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Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Druckversion

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RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Piroschka - 07.08.2021

Gidey ist taktisch auch einfach schlecht gelaufen. Als Weltrekordhalterin und mit dem Wissen um bereits 5 absolvierte Läufe von Hassan kann die Devise nur lauten von Beginn an maximal zu laufen. Verliert sie dann trotzdem, dann ist das halt so. Aber das Endresultat war ziemlich schnell absehbar. Das Tempo von Beginn an war zwar schnell, aber nicht schnell genug.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Andreas - 07.08.2021

Ich sehe das anders, Hassan hätte jedes Tempo mitgehen können, anders als über die 1.500 m. Während des Rennens sah Gidey sichtlich angestrengter aus als Hassan.

Das das Rennnen alles andere als leicht, war sieht man an den vielen Aussteigern.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - runner5000 - 07.08.2021

(07.08.2021, 17:09)Piroschka schrieb: Gidey ist taktisch auch einfach schlecht gelaufen. Als Weltrekordhalterin und mit dem Wissen um bereits 5 absolvierte Läufe von Hassan kann die Devise nur lauten von Beginn an maximal zu laufen. Verliert sie dann trotzdem, dann ist das halt so. Aber das Endresultat war ziemlich schnell absehbar. Das Tempo von Beginn an war zwar schnell, aber nicht schnell genug.

Hinzu kommt auch noch, dass sie sich auf den letzten 200 m maximal dämlich verhalten hat, als zu den Überrundungen kam.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Jo498 - 07.08.2021

Hassan hätte nicht jedes Tempo mitgehen können, mit der Vorbelastung vermutlich kein 29:20 Tempo. Aber auch Gidey konnte bei der Schwüle nicht laufen wie in Hengelo. Knapp eine Minute drüber von vorne ist schon ziemlich stark, vgl. mal die Zeiten im 5000m Rennen (da konnte Tsegay auch nicht 14:20 von vorn laufen...) oder andere Zeiten von heute mit PB unter guten Bedingungen (zB Gemechu PB/SB 30:19, heute ca. Rang 10 >31 min, dann DQ). Sie hatte noch Glück, dass die Japanerin mit 3:03 pace etwa 6 Runden vorauslief und sie dann übernehmen musste, sonst wären die vermutlich ~3:20 pace gelaufen, bis jemand sich "opfert".

Gidey war in einer ähnlichen Zwickmühle wie Hassan über 1500m, nur halt bei einer viel längeren Strecke. Sie musste irgendwann vorauslaufen, aber Hassan musste sich einfach nur dranhängen (wie Kipyegon über 1500m). Sie hätte noch, aber das liegt ihr wohl auch nicht, "Ziehharmonika" versuchen können, wie mal die Kenianer mit Bekele, also zB 68er und 74 Runden abwechseln. Sie musste hoffen, dass das reicht, es hat nicht gereicht und dann war noch Bahraini, die wohl niemand so stark eingeschätzt hätte, trotz der einzelnen sub 30 Zeit. Am Ende war sie dann wohl etwas hilflos.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Nanobot - 07.08.2021

(07.08.2021, 17:00)Jo498 schrieb: Man muss auch mal sehen, wer bei dem Rennen alles auf der Strecke geblieben ist, zB Grovdal, Krumins, Lahti schon relativ früh raus, usw. auch viele andere mit besserer BL hat sie hinter sich gelassen. Angesichts der Tatsache, dass man im Juni noch zweifeln musste, ob Klosterhalfen überhaupt starten würde, war das ziemlich gut.
Hat jemand mitbekommen, warum/wann Gemechu DQ wurde?

Und die Silbermedaillengewinnerin lässt  ein paar Lampen aufleuchten. Vor über 10 Jahren mal Hallenweltmeisterin, dann Jahre von der Bildfläche, mäßige bis solide Zeiten auf den Langstrecken (ggü. 4:01-02 1500m seinerzeit). Kommt dieses Jahr praktisch aus dem Nichts mit einer überragenden 10000m-Zeit von unter 30 min in Spanien und macht hier die gesamte Weltelite außer Hassan, einschließlich Fabelweltrekordlerin Gidey platt. Immer wenn man denkt, es geht nicht noch auffälliger als Athlet/Rekord/Rennen X, kommt jemand, der noch einen draufsetzt.

Zumal sich die Fabelzeiten einiger wavelight-Rennen unter den Olympia-Bedingungen relativiert haben, aber nicht bei Gezahegne.

Du findest aus diesem Rennen ernsthaft Gezahegne am verdächtigsten?


[geteilt] OS Tokio, Tag 9 (07.08) - frontrunner800 - 07.08.2021

Der Stern von Konstanze Klosterhalfen ist am untergehen.

Sie quasi aus Verlegenheit über 10000 m bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio an den Start gehen zu lassen, war eine falsche Entscheidung, ähnlich ihrem Start 2018 in Berlin über 5000 m.

Zu sehen, wie eine Läuferin, die 2019 noch in Schlagdistanz über 1500 m und 5000 m zu den Welbesten, wie z. B. Sifan Hassan war, sinnlos verheizt wurde, ist traurig. Bei einem Rückstand von fast zwei Minuten auf die Weltbesten war ihre Chancenlosigkeit im Vorhinein klar, und man hätte ihr durch einen Startverzicht diese Schmach ersparen können.

2018 verletzt, dann 2020 und 2021 – Konstanze Klosterhalfen ist verletzungsanfällig. Die Gründe hierfür scheinen auf der Hand zu liegen: Erstens ist es ihr Laufstil, der stark abweicht von einem unter orthopädischen  Gesichtspunkten idealen Laufstil. Zweitens ist es ihr geringes Gewicht: Damit einhergehende Mangelerscheinungen führen dazu, dass die Knochen weniger belastbar werden.

Statt bei den Olympischen Spielen zu starten, aus Verlegenheit auf einer Strecke, auf die sie trainingsmethodisch mit vielen notwendigen Kilometern über Monate und Jahre gar nicht ausreichend vorbereitet war, hätte sie ihre Gesundheit stabilisieren und ihren Laufstil verbessern sollen.

Um 2022 auf ihren besten Strecken, den 1500 m und 5000 m wieder Weltspitze sein zu können.

Ich fürchte, ihre Gesundheit läßt es derzeit garnicht zu, die für diese Strecken notwendigen schnellen Trainingseinheiten zu absolvieren. Wenn es durch umfangreiche Maßnahmen nicht gelingt, Konstanze Klosterhalen nachhaltig wieder zu 100 % beslastbar zu machen, droht bereits jetzt das Ende ihrer Karriere.

Dies wäre sehr bedauerlich.


RE: OS Tokio, Tag 9 (07.08) - Jo498 - 07.08.2021

(07.08.2021, 19:00)frontrunner800 schrieb: Der Stern von Konstanze Klosterhalfen ist am untergehen.

Sie quasi aus Verlegenheit über 10000 m bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio an den Start gehen zu lassen, war eine falsche Entscheidung, ähnlich ihrem Start 2018 in Berlin über 5000 m.

Zu sehen, wie eine Läuferin, die 2019 noch in Schlagdistanz über 1500 m und 5000 m zu den Welbesten, wie z. B. Sifan Hassan war, sinnlos verheizt wurde, ist traurig. Bei einem Rückstand von fast zwei Minuten auf die Weltbesten war ihre Chancenlosigkeit im Vorhinein klar, und man hätte ihr durch einen Startverzicht diese Schmach ersparen können.

2018 verletzt, dann 2020 und 2021 – Konstanze Klosterhalfen ist verletzungsanfällig. Die Gründe hierfür scheinen auf der Hand zu liegen: Erstens ist es ihr Laufstil, der stark abweicht von einem unter orthopädischen  Gesichtspunkten idealen Laufstil. Zweitens ist es ihr geringes Gewicht: Damit einhergehende Mangelerscheinungen führen dazu, dass die Knochen weniger belastbar werden.

Statt bei den Olympischen Spielen zu starten, aus Verlegenheit auf einer Strecke, auf die sie trainingsmethodisch mit vielen notwendigen Kilometern über Monate und Jahre gar nicht ausreichend vorbereitet war, hätte sie ihre Gesundheit stabilisieren und ihren Laufstil verbessern sollen.

Bis Sommer 2020 war Klosterhalfen weniger verletzt als die meisten vergleichbaren deutschen Läuferinnen, nämlich genau einmal im Frühjahr 2018. Es ist schlicht falsch zu behaupten, sie sei per se verletzungsanfällig. Sie war es 6 Jahre lang nicht.
Es ist klar, dass seit Frühjahr (in der Halle lief sie noch mehrere Rekorde) 2020 vermutlich mehrere Dinge falsch gelaufen sind und sie in mehreren Hinsichten nicht gut betreut wurde und Probleme hatte, was alle möglichen Ursachen haben kann (u.a. auch Distanz durch Pandemie etc.), aber von Julian und Team hätte eher erkannt werden müssen! Obendrein hat sie vermutlich zu früh wieder angefangen und daher sich gleich den nächsten Ausfall eingehandelt. Das ist richtig schlecht für eine angeblich superprofessionelle Umgebung (aber wieder wissen wir nicht, was da alles reinspielt, können auch persönliche Dinge dabei sein, die ganz zu Recht nicht öffentlich werden). Das muss sich auf jeden Fall verbessern, sonst sehe ich auch wenig Chancen, das Niveau von 2019 zu erreichen oder zu steigern. Man kann hier nur hoffen, dass zwei Warnschüsse genug waren und die Probleme analysiert und gelöst werden und man nicht schon wieder zu früh zu starke Belastung fährt.

Aber das Ergebnis von heute als Schmach kleinzureden, grenzt an eine Unverschämtheit. Sie war die beste europäischstämmige Läuferin. Wenn man ihr keine Wunderfähigkeiten bei Hitze zuschreibt, war, im Vergleich mit zB Schweizer oder Gemechu, die Zeit eher 20 sec. schneller unter guten Bedingungen wert. Sie hat McColgan geschlagen, die neulich eine 14:28 gelaufen ist, Gemechu, die 30:19 gelaufen ist etc.

Dazu kommt, dass selbst in Bestform von 2019 Koko heuer vermutlich keine Chance auf eine 1500-Medaille gehabt hätte und eine nicht allzu große Bronze/Silber Chance (realistischer 4-6, wie über 1500m) über 5000m. D.h. sie war nach längerem Verletzungsausfall mit 8 Wochen richtigem Training 2-4 Plätze schlechter über 10000m als sie vermutlich in Bestform auf ihren Paradedisziplinen gewesen wäre. Ziemlich komfortable Verlegenheitslösung, meine ich.

Man muss erstmal abwarten. Die letzten anderthalb Jahre waren überall ungewöhnlich, Pandemie, Wunderschuhe, Wavelight. Koko war 2019 besser als Tsegay (vom Doha 1500m Finale abgesehen) und auf Augenhöhe mit Gidey. Sind die viel besser geworden und enteilt, sind es die Schuhe, oder kann Koko da auch hinkommen, unter idealen Bedinungen? Wir wissen das einfach nicht.
Selbst wenn der Körper das volle Programm nicht mitmacht, war ja der nicht ganz schlechte Stand von 2017 anscheinend verletzungsfrei möglich. Da muss man halt vorsichtig sehen, was für Steigerungen möglich sind. Jemand wie E. McColgan hatte jahrelang Malaisen und sich jetzt mit 30 nochmal deutlich gesteigert.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - beity - 07.08.2021

Konstanze für die Zukunft abzuschreiben, finde ich...überzogen.
Dünn ist sie, vermutlich sehr an der Grenze, ja hier oft thematisiert aber Sifan sieht jetzt auch nicht so aus, als wenn sie die Kugel 7 Meter stoßen könnte. 
Verletzungen...Belastungsfähigkeit muss erhöht werden, aber da sollten ...also sollten genug kluge Köpfe dasein, die richtigen Schritte einzuleiten.
Und wenn sie mal Gertrud für 2 Wochen einfliegen lassen, bitte aber mit hochanständigem Honorar Wink ‌sie mal machen lassen, zuhören, verstehen, umsetzen und tun. Was zu verlieren haben sie eigentlich nicht.
Kann schon sein, das Klosterhalfen vor einer Weggabel steht, ein Weg davon ist aber immer noch das sich etablieren in der absoluten Weltspitze.
Die Leistung von heute war gut, der Tipp von vielen hier, sie wird sich heute in einer 30:30 Form bewegen, war richtig. Die Leistung ist unter den Umständen wirklich respektabel und auf keinen Fall blamabel.
Ich wüßte nicht, warum Konstanze (bin wirklich kein Edelfan) nicht im nächsten Jahr an die 2019 Leistungen wieder anknüpfen können sollte. Müsste mal wieder 9 Monate ohne Beschwerden durchtrainieren können.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - Jo498 - 07.08.2021

(07.08.2021, 18:13)Nanobot schrieb: Du findest aus diesem Rennen ernsthaft Gezahegne am verdächtigsten?
Es ist vermutlich die, die in den letzten 4 Jahren am seltensten getestet wurde, oder?
Sie war jahrelang komplett von der Bildfläche und in einer sehr "schmutzigen" Zeit (aus dem 1500m F Finale 2012 wurden vier inzwischen wg. Doping gestrichen) sehr jung gut über 1500m. 10 Jahre später taucht sie mit 30 Jahren quasi aus dem Nichts auf und läuft mit 2018 PB 8:35 und 15:06, 32:06 2021 29:50, die damals sechstbeste Zeit aller Zeiten! Dann schlägt sie im WM-Finale Gidey und Obiri und sieht im Ziel noch am frischesten aus.

Das ist entweder das unglaublichste Comeback, das es gibt, oder es schreit geradezu nach great responder auf irgendwas Neues.


RE: Kokos Chancen bei Olympia 2021 - aj_runner - 08.08.2021

Zitat:Meine sportliche Prognose: Sollten die äthiopischen Sportlerinnen vor der 4 K-Marke ernst machen, wird sie überrundet. Ansonsten wird sie mit dem Ausgang des Rennens auch so nichts zu tun haben - umgerechnet 30:15 bei guten Bedingungen traue ich ihr zu. Um in Medaillennähe zu kommen, hätte sie seit letzten Herbst optimal durchtrainieren, entsprechende Wettkampfe machen und über die 5 K an den Start gehen müssen.

 Die etwas langsameren Runde kurz vor Schluss sei Dank, sonst wäre sie überrundet worden. Wie erwartet, hatte sie mit dem Ausgang des Rennens zu keiner Zeit etwas zu tun. Die Bedingungen haben sicherlich rund 30 Sekunden ausgemacht, das mit der Endzeit passt bei einem realistisichen Blick also auch.
Ansonsten teile ich die Einschätzung von frontrunner800, dass Koko an einem Scheideweg steht. Es gibt auch in Zukunft keine Medailllen für 8 Wochen Training. Sie muss dauerhaft gesund bleiben, um an die Weltspitze wieder heranzukommen. In der 2019er Form wären zumind. Platz 4/5 über 1.500 und 5.000 drin gewesen, die Medaillen auf Schlagdistanz.