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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt (/showthread.php?tid=6242) |
RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - S_J - 14.07.2025 (14.07.2025, 20:23)MikeStar schrieb: Ich schreibe mal hier, ggf. kann / soll es einer der Mods gerne ausgliedern, ok? Finde ich übergriffig. Als Trainer kann man vielleicht etwas zur Funktionalität von Kleidung sagen bzw. diese als Ausschlusskriterium nutzen, aber ansonsten finde ich das sehr unangebracht. In dem Fall hier handelt es sich ja aber explizit um Sportbekleidung. Es wird hier ja jetzt niemand nach Hause geschickt, weil sie in Jeans und Straßenschuhen mitmachen wollte, oder mit der beschriebenen kurzer Bekleidung mitten im Winter aufgetaucht ist wo man ein Gesundheitsrisiko sieht – unabhängig von Alter und Geschlecht. Ich fände es im Gegenteil wichtig, dass das Training ein Ort ist, an dem sich die Kinder und Jugendlichen sicher genug fühlen, um die Kleidung zu wählen, mit der sie sich beim Sport wohl fühlen. Im Wettkampf haben wir dann durch die zur Verfügung stehenden Trikotoptionen möglicherweise Einschränkungen, aber auch das ist ja für die Frage hier nur indirekt relevant. Zitat:2. Hier ist die Frage ja quasi schon beantwortet. Allein aus juristischer Sicht muss hier eine Intervention stattfinden. Welche Maßnahmen ich einleite, hängt hier natürlich hauptsächlich davon ab, welche Rolle ich in diesem Szenario einnehme. Bin ich Trainer in dem Verein? Athlet? Ansprechperson für die Prävention sexualisierter Gewalt? Vorstandsmitglied? Zunächst einmal sollten eben die entsprechenden Verantwortlichen informiert werden. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - dominikk85 - 15.07.2025 Imo sollten Erwachsene anfassen der Kinder auf ein Minimum reduzieren. Hilfestellung würde ich wenn möglich durch andere Kinder ausführen lassen. Umarmungen müssen imo auch nicht sein, ein high 5 tut es auch und dinge wie auf den schoß setzen gehen gar nicht. Außerdem sollten Erwachsene möglichst nicht mit einzelnen Kindern allein in Räumen sein. Hier gab es früher auch Sachen die nach heutiger Sicht unverständlich sind, oft haben minderjährige Athleten sogar Zeitweise bei ihrem Trainer gewohnt ohne das es jemand hinterfragt hat. Solche Situationen sind natürlich sehr riskant auch wenn es natürlich auch solche Konstellationen ohne Missbrauch gab. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - CoachnEngineer - 15.07.2025 (15.07.2025, 11:31)dominikk85 schrieb: Imo sollten Erwachsene anfassen der Kinder auf ein Minimum reduzieren. Ich weiß, es ist ein dünnes Eis. Aber bei dieser pauschalen Aussage stellen sich mir als nebenberuflich tätigem Psychotherapeuten leider auch die Nackenhaare. Bei allem Verständnis und Ablehnung für das was alles Schlimmes passiert, aber ein völliger Entzug von Nähe ist für Kinder so ziemlich das Schlimmste was passieren kann. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - DerC - 15.07.2025 (15.07.2025, 11:31)dominikk85 schrieb: Hilfestellung würde ich wenn möglich durch andere Kinder ausführen lassen. Umarmungen müssen imo auch nicht sein, ein high 5 tut es auch und dinge wie auf den schoß setzen gehen gar nicht. Auf welches Alter beziehst du das? Finde das so pauschal problematisch. Da steckt vermutlich diese Angst und Unsicherheit dahinter, die Diak hier schon treffend thematisiert hat. Z. B. Ein 7jähriges Kind hat sich beim Sport verletzt. Es möchte getröstet werden. Auf dem Schoß sitzen geht gar nicht? Und wenn das Kind das will? Kinder machen oft sehr deutlich klar, wenn sie Nähe wollen und in welcher Form. Wenn man da als Erwachsener alles ablehnt, obwohl man keine bösen Absichten hat, ist das weit enfernt vom Optimum. Früher als Lehrkraft habe ich auch Sachen gemacht, die ich heute aus Selbstschutz (Schutz für möglichen Verleumdungen) nicht mehr machen würde, Stichwort allein im Raum mit einer minderjährigen Person sein z. B., würde ich heute auch stärker vermeiden um kein Risiko einzugehen. Aber Nähe quasi immer aus Sicherheitsgründen, aus Sorge um die eigene Sicherheit verweigern, das kann es nicht sein. Nachtwanderung 4. Klasse hatte ich an jeder Hand ein Kind, das wollte die Kinder, hätte ich mehr Hände gehabt, wären es mehr als zwei Kinder gewesen vermutlich.
RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 15.07.2025 Selbst wenn das Kind das will, ist das meiner Meinung nach komplett fehl am Platz. Es geht nicht um böse oder gute Absicht. Am Ende erzählt das Kind zuhause, dass es auf deinem Schoß gesessen hat und die Eltern stehen direkt beim Verein, dir oder sogar der Polizei auf der Matte (mal unabhängig davon ob das was bringt). Da ist es dann auch egal, in welcher Absicht du gehandelt hast. SchülerInnen, die sich fürchten, als Lehrer an der Hand zu halten ist etwas völlig anderes als sich ein Kind auf den Schoß zu setzen bzw. dieses sich auf den Schoß setzen lassen. Da sind wir uns ja wohl hoffentlich einig. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 15.07.2025 Der Kosmos Pädagogik ist offenbar überwiegend fremd oder? Trainer sind nicht allein Betreuer einer sportlichen Freizeit, sie sind auch Pädagogen. Bedeutet: Es ist auch unsere Aufgabe dem Kind im Zweifelsfall klar zu machen, dass es sich nicht auf den Schoß fremder Leute setzen sollte. Ihr sagt doch hoffentlich in einer KiLA-Gruppe auch was, wenn Kinder auf die Idee kämen den Sand aus der Weitsprunggrube zu essen oder? Oder wenn ein Kind ein anderes rassistisch beleidigt. Da ist in allen Fällen nicht das Kind dumm oder böse aber es unsere Aufgabe erzieherisch einzuwirken und nicht zu sagen: Aber das Kind wollte es doch... RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 15.07.2025 (15.07.2025, 11:41)CoachnEngineer schrieb:(15.07.2025, 11:31)dominikk85 schrieb: Imo sollten Erwachsene anfassen der Kinder auf ein Minimum reduzieren. Anfassen ist nicht gleich Nähe. Da ist man als TrainerIn auch in der Verantwortung Grenzen zu ziehen. Unabhängig vom Alter. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - MikeStar - 15.07.2025 Warum setzt man Kinder auf den Schoß bzw. im Sitzen seine Knie? Ernsthafte Kommunikation sollte immer auf Augenhöhe stattfinden, da Kommunikation von oben herab, in diesem Fall also Kind und Erwachsener stehen, i.d.R. als herablassend ("von oben herab", "ich bin dir überlegen") oder gar bedrohlich empfunden wird. Letzteres ist evolutionär bedingt, da der Beute (z.B. Vögeln, Kleinsäugern) oftmals Gefahr von oben (z.B. durch Greifvögel) droht. Mit ernsthafter Kommunikation meine ich beispielsweise Belehrungen/Erklärungen, 1:1-Anleitungen aber auch Trost spenden oder zuhören, wenn Kinder ihre Sorgen ausdrücken. Augenhöhe kann z.B. dadurch hergestellt werden, dass man Kinder auf den Arm nimmt oder sich auf den Schoß, auf die Knie setzt. Der Schoß gilt dabei als Schutzbereich mit dem Eltern aber auch Schutzpersonen den Kindern (elterlicher/familiäre) Liebe und Nähe aber auch Schutz vermitteln, ist also für die Erwachsenen-Kind-Kommunikation nochmals intimer/vertraulicher. Eine weitere Möglichkeit Augenhöhe herzustellen, ist, dass der Erwachsene auf die Knie geht. Auch wenn Kinder dies (noch) nicht bewußt wahrnehmen, unbewußt nimmt das Kind die Nuancen der Kommunikation wahr. Mit "auf den Arm nehmen" hebt der Erwachsene das Kind auf seine Ebene und signalisiert dem Kind "ich erhöhe dich, ich hebe dich auf mein Level". Dieses Verhalten kann Kindern Vertrauen schenken, es kann sie aber auch überfordern, weil sie aus ihrer Kinder-Position herausgenommen werden. Geht er auf die Knie, zeigt er, dass er das Kind in seiner Position wahrnimmt und seine eigene Position verändert. Das Kind bleibt in seinem Bereich und seiner Wohlfühlzone. Das gibt dem Kind Sicherheit, kann aber auch dazu führen, dass das Kind die Situation (unbeußt) so bewertet, dass es im Recht ist und der Erwachsene sich kleiner machen muss und somit als "unterlegen" angesehen wird. Das Kind auf die Knie setzen ist ein Mittelweg. I.d.R. sind diese Kommunikationsarten auch mit Körperkontakt verbunden. Auf dem Armhalten und Schoß/Knie sind selbst erklärend, beim in die Knie gehen, wird üblicherweise der Kontakt durch den Arm des Erwachsenen mit dem Kind hergestellt, z.B. auf der Schulter des Kindes. Der Körperkontakt signalisiert dem Kind Vertrauen und Nähe. Wie gesagt, vieles davon geschieht unbewußt und ist evolutionär bedingt und geschieht daher oftmals automatisch. Unsere Gesellschaft hat sich allerdings verändert und aus natürlichen Verhaltensweisen sind unter anderem Indikatoren für Bedrohungen und Persönlichkeitsverletzungen geworden. Was im familiären oder Freundeskreis ohne Probleme funktioniert, sorgt im erweiterten Umgang (z.B. Sport, Beruf) für Verunsicherung, Irritationen, auch weil sich eben leider nicht abstreiten lässt, dass Missbrauch oftmals mit harmlosen, vertrauensfördernden Gesten und Handlungen beginnt. Ein Kind das Nähe sucht abzuweisen, kann sich durchaus negativ auf das Vertrauensverhältnis Trainer/Kind haben. Ich persönlich würde hier Kontakt mit den Eltern suchen und darüber sprechen. Für viele, denen in solchen Dingen die Erfahrung fehlt, ist es aber schwer mit solchen Situationen umzugehen. Wer hier stupide nach Pädagogik ruft, sollte auch bedenken, dass insb. ehrenamtliche Trainer/Betreuer oftmals keine pädagogische Ausbildung haben und bestenfalls auf ihre Erfahrungen als Eltern zurückgreifen können, gleichzeitig aber viele Anforderungen aus verschiedenen Bereichen (Eltern, Funktionäre, Kinder, Medien usw.) eingehen müssen, die sich manchmal widersprechen. Pädagogische und psychologische Schulungen sollten Grundangebote der Vereine/Verbände sein und für alle Trainer/Betreuer aber auch z.B. Sportler zugänglich sein. Ich weiß nicht, wie weit hier die LA aufgestellt ist, denke aber es gibt Optimierungsbedarf. RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 16.07.2025 Das ist ja eine ganz tolle Geschichte mit der du da unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern rechtfertigen willst. Das sind keine Kinder aus deinem nächsten (familiären) Umfeld, sondern erstmal fremde Kinder! RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - CoachnEngineer - 16.07.2025 (16.07.2025, 10:33)muffman schrieb: Das ist ja eine ganz tolle Geschichte mit der du da unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern rechtfertigen willst. Das sind keine Kinder aus deinem nächsten (familiären) Umfeld, sondern erstmal fremde Kinder! Könntest du mir/uns erklären, worauf du dich beziehst, wenn du das u.a Verhalten eindeutig als unangemessen bezeichnest? Welche Massstäbe ziehst du heran um die Nichtangemessenheit zu beurteilen? Juristisch, moralisch/ethisch, psychologisch? Und wie begründest du diese Einschätzung? Rein juristisch ist es nach meiner Kenntnis erstmal kein Straftatbestand, ein (fremdes) Kind zu berühren. Und wo die Übergriffigkeit anfängt und wie man Grenzen definiert, das ist ja gerade mE der Knackpunkt der Diskussion. Ich möchte die Frage nicht als Provokation verstanden wissen, verstehe mich da bitte nicht falsch. Vielmehr sehe ich hier tatsächlich wichtigen Klärungsbedarf im Verständnis von uns allen in Bezug auf diese Diskussion. |