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Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Druckversion

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RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Jo498 - 24.09.2019

MZPLTK - Das stimmt ja alles. Aber es hat eben wenig mit Kleinerts Problem und mit der internationalen Konkurrenzfähigkeit der Profi-Leichtathletik zu tun. An Kleinert gerichtet, sagt Dein Beitrag weiter oben im Grunde: Selber schuld, hättste doch lieber was ordentliches gelernt und Kugelstoßen als Amateurin betrieben. Nicht hilfreich, zumal 15 Jahre zu spät.

Allerdings sind international erfolgreiche AthletInnen vermutlich schon als Identifikationsfiguren und Vorbilder wichtig. Daher gibt es eben doch einen Zusammenhang zwischen Unterbau und Spitze. Wir hatten das ja neulich schonmal enger mit Mittelstrecken. Wenn die demographische Basis kleiner wird UND die Spitze als Identifikation/Motivation fehlt, wird es halt schwierig. Zumal die LA eben historisch auf beides angewiesen war, Biathlon und Rodeln haben nicht viel Breitensport, nehme ich mal an.

Außerdem gebe ich ja auch zu, dass man eine Wahl hat. Man kann auch sagen, dass man die Professionalisierung nicht mitmachen kann oder will. Nur wird man dann halt international bedeutungslos, wenn sich alle anderen stärker professionalisieren.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Astra - 24.09.2019

(24.09.2019, 11:48)Jo498 schrieb: MZPLTK - Das stimmt ja alles. Aber es hat eben wenig mit Kleinerts Problem und mit der internationalen Konkurrenzfähigkeit der Profi-Leichtathletik zu tun. An Kleinert gerichtet, sagt Dein Beitrag weiter oben im Grunde: Selber schuld, hättste doch lieber was ordentliches gelernt und Kugelstoßen als Amateurin betrieben. Nicht hilfreich, zumal 15 Jahre zu spät.
Ich würde diesen Athleten sagen, denkt mal darüber nach, ob es außer Trainer auch noch etwas anderes gibt, was euch Spaß machen könnte und von der Bundeswehr bezahlt wird.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - dominikk85 - 24.09.2019

Es gibt auch sehr gute halbprofis, aber mit Bedingungen wie bei NOP kann man damit kaum konkurrieren, besonders auch was Regeneration angeht. Ist halt ein Unterschied ob man nach dem morgenlauf ins Büro muss oder 2 Stunden massiert wird oder in irgendeinem eisbad sitzt.

diese Bedingungen sind allerdings nur für wenige erreichbar und man muss halt auch sehen das Koko bereits ohne das unter 4m gelaufen ist. So ein Einsatz macht also nur Sinn wenn man vorher schon extrem talentiert und stark ist, für 99% der Athleten gibt es keine Alternative zum dualen weg, der DLV kann nicht NOP für alle schaffen.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - lor-olli - 24.09.2019

Das ein talentierter oder schon guter Athlet unter besseren Bedingungen bessere Leistungen erbringen könnte, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten (ich ganz sicher nicht).

Aber unter dieser Prämisse zu orakeln, dass die LA in 10 Jahren "tot" ist, halte ich für gewagt oder falsch.
Was schon gilt, ist dass die Decke in D dünner wird (Konkurrenzsportarten, weniger Motivation sich zu schinden… man kann ja auch als "Influenzer" reich werden… klingt das nur für mich wie eine Krankheit? Wink), und vielleicht sollte man einschränkend sagen, dass dieser Spruch der Totsagung vielleicht noch am ehesten auf die deutsche LA zutrifft - und wir reden hier explizit über den Spitzensport!

Ich bin Leichtathletikfan seit ich laufe, aber gewisse Entwicklungen kann ich nicht uneingeschränkt gutheißen. Nach dem Überstehen des schier grenzenlosen Dopings in den 70er und 80er Jahren hielt ich die LA für "auf dem richtigen Weg", betrachte ich das aktuell und global, bin ich mir nicht mehr so sicher. Kommerzialisierung, Erwartungsdruck an die Berufsathleten, Verbandsvertreter die nur in den Verlautbahrungen umgedacht haben, lassen das Dopinggeschwür wieder wachsen.

Unter gleichbleibenden Bedingungen international, wird es die LA in D (und den Ländern die forciert nach Doping fahnden) zunehmend schwierig haben international aufzutrumpfen, wenn Unterstützung (wie auch immer) vor allem von internationalen Medaillen abhängig ist, ist dies kein gutes Signal. Will man auch international mitmischen müssen die Bedingungen stimmen (LA-Umfeld, Absicherung, Förderung) und das läuft am Ende vermutlich auf "mehr Geld" hinaus, Geld wohlgemerkt welches sich nicht der einzelne Athlet allein in die Tasche steckt. (Bolt ist reich geworden, der größte Teil der jamaikanischen Athleten dagegen nicht. Gleiches gilt für Afrika und Russland) Die Spitzenleute als Motivatoren funktionieren nur solange, wie die Frustration für die Athleten der 2.ten Reihe nicht zu groß wird.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Jo498 - 24.09.2019

NOP für alle gibt es in den USA auch nicht. Aber da ist der Markt eben groß genug, eine erhebliche Anzahl mehr Profis zu ermöglichen. Und dann hat man eben 17 Frauen mit der WM Norm über 1500m, nicht zwei. Oder drei Hindernisläuferinnen, die so gut sind wie Krause oder besser.
Wie gesagt, in den USA würden Ringer oder Reh ziemlich sicher nicht Teilzeit arbeiten. Ob sie damit entschieden besser würden, weiß natürlich keiner. Krause ist für mich aber ein deutliches Beispiel dafür, wie durch Profitum das entscheidende Bißchen herausgeholt werden kann.

Aber es bringt v.a. nichts, Sachzwänge schönzureden, indem man behauptet, es gäbe keinen Vorteil für Profis. Dann darf man sich halt auch nicht über mäßiges Abschneiden beschweren, sondern muss damit leben. Und inwiefern die vielen Verletzungen mit Mehrfachbelastungen durch Semiprofitum zusammenhängen, wäre auch noch zu untersuchen.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - aj_runner - 24.09.2019

Zitat:Die 70 Stunden meinte ich mir antun zu wollen, weil
- ich echtes, intrinsisches Interesse am Studium hatte
- ich 3 volle Fächer in Angriff nahm(Ausnahme, 98 % absolvierten nur 2 oder fluktuierten vorher)
- ich bestmöglich bestehen wollte
- nicht jeder so ein Genie sein kann wie du

Zwischen schwarz und weiß gibt es auch noch grau. Ich habe neben dem Studium 2 Sportarten betrieben, daneben war ich auch noch Vereinssportwart und Trainer zweier Trainingsgruppen. Mir war die berufliche Karriere nicht alles, trotzdem hat es inzw. zu den Top-10% der Besserverdienenden gereicht. 
Zurück zum Thema:

Damit der Abwärtstrend aufgehalten werden kann sind sowohl Top-Down als auch Bottom-up Maßnahmen wichtig. Bereits bei der U12 fangen die Teilnehmerfelder an einzubrechen, spätestens bei der U14 sieht es ganz dünn aus. Auf den Sportfesen werden von den Schülern bis zu den Senioren die Läufe / Disziiplinen zusammengelegt. Dann tritt ein Tobias Dahm im Kugelstoßen gegen einen Franzosen an, der in seinen ersten 3 Versuchen zusammengerechnet gerade mal so weit kommt wie Tobias in einem.
Aus den dünnen TN-Feldern kommen natürlich auch keine neuen Trainer nach. Wenn dann 70-jährige Trainer einen einsamen U14-Athleten betreuen und während des Wettkampfes permanent ihren 50-jährigen Erfahrungsschaft zum besten geben (die Schulter beim Ballweitwurf hat mir schon vom Zusehen weh getan), ist das auch kein Zukunftsmodell.

Ohne eine Vielzahl an Trainern gibt es keine gut betreuten Trainingsgruppen, weniger Talente werden gesichtet und gleichzeitig weniger Top-Trainer. Kommt dann mal einer durch (egal ob Athlet oder Trainer), hat aber nicht die intrinsische Motivation Sport und Beruf möglichst optimal zu verbinden, dann verglüht das Sternchen schneller als es gekommen ist.

Mit entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen, Unterstützungsleitungen Sport und Karriere zu vereinen etc., würden sicherlich mehr bei der Stange bleiben. Jana Sussmann ist ein gutes Beispiel dafür, dass sie ziemlich auf sich alleine gestellt war und mit etwas mehr Unterstützung wären wahrscheinlich auch internationale Finals möglich gewesen. Die Probleme von Timo Benitz dieses Jahr führt er auf zu viel Sitzen wg. des Studiums zurück. Usw...


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - MZPTLK - 24.09.2019

Achottachott, das böse böse 'Zwang'-Sitzen beim Studium...
Dann wäre es ihm wohl besser bekommen, wenn er ein Möbelpackerstudium gemacht hätte?
Kindergarten!! Angry

Wollen wir allen Ernstes nur noch Athleten haben,
die alleroptimalste Bedingungen auf dem Tablett serviert bekommen(Staatsamateure),
und alle anderen, also 99 %, kommen nicht in Frage
und können ja zum Fussball gehen, oder was?

Genau diese Denke macht die Leichtathletik kaputt!


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - laulau - 24.09.2019

Es kommt halt darauf an.
Möchte man Medaillen oder nicht 
Gerade in der Mittelstrecke und Langstrecke ist der Trainingsaufwand sehr hoch.
Und da müssen zur Regeneration auch die Beine mal hochgelegt werden. 
 Das geht halt kaum wenn man nebenberuflich Sportler ist.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - gera - 24.09.2019

N.Kleinert hat doch - weil sie ziemliche berufliche Schwierigkeiten hat - im Interview die .. " fehlende finanzielle Absicherung " bemängelt.
Sie war eine Profiathletin , wie es vor alle Jo498 propagiert.
Jeder Athlet kann wählen, ob er durch vollständige Konzentration auf den Sport das letzte Stückchen Leistung aus sich herausquetchen will. Unter jahrelanger Aufgabe der beruflichen Weiterentwicklung und in der Hoffnung, ein leben lang davon gut leben zu können.
Sicher werden die meisten Athleten leistungsmässig davon profitieren.
Aber was kommt nach der absoluten Profikarriere? Das muss doch auch mal beleuchtet werden. Wieviele dieser Profis, die wir doch auch schon vor 20/30Jahren hatten, können dann wirklich ihr Leben so gestalten, wie sie es vorhatten?
Ich will hier keine Namen nennen, aber ist es wirklich für jeden befriedigend bestenfalls als Repräsentant einer Firman,als Werbefigur,Fittnislehrer usw. weiter zu machen ?
Gerade aus dem Fußball gibt es doch viele Beispiele, dass ehem. gur verdienende Profis schlimm enden.
Zum verdienen,
Athleten und das dazugehörige Umfeld stecken das verdiente Geld natürlich in die eigene Tasche, wieso auch nicht.
Sie sollten daraus aber auch ihre eigene Zukunftssicherung betreiben. Und das eigene Training usw. auch bezahlen.
Einer zusätzlichen Förderung aus öffentlichen Mitteln bedürfen sie dann nicht mehr.
Wer Halb-Professionel trainiert und seine Zukunft durch wirkliches Lernen absichert, sollte vom Verband unterstützt werden. Sowas wie mit J.Sussmann sollte nicht passieren.
Wenn einige Spitzenathleten wirklich meinen zuwenig für ihre Leistung unterstützt zu werden, schlage ich vor, einen eigenen Spitzenverband, losgelöst vom DLV, zu betreiben.Dann können von ihnen erwirtschaftete Erlöse auf sie direkt verteilt werden. Ob das allerdings mehr ist als sie jetzt bekommen, bezweifle ich.

Mir sind einfach Athleten lieber, die sich nicht so einsichtig über sporl.Leistung definieren, sondern darüber hinaus voll im Leben bestehen können.
Wenn das weniger Höchstleistung bringt, na dann ist es eben so.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Atanvarno - 24.09.2019

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