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DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Druckversion

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RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Halloo - 13.03.2021

(28.02.2021, 13:56)Hesse schrieb: Man muss Trainingsphilosophien immer im Kontext des aktuellen Wissens sehen. Ich kann mich noch gut an einen Artikel von F.-J. Busemann erinnern, der das „ziehende Sprinten“ favorisierte. Ich meine, dass er seine Erkenntnis auch aus einem Rennen auf Eis zog, wo ein Barfussläufer gegen einen Eishockeyspieler mit Schlittschuhen „sprintete“. Der Barfussläufer siegte. Ergo: Ischios…
Damals war ich zu 100% davon überzeugt, dass die Ischios die dominante Rolle beim Sprint spielen. Mittlerweile gibt es neuere Erkenntnisse. Also: Altes, nicht mehr aktuelles Wissen über Bord werfen und neue Erkenntnisse in die eigene Trainingsphilosophie einarbeiten. Daher: die Vorstellung des „Kniehubs“ (und alles, was damit zusammenhängt) streichen; die Vorstellung des „ziehenden Sprintens“ streichen. Schon vor vierzig Jahren hab ich mal in einer Vorlesung gehört, dass sich neue Ideen nicht deshalb durchsetzen weil sie besser sind, sondern weil die Verfechter der alten Ideen langsam aussterben… Zu diesen „Alten“ will ich eigentlich nicht gehören.

Jetzt bin ich aber irritiert, denn ich kann mich noch sehr deutlich an einen Artikel von Franz Josef Busemann erinnern, wo er sich (wohl abwertend) über das  ziehen beim Sprint äußerte und meinte, dass Deutschland zwar nicht die besten Sprinter, aber die besten Tretrollerfahrer hätte.  Huh
 . Sollte ich mich irren? Es tat weh zu sehen, wie fast alle deutschen Sprinter im sitzen sprinteten, weil dass das Optimum sein sollte und Andersdenkende  als Betonköpfe hingestellt wurden.


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - gera - 13.03.2021

ursprünglich ging es hier um die Schrittlänge.
Da führe ich immer gern diese Beispiel an :

Marlis Göhr lief in ihrem einzigartigen Stakkato.Schritt WR über 100 m.
Dann fürhte F.Griffith-Joyner den extrem langen Schritt vor, mir Ergebnis neuer WR.
Die DDR-Trainer wollten nachziehen und ließen M.Göhr auch so laufen , ohne Erfolg. Das konnte sie nicht und wechselte wieder zu ihrer ungelegten Lauftechnik.
Was sagt uns ( mir zumindest ) das ?
Nicht jede Technik ist für jeden Athleten richtig.
Eigentlich garnicht überraschend. 

Wäre interessant, was Marlis Göhr selbst dazu sagen würde !


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Gertrud - 13.03.2021

(13.03.2021, 11:40)gera schrieb: ursprünglich ging es hier um die Schrittlänge.
Da führe ich immer gern diese Beispiel an :

Marlis Göhr lief in ihrem einzigartigen Stakkato.Schritt WR über 100 m.
Dann fürhte F.Griffith-Joyner den extrem langen Schritt vor, mir Ergebnis neuer WR.
Die DDR-Trainer wollten nachziehen und ließen M.Göhr auch so laufen , ohne Erfolg. Das konnte sie nicht und wechselte wieder zu ihrer ungelegten Lauftechnik.
Was sagt uns ( mir zumindest ) das ?
Nicht jede Technik ist für jeden Athleten richtig.
Eigentlich garnicht überraschend. 

Wäre interessant, was Marlis Göhr selbst dazu sagen würde !

Deine Ansicht teile ich. Allerdings sollte man leistungsbringende Parameter z.B. eines Usain Bolt einbringen. Ich halte seine Hüftarbeit für vorbildlich. Man beteiligt mehr Komponenten an der Arbeit und trägt damit dazu bei, mehr Energie zu generieren. 

Ich hatte mal mit einem hervorragenden Biomechaniker zu tun, der immer wieder zu mir sagte: "Wir können alles messen!" Ich habe es beim Kugelstoßen erlebt, dass man Defizite auf dem Papier bereinigen konnte, um so zu seiner Traumleistung zu kommen. Vielleicht geht das im Detail im Sprint auch?

Gertrud


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - muffman - 13.03.2021

Man kann alles messen, es muss halt das richtige oder richtig gemessen werden und dann noch richtig interpretiert werden. Ich erinnere gerne an die Dokumentation in der Powell mit Gay und einem japanischen Sprinter verglichen wurde... Das war zum Großteil an Unfug kaum zu überbieten.


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - MZPTLK - 13.03.2021

Man kann bei weitem nicht alles messen.
Wer das behauptet, ist kein Wissenschaftler,
sondern bestenfalls ein spezialisierter Scheuklappenfachmann.


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Atanvarno - 13.03.2021

(13.03.2021, 11:21)Halloo schrieb:
(28.02.2021, 13:56)Hesse schrieb: Man muss Trainingsphilosophien immer im Kontext des aktuellen Wissens sehen. Ich kann mich noch gut an einen Artikel von F.-J. Busemann erinnern, der das „ziehende Sprinten“ favorisierte. Ich meine, dass er seine Erkenntnis auch aus einem Rennen auf Eis zog, wo ein Barfussläufer gegen einen Eishockeyspieler mit Schlittschuhen „sprintete“. Der Barfussläufer siegte. Ergo: Ischios…
Damals war ich zu 100% davon überzeugt, dass die Ischios die dominante Rolle beim Sprint spielen. Mittlerweile gibt es neuere Erkenntnisse. Also: Altes, nicht mehr aktuelles Wissen über Bord werfen und neue Erkenntnisse in die eigene Trainingsphilosophie einarbeiten. Daher: die Vorstellung des „Kniehubs“ (und alles, was damit zusammenhängt) streichen; die Vorstellung des „ziehenden Sprintens“ streichen. Schon vor vierzig Jahren hab ich mal in einer Vorlesung gehört, dass sich neue Ideen nicht deshalb durchsetzen weil sie besser sind, sondern weil die Verfechter der alten Ideen langsam aussterben… Zu diesen „Alten“ will ich eigentlich nicht gehören.

Jetzt bin ich aber irritiert, denn ich kann mich noch sehr deutlich an einen Artikel von Franz Josef Busemann erinnern, wo er sich (wohl abwertend) über das  ziehen beim Sprint äußerte und meinte, dass Deutschland zwar nicht die besten Sprinter, aber die besten Tretrollerfahrer hätte.  Huh
 . Sollte ich mich irren? Es tat weh zu sehen, wie fast alle deutschen Sprinter im sitzen sprinteten, weil dass das Optimum sein sollte und Andersdenkende  als Betonköpfe hingestellt wurden.

In dem Artikel spricht er beides an, Tretroller fahrende deutsche Sprinter und den von Hesse zitierten Eisläufer, s. Anhänge


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Gertrud - 13.03.2021

(13.03.2021, 12:35)MZPTLK schrieb: Man kann bei weitem nicht alles messen.
Wer das behauptet, ist kein Wissenschaftler,
sondern bestenfalls ein spezialisierter Scheuklappenfachmann.

Es war kein Geringerer als Prof. Dr. Dr. Schmidtbleicher.

Gertrud


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - MZPTLK - 19.03.2021

Es ist mir schon lange völlig egal, wer was sagt.
Es kommt darauf an, was er sagt.

Möglicherweise hat er missverständlich formuliert,
aber so, wie er hier zitiert wird, ist es schlicht Hybris.


RE: DLV: Schrittlänge entscheidet über Finalteilnahme... - Hesse - 19.03.2021

(13.03.2021, 16:27)Gertrud schrieb:
(13.03.2021, 12:35)MZPTLK schrieb: Man kann bei weitem nicht alles messen.
Wer das behauptet, ist kein Wissenschaftler,
sondern bestenfalls ein spezialisierter Scheuklappenfachmann.

Es war kein Geringerer als Prof. Dr. Dr. Schmidtbleicher.

Gertrud

Schmidtbleicher hat aber auch gesagt, dass man genau wissen muss, was man misst. Bei einer Fortbildung in Mz (da ging es um p.fixum/p.mobile) ist er darauf eingegangen.