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Vereinsidentifikation im Profisport - Druckversion

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RE: Vereinsidentifikation im Profisport - Reichtathletik - 12.01.2026

Ich bin doch überrascht (oder sollte man es mit Blick auf die Gesellschaft vielleicht gar nicht sein?) wie wenig Werte wert(!)geschätzt werden. Wir hatten eine lange PSG-Debatte. Nun ist es aber doch unter dem Strich egal ob ein Verein auch außersportliche Maßstäbe hat? Nun geht es nicht mehr darum, Menschen langfristig zu begleiten? Jetzt will man Kindern empfehlen schnell den Verein zu wechseln wenn wo anders mehr Geld winkt oder man "sportlich" weiterentwickelt wird ohne dass der Rest eine Rolle spielt. Einen Verein der zB Wert darauf legt, dass die Trainer Führungszeugnis vorlegen, es im Verein Vertrauenspersonen gibt, Leute direkt rausfliegen die Medikamente oder Menschen missbrauchen ist "sonstiges Lala" mit dem man sich nicht identifizieren kann/sollte weil das vom Sport ablenkt?


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - mariusfast - 12.01.2026

(12.01.2026, 09:39)Reichtathletik schrieb: Ich bin doch überrascht (oder sollte man es mit Blick auf die Gesellschaft vielleicht gar nicht sein?) wie wenig Werte wert(!)geschätzt werden. Wir hatten eine lange PSG-Debatte. Nun ist es aber doch unter dem Strich egal ob ein Verein auch außersportliche Maßstäbe hat? Nun geht es nicht mehr darum, Menschen langfristig zu begleiten? Jetzt will man Kindern empfehlen schnell den Verein zu wechseln wenn wo anders mehr Geld winkt oder man "sportlich" weiterentwickelt wird ohne dass der Rest eine Rolle spielt. Einen Verein der zB Wert darauf legt, dass die Trainer Führungszeugnis vorlegen, es im Verein Vertrauenspersonen gibt, Leute direkt rausfliegen die Medikamente oder Menschen missbrauchen ist "sonstiges Lala" mit dem man sich nicht identifizieren kann/sollte weil das vom Sport ablenkt?

 Ich habe jedenfalls nicht gesagt, dass es egal ist welche Werte ein Verein hat. Nur ist das i.d.R. heute zu Tage so, dass die Grundwerte bei den meisten Vereinen ähnlich sind und es zumindest nicht schwer sein sollte, einen Verein zu finden, die ähnlich sind. Also um dein Beispiel aufzugreifen. Ich kenne genügend Vereine, die Medikamenten- oder Menschenmissbrauch ablehnen.  Da wir zum Glück nicht mehr in einer lokalpatriotischen Zeit leben (Mit Ausnahme von ein paar Fußballultras oder von ein zwei radikalen lokalpatriotischen LA Foristen hier), in der es gravierende Unterschiede von Dorf zu Dorf gibt. 

Die Unterschiede finden sich jedoch bei den Trainern. Ich war selbst schon in mehreren Vereinen. Es ist da nicht möglich eine Wertekultur zu schaffen in einem Verein, wo jeder Trainer die selben Werte und Ideologie hat. Sonst würde es ja auch keine politische Wahlen geben. Manche Menschen sind nun mal eher konservativ  und manche nicht. Das wirst du nicht ändern können als Verein. Von daher soll sich ein Kind einfach da wohl fühlen bei dem Trainer. Und das entscheidet das Kind und oder die Familie selbst. Zudem, wie du ja geschrieben hast, macht es für manche Athletentypen keinen Sinn bei einem bestimmten Trainer zu bleiben. Das kann man schon in der Jugend sehen ob der Athlet eher ein 400/800 Meter Typ ist oder Ausdauertyp ist. 

Und auch der Faktor Geld kann entscheidend sein, dass manche in der Jugend überhaupt noch weiterhin professionell die LA machen können. Man sollte da nicht die Türen für immer schließen, was du postuliert hast. 
 Es geht da ja eh nur um Aufwandsentschädigung. Wobei ich auch nicht weiß worüber du redest. Kinder und Geld? Welche Kinder bekommen Geld angeboten? Redest du von 10 Jährigen, die jedes Jahr wechseln? Ich weiß nicht in welcher LA Realität du lebst.


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - muffman - 12.01.2026

(12.01.2026, 09:39)Reichtathletik schrieb: Ich bin doch überrascht (oder sollte man es mit Blick auf die Gesellschaft vielleicht gar nicht sein?) wie wenig Werte wert(!)geschätzt werden. Wir hatten eine lange PSG-Debatte. Nun ist es aber doch unter dem Strich egal ob ein Verein auch außersportliche Maßstäbe hat? Nun geht es nicht mehr darum, Menschen langfristig zu begleiten? Jetzt will man Kindern empfehlen schnell den Verein zu wechseln wenn wo anders mehr Geld winkt oder man "sportlich" weiterentwickelt wird ohne dass der Rest eine Rolle spielt. Einen Verein der zB Wert darauf legt, dass die Trainer Führungszeugnis vorlegen, es im Verein Vertrauenspersonen gibt, Leute direkt rausfliegen die Medikamente oder Menschen missbrauchen ist "sonstiges Lala" mit dem man sich nicht identifizieren kann/sollte weil das vom Sport ablenkt?

Das hat niemand gesagt und darum geht es auch gar nicht.


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - Notalp - 12.01.2026

Es gibt Identifikation, genauso, wie es die Tendenz gibt, sie für irrelevant zu halten. 

Wer sich (als erfolgreicher) Athlet mit einem Verein identifiziert, erwartet nicht, dass dieser ihm die gesamte Aufmerksamkeit zukommen lässt. Denn in dem Fall würde er den Verein als bloßes Mittel benutzen. Eine Identifikation erkennt stattdessen die ethisch basierten Zwecksetzungen eines Vereines an. Diese Anerkennung kann so weit gehen, dass sich ein Athlet (wie z.b. im Falle von Kaul) intensiv um den Nachwuchs im Verein kümmert. Deshalb kann ein ‘Lokalpatriotismus’ übrigens auch eine besondere Würde besitzen - also weitaus schätzenswerter sein als ein wechselfreudiger Erfolgsegoismus…


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - mariusfast - 13.01.2026

(12.01.2026, 13:52)Notalp schrieb: Es gibt Identifikation, genauso, wie es die Tendenz gibt, sie für irrelevant zu halten. 

Wer sich (als erfolgreicher) Athlet mit einem Verein identifiziert, erwartet nicht, dass dieser ihm die gesamte Aufmerksamkeit zukommen lässt. Denn in dem Fall würde er den Verein als bloßes Mittel benutzen. Eine Identifikation erkennt stattdessen die ethisch basierten Zwecksetzungen eines Vereines an. Diese Anerkennung kann so weit gehen, dass sich ein Athlet (wie z.b. im Falle von Kaul) intensiv um den Nachwuchs im Verein kümmert. Deshalb kann ein ‘Lokalpatriotismus’ übrigens auch eine besondere Würde besitzen - also weitaus schätzenswerter sein als ein wechselfreudiger Erfolgsegoismus…

Betonung liegt auf kann. Es ist Zufall, ob es jetzt einen Mehrwert für die deutsche LA insgesamt darstellt oder ob er seine Energie und Zeit besser woanders hätte investieren können und woanders einen größeren Nutzen für den Nachwuchs erreichen könnte. Also besser wäre, wenn sich die Athleten in erster Linie mit der Gegenwart und Zukunft der deutschen LA identifizieren würden. 
Vllt. ist auch das System Ehrenamt das Problem, wenn das Streben nach Erfolg als negativ konnotiert wird. Letztlich sollte die ganze LA danach streben und vllt. ist dann genau eher das Gegenteilige egoistisch. 

Zudem ist Kaul ein schlechtes Beispiel, weil in dem Verein noch alle involviert sind, mit denen er zu tun hatte. Also ob es wirklich "der Verein" ist mit dem er sich identifiziert? 

Und Identifikation ist auch m.E.n. kein begrenztes Gut. Man kann sich auch mit mehreren Vereinen identifizieren.


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - Notalp - 14.01.2026

Wenn sich ein Athlet um den Nachwuchs bemüht, hat das natürlich rein gar nichts mit der “Gegenwart und Zukunft der Leichtathletik” zu tun?! Anders ausgedrückt: Dein Plädoyer für eine angemessene Abwägung ist untauglich - ebenso wie die Bezugnahme auf eine vermeintlich negative Konnotation von Erfolg. 

Die verquere Argumentation in Bezug auf Kaul lasse ich unkommentiert...


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - Reichtathletik - 14.01.2026

Also vielleicht auch mal aus der Praxis: Ein Athlet, der auch als Indentifikationsfigur taugt, macht einen Verein für Sponsoren, Spender und Mitglieder (=Mitgliedsbeiträge) interessant. Damit hat ein Verein auch mehr Geld, was er dem Sportler zahlen kann. Gilt auf niedrigeren Niveau auch: Ein Athlet der auch mal Kuchen auf einem Vereinssportfest verkauft, kann damit auch ein Trainingslager mitfinanzieren...


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - muffman - 14.01.2026

Was genau hat Kuchen verkaufen mit einer Identifikation mit dem Verein zu tun? Beispiel: Du kannst es potentiell zu Olympia schaffen. Das ist dein Traum. Leider kann dein aktueller Verein dir nicht ganz das bieten, was du für diesen Schritt benötigen würdest. Deine Trainingsgruppe ist super, Abteilungsleitung super, menschlich usw. passt alles. Aber du müsstest jeden Tag nnach 8h Arbeit noch 1hbis zur nächsten LA-Halle fahren, dein Kraftraum ist das McFit in der nächsten Stadt und dein Heimtrainer kann dich nicht mehr weiterbringen. Ein anderer Verein kann dir das aber alles bieten: Toptrainer, sportliche Infrastruktur, eine nette Trainingsgruppe usw. Was tust du? Natürlich bleibst du bei deinem Heimatverein und gibst aus Loyalität deinen Lebenstraum auf. Mal unabhängig von finanzieller Unterstützung. Ist jetzt natürlich ein leicht überspitztes Beispiel, auch mit Umzug usw.


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - TranceNation 2k14 - 14.01.2026

Welcher Kuchenverkauf finanziert denn bitte ein TL?! In der Regel verhindern Kuchenverkäufe dass das Sportfest mit einem Minus endet...


RE: Vereinsidentifikation im Profisport - Reichtathletik - 14.01.2026

(14.01.2026, 10:52)muffman schrieb: Was genau hat Kuchen verkaufen mit einer Identifikation mit dem Verein zu tun? Beispiel: Du kannst es potentiell zu Olympia schaffen. Das ist dein Traum. Leider kann dein aktueller Verein dir nicht ganz das bieten, was du für diesen Schritt benötigen würdest. Deine Trainingsgruppe ist super, Abteilungsleitung super, menschlich usw. passt alles. Aber du müsstest jeden Tag nnach 8h Arbeit noch 1hbis zur nächsten LA-Halle fahren, dein Kraftraum ist das McFit in der nächsten Stadt und dein Heimtrainer kann dich nicht mehr weiterbringen. Ein anderer Verein kann dir das aber alles bieten: Toptrainer, sportliche Infrastruktur, eine nette Trainingsgruppe usw. Was tust du? Natürlich bleibst du bei deinem Heimatverein und gibst aus Loyalität deinen Lebenstraum auf. Mal unabhängig von finanzieller Unterstützung. Ist jetzt natürlich ein leicht überspitztes Beispiel, auch mit Umzug usw.

Du willst es nicht verstehen. Es mehr als die Kombi Dorfverein, 50h als Paketbote und Ehrenamt und Profi mit allen Dingen vor Ort und 8000 Euro netto in unnummerierten Scheinen.

Wo kommen wir den her in der Diskussion? Da ging es um GA und um Athleten auf dem Niveau, vielleicht zur DM. Ein Verein, der Werte vertritt, würde wenn dieser Athlet wo anders besser aufgehoben ist, diesen aktiv weitervermitteln. Oder man macht es wie manch anderer Verein und man klammert oder wirbt sogar mit Geld an, ohne die Athleten weiterbringen zu können. Auch das sind Werte! Nicht nur einander grüßen.
Zu Werten kann es auch gehören, dass man seinen Ausbildungsverein dann verbunden bleibt, dort später vielleicht mal Trainer wird oder zumindest mal vorbei schaut und so für Nachwuchs wirbt.
In solchen Vereinen verkaufen auch mal alle möglichen Kuchen damit der eine sich auf den Sport konzentrieren kann. Der gibt dann aber auch was zurück.
Beispiele: Osnabrück. Nicht umsonst wurden da Nicht-Kader zu WM-Teilnehmern und nicht umsonst gibt es da ständig gute Staffeln. Identifikation!