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Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Druckversion

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RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - MErunsThis - 06.05.2026

Das hat jetzt nur bedingt etwas mit der Athletin zu tun, aber meine Erfahrung als Trainer in der AK:

Meine U14/U16-Jungs (!) können sich größtenteils nur konzentrieren, wenn es um etwas geht. Beim Lauf-ABC, Dehnen und allen Übungen wirken meine Jungs wie eine absolute Gurkentruppe, aber bei allen Wettbewerben (auch im Training) sind sie voll da und in allen Disziplinen sehr erfolgreich. Die wettkampffreie Zeit ist eine Qual und wenn sie zu lange geht, würde ich viele Jungs an andere Sportarten verlieren. Für meine Jungs sind Wettkämpfe deshalb das beste Training. Ich biete viele Wettkämpfe an (Teilnahme ist keine Pflicht) und bei allen Zeichen von Überlastungen melde ich ab.

Bei den Mädchen sind wir nicht so stark und da erlebe ich das auch anders. Konzentrierter im Training, "besser trainierbar", aber auch nicht so kompetitiv. Wenn wir keine gemischte Gruppe wären, würde ich mit den Mädchen weniger Wettkämpfe besuchen als mit den Jungs.

Eine meiner W13-Athletinnen hat dieses Jahr bereits 26 Einzelleistungen in LADV. Dazu kommen noch ein paar Starts bei Crossläufen. Sie musste noch nie wegen Überlastungen aussetzen, ist aber auch nicht so leistungsstark wie die oben genannte Athletin.

Wenn man das individuell an die Belastungsverträglichkeit anpasst und keinen Druck ausübt, bin ich ein Fan von vielen Wettkämpfen  Thumb_up


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Barnie - 06.05.2026

(06.05.2026, 07:48)Straßenläufer schrieb: Danke für die Einschätzungen.  Thumb_up

Die letzten Leistungen vom 01.05.2026 deuten für mich nicht unbedingt auf ein "Leistungsloch" hin. PB mit Speer, den man in der W14 erstmal 38,27m weit werfen muss. Das haben letztes Jahr insg. nur 12 WE14-Mädchen in DE überboten. Respekt für diese Leistung.

Hoch 1,54 / Weit 5,04 am 01.05. sind jetzt auch nicht meilenweit von ihren PBs entfernt. Auch dafür Respekt.

Sie ist ja bereits auch "wieder" für Wettkämpfe am 09.05. und am 17.05. gemeldet. Da kann man wieder draufschauen, wenn man möchte.

Bei der Beurteilung kommt es m.E. sehr auf die individuelle Zielstellung an.
Falls es "Spaßmaximierung bei LA-Wettkämpfen im Hier und Jetzt" ist, dann kann man die Herangehensweise vlt. nachvollziehen.
Falls es "langfristige Leistungsentwicklung zum Erzielen von Höchstleistungen in der Zukunft" ist, dann ist die Herangehensweise vermutlich zu ambitioniert.
Aber möglicherweise täusche ich mich da und dieser Fall geht gut aus. Hoffentlich.

Ich habe mir mal zum Vergleich die Schwester (Jahrgang 2006) unseres ehemaligen Zehnkampf Welt-/ und Europameisters angesehen, weil diese Familie sicherlich sportlich sehr ambitioniert und mit großem Sachverstand agiert. Ihr Wettkampfpensum ist grob gesagt ca. 1/3, d.h. etwa 10 pro Saison. Sie hat im Zeitraum 2019-2026 insg. 264 Leistungen zu Buche stehen.

Im Laufbereich wird peinlich genau darauf geachtet, dass Jugendliche/Kinder die vorgesehenen Maximaldistanzen nicht überschreiten. Es gab ja in der Vergangenheit Volksläufe, die komplett annuliert wurden, weil diese Vorgaben vom Veranstalter nicht eingehalten wurden. Ehrlich gesagt, könnte man vorliegend unter dem Buzzword "Kindeswohl" vlt. auch darüber nachdenken, gewisse Schranken einzuziehen.

Also Respekt habe ich durchaus auch vor diesen Leistungen. Allerdings habe ich schon meine Zweifel, dass "Spaßmaximierung" der Athletin in diesem Fall der maßgebliche Treiber für die vielen Wk ist. Und selbst wenn es so sein sollte, dann wäre es m.M. die Aufgabe des Trainers, hier steuernd einzugreifen. Und jedes Wochenende Wk zu bestreiten, hat dann mit "steuern" eher weniger zu tun. So würde ich es jedenfalls nicht machen.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Barnie - 06.05.2026

(06.05.2026, 09:46)MErunsThis schrieb: Das hat jetzt nur bedingt etwas mit der Athletin zu tun, aber meine Erfahrung als Trainer in der AK:

Meine U14/U16-Jungs (!) können sich größtenteils nur konzentrieren, wenn es um etwas geht. Beim Lauf-ABC, Dehnen und allen Übungen wirken meine Jungs wie eine absolute Gurkentruppe, aber bei allen Wettbewerben (auch im Training) sind sie voll da und in allen Disziplinen sehr erfolgreich. Die wettkampffreie Zeit ist eine Qual und wenn sie zu lange geht, würde ich viele Jungs an andere Sportarten verlieren. Für meine Jungs sind Wettkämpfe deshalb das beste Training. Ich biete viele Wettkämpfe an (Teilnahme ist keine Pflicht) und bei allen Zeichen von Überlastungen melde ich ab.

Bei den Mädchen sind wir nicht so stark und da erlebe ich das auch anders. Konzentrierter im Training, "besser trainierbar", aber auch nicht so kompetitiv. Wenn wir keine gemischte Gruppe wären, würde ich mit den Mädchen weniger Wettkämpfe besuchen als mit den Jungs.

Eine meiner W13-Athletinnen hat dieses Jahr bereits 26 Einzelleistungen in LADV. Dazu kommen noch ein paar Starts bei Crossläufen. Sie musste noch nie wegen Überlastungen aussetzen, ist aber auch nicht so leistungsstark wie die oben genannte Athletin.

Wenn man das individuell an die Belastungsverträglichkeit anpasst und keinen Druck ausübt, bin ich ein Fan von vielen Wettkämpfen  Thumb_up

Ich kann eigentlich alle deine Beobachtungen bestätigen. Ich bin auch der Meinung, dass viele Wettkämpfe durchaus förderlich sind. Allerdings sollte man zwischen den Wk-Phasen auch bewusst Wk-freie Phasen einplanen. Und wenn man das beherzigt, dann ist es schon fast unmöglich, auf eine vergleichbar hohe Zahl an Wk zu kommen.