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Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Druckversion

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RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Robb - 10.01.2020

(10.01.2020, 23:19)krebsan schrieb: Und dass man bei gewissen Parametern Grenzwerte festlegt, z.B. Hämatokrit im Radsport, und notfalls eine Schutzsperre ausspricht, ist nun auch nichts ganz Neues.
Wobei der Hämatokrit-Wert ein Hinweis auf Doping sein kann. Ich hab noch nie gehört, dass man von einem niedrigen BMI auf Doping schließen kann.

Worum gehts denn nu? Einen mindest-BMI fordern wegen Vorbild-Funktion oder wegen gesundheitlicher Bedenken? Im ersten Fall müßte man sämtliche Schauspielerinnen, Sängerinnen, Influencerinnen etc auf allen Social Media Plattformen dem gleichen BMI-Zwang unterziehen, denn deren Einfluß ist ungleich größer. Im zweiten Fall müßte man auch Daniel Stahl und viele andere Werfer sperren, denn bei 2m Körpergröße und einem Gewicht von 150 Kilo ist der BMI sicher auch sehr ungewöhnlich.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Rolli - 11.01.2020

(10.01.2020, 23:21)krebsan schrieb:
(10.01.2020, 21:02)Rolli schrieb: Kann mir einer von den BMI-Grenze-Befürwortern eine Studie (oder habe ich sie hier übersehen) nennen, die besagt, dass BMI-17 zwangsläufig zu Verletzungen führt?

Zwangsläufig? So nach dem Motto: Es gibt auch Raucher, die 100 werden?
Eigentlich willst Du doch alle über einen Kam scheren und mit einem Verbot bestrafen.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Jo498 - 11.01.2020

(10.01.2020, 23:33)Robb schrieb:
(10.01.2020, 23:19)krebsan schrieb: Und dass man bei gewissen Parametern Grenzwerte festlegt, z.B. Hämatokrit im Radsport, und notfalls eine Schutzsperre ausspricht, ist nun auch nichts ganz Neues.
Wobei der Hämatokrit-Wert ein Hinweis auf Doping sein kann. Ich hab noch nie gehört, dass man von einem niedrigen BMI auf Doping schließen kann.
Das ist zwar nicht besonders seriös, aber nach den NOP-Skandalen gab es Leute, die meinten, eine ihrer Strategien wäre "Gewichtsdoping", d.h. mit legalen/grauen Mitteln sehr niedriges Gewicht zu erzielen. Anstatt die Leistung direkt mit unerlaubten Mitteln zu steigern, verringert man das Gewicht, um so bessere Ergebnisse zu erzielen. Zwar fällt mir unter den deutschen Spitzenläuferinnen spontan niemand ein, bei dem mir optisch eine deutliche Reduktion aufgefallen wäre (es gibt außer Koko noch ein paar sehr dürre, aber die scheinen schon länger so zu sein), aber bei Hasay, Hassan und (nicht NOP) Debues-Stafford ist sehr deutlich zu sehen, wie viel dünner sie heute sind als vor ein paar Jahren.

Zitat:Worum gehts denn nu? Einen mindest-BMI fordern wegen Vorbild-Funktion oder wegen gesundheitlicher Bedenken? Im ersten Fall müßte man sämtliche Schauspielerinnen, Sängerinnen, Influencerinnen etc auf allen Social Media Plattformen dem gleichen BMI-Zwang unterziehen, denn deren Einfluß ist ungleich größer. Im zweiten Fall müßte man auch Daniel Stahl und viele andere Werfer sperren, denn bei 2m Körpergröße und einem Gewicht von 150 Kilo ist der BMI sicher auch sehr ungewöhnlich.
Eben. U.a. aufgrund des ersten Punktes bin ich daher gegen eine solche fixe Regel. Für die "Volksgesundheit" müsste man da vorher noch ganz andere Maßnahmen treffen und das wäre a) kaum durchsetzbar und würde b) nicht ganz zu unrecht als totalitär empfunden. Klar, für die Sportler wäre das zumutbar. Denn die müssen sich auch beim Doping freiwillig auf Regeln und Verluste von Rechten und Privatsphäre einlassen, die für die Normalbevölkerung nur in einem Polizeistaat durchsetzbar wären. Und zum Schutze der Sportler müsse man dann jedenfalls auch BMI über 30 oder so bei Werfern oder Kraftsportlern thematisieren und überhaupt sollten zum Schutze der Sportler ziemlich viele Disziplinen und ihre Gefahren auf den Prüfstand. Oder wir machen es halt wie bisher und akzeptieren bestimmte Risiken als unvermeidlich oder jedenfalls akzeptabel, wenn es denn Leistungssport geben soll.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - krebsan - 11.01.2020

(10.01.2020, 23:33)Robb schrieb:
(10.01.2020, 23:19)krebsan schrieb: Und dass man bei gewissen Parametern Grenzwerte festlegt, z.B. Hämatokrit im Radsport, und notfalls eine Schutzsperre ausspricht, ist nun auch nichts ganz Neues.
Wobei der Hämatokrit-Wert ein Hinweis auf Doping sein kann. Ich hab noch nie gehört, dass man von einem niedrigen BMI auf Doping schließen kann.

Worum gehts denn nu? Einen mindest-BMI fordern wegen Vorbild-Funktion oder wegen gesundheitlicher Bedenken? Im ersten Fall müßte man sämtliche Schauspielerinnen, Sängerinnen, Influencerinnen etc auf allen Social Media Plattformen dem gleichen BMI-Zwang unterziehen, denn deren Einfluß ist ungleich größer. Im zweiten Fall müßte man auch Daniel Stahl und viele andere Werfer sperren, denn bei 2m Körpergröße und einem Gewicht von 150 Kilo ist der BMI sicher auch sehr ungewöhnlich.

Warum ist die Modelbranche so im Verruf? Weil das Gewicht mit ganz viel illegalen Substanzen tief gehalten wird. Das zumindest geht ja im Leistungssport nur begrenzt.
Und ja, natürlich ist der Hämatokritwert ein Hinweis auf Doping, offiziell geht es aber ausschliesslich um die Gesundheit der Sportler.
Und ja, auch beim erneuten "wir nicht, die anderen auch": Ja, auch in anderen Berufsgattungen sollte (und wird bereits) ein BMI-Grenzwert diskutiert werden. Nur diskutieren wir ja über die Leichtathletik, und über Regeln der Leichtathletik. Und erneut: Wenn wir so lapidar in Kauf nehmen wollen, dass vermeidbare gesundheitliche Risiken zum Leistungssport gehören, warum dann dieser grosse Aufwand für die Dopingverbote und deren Umsetzung? Könnte man sich doch wirklich sparen.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Robb - 12.01.2020

Natürliche Gesundheitsrisiken vs. künstliche Gesundheitsrisiken. Die ersten kannst du nicht verbieten, weil du dann Sport verbieten müsstest. Die künstlichen muß man verbieten, weil sie im besten Fall ungesund, im schlimmsten Fall tödlich sind.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Atanvarno - 12.01.2020

(11.01.2020, 23:56)krebsan schrieb: Und erneut: Wenn wir so lapidar in Kauf nehmen wollen, dass vermeidbare gesundheitliche Risiken zum Leistungssport gehören, warum dann dieser grosse Aufwand für die Dopingverbote und deren Umsetzung? Könnte man sich doch wirklich sparen.

WADA Definition für Doping (s. https://www.wada-ama.org/en/questions-answers/prohibited-list-qa#item-391)

The WADA Prohibited List may include any substance and methods that satisfy any two of the following three criteria:

1. It has the potential to enhance or enhances sport performance;
2. It represents an actual or potential health risk to the Athlete
3. It violates the spirit of sport (this definition is outlined in the Code).

D.h. Doping ist nicht verboten, nur weil es die Gesundheit des Sportlers gefährdet, sondern es muss noch mindestens ein weiteres der obigen drei Kriterien erfüllt sein.

Schaut man nun auf niedriges Gewicht, trifft 3. trifft nicht zu. Leistungssportler verändern ihren Körper, um bessere Leistungen zu erbringen, d.h. Abnehmen ist keine Verletzung des Geists des Sportes.

1.+2. schließen sich im Falle von Untergewicht gegenseitig aus. Abnehmen verbessert meine Leistung nur, wenn ich gesund bleibe, die in einen ungesunden Bereich gerichtete Gewichtsabnahme verringert meine Leistungsfähigkeit.

Bedeutet für mich, dass man eventuelle Regelungen zu einem Mindest-BMI unabhängig vom Thema Doping und den dagegen getroffenen Maßnahmen zu betrachten hat.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - lor-olli - 12.01.2020

Es kann helfen sich mit der Geschichte des BMI zu beschäftigen, der ist mitnichten eine moderne Erfindung!
A. Quetelet (ein belg. Wissenschaftler auf mehreren Fachgebieten… unter anderem als Soziologe) erdachte sich schon vor 1850 eine Formel um Unterernährung festzustellen (in den Zeiten der industruiellen Revolution ein häufiges Problem!) und schuf mit seiner Klassifizierung eine Möglichkeit der Erfassung des Problems für breite Gesellschaftsschichten.

Den BMI wie er heute genannt wird, postulierten Ärzte in den 1970er Jahren und fanden "den BMI" (die Stufung variiert!) als nicht hinreichend befriedigenden, aber ausreichenden Anzeiger für Übergewicht - Untergewicht wurde hierbei eher nebenbei betrachtet. Berücksichtigt man dies landet man wieder bei der individuellen Betrachtung - BMI allein ist eine eher grobe Faustformel, kommen keine Essstörungen oder gesundheitlichen Faktoren dazu, ist er noch viel vager. Mein Sohn hatte bis zu den Mitzwanzigern einen BMI von unter 18 - bei seinem guten Essverhalten und seiner generellen Vorliebe für eher bewegungsarme Tätigkeiten ( Blush ‌ und das mir…) nicht nachvollziehbar. Ärzte notierten einen sehr schnellen, aber keineswegs pathologischen Stoffwechsel. Er war auch nie wirklich krank.

Dies nur mal Erklärung, weshalb ich den BMI für nur bedingt tauglich halte > solange keine weiteren Faktoren vorliegen! Essstörungen sind aber ein ernsthaftes Problem, Bulimie etwa erkennt man oft nicht am BMI!


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - krebsan - 12.01.2020

(12.01.2020, 09:27)Atanvarno schrieb:
(11.01.2020, 23:56)krebsan schrieb: Und erneut: Wenn wir so lapidar in Kauf nehmen wollen, dass vermeidbare gesundheitliche Risiken zum Leistungssport gehören, warum dann dieser grosse Aufwand für die Dopingverbote und deren Umsetzung? Könnte man sich doch wirklich sparen.

WADA Definition für Doping (s. https://www.wada-ama.org/en/questions-answers/prohibited-list-qa#item-391)

The WADA Prohibited List may include any substance and methods that satisfy any two of the following three criteria:

1. It has the potential to enhance or enhances sport performance;
2. It represents an actual or potential health risk to the Athlete
3. It violates the spirit of sport (this definition is outlined in the Code).

D.h. Doping ist nicht verboten, nur weil es die Gesundheit des Sportlers gefährdet, sondern es muss noch mindestens ein weiteres der obigen drei Kriterien erfüllt sein.

Schaut man nun auf niedriges Gewicht, trifft 3. trifft nicht zu. Leistungssportler verändern ihren Körper, um bessere Leistungen zu erbringen, d.h. Abnehmen ist keine Verletzung des Geists des Sportes.

1.+2. schließen sich im Falle von Untergewicht gegenseitig aus. Abnehmen verbessert meine Leistung nur, wenn ich gesund bleibe, die in einen ungesunden Bereich gerichtete Gewichtsabnahme verringert meine Leistungsfähigkeit.

Bedeutet für mich, dass man eventuelle Regelungen zu einem Mindest-BMI unabhängig vom Thema Doping und den dagegen getroffenen Maßnahmen zu betrachten hat.

Naja, so gesehen dreht sich eigentlich alles im Kreis und die ganze Dopingdiskussion wird hinfällig. Jedes Dopingmittel bringt nur etwas, wenn es zumindest momentan die Gesundheit und damit die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Zumal ja teilweise Mittel verboten sind, die wir alle im Krankheitsfall nehmen, um wieder gesund zu werden, also grundsätzlich gesundheitsfördernd sind.
Wäre Doping nicht (auch auf lange Sicht) gesundheitsgefährdend, würde man es nicht verbieten. Warum auch? Und gleich könnte man nun eben beim Untergewicht argumentieren.


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - krebsan - 12.01.2020

(12.01.2020, 10:11)lor-olli schrieb: Dies nur mal Erklärung, weshalb ich den BMI für nur bedingt tauglich halte > solange keine weiteren Faktoren vorliegen! Essstörungen sind aber ein ernsthaftes Problem, Bulimie etwa erkennt man oft nicht am BMI!

Es ist unbestritten, dass der BMI sicherlich nicht für eine individuelle Krankheitsdiagnose taugt. Es ist nur ein grober Indikator. Aber viele Menschen mit massivem Untergewicht sind nun mal nicht gesund. Aber Leistungssportler, die massiv untergewichtig sind, ohne krank zu sein, weil es ihrer natürlichen Veranlagung entspricht (was meiner Meinung nach kaum überprüfbar ist!), sind sicherlich in der Lage, z.B. über gezieltes Krafttraining ein paar wenige Pfunde zuzunehmen, ohne völligen Leistungseinbruch. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie davon dann letztlich auch bezüglich Belastbarkeit und Gesundheit profitieren, erscheint mir sehr gross (und ich bin sicher, dass ein Nutzen für die Mehrheit der Betroffenen auch wissenschaftlich belegt werden kann).


RE: Mindest-BMI in der Leichtathletik? - Atanvarno - 12.01.2020

(12.01.2020, 15:59)krebsan schrieb: Aber Leistungssportler, die massiv untergewichtig sind, ohne krank zu sein, weil es ihrer natürlichen Veranlagung entspricht (was meiner Meinung nach kaum überprüfbar ist!), sind sicherlich in der Lage, z.B. über gezieltes Krafttraining ein paar wenige Pfunde zuzunehmen, ohne völligen Leistungseinbruch. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie davon dann letztlich auch bezüglich Belastbarkeit und Gesundheit profitieren, erscheint mir sehr gross (und ich bin sicher, dass ein Nutzen für die Mehrheit der Betroffenen auch wissenschaftlich belegt werden kann).

Klosterhalfen müsste also 6,5kg magere Muskelmasse zulegen, während sie gleichzeitig ein anspruchsvolles Mittel- und Langstreckentraining absolviert. Wie lange soll das dauern und wird sie in dieser Zeit für Wettkämpfe gesperrt?

Ich glaube Deca durabolin oder Dianabol wären da das Mittel der Wahl Teufel