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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt (/showthread.php?tid=6242) |
RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 16.07.2025 Das ist zu allererst gesunder Menschenverstand, dass ein quasi fremdes Kind auf deinem Schoß nichts verloren hat. Was würdest du sagen, wenn du ins Training kommst und der 50jährige Trainer dein Kind auf dem Schoß hat und am besten dazu noch streichelt? MikeStar tut so, als wäre das völlig normal. Aber das ist es nicht. Das ist alles andere als normal. Vor allem 2025 nicht. Diak hat das Thema ja schon gut zusammengefasst. Aber ich kann es nicht oft genug sagen: Auf dem Schoß sitzen überschreitet eindeutig eine Grenze. Sowas gab es bei mir z.B. weder in der Schule, noch im Kindergarten. Bei keinem der Kinder. Da wäre wäre es mir im Leben nicht eingefallen, körperliche Nähe zu Erwachsenen jenseits meiner Familie zu suchen. Auch nicht später im Verein. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - CoachnEngineer - 17.07.2025 (16.07.2025, 23:53)muffman schrieb: Das ist zu allererst gesunder Menschenverstand, dass ein quasi fremdes Kind auf deinem Danke für eine Erläuterung. ich nehme dein Beispiel mal auf und beschreibe, wie ich damit umgehen würde, wobei das schon ein Extrembeispiel ist ("am besten dazu noch streichelt") 1) würde ich mir anschauen, wie das Kind empfindet. Ist es im in irgendeiner Weise unangenehm, wirkt es irritiert? oder aber sucht es eher die Nähe und den Körperkontakt, weil es ein Bedürfnis danach hat? 2) hinterfrage ich mit welcher Intention der Trainer agiert. Geht es ihm tatsächlich darum, dem Kind Nähe und Kontakt zu geben, weil es dies ggf. gerade braucht oder aber agiert er sein eigenes Bedürfnis nach Nähe aus oder hat gar sexualisierte Motive? Letztere Motive sind natürlich grenzüberschreitend bzw. grob missbräuchlich und ggf. sogar strafbar. Dann muss natürlich eingegriffen werden, selbst wenn das Kind es selbst nicht als so unangenehm einschätzt. Um das zu erkennen braucht es natürlich etwas Emphatie und "gesunden Menschenverstand". 3) sollte man nach dem konkreten Anlass fragen. Lag ggf ein Unfallgeschehen vor, dass verarbeitet werden muss? Oder wurde das Kind von einer anderen Person körperlich oder psychologisch verletzt (Mobbing)? Oder aber hat das Kind ein grundsätzliches Bedürfnis nach Nähe und Kontakt? Ist letzteres der Fall sollte ich selbst mal hinterfragen, was ich ggf. besser machen kann. Basierend auf diesen Eindrücken und Informationen entscheide ich, ob die Situation zu akzeptieren ist oder nicht. Wenn du eine andere Sichtweise dazu hast, ist das natürlich ok. Du hast vermutlich auch gute Gründe dafür. Aber Körperkontakt und "auf den Schoß" setzen per se als unangemessen abzustempeln ist mE nicht richtig. Zu gravierend sind eben auch die Folgen bei Kindern, die unter Mangel an Nähe und Kontakt leiden. Körperkontakt ist nachweislich essentiell für die Entwicklung von Kindern. Wir sollten Kindern und Jugendlichen doch den Raum und die Möglichkeit gegen, selbst Erfahrungen machen zu können, wie sie Körperkontakt empfinden, einordnen und wo ihre eigenen Grenzen sind. Und ein Entzug (sei es auch nur in einem bestimmten Moment, in dem das Bedürfnis da ist), dann auch von Fremden, kann mehr oder weniger starke Spuren hinterlassen. @Diak hat das doch auch ähnlich beschrieben: Zitat "Uns allen wünsche ich, dass wir ohne Angst miteinander und vor allem mit unseren Kindern und Jugendlichen umgehen können. (Ggf. auch körperliche) Nähe ist elementar für jede pädagogische Arbeit und viele verbieten sich aus Angst und Unsicherheit Dinge, die für alle völlig natürlich und für viele Kinder und Jugendliche wichtig wären. Eigentlich ist es nicht so schwer: Wenn Jugendliche Umarmungen, sei es aus Begeisterung oder auf der Suche nach Trost oder freundlicher Nähe, suchen, dann sollte es völlig normal sein, wenn wir diese Nähe geben. Wenn ich unsicher bin, ob eine Umarmung gerade angemessen wäre, dann frage ich oder mache eine entsprechende Geste" RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mark1967 - 17.07.2025 Das ist natürlich eine ganz wichtige Diskussion, in der es keine eindeutigen Antworten geben kann, aber ich möchte zumindest mal erwähnen, dass die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch in den Familien stattfinden. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 17.07.2025 Das ist mir klar. Aber du verstehst sicher, was ich mit meinem Post sagen will. Es gibt halt Nähe und Nähe. Und manchmal ist halt nicht immer das, was das Kind will, auch das richtige für Erwachsene. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - dominikk85 - 17.07.2025 (17.07.2025, 08:02)mark1967 schrieb: Das ist natürlich eine ganz wichtige Diskussion, in der es keine eindeutigen Antworten geben kann, aber ich möchte zumindest mal erwähnen, dass die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch in den Familien stattfinden. Das stimmt, aber auch andere Verhältnisse von "schutzauftrag" wie sport trainer und jugendlicher athlet oder Pastor und messdiener sind ebenfalls ein hohes Risiko weil es eine hohe räumliche und emotionale nähe, wenig einblick von außen sowie oft ein machtgefälle gibt. Diese Faktoren sind in Familie, Kirche und Sport relativ ähnlich. Generell überschätzen die Leute das Risiko durch den fremden Perversen triebtäter im weißen van und unterschätzen das Risiko durch Institutionen in der Nähe wie Kirche, Familie oder Sport weil man diesen Institutionen halt vertraut, für viele ist der Täter halt ein verdorbener perverser der irgendwo im Gebüsch hockt und keine Person für die man Sympathien hat, in der Realität kann es aber natürlich jeder sein. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 17.07.2025 Sexualisierte Motive lassen sich von außen eben kaum ausschließen. Alleine deswegen fällt "auf den Schoß setzen" schon in die Kategorie sein lassen. Mal ganz unabhängig davon, ob man das jetzt angemessen findet oder nicht: Man muss sich auch selbst schützen. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - CoachnEngineer - 17.07.2025 (17.07.2025, 08:18)muffman schrieb: Das ist mir klar. Aber du verstehst sicher, was ich mit meinem Post sagen will. Es gibt halt Nähe und Nähe. Und manchmal ist halt nicht immer das, was das Kind will, auch das richtige für Erwachsene. Ich denke, du meinst es gerade anders herum. Dem stimme ich absolut zu. Und ich denke auch, dass die Anzahl der Fälle, die ich beschrieb, in denen Erwachsene ihr eigenes Bedürfnis nach Nähe Kindern in übergriffiger Weise aufzwingen, leider nicht gering ist. Zumeist kriegen die Erwachsenen das auch gar nicht mit. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 17.07.2025 Ja. War blöd ausgedrückt. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - MikeStar - 17.07.2025 (16.07.2025, 10:33)muffman schrieb: Das ist ja eine ganz tolle Geschichte mit der du da unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern rechtfertigen willst. Das sind keine Kinder aus deinem nächsten (familiären) Umfeld, sondern erstmal fremde Kinder! Ziemlicher Quark für jemanden, dessen Nick im Deutschen eine u.a. ziemlich sexistisch-vulgäre Bedeutung hat. Passt ja aber zum Threadthema. Ich tue auch nicht so als wäre "ein fremdes Kind auf den Schoß setzen" völlig normal. Bitte unterlasse solche Unterstellungen. Wenn du meine Erläuterungen nicht verstehst, frage gerne nach, ob ich es so meine wie du es verstanden hast oder enthalte dich. BTT: Ich habe überhaupt nichts gerechtfertigt, sondern lediglich eine kurze Erläuterung unter biologischen und psychosozialen Aspekten gegeben. Solches Verhalten und sogar im weiteren Schritt Pädophilie im Allgemeinen ist erstmal ein in der Natur durchaus vorkommendes Verhalten. Das Begatten der Weibchen, teilweise sogar des eigenen Nachwuchses, unter Gewalt, sobald die Geschlechtsreife eintritt ist im Tierreich durchaus nicht ungewöhnlich. Es geschieht erstmal automatisch (Sexualtrieb, Pheromone etc.), weil es die Natur so eingerichtet hat. Wir Menschen haben dieses Verhalten auf gesellschaftlicher Ebene dämonisiert, was mit Hinblick auf Schutz von Schwächeren, Bewahrung von mentaler und körperlicher Integrität von Kinder und Schutzbefohlenen, aber auch der biologischen Erkenntnis, dass zu frühe Fortpflanzung auch zu Fehlbildungen und Schäden führen können, absolut nachvollziehbar und sinnvoll ist. Gesellschaftlich ist Pädophilie und Missbrauch von Kindern absolut verdammenswert und nicht tolerierbar, will man aber verstehen wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann, muss man eben auch die biologische Komponente betrachten um zu verstehen, wie Täter ticken. Mir ist bewußt, dass viele Menschen sich mit den Hintergründen gar nicht befassen wollen, sondern lieber einfache Lösungen suchen. Wenn man z.B. komplett den körperlichen Kontakt verbietet, entsteht ein Gefühl der absoluten Sicherheit. Ein trügerisches Gefühl, denn Missbrauch geschieht oftmals unbemerkt. Willentliche Täter finden i.d.R. immer eine Möglichkeit Konzepte zu umgehen. Stattdessen kriminalisiert man natürliches Verhalten aus einem Schutzreflex heraus. Beobachtet einfach in der Umgebung wie viele Menschen, z.B. ältere Damen oder Väter und Mütter instinktiv und ohne böse Absichten andere/fremde Kinder in verschiedenen Situation berühren. Einfach weil man es so gewohnt ist und es als Kind selbst als normale und harmlose Situation erlebt hat. Wir müssen das Bewußtsein dafür schärfen, zu erkennen, wenn es über Grenzen hinausgeht. Wir - als Erwachsene - müssen unseren Kindern beibringen, ihre Grenzen zu vertreten, offen zu sprechen und ihnen mit Respekt und Verantwortung begegnen. Ja, diese Verantwortung beinhaltet, sie vor unangemessenem Verhalten zu schützen, ihnen helfen ihre Unversehrtheit zu bewahren, aber gleichzeitig sollten wir darauf achten nicht aus Angst und vielleicht mangelnder eigener Initiative zu restriktiv zu sein. Ich finde es - und das ist nur meine persönliche Meinung - ambivalent z.B. zu sagen "mein Kind bestimmt selbst wer ihn anfassen darf und wer nicht" und gleichzeitig zu sagen "der Trainer darf ihn nicht anfassen, selbst wenn das Kind es will" (mit anfassen meine ich normalen gesellschaftlich akzeptablen Körperkontakt, nicht sexuell). Wir sprechen dem Kind eine eigene Entscheidung zu, verbieten aber gleichzeitig die Entscheidung auf eine andere Weise. Unter dem Gesichtspunkt der Prävention nachvollziehbar, Kinder merken aber, dass sie auf diese Weise doch in ihrer Entscheidung beschnitten werden. Dann lieber gleich offen sagen "ich erlaube nicht, dass der Trainer dich anfasst, um zu verhindern, dass du falsch berührt werden könnest. Du bist noch zu jung um diese Entscheidung selbst zu treffen". Ich verstehe vollkommen, dass man als Elternteil oder Verantwortlicher mit Hinblick auf die ganzen systematischen Missbrauchsfälle in Kirche, Familie, Sport etc. man lieber zu restriktiv als zu liberal ist. Geht mir in der Praxis oftmals auch so und solche konzeptionellen Inhalte wie "Trainer duscht nicht mit minderjährigen Sportlern", "Immer zu zweit oder mehrt die Kindergruppen betreuen" sind absolut notwendig und sinnvoll und im Zweifel bin ich auch lieber zu zurückhaltend als dass man unbeabsichtigt Grenzen überschreitet oder übergriffig wird. Im Netz findet man übrigens die Schutzkonzepte der Landessportbünde NRW und Berlin. Diese sind sehr ausführlich und zumindest in meinen Augen durchdacht und berücksichtigen auch, dass ihre Anforderungen im Ehrenamt durchaus als Hindernisse angesehen werden können. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 17.07.2025 Was du so alles in meinen Nick hineininterpretierst… Niemand hier ist gegen jeglichen körperlichen Kontakt. Um beim Beispiel zu bleiben: Kind auf den Schoß nehmen sollte im Normalfall etwas für die Eltern, Großeltern etc. sein und nichts für TrainerInnen. Es wurde schon oft gesagt: Wieso sollte ich mich durch so etwas selbst in die Schusslinie bringen? Ich kenne Fälle, in denen es schon gereicht hat, dass Jugendlichen angeblich auf den Hintern geschaut wurde. Sofort bist du mittendrin. Dazu bedarf es nicht einmal einer konkreten körperlichen Handlung. Also man kann sich überlegen, ob man diesen Kampf dann führen möchte und am Ende noch Prozesse wegen Rufschädigung, übler Nachrede etc. führt, oder ob man so etwas möglichst, auch durch sein eigenes Verhalten, vermeidet. Die Intention spielt überhaupt keine Rolle, wenn etwas für Unbeteiligte wie Eltern, andere TrainerInnen, AthletInnen etc. entsprechend interpretiert werden kann/wird. |