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Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Druckversion

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RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - gera - 23.09.2019

ich sag es mal vereinfacht,
die LA ist mehr als ein paar Profi-Athleten.
Aber über diese reden wir.
Wenn da einige so unbedarft sind und meinen das Leben geht so weiter wie in der doch schön empfundenen Aktivenzei ( sonst würden sie es doch nicht machen), dann haben sie ein ganz Stück am evtl harten Aufprall selbst Schuld.
Man kann dafür sorgen, dass eine zeitlich gestreckte Ausbildung parallel läuft Und die meisten tun dies ja auch.
Wenn es mal nicht klappt, die Verantwortung dafür auf andere zu schieben, finde ich falsch.
Es gehört auch - unterstützte - Selbstverantwortung dazu.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - MZPTLK - 23.09.2019

(23.09.2019, 11:34)Jo498 schrieb: Es hat keiner behauptet, dass es die ganze Leichtathletik sein soll, aber es geht in dem von Kleinert aufgeworfenen Problem exakt um international konkurrenzfähige Profi-Leichtathletik. Dein Hinweis, dass Amateurleichtathletik auf subnationalem Niveau mit Studium vereinbar ist, ist daher am Thema vorbei.

Wie lautet das Thema?
'In 10 Jahren ist die Leichtathletik tot'
Entweder hat Kleinert die falsche Überschrift gewählt,
und/oder hier sehen die Diskutanten die Leichtathletik ohne Medaillengewinner als nicht überlebensfähig an.
Diese Denke zieht sich auch durch viele andere Threads;
wenn das Allgemeindenke würde, dann wirklich:
Gute Nacht, Leichtathletik!


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - lor-olli - 23.09.2019

Die Leichtathletik hat schon vieles überstanden, sie wird auch die Aera des Postfaktischen überstehen Wink

Tatsache ist aber auch, dass sich der professionelle Sport insgesamt verändert, es wird eben damit nicht nur der Sport selbst vermarktet, es wird ein "Markt" geschaffen in dem es hauptsächlich darum geht weitere Einnahmen zu generieren (Merchandising, Rechteverkauf, Transferkapital u.a.). Hierzu eigenen sich insbesondere Sportarten, in denen die Leistung des einzelnen nicht neutral messbar ist (Tore sind in der Regel nur bedingt real Einzelleistungen…), Ereignisse (ich möchte hier den Begriff Sport in Sinne eines "reinen" Sports nicht gebrauchen) die manipulierbar sind (manipulierbar nicht unbedingt im Ergebnis - Tore sind Tore, aber in der Wahrnehmung und "postfaktischen" Diskussion).

Nichts verkauft sich so gut wie Emotionen, weswegen die Spitzenleichtathletik natürlich ganz gezielt auf Lichtfiguren wie einen Usain Bolt setzt. Hier stimmt die Emotion und die Leistung passt obendrein… Im Tennis etwa sind die Spitzenverdiener nicht unbedingt die Besten ihrer Sportart (Williams ist die Topverdienerin, aber nicht die Nummer 1). In der LA kann man zwar über Ergebnisse diskutieren, die Ergebnisse als solche sprechen aber eine eindeutige Sprache > wenn denn nicht betrogen wird. Ich halte dies auch für einen wichtigen Grund, weshalb vor allem in der nicht LA-affinen Welt so viel das Thema Doping vorangeschoben wird > es gefällt vielen nicht, dass es hier um Leistung geht die erzielt wird und damit nichtdiskutabel feststeht - es ist ihnen einfach zu unemotional (wie gesagt das betrifft Menschen, die sich nicht für die LA interessieren)

Als grundsätzliche Bewegungs und als Basis jeder sportlichen Betätigung, wird die LA sicher immer weiter existieren, ob als Großereignis eines Zirkusgeschehens hängt auch sehr davon ab, ob Olympische Spiele und Weltmeisterschaften in der jetzigen Form überleben. (Kosten, Vergabemanipulationen, Korruption und nicht zuletzt eben auch Doping etc.)


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - aj_runner - 23.09.2019

Das ist doch jetzt Hühnerdreckverleserei. Tot meint in dem Zusammenhang, dass die Relevanz unter eine Schwelle sinkt, wo die LA bedeutungslos wird. Dass die Relevanz dramatisch abgenommen hat und die Entwicklung sich weiter fortsetzt, dürfte auch einem fugtreibenden wirschen Hold nicht verborgen blieben sein. Ob das tatsächlich eintritt, glaube und hoffe ich nicht, der Abwärtstrent wird aber sicherlich weitergehen.
Die paar Studenten mit einer 70-h-Woche werden dann den Kohl sicherlich nicht mehr fett machen. Zum Glück hat bei mir  seiner Zeit auch die halbe Stundenzahl gereicht 
Big Grin ‌.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - MZPTLK - 23.09.2019

(23.09.2019, 15:38)aj_runner schrieb: Das ist doch jetzt Hühnerdreckverleserei. Tot meint in dem Zusammenhang, dass die Relevanz unter eine Schwelle sinkt, wo die LA bedeutungslos wird. Dass die Relevanz dramatisch abgenommen hat und die Entwicklung sich weiter fortsetzt, dürfte auch einem fugtreibenden wirschen Hold nicht verborgen blieben sein. Ob das tatsächlich eintritt, glaube und hoffe ich nicht, der Abwärtstrent wird aber sicherlich weitergehen.
Die paar Studenten mit einer 70-h-Woche werden dann den Kohl sicherlich nicht mehr fett machen. Zum Glück hat bei mir  seiner Zeit auch die halbe Stundenzahl gereicht 
Big Grin ‌.

Wo ist da ein Widerspruch?
Hast offenbar auch meine früheren Posts nicht - richtig - gelesen.

Die 70 Stunden meinte ich mir antun zu wollen, weil
- ich echtes, intrinsisches Interesse am Studium hatte
- ich 3 volle Fächer in Angriff nahm(Ausnahme, 98 % absolvierten nur 2 oder fluktuierten vorher)
- ich bestmöglich bestehen wollte
- nicht jeder so ein Genie sein kann wie du


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - lor-olli - 24.09.2019

Ich kenne Trent in Dorset und auch Trent auf Rügen, außerdem den britischen Fluss Trent, ansonsten trenne ich zwischen Hühnerdrecksverleserei und 70 Stunden Woche… Wink

Eine Abwärtstrend bis under die Schwelle der Bedeutungslosigkeit bemisst sich woran? Die Bedeutung in den ”sozialen Medien“? Eine Sportart ist tot weil ihr die massenmediale Aufmerksamkeit versagt bleibt? Wie ich schon anmerkte besteht die Möglichkeit, dass die LA als Zirkusveranstaltung a lá choreographierte Großveranstaltung so nicht weiter existiert, die LA als Sportart wird aufgrund ihrer Einfachheit (laufen, springen, werfen) überleben.

Die Sportart ist tot weil sich Sportler “nicht davon ernähren können“? Erzähl das mal den modernen Fünfkämpfern (und der Sport ist Teuer!), den Fechtern, den Turnern und vielen andern…

Die Stundenzahl die man sich persönlich zumutet ist höchst individuell (was ist verkraftbar, was ist effektiv?), genau wie die Intensität und die Effektivität des Trainings. Peter Michael Kolbe wurde Medaillengewinner und einer der besten Ruderer der Welt, nachdem er sein Training um 1/3 der Zeit quantitativ geschrumpft hat und statt dessen die Qualität erhöht hat…

Wie schnell jemand lernt und wieviel Energie er in ein Studium steckt, ist auch nicht unerheblich individuell bedingt (Ansprüche, Studienfach, Lern- und Lebensumfeld, sonstige Aktivitäten - es gibt nicht wenige Studenten die sich das “Geld für die Bude“ nebenbei verdienen müssen…)


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - gera - 24.09.2019

da hat lor olli etwas Wichtiges angesprochen.

Vielfach ist es sinnvoll, die Quantität des Trainings zu senken und dafür die Qualität zu erhöhen.
Das bringt mehr Regenerationszeit und mehr Zeit für die berufliche Bildung etwas zu tun.
Intelligente Athleten schaden nie !


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Jo498 - 24.09.2019

Im Kontext ging es hier ganz klar nicht um ein Fortbestehen der LA auf irgendeinem Niveau. Denn ggü. Modernem Fünfkampf ist offensichtlich noch sehr viel Luft beim Abstieg in der öffentlichen Relevanz.
Es sei auch unumstritten, dass Ausnahmetalente wie Bannister und MZPTLK ihre Leistungen mit Amateureinsatz erreichen können.
Nur ist eben 60 Jahre später eine Vier-Minuten-Meile international nicht mehr viel wert.

Für mich ist der Befund klar, dass Profis normalerweise besser sind als Semi-Profis und dass in der LA die Konkurrenz so stark ist, dass mit wenigen Ausnahmen nur Profis international mithalten können. Wenn einem das egal ist, kann man das Thema ignorieren bzw. geht es dann um Breiten- und Amateursportförderung. Ist gut und wichtig, aber ein anderes Thema. Dann ist aber eh klar, dass der Sport nicht im Vordergrund steht und das Problem der Vereinbarkeit mit einer Ausbildung stellt sich erst gar nicht in der Weise, denn natürlich geht dann letztere vor.

D.h. DLV, DOSB usw. stehen vor der Entscheidung, ob sie in der LA international weiter mithalten können wollen und dafür nicht nur darauf hoffen wollen, dass einige wenige Supertalente vielleicht auch als Semi-Profis reüssieren können. Oder wie sie die Bedingungen schaffen, dass die aussichtsreichsten Talente zumindest einige Jahre sich voll dem Sport widmen können, ohne unkalkulierbare Lebensrisiken einzugehen, weil keine ordentliche Ausbildung absolviert wurde.

Das schlagende Beispiel für mich ist Gesa Krause. Es gibt in Deutschland fast jedes Jahr einige 16-17jährige, die über 800/1500 oder 1500/3000m ähnlich gut oder besser sind als sie war. Aber fast niemand schaffte so einen glatten Übergang zu den Aktiven und so einen Erfolg. Natürlich kenne ich oft nicht die Details der Karrieren. Aber ich bin mir relativ sicher, dass jemand wie Hanna Klein, fast gleich alt und rein läuferisch eher besser als Krause, mit einer vergleichbaren Professionalisierung ab 20 bessere und stabilere Ergebnisse erzielt hätte.
Oder Ringer vs. Wanders, Gabius nach seiner stärkeren Professionalisierung, die Ingebrigtsens usw. es gibt viele Beispiele dafür, dass ein stärkerer Fokus die entscheidenden Verbesserungen gebracht hat. Wie oben schon jemand schrieb, weiß man natürlich nie genau, was gewesen wäre, wenn das überhaupt nie versucht wurde, vielleicht wären manche als Profis auch nicht besser gewesen.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - MZPTLK - 24.09.2019

Jo, sehr gut!
Um Fehleinschätzungen vorzubeugen:
ich war nicht talentiert genug, um mit einem 14-Stunden-Training pro Woche in die nationale Spitzengruppe
kommen zu können, dies wäre auch mit 25 Stunden oder mehr (wie es damals 'üblich' war) nicht erreichbar gewesen,
auch weil damals gedopt wurde, was die Leber hergab.

Ich habe die Leichtathletik aus Bock gemacht,
sicherlich auch aus Ehrgeiz, als Kompensation, aus Erfahrungshunger, um Leistungsgrenzen auszuloten, usw.
Die Motivpräferenzen änder(t)en sich mit der Zeit.

Was oft vergessen oder unterschätzt wird:
Die Spitzenleichtathletik braucht einen Unterbau, eine Quantität, eine Leistungsbreite.
Das erbringt einen grösseren Talentpool, weniger Dropouts, mehr Multiplikatoren,
mehr gualifizierte Trainer, Funktionäre, Kampfrichter, motivierte Eltern,
weniger dichtgemachte oder umfunktionierte LA-Anlagen, usw.
Und damit auch wieder mehr Medienpräsenz!

Es sollten viel mehr Leute auch nach den Jugendklassen weiterhin Leichtathletik-motiviert sein,
am besten bis ins hohe Seniorenalter.
Life-long Lifestyle Leichtathletik!
 



RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - frontrunner800 - 24.09.2019

(24.09.2019, 10:09)MZPTLK schrieb: Jo, sehr gut!
Um Fehleinschätzungen vorzubeugen:
ich war nicht talentiert genug, um mit einem 14-Stunden-Training pro Woche in die nationale Spitzengruppe
kommen zu können, dies wäre auch mit 25 Stunden oder mehr (wie es damals 'üblich' war) nicht erreichbar gewesen,
auch weil damals gedopt wurde, was die Leber hergab.

Ich habe die Leichtathletik aus Bock gemacht,
sicherlich auch aus Ehrgeiz, als Kompensation, aus Erfahrungshunger, um Leistungsgrenzen auszuloten, usw.
Die Motivpräferenzen änder(t)en sich mit der Zeit.

Was oft vergessen oder unterschätzt wird:
Die Spitzenleichtathletik braucht einen Unterbau, eine Quantität, eine Leistungsbreite.
Das erbringt einen grösseren Talentpool, weniger Dropouts, mehr Multiplikatoren,
mehr gualifizierte Trainer, Funktionäre, Kampfrichter, motivierte Eltern,
weniger dichtgemachte oder umfunktionierte LA-Anlagen, usw.
Und damit auch wieder mehr Medienpräsenz!

Es sollten viel mehr Leute auch nach den Jugendklassen weiterhin Leichtathletik-motiviert sein,
am besten bis ins hohe Seniorenalter.
Life-long Lifestyle Leichtathletik!
 

Bravo! Wunderbar geschrieben, dieser Beitrag hat allererste Güte.