Sehenenprobleme IMMER im Zusammenhang mit anderen Entzündungen (Zähne, Schnittverletzung, Schürfwunden, Infekte etc.), manche davon zu spät wahrgenommen oder nicht als relevant erkannt. Viele Athleten trainieren heute bei Problemen "einfach weiter", was sicher auch Auswirkungen und Einwirkungen auf die Nährstoffversorgung der Sehnen / Sehnenscheiden hat. Da gibt es sicher noch einiges an Aufklärungsbedarf, während sich die biomechanische Komponente bei gutem Willen heute schon studieren lässt…


RE: Achillessehnen-Seuche - Gertrud - 05.07.2014

(05.07.2014, 06:48)lor-olli schrieb: Guten morgen und willkommen im Forum Gertrud (Wann schläfst Du eigentlich Wink...),

Die Problematik der Achillessehnenbelastung scheint meines Erachtens wirklich entweder nicht vollständig verstanden (und meine Physios vor Ort sind wirklich gut), oder die individuelle Komponente ist derartig dominierend, dass sie jede pauschale Aussage verbietet (DAS hören Trainer natürlich überhaupt nicht gern…)

Meiner eigenen, sehr subjektiven Erfahrung nach, spielt aber auch die Ernährung und Entzündungen andernorts im Körper eine gravierende Rolle. Ich hatte Sehenenprobleme IMMER im Zusammenhang mit anderen Entzündungen (Zähne, Schnittverletzung, Schürfwunden, Infekte etc.), manche davon zu spät wahrgenommen oder nicht als relevant erkannt. Viele Athleten trainieren heute bei Problemen "einfach weiter", was sicher auch Auswirkungen und Einwirkungen auf die Nährstoffversorgung der Sehnen / Sehnenscheiden hat. Da gibt es sicher noch einiges an Aufklärungsbedarf, während sich die biomechanische Komponente bei gutem Willen heute schon studieren lässt…
Mit dem Schlaf im Alter ist das so eine Sache. Ich hole mir den Schlaf durch power napping. Dafür stehe ich dann sehr oft in der Nacht senkrecht im Bett.

Meine rechte Achillessehne schmerzt heute übrigens, weil ich gestern um 6 Uhr im Garten Sträucher per Spaten umgesetzt und mit dem rechten Fuß diese abrupten Druckstöße mit dem Fuß auf dem Spaten durchgeführt habe. Da nützt auch der größere Querschnitt der Sehne im Alter nichts. Die mechanischen Eigenschaften ändern sich im Laufe des Lebens, was Querschnitt, bestimmte Faszikel-Crimp-Winkel und Hystereseflächen betrifft. Die Reißfestigkeit kann man schon durch Training auch im Alter verändern, aber natürlich nicht durch Zerreißproben. Insgesamt ist es ein sehr spannendes und weitreichendes Gebiet, das schon Beachtung finden sollte.

Zur Zeit trainiere ich einen jungen Athleten, bei dem es einige "Klippen zu umschiffen" gibt und gilt. Man kann dann nicht guten Gewissens einfach drauflos trainieren und die üblichen Schemata anwenden, ohne Gesundheitsschäden zu riskieren. In der Hinsicht bin ich sehr akribisch und habe für ihn neue Übungen mit Spezialmaterialien, die ich kaufe, entwickelt und modifiziert, so dass er nicht in den Schmerzbereich hineintrainiert. Ein derartiger Athlet passt dann auch nicht in das übliche Lehrgangsgeschehen, weil es absolut kontraproduktiv wäre. Er wird hier zu Hause absolut vorsichtig durch mich trainiert. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich gegen irgendwen und irgendwas bin. Ich will über die Schemata auch nur mit meinem Diskussionskreis aus Gründen der Zeit und des Fachwissens diskutieren und sehe die Person im schulischen Kontext ohne verplemperte Zeit mal mit einem später vernünftigen Beruf.

Gertrud


RE: Achillessehnen-Seuche - gepard - 05.07.2014

(04.07.2014, 23:59)Gertrud schrieb: Das ist eine ähnliche Situation, als wenn man mit dem Vorfuß auf den Rand eines tiefen Loches tritt oder springt. Diese Längenausreizung hält meistens keine Achillessehne aus.
 
 

das ist mir schon passiert. beim barfußlaufen auf dem rasen bin ich unerwartet in ein loch getreten. zum glück haben meine golgi-rezeptoren gute arbeit geleistet und schlagartig die kontraktion der betreffenden muskeln ausgeschaltet. in dem moment haben sich zwar die beine wie pudding angefühlt, aber es ist eben auch nichts gerissen. noch nicht mal eine distorsion war spürbar. meine ausführungen sollen keinesfalls ihre wichtigen aspekte zur problematik konterkarieren.


RE: Achillessehnen-Seuche - Gertrud - 13.07.2014

Die Achillessehnenforschung befindet sich noch ganz am Anfang, was verwertbare Konsequenzen für unsere Praxis beinhaltet. Ein Unterschied bei Versuchen zwischen Mensch und Tier tut sich auf, weil man am Menschen die Reißfestigkeit nicht minimal invasiv testet. Die Untersuchung an Ratten sind aber z. B. schon wegen der sehr unterschiedlichen Lebenserwartung zum Menschen für den Transfer kompliziert.

Die Achillessehne-Reifeprozesse scheinen laut Studien sehr viel früher als in anderen Geweben abgeschlossen zu sein. Deutet sich schon hier eine Intervention für uns an, dass wir vielleicht wichtige Altersphasen bis zur Pubertät durch zu wenig gezielte Übungen verschlafen? Ich komme in der Hinsicht sehr oft hinsichtlich Kinder-LA ins Grübeln. Altersgemäße Strukturen mit geeignetem Übungspotential zu festigen, halte ich für ein vorrangiges Argument.

Am besten für Sprünge und Sprints wäre eine lange und dicke Sehne, damit sie als Feder bei der Kraftübertragung wirken kann. Hohe Sehnenadaptationen scheinen sich durch ein Training jahrelang auf hohem Niveau zu bestätigen, wobei auf gleiche Belastungsstimuli unterschiedliche Sehnen unterschiedlich reagieren. Entscheidend sind bei unterschiedlichen Belastungsstimuli unterschiedliche Muskelveränderungen, unterschiedliche Auswirkungen auf Hysterese und Kriecheffekte. Außerdem scheint die unterschiedliche Fußmorphologie und somit unterschiedliche Belastungsfähigkeiten nicht immer den notwendigen Voraussetzungen zu entsprechen.

Es gibt noch eine Menge in der Verbindung Wissenschaft und Praxis zu tun, wobei der momentane Wissensstand nicht allgemein angekommen zu sein scheint. Man sollte als Trainer/in nicht davor zurückschrecken, gerade für den Bereich der Achillessehne teilweise Disziplinverbote für seine Schützlinge auszusprechen, bis die Strukturen durch Präparation in geeigneter Technik belastbar sind. Auf dem Gebiet scheint mir oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet zu werden, weil diese Erkenntnisse nicht auf breiter Front bei jungen Trainern platziert werden.

Gertrud


RE: Achillessehnen-Seuche - Hinkebein - 15.07.2014

Hier ein Link zum ursprünglichen Thema:

http://www.trainingsworld.com/sportmedizin/sportverletzung-sti110551/sportverletzung-achillessehnenruptur-leichtathletik-karrierebedrohende-verletzung-2369625.html


Die Präventionsempfehlung finde ich nur etwas dünn.


Es wäre insgesamt wünschenswert, wenn dieser Thread nicht in eine allg. Trainer- und Referentenschelte ausartet.


RE: Achillessehnen-Seuche - Gertrud - 15.07.2014

(15.07.2014, 09:32)Hinkebein schrieb: Hier ein Link zum ursprünglichen Thema:

http://www.trainingsworld.com/sportmedizin/sportverletzung-sti110551/sportverletzung-achillessehnenruptur-leichtathletik-karrierebedrohende-verletzung-2369625.html


Die Präventionsempfehlung finde ich nur etwas dünn.


Es wäre insgesamt wünschenswert, wenn dieser Thread nicht in eine allg. Trainer- und Referentenschelte ausartet.
Wobei die Power-Doppler-kontrollierte Sklerosierung mit Polidocanol zu wirken scheint. Alle anderen Angaben sind noch nicht restlos bewiesen bzw. teilweise unwirksam. 
Ich bin keine Ärztin, kann mich nur darauf stützen, was studienmäßig erarbeitet worden ist und was ich vielfach lese.

Das ist zum größten Teil aber Reparaturmedizin. Wir als Trainer/innen sollten prophylaktisch handeln und entsprechendes Übungspotential anbieten. Auf dem Gebiet arbeite ich sehr akribisch. Dazu gehören enorme Grundlagen, um den Verletzungen zu trotzen. Es kommt keiner vorbei, der uns das auf dem Tablett serviert. Wink 

Ich mache mal wieder einen Schlenker. Wenn man so akribisch mit Athleten trainiert, wie ich es mir vorstelle, dann wären meine Athleten bei Lehrgängen teilweise sehr unterversorgt. Also, was soll´s dann? Ich habe ganz andere Vorstellungen. Es kommt folglich immer auf den persönlichen Filter an!!! Ich arbeite primär mit Athleten auf der sachlich fachlichen Seite mit hohen Trefferquoten und verlange ihnen eine Menge Konzentration und Mitdenken ab, so dass sie eigentlich vom Nervenkostüm her nach 90 Minuten das Programm beenden.

Verletzungen entstehen z. B. durch a) falsche Bewegungen und Bewegungsmuster b) zu hohe Umfänge c) falsche Folge der Energiesysteme d) bei Übermüdung e) bei schlechten äußeren Bedingungen. 

Gertrud


RE: Achillessehnen-Seuche - Javeling - 15.07.2014

Zitat:http://www.trainingsworld.com/sportmediz...69625.html
........Neben dem exzentrischen Krafttraining scheint ein sportartspezifisches Propriozeptionstraining die Verletzungshäufigkeit von Achillessehnenverletzung zu verhindern.(20) Wir konnten zeigen, dass Achillessehnenbeschwerden durch eine zusätzliche propriozeptive sportartspezifische Trainingsintervention signifikant verhindert werden (von 1,5 Achillessehnenverletzungen pro 1000 h Fußball auf 0 Achillessehnenverletzungen pro 1000 h Fußball, p<0,05).
Naja, dann ist ja alles klar. Jetzt aber unverzüglich ran an die Arbeit.......Zürich ist nicht mehr fern.  Undecided

Heinz Engels, Mainz


RE: Achillessehnen-Seuche - Gertrud - 15.07.2014

(15.07.2014, 13:21)Javeling schrieb:
Zitat:http://www.trainingsworld.com/sportmediz...69625.html
........Neben dem exzentrischen Krafttraining scheint ein sportartspezifisches Propriozeptionstraining die Verletzungshäufigkeit von Achillessehnenverletzung zu verhindern.(20) Wir konnten zeigen, dass Achillessehnenbeschwerden durch eine zusätzliche propriozeptive sportartspezifische Trainingsintervention signifikant verhindert werden (von 1,5 Achillessehnenverletzungen pro 1000 h Fußball auf 0 Achillessehnenverletzungen pro 1000 h Fußball, p<0,05).
Naja, dann ist ja alles klar. Jetzt aber unverzüglich ran an die Arbeit.......Zürich ist nicht mehr fern.  Undecided

Heinz Engels, Mainz
Das übliche propriozeptive Training kann man für den Sehnenbereich in die Tonne kloppen. Innerhalb der Einflussnahme ist die Sehne längst gerissen. Diese Übungen gelten allenfalls als Gleichgewichtsschulung. 

Der gesamte Komplex ist schon sehr viel tiefgreifender und erfordert spezielle Einflussnahmen. Die üblichen Schlagwörter mit ihren Inhalten reichen meistens nicht aus. Im Raum schwebendes, loses Wissen ohne kausale Verankerung bringt gar nichts. Der Komplex ist sehr vielschichtig und nicht leicht zu handhaben, zumal immer neue Erkenntnisse dazukommen.

Vor allem ist es nicht üblich, die notwendigen Grundlagen an die Basis zu bringen, wo sie frühzeitig hingehören. Ich habe einen 11 jährigen Schüler in meiner LA-AG, der schon mit Achillessehnenbeschwerden zu mir gekommen ist. Die Füße sind absolut sehenswert!!! Thumb_down 

Ich muss oft schmunzeln, wenn ich so die gängigen, unterschwelligen Übungen sehe, die auf Fortbildungen angeboten werden. Das Krabbeln im Sand verstärkt meistens die Hammerzehen noch und wappnet absolut nicht gegen Belastungen. Wink

Ich wundere mich vor allem über die Ermüdungsbrüche im Fußbereich. Wenn eine harte Belastung auf unverschaltete Strukturen trifft, muss ein Kollaps der Gewebe erfolgen. Es geht gar nicht anders. Man kann mit verschalteten Strukturen hohe Lasten problemlos bewältigen. Darf ich jetzt mal knallhart sein?: Bankdrücken ist (scheinbar!) wichtiger!!! Thumb_down Derartige Gespräche wollte ich auf DLV-Fortbildungen anleiern - no chance!!! 

Wer Erfolg hat, hat dem Anschein nach auch recht. Ob Athleten zwei-oder dreimal z. B. am Knie operiert werden, stört meistens keinen. Legt man (auch begründet) den Finger in die Wunde, gilt man als Querulant, als Besserwisser oder schlimmstenfalls als "Nestbeschmutzer"!!! Es kostet viel Zeit und Mühen, akribisch zu hinterfragen. 
 
Gertrud

 


RE: Achillessehnen-Seuche - MZPTLK - 15.07.2014

(15.07.2014, 10:18)Gertrud schrieb: Verletzungen entstehen z. B. durch a) falsche Bewegungen und Bewegungsmuster b) zu hohe Umfänge c) falsche Folge der Energiesysteme d) bei Übermüdung e) bei schlechten äußeren Bedingungen.
Dann haben wir es so gut wie.
Ich möchte aber noch Ernährung und Psyche hinzufügen.
Vor allem die Körpersensibilität, das In-sich-Hineinhorchen, die Motivation und Konzentration wird oft unterschätzt. Dafür braucht es den bewussten, lernenden, mündigen Athleten.