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Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - Druckversion

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RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - CoachnEngineer - 04.09.2026

Wir müssen aber, denke ich, wirklich abwarten, was bei der Verhandlung auf den Tisch kommt.
Sollte es tatsächlich so sein, dass der Kontrolleur sich zumindest so korrekt verhalten hat, dass er nicht zu dem Fehlverhalten von Ansah beigetragen hat, dann sieht auch meine Bewertung anders aus. Aber im Moment deutet das, was man hören und lesen kann, nicht unbedingt darauf hin.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - Atanvarno - 04.09.2026

Zitat:Kann man in so einer Situation nicht sagen der Athlet muss darauf vertrauen können das eine Person mit so einer "hoheitlichen" Rolle ihn korrekt informiert und wenn er ihn falsch informiert sollte man im Sinne des Athleten entscheiden?

Kann man, aber der CAS sieht es anders.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - Atanvarno - 04.09.2026

(04.09.2026, 11:32)CoachnEngineer schrieb: möglicherweise wird es bei der sportgerichtlichen Bewertung ja u.a. auch genau darum gehen. Wurde ihm ggf. durch den Kontrolleur der Eindruck vermittelt, dass seine Gründe (Flug und Meeting nicht verpassen) triftig genug sind, eine Probe nicht abzugeben? Wenn dies bejaht wird, hat der Kontrolleur durchaus mE eine erhebliche, wenn nicht sogar die alleinige Verantwortung für das Geschehene.

Das sieht der CAS anders

von ChatGPT, leicht modifiziert von mir schrieb:CAS 2013/A/3279 – Viktor Troicki v. ITF, Award 5 November 2013

Viktor Troicki hatte beim Monte Carlo Masters am 15. April 2013 nach einer Dopingkontrolle zwar die Urinprobe abgegeben, aber die zusätzlich verlangte Blutprobe nicht abgegeben. Er machte geltend, die DCO Dr. Gorodilova habe ihm sinngemäß erlaubt, wegen seines schlechten Befindens auf die Blutprobe zu verzichten.

Das CAS verwarf diese Argumentation und behandelte gerade die Frage, ob Troickis subjektives Verständnis der Äußerungen der DCO eine „compelling justification“ im Sinne von Art. 2.3 darstellen konnte.

Zitat:whether the Athlete had a compelling justification must be determined objectively, and not by reference to the Athlete's subjective interpretation of what the DCO had told him.

Interessant ist dabei, dass Troicki tatsächlich geltend machte, er habe in gutem Glauben gehandelt. In Ziff. 8.33 des Urteils heißt es in seiner Argumentation, es hätten „truly exceptional circumstances“ vorgelegen, die ihn „in perfect good faith“ glauben ließen, er dürfe auf die Blutprobe verzichten.

Das CAS folgte ihm aber nicht. Entscheidend war nicht, ob Troicki subjektiv davon überzeugt war, die DCO habe ihm die Blutabgabe erlassen, sondern ob die objektiven Umstände eine compelling justification begründeten.

Auch in Ansahs Fall lag keine objektiv begründete "compelling justification" die Probe nicht abzugeben vor.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - CoachnEngineer - 04.09.2026

(04.09.2026, 11:38)muffman schrieb:
(04.09.2026, 11:21)TranceNation 2k14 schrieb:
(04.09.2026, 11:12)muffman schrieb: Nein, weil sich sonst jede AthletIn der Kontrolle einfach entziehen könnte und alles auf den Kontrolleur/die Kontrolleurin schieben könnte. Das Beispiel von Atanvarno zeigt ganz klar, dass für den CAS nur eine Sache zählt: Ob die Probe abgegeben wurde.

Nö, wenn der Kontrolleur sich von vornherein richtig verhält ist das nicht so einfach.

Bsp.:

"Ich kann die Probe nicht geben, ist das schlimm?" - "Wird wie positive Probe gewertet, unterschreib hier."

Unterschreibe einfach nichts, setze dich ins Auto und fahre los zum Flughafen, Einkaufen, was auch immer. „Der Kontrolleur hat mir gesagt, passt alles so.“ Kann man einfach behaupten. Wer soll etwas anderes beweisen? Es spielt, wie gesagt, für den CAS überhaupt keine Rolle, was der Kontrolleur getan hat. Vielleicht fliegt er raus. Aber Ansah hat keine Probe abgegeben. Etwas anderes zählt nicht. Und wenn du als Profi-Athlet denkst, dass durch ein Flugticket eine Dopingkontrolle hinfällig ist und dann noch nichtmal schaust, was genau du da unterschreibst… Ich weiß gar nicht, was ich dazu noch sagen soll… Und dann fährst du zurück um irgendetwas zu unterschreiben, das du dir nichtmal genau durchliest und quasi ein Blanko-Formular ist. Wtf

Dass sich Ansah grundsätzlich cleverer hätte verhalten können, an dem Punkt bin ich völlig bei dir. Frage ist, wie es sportjuristisch bewertet wird und ob Ansah eine Möglichkeit bekommt, die Sperre zu verkürzen. Auch was das CAS sagt, können wir doch noch gar nicht prognostizieren, solange der Vorgang noch so nebulös ist. Dieser Fall kann in seiner Spezifik ggf. so einzigartig sein, dass bisherige Urteilsbegründungen des CAS hier keine Anwendung finden können.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - TranceNation 2k14 - 04.09.2026

(04.09.2026, 11:38)muffman schrieb: Unterschreibe einfach nichts, setze dich ins Auto und fahre los zum Flughafen, Einkaufen, was auch immer. „Der Kontrolleur hat mir gesagt, passt alles so.“ Kann man einfach behaupten.

Das heißt, wenn der Kontrolleur nicht klingelt und behauptet du wärst nicht da gewesen, ist es ein missed Test?


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - CoachnEngineer - 04.09.2026

(04.09.2026, 11:55)Atanvarno schrieb:
(04.09.2026, 11:32)CoachnEngineer schrieb: möglicherweise wird es bei der sportgerichtlichen Bewertung ja u.a. auch genau darum gehen. Wurde ihm ggf. durch den Kontrolleur der Eindruck vermittelt, dass seine Gründe (Flug und Meeting nicht verpassen) triftig genug sind, eine Probe nicht abzugeben? Wenn dies bejaht wird, hat der Kontrolleur durchaus mE eine erhebliche, wenn nicht sogar die alleinige Verantwortung für das Geschehene.




Das CAS folgte ihm aber nicht. Entscheidend war nicht, ob Troicki subjektiv davon überzeugt war, die DCO habe ihm die Blutabgabe erlassen, sondern ob die objektiven Umstände eine compelling justification begründeten.

Und genau diesen Punkt muss der CAS ggf. bei einem Verfahren gegen Ansah wieder neu bewerten. Und dazu ist entscheidend, was tatsächlich beweisbar gesagt, geschrieben oder sonst wie ausgetauscht wurde. Und wie z.B. das Fehlen bestimmter Anmerkungen in einem Dokument bewertet werden. 
Ich vermute allerdings auch, dass das nicht leicht sein wird, hier eine objektive wahrhafte "compelling justification" zu begründen.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - longbottom - 04.09.2026

@Atanvarno: Gerade in dem von Dir genannten Fall Troicki hat der CAS allerdings dafür entschieden, die Dopingsperre zu verkürzen:  Doping im Tennis: Trocki feiert Erfolg vor dem CAS, Sperre reduziert - DER SPIEGEL


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - menarfin - 04.09.2026

Das Problem für Ansah könnte dabei aber sein: Alles andere als ein vollständiger Freispruch wird ihn seinen EM-Titel kosten. Im Austausch für den Rest der Karriere geht man das wohl ein, weh tut es trotzdem. Selbst eine Sperre von einem halben Jahr würde dazu führen und ich habe noch nie von einem kürzeren Strafmass gehört.


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - Atanvarno - 04.09.2026

(04.09.2026, 12:04)longbottom schrieb: @Atanvarno: Gerade in dem von Dir genannten Fall Troicki hat der CAS allerdings dafür entschieden, die Dopingsperre zu verkürzen:  Doping im Tennis: Trocki feiert Erfolg vor dem CAS, Sperre reduziert - DER SPIEGEL

Stimmt. Genaue Urteilsbegründung hier https://jurisprudence.tas-cas.org/pdf/3279.pdf ab Punkt 9

Halbierung der maximal aussprechbaren Strafe wäre also denkbar. Ansah käme also bestenfalls mit 2 Jahren davon (keine Ahnung, warum bei Troicki das Maximum nur zwei Jahre waren)


RE: Mutmaßlich verweigerte Dopingprobe von Owen Ansah - Träner - 04.09.2026

Bei aller interessanten Diskussion um vorwerfbares Fehlverhalten irritieren mich einige Dinge:

Es wird spekuliert, ja teilweise im Nebel gestochert, und doch habe ich den Eindruck, dass einige Kommentatoren sich bereits eine endgültige Meinung gebildet haben. 
Das erinnert mich sehr an eine Tagung der Deutschen Richterakademie Anfang der 2000-der, Thema Sport und Recht, wo u.a. der Fall D. Baumann diskutiert wurde. Mehr als ein Drittel meiner Kollegen hielten ( immerhin ohne vollständige Kenntnis der Fakten) die Zahnpastatheorie nicht für abwegig und somit D.Baumann für unschuldig....

Ansah wurde mit 31,6 % zum Ass des Monats gewählt. Haben ihm alle, die ihn gewählt haben ,quasi einen Blankoscheck ausgestellt? 
Kann man  das Eine ( Medaillen) von dem Anderen ( laufendes Verfahren/mutmaßlich verweigerte Abgabe einer Dopingprobe trennen?

Wer denkt an den /die Athleten , die bei einer möglichen Sperre und Aberkennung um den Triumph im Stadion gebracht wurden? 

Bin auf den Ausgang des vorl. Verfahrens sehr gespannt und wiederhole im Interesse des Athleten  meinen Wunsch auf eine zügige Entscheidungsfindung.