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Leo Neugebauers Potential - Druckversion

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RE: Leo Neugebauers Potential - Gertrud - 03.04.2024

(03.04.2024, 10:17)dominikk85 schrieb: Für seine schlechte Technik springt er schon krass Stabhoch. Ich glaube wenn er sich ein Jahr mit nem top Trainer darauf konzentrieren würde könnte er 6m springen (wird er natürlich hoffentlich nicht machen sondern schön weiter 10k machenSmile).

Die frage ist natürlich ob es das wert ist da zu investieren, denn er kann ja selbst mit der Technik über 5,20 springen, da macht es vielleicht eher Sinn woanders zu investieren.

Es ist Fakt, dass er im Hoch- und Stabhochsprung mit sehr schlechter Technik springt. Es gibt natürlich auch unterschiedliche Fähigkeiten. Inwieweit das noch Relikte von früher sind, können wir nicht beurteilen. Er hat teilweise im Training beim Stabhochsprung vollkommen andere Qualitäten erreicht, wie ich herausfiltern konnte. Das kann natürlich daran liegen, dass er bei den herausragenden Höhen auf harte Stäbe umschwenkt. Es kann auch an den Zubringergebieten im Stabhochsprung liegen, ob man sie volumenmäßig ausreichend für ihn trainiert. Vielleicht nimmt man sich die beiden Disziplinen mal im nächsten Jahr schwerpunktmäßig vor: step by step. Man muss in der Stoffsammlung die geeignete sukzessive Gliederung finden. Das ist die Herausforderung auf dem Weg zum OS und WR. Da kann es schon passieren, dass man "vor lauten Bäumen keinen Wald mehr sieht". Es ist sehr schwierig, bei der Größe und dem Gewicht eine absolute Geschmeidigkeit zu erreichen. 

Der Knackpunkt vornehmlich bei ihm ist der Übergang zum zweiten Tag in den ersten beiden Disziplinen vorrangig für Paris.  

Gertrud


RE: Leo Neugebauers Potential - Zehnkampf-Fan - 04.04.2024

(03.04.2024, 07:35)Diak schrieb:
(03.04.2024, 06:25)Zehnkampf-Fan schrieb: Irre ich mich oder springt Leo, je höher er springen soll, desto schlechter mit dem Stab? Allerdings war er bei den 5,20 wohl schon ziemlich platt.

dafür gibt es neben dem von Dir genannten Grund (Erschöpfung) mentale Ursachen (5,30 sehen ganz schön hoch aus), vor allem aber bedürfen hohe Höhen so harter Stäbe, dass technische Unsauberkeiten sich stärker auswirken. Meist werden diese Stäbe auch nicht im Training gesprungen, weil man da die entsprechenden Intensitäten gar nicht erreicht.

Also am besten testen?
 Genau genommen sieht es kaum höher aus, sondern hört sich höher an, richtig?

Generell (und @Gertrud) wird es ja darum gehen, mit minimalem Aufwand das Meiste an Punkten herauszuholen.
Für mich sieht es klar nach PV und HJ aus - Beim PV sieht jeder, der schon mal Stabhoch gesehen hat, dass er das nicht so ganz richtig macht. Im HJ reicht es, mal als Schüler Standhochsprung gemacht zu haben. Müsste er sich nicht vor allem einfach mehr durchbiegen? Und kann das so schwer sein für einen eindeutig sportlichen Kerl?
Ich habe mal für alle 8700+ analysiert, wie hoch über Körperlänge gesprungen wird: Es geht von 16cm (Wentz, Moloney) bis 33cm (Huffins). Normaler Schnitt: 25cm (u.a. Tom Pappas, mit 196cm auch kein Leichtgewicht, sprang 2m21).
Ausnahmen: Hardee, Lepage und eben Leo, alle 9cm.

 
Ich gehe davon aus, dass er auf den 1k5 noch mehr rausholen kann. 1000m vs. 1500m: AOD hat 2:33 und 4:13 als PB, also eine Pace von 15,3s vs. gut 16,8s. Leo hat 2:43 (also 16,3s) und 4:42, müsste aber doch bei 4:30 sein (18er Pace), zumindest so 4:35. Ich glaube, dass das zu einem gut Teil mental ist: Sonst ist er so positiv, aber 1k5 mag er gar nicht und er macht keinen Hehl daraus. Auf Decathlon2000 gibt es einen schönen Artikel zur Vorbereitung (nicht: Training). 3x/Wo. Pacework über 1200m. Damit sollte Leo doch was anfangen können, für die 400 quält er sich ja auch gerne.
Und ob er sich schon mal mit einem Mittelstreckentrainer unterhalten hat? Er hüpft ziemlich, der Kopf wackelt schon nach der ersten Kurve... Ich denke, er kann in der letzten Disziplin mit relativ geringem Aufwand 10s ~60 Punkte herausholen.
 Wenn er das dann in Paris überraschend aus dem Koffer packen würde, um Gold zu holen...
Dazu gab es kürzlich ein Interviewschnipsel auf Busemanns Insta-Account, in dem er erzählt, wie er vom 1k5-Hasser ("Das gehörte sich so als Zehnkämpfer") zu einem wurde, der sich darauf gefreut hat.

(Randbemerkung: AOD vs. Kauli würde ich über die 1k5 in Paris gerne sehen! Vielleicht als Kampf um Bronze? *träum*)


RE: Leo Neugebauers Potential - Oliver - 04.04.2024

(02.04.2024, 07:35)Zehnkampf-Fan schrieb: Hast Du das f. 8800+ parat?

Roman Šebrle: 6
Ashton Eaton: 5
Dan O'Brien: 5
Tomáš Dvořák: 4
Damian Warner: 3
Kevin Mayer: 3
Bryan Clay: 2
Daley Thompson: 2
Jürgen Hingsen: 2
Erki Nool: 1
Garrett Scantling: 1
Leo Neugebauer: 1
Pierce LePage: 1


8900 und mehr:
Tomáš Dvořák: 3
Ashton Eaton: 2
Damian Warner: 2
Kevin Mayer: 1
Pierce LePage: 1
Roman Šebrle: 1


RE: Leo Neugebauers Potential - Zehnkampf-Fan - 05.04.2024

Mit 8800+ in Eugene (NCAA Finals) & 8900+ in Paris wäre er einer von 10-11, die 8800+ mind. 2x geschafft haben und einer von 7 mit mind. 8900+. Und eben einer von 10-11 mit 4x 8700+. Er wäre dann nicht nur seit Juni 2023 Weltspitze, sondern bereits einer der (ca.) 10 besten Zehnkämpfer aller Zeiten!

(10 oder 11, abhängig von Lepage)



RE: Leo Neugebauers Potential - Oliver - 05.04.2024

Die Statistik zeigt auch, dass selbst die absolute Spitze Punktzahlen über 8900 nur ganz selten abrufen konnte. Weiter ist es aufgrund des Zeitplan bei einer großen Meisterschaft sehr schwer das Maximum abzurufen. Der 400m Lauf ist relativ spät und die Regenerationspause zum Hürdensprint ist relativ kurz. Diese Erfahrung musste Leo in Budabest machen. Vielleicht gibt es Sponsoren, welche Leo ein Hotelzimmer in der Nähe des Stadion spendieren, falls das olympische Dorf weit vom Stadion entfernt sein sollte.

Ich bin eher skeptisch mit den 8900 Punkten von Leo in Paris.


RE: Leo Neugebauers Potential - dominikk85 - 05.04.2024

Schon krass das wir 2 solche Ausnahmetalente innerhalb von 2 Jahrgängen haben. Wir hatten ja schon viele gute zehnkämpfer, einen im 8500 Punkte Bereich sowie einen zweiten im 8300 Punkte bereich hatten wir die letzten 30 Jahre oft(busemann, schrader, behrenbruch,kazmirek, meier...), aber in der Qualität gab es das zumindest im Westen bzw gesamtdeutschland imo nie, wir erleben gerade die goldene Zeit des deutschen zehnkampfs, das ist imo vergleichbar mit der seberle/dvorak Zeit in Tschechien.


RE: Leo Neugebauers Potential - Oliver - 05.04.2024

(05.04.2024, 06:27)dominikk85 schrieb: wir erleben gerade die goldene Zeit des deutschen zehnkampfs, das ist imo vergleichbar mit der seberle/dvorak Zeit in Tschechien.
In den 80er hatten wir mit Jürgen Hingsen, 
Siegfried Wentz und Guido Kratschmer auch schon eine goldene Generation. Von den Titeln war allerdings Kaul schon erfolgreicher als die Drei genannten. Oft war hier Daley Thompson der Spielverderber. Kratschmer hatte auch 1980 Pech, als er als damaliger Weltrekordhalter nicht bei den olympischen Spielen in Moskau antreten durfte.


RE: Leo Neugebauers Potential - Diak - 05.04.2024

(04.04.2024, 08:57)Zehnkampf-Fan schrieb: Also am besten testen?
 Genau genommen sieht es kaum höher aus, sondern hört sich höher an, richtig
och, man sieht das schon auch, aber ja: die magischen Grenzen (5m...) exisitieren natürlich insbesondere im Kopf. Testen kann hier helfen (Du meinst Wettkämpfe, nehme ich an), ich habe schon den Eindruck, dass die meisten das so machen.
Zitat:Generell (und @Gertrud) wird es ja darum gehen, mit minimalem Aufwand das Meiste an Punkten herauszuholen.

Wenn wir langfristig und gesund ergänzen dürfen, dann unterschreibe ich das gern. Also nicht den maximalen Ertrag für dieses Jahr, sondern dieses Jahr das tun, was mir hilft, um dann zu performen, wenn ich körperlich und mental auf meinem Leistungshöhepunkt bin. (ok, dieses Jahr ist Olympia, da sucht man natürlich auch noch mal nach den schnellen Stellschrauben)
Zitat:Müsste er sich nicht vor allem einfach mehr durchbiegen? Und kann das so schwer sein für einen eindeutig sportlichen Kerl?
Du stellst wirklich die richtigen Fragen, sehr schön =) die Durchbiegerei ist ein verbreitetes Missverständnis, Du findest selbst unter den Spezialisten reihenweise 2,30m + Springer, die Deinem Schüler-Standsprung-Bild ensprechend sitzend, hockend oder anderweitig komisch über die Latte gesprungen sind. Das "biegen" sollte vornehmlich in der Hüfte durch überstreckte Hüftbeuger erfolgen und eben nicht durch das extreme Hohlkreuz. Im Hochsprung geht es fast ausschließlich um den Komplex Anlauf-Absprung, alles Folgende ist Physik und kann recht automatisch gehen. Aufgrund der wirkenden Kräfte bei seinem Gewicht sagt das Team vor Ort: "Üben wir wenig, muss so gehen", und Gertrud: "Kann man lernen, muss man lernen, um gesund zu bleiben", bzw. "dann trainier halt die Schlüssestellen so, dass nichts kaputt geht" . Und ja: das ist schwer [für die Insider: das sage ich nicht nur in Hinblick auf meine aktuellen Topathletinnen Angel ‌]
Zitat:Auf Decathlon2000 gibt es einen schönen Artikel zur Vorbereitung (nicht: Training). 3x/Wo. Pacework über 1200m. Damit sollte Leo doch was anfangen können, für die 400 quält er sich ja auch gerne.
Kenne die Quelle nicht und weiß nicht genau, was Pacework meint, sollte das heißen, 3x/Wo 1.200 im Wettkampftempo 1.500 dann wäre das das Ende jeder sinnvollen Trainingswochenplanung =) Die Steuerung der Läufe nach energetischen, orthopädischen (und mentalen) Gesichtspunkten ist komplexer und nein, da kann nicht eben mal rasch ein Mittelstreckentrainer draufgucken und wunderheilen.
Zitat:Dazu gab es kürzlich ein Interviewschnipsel auf Busemanns Insta-Account, in dem er erzählt, wie er vom 1k5-Hasser ("Das gehörte sich so als Zehnkämpfer") zu einem wurde, der sich darauf gefreut hat.
nun, bis zur Vorfreude muss es nicht jede/r bringen, aber Bock auch die entsprechende harte Arbeit und ein positives Angehen der Herausforderung sind schon wichtig. Außerdem hilft natürlich enorm, wenn man zwei Tage lang weiß, dass die Ente hinten kackt und man da dabei sein kann!


RE: Leo Neugebauers Potential - Zehnkampf-Fan - 05.04.2024

(05.04.2024, 07:50)Diak schrieb:
(04.04.2024, 08:57)Zehnkampf-Fan schrieb: Also am besten testen?


>> Damit meinte ich Wettkämpfe, ja.
Zitat:Müsste er sich nicht vor allem einfach mehr durchbiegen?
Schüler-Standsprung >> Damit meinte ich, dass man sich da relativ einfach einmal durchbiegen konnte.
Muss mir mal was anlesen, wie das richtig geht mit dem Hochsprung. Für mich sieht es so aus, als würde Leo mit seinem steifen Führungsarm die "hölzern" aussehende Lattenüberquerung schon einleiten. Es sieht z.B. bei Kauli einfach viel geschmeidiger aus (wenn er fit ist und sich nicht den Fuss vertritt).

"meine aktuellen Topathletinnen" >> Darf ich Dich nach Deinem Hintergrund fragen?
Zitat:Auf Decathlon2000 gibt es einen schönen Artikel zur Vorbereitung (nicht: Training).
Sorry, ich weiss nicht, wie ich auf 3x/Wo. kam, es waren 1x/Wo.
https://www.decathlon2000.com/3163/hey-guys-please-prepare-properly-for-the-1500/
Also ja, Wettkampftempo. Für Leo wären 18,5s/100m schon was. Wie gesagt, mit seiner 1000er Zeit (und 400m in 47s!) müsste er das doch hinkriegen.

"die Ente kackt hinten" >> Schöner Spruch!
 




Danke für die qualifierten Antworten!
Und die Zitierfunktion hier kriege ich auch noch in den Griff, irgendwann...


RE: Leo Neugebauers Potential - Zehnkampf-Fan - 05.04.2024

(05.04.2024, 04:47)Oliver schrieb: Der 400m Lauf ist relativ spät und die Regenerationspause zum Hürdensprint ist relativ kurz. Diese Erfahrung musste Leo in Budabest machen.

Beim DR hat ihm das prima gepasst, da waren die 400 auch abends.

Er fühlte sich am 2. Morgen noch frisch, siehe Vlog: "My body feels amazing."