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RE: Wunderkinder - Jo498 - 22.01.2018

Stabhoch war natürlich übertrieben. Aber es sind sehr muskulöse Arme/Schultern für eine 15jährige Mittelstreckenläuferin. Der Kopf sieht "klein" aus, verglichen mit dem Oberkörper. Bei nahezu allen afrikanischen Läuferinnen (oder auch Klosterhalfen) ist es genau umgekehrt: Der Kopf sieht "zu groß" aus, weil der Oberkörper so schmächtig ist.


RE: Wunderkinder - MZPTLK - 22.01.2018

Sinniert nicht soviel über Stabhochsprungschultern oder FussballerObeine.
Die Wahrheit liegt meistens in der Veranlagung.


RE: Wunderkinder - Jo498 - 22.01.2018

Natürlich kommt es auf die Veranlagung an. Gerade bei weiblichen Teenager-Wunderläuferinnen gibt es aber oft Körperbauvorteile, die im Verlauf der Entwicklung wieder verschwinden können. Die typischere sehr dünne Gestalt trifft bei Tuohy nicht zu, dafür ist sie ungewöhnlich muskulös. Vielleicht ist sie ja die neue Zola Budd. Vielleicht reiht sie sich aber auch unter die vielen hier im Thread angeführten ein, die ihre BL als 16-18jährige nie übertroffen haben.


RE: Wunderkinder - Atanvarno - 22.01.2018

Es ist bei Tuohy zumindest nicht so, dass sie wenig trainieren würde: bis zu 45 Meilen (ca. 70km) und Tempolaufprogramme wie 6x800 in 2:26 (s. https://www.runnersworld.com/high-school/high-school-phenom-smashes-records-while-coach-tries-to-keep-pressure-off) sind das, was man von einer Läuferin ihres Leistungsvermögens erwarten würde. Ob das altersgemäß ist, ist eine andere Frage.


RE: Wunderkinder - Jo498 - 22.01.2018

Bei aller berechtigten Debatte darum, was altersgemäß ist und wie man ein Verheizen vermeiden kann, muss man auch bedenken, dass die Leichtathletik hier beinahe ein Luxusproblem hat. Mir ist das wieder mal aufgefallen, als ich neulich diese Vision Gold-Sendung mit Kaul sah, bei der am Ende eine Turnerin vorgestellt wurde, die, wenn ich recht erinnere, mit damals 15 oder 16 schon in Rio dabei gewesen war. In Sportarten wie Turnen oder Eiskunstlauf ist es ganz einfach: Entweder man unterzieht junge Teenager oder oft schon 10-11jährige Kinder einem mehr oder minder professionellen (meist täglichen) Training oder man hat international keine konkurrenzfähigen Athleten in diesen Sportarten.
Früher war das ja noch krasser mit 12-13jährigen Turnerinnen, bei denen man hormonell die Pubertät verschoben hat, damit sie klein und leicht bleiben.
Das ist natürlich keine Rechtfertigung dafür, es in der LA genauso zu machen, in der man Sportler langsamer und altersgemäßer aufbauen kann (wenn man nicht gerade die U16 und U18 Rekorde brechen will).


RE: Wunderkinder - dominikk85 - 22.01.2018

in den usa werden athleten oftmals deshalb jung verheizt, weil sich inzwischen schon mit 15-16 entscheidet wer college scholarships bekommt. das recruiting dort beginnt immer früher und daher wird auch training, krafttraining etc schon teilweise mit 12-13 extrem forciert um früh auf den radar der scouts zu kommen. da geht es teilweise um viel geld, wenn du gut bist und z.b ein 50% stipendium  für stanford oder so bekommst, entsprechend wird da auch früh geknüppelt ohne ende.

es gibt in den usa auch wesentlich weniger breiten-wettkampfsport (so wie bei uns kreis oder landesmeisterschaften für erwachsene, oder im fußball berzirks oder landesliga), wer es da nicht ins college schafft macht bestenfalls noch reinen hobby sport, wenn überhaupt. daher sind 90% der sportkarrieren dort mit 18 nach der high school beendet und man legt dementsprechend vorher alles rein um das zu verhindern.


RE: Wunderkinder - jonas - 23.01.2018

Vivian Cheruiyot lief 2000 gerade 17 geworden in Sydney im olympischen 5.000m-Finale. 16 Jahre später holte sie mit fast 33 Jahren in der gleichen Disziplin in Rio Olympia-Gold.

Auch wenn das natürlich eine Ausnahme und frühes Verheizen in so einem Fall eher die Regel ist, finde ich es allemal in diesem Thread erwähnenswert.


RE: Wunderkinder - Gertrud - 23.01.2018

(23.01.2018, 08:55)jonas schrieb: Vivian Cheruiyot lief 2000 gerade 17 geworden in Sydney im olympischen 5.000m-Finale. 16 Jahre später holte sie mit fast 33 Jahren in der gleichen Disziplin in Rio Olympia-Gold.

Auch wenn das natürlich eine Ausnahme und frühes Verheizen in so einem Fall eher die Regel ist, finde ich es allemal in diesem Thread erwähnenswert.

Hierbei muss man wohl zwischen den Nationen unterscheiden, bei denen Laufen zum Alltag gehört und wo die Leistungen schon in jungen Jahren antrainiert worden sind. Insgesamt neige ich z.B. bei Wurf-, Sprung- und Sprintdisziplinen immer mehr dazu, die Jugend besser bei lockeren und vor allem koordinativen Einheiten zu verbringen und vor allem bei Schwäche-Beseitigungs-Programmen, weil einfach z.B. im Kraftbereich enorm überzogen und ein Erwachsenentraining forciert wird. Die Strukturen danken das nicht. Es sollte eher ein Strukturunterstützungsprogramm gefahren werden, als die vulnerablen Stellen hart zu belasten.

Ich beobachte z.B. hier in Deutschland zwei junge Spitzen-Athletinnen im Sprint im Kontrastprogramm, wo die eine schon ein Erwachsenen-Krafttraining vornehmlich im traditionellen Gewichthebebereich und die andere ein Strukturunterstützungsprogramm absolviert und auch ansonsten strukturell und metabolisch altersgemäß moderat trainiert wird. Ich habe bei der zweiten Athletin ein wesentlich besseres Gefühl. Die unterschiedlichen Trainingsarten machen sich auch muskulär bemerkbar, weil durch die unterschiedlichen Einflussnahmen ganz unterschiedliche Strukturen beansprucht werden. Während die eine bereits unglaublich ausgeprägte Beine unter ihrem Körper hat, geht man bei der anderen sprintmäßig "strukturell nach Gepardenart" zu Werke. Die Verletzungsträchtigkeit ist daher sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Gertrud


RE: Wunderkinder - dominikk85 - 23.01.2018

Es gibt aber auch in den "natürlichen " laufnationen extrem viele die verheizt werden, von den meisten hört man nie was. 

Es gibt aber auch Ausnahmen die einfach unverwüstlich sind  und alles abkönnen, das ist auch Genetik.  Kenia hat da den Vorteil der enormen breite. Die können es sich erlauben ne alina reh zu verbrennen weil sie davon noch 5 andere haben. 

Dort ist das einfach survival of the fittest, aber wir müssen da sowohl aufgrund unserer moralischen Ansprüche,  als auch durch die limitierte breite durch den Status der LA als "randsportart" effizienter sein und müssen daher individuell auf die Leute eingehen.


RE: Wunderkinder - Jo498 - 23.01.2018

Scouting und eine kompetitive Umgebung im Jugend bis College-Alter (letzteres entspricht ja recht genau  der U23) hat offenbar Vor- und Nachteile. Einerseits wird ein viel weiteres Netz ausgeworfen, weil die Schulsportlehrer eher auf Talente achten als typischerweise in Deutschland. Und es ist ja nicht so, dass es in den USA keine Ballsportarten gäbe, die der Leichtathletik ähnlich massiv Talente abwerben können wie Fußball in D. Dann bekommen 18-22jährige sowohl eine gute Infrastruktur, die Sport und Studium gut verbinden lässt, wie auch im Lande horrender Studiengebühren einen erheblichen geldwerten Vorteil, wenn sie ein Sportstipendium erhalten (bzw. auch die Chance auf einer weit renommierteren Uni zu studieren als sonst möglich gewesen wäre).
Andererseits steigt die Gefahr des Verheizens zwischen Teenager und Anfang 20, weil der Spatz in der Hand viel fetter ist als in Deutschland, wo man sich für u18-Titel garnix kaufen kann.

Klar sind die USA eine sehr starke Leichtathletiknation. Sie haben aber auch 320 Mio. Einwohner, zusätzlich zu den schon genannten Faktoren eine extreme Sportbegeisterung und kompetitive Grundhaltung. Anhand all dieser Faktoren und der unbestritten viel stärkeren Breite, gerade auch im Jugend/College-Bereich waren und sind sie m.E. international in den Mittel/Langstreckenläufen nicht so besonders stark (bzw. sind etliche der stärksten wie Lagat oder Chelimo eben auch "Importe"). Oder im Mehrkampf hatten sie zwar einzelne Supertalente, aber die eigentlich zu erwartende Breite in der Spitze kaum. Deutschland hatte meistens mehr Top10 Mehrkämpfer bei WM/OS als die USA. Am besten sind sie wenig überraschend nach wie vor in den Disziplinen, in denen wahrscheinlich westafrikanische Gene einen Startvorteil bringen, nämlich Sprint und Sprung.
D.h. man kann sicher einiges bzgl. Talentfindung und -entwicklung von den USA lernen, aber insgesamt können die sich auch leisten, einige zu verheizen bzw. befördern eben dieselben positiven Strukturen auch die Verheizung.