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Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Druckversion

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RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Jo498 - 06.10.2017

Ich glaube zwar, dass Klosterhalfen koordinativ besser drauf ist, als man erwarten könnte (angesichts der Sportarten, die sie als Kind und angeblich noch recht lange betrieben hat, wobei ich mir Handball kaum vorstellen kann, hierzulande sind Handballerinnen eher vom Typ Kenzel), aber ich sehe auch nicht, dass sie offensichtlich gut über Hindernisse sein müsste.
Die Rhythmuswechsel würden sie vermutlich nicht so stören (obwohl sie meinem Eindruck nach im Cross auf den "bahnähnlicheren" Strecken am besten war), aber die Größe und Schrittlänge ist nicht nur ein Vorteil, weil sie dadurch bei schlechter Technik (und man müsste wohl erst einmal mittelmäßige Technik voraussetzen) eher noch mehr ins Dribbeln gerät und verliert. Und die Verletzungswahrscheinlichkeit ist höher.

In dem englischen Eurosport-Kommentar zu den 3000m in Birmingham werden mehrere Läuferinnen erwähnt, die wieder zurück zur Flachstrecke gewechselt sind, einmal wegen der Verletzungen und weil sie letztlich auch nicht besser dort waren. Wenn Klosterhalfen "einigermaßen" über die Hindernisse kommt, läuft sie vielleicht 9:05-9:10, also da, wo Krause auch hinwill und hoffentlich nächste Saison kommt. Wenn sie ziemlich gut über die Hindernisse käme, dann könnte sie unter 9 und in Richtung WR laufen, aber wir wissen einfach nicht, ob sie in kurzer Zeit "ziemlich gut" über die Hindernisse käme. (Es ist ja nicht so, als ob KK die einzige sub 8:30-Läuferin wäre, aber die anderen in der Liga schnappen sich auch nicht "mal kurz" den Hindernis-WR) Wenn sie schlecht über die Hindernisse kommt, ist sie langsamer als Krause heute.
(Und ich vermute, dass fast jeder, der Hindernis mal als Jugendlicher versucht hat, weiß, wie ätzend das sein kann, wenn man es "mal einfach so" versucht... auch ohne (Beinahe)stürze oder Vollbäder)

Es besteht ja auch überhaupt keine Notwendigkeit dazu. Erst einmal sollte man doch jedenfalls sehen, was noch über ihre bisherigen Strecken (die immerhin auch von 1500 oder gar 800 bis 10000 reichen) drin ist, bevor man solche Experimente angeht. Wenn man etwas überlegt, fallen einem eine ganze Reihe deutscher Athleten ein, denen man eher nahelegen würde, mal eine Nebendisziplin zu probieren als dem größten Mittel/Langstreckentalent seit Menschengedenken.
Der Druck muss doch genau andersrum sein: Weil Klosterhalfen und Reh, wenn sie gesund bleiben, von 5000 bis HM einige Jahre lang dominieren könnten, müssen andere, läuferisch schwächere evtl. überlegen, auf die Hindernisse zu gehen (wobei Krause eben auch erst 25 ist und noch ein paar Jahre laufen kann.

Außerdem sind die Tage gezählt, in denen Hindernis Frauen eine sehr viel schwächere Disziplin ist, wie es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Klar, es wird, wie auch die Langhürden immer ein klein wenig schwächer besetzt sein als die vergleichbaren Flachstrecken, aber nicht mehr so, dass es eine wohfeile Option mehr für läuferisch schwächere sein wird, sondern eben für die, denen die Besonderheiten der Disziplin liegen.

Von der Nationalmannschaft ausgehend, sähe ich auch eher die Notwendigkeit, mehr Männer auf die Strecke zu ziehen (in der D in der Vergangenheit immer mal wieder europäische Spitze war, aber schon länger nicht mehr). Zwar ist hinter Krause der qualitative Sprung immer noch deutlich, aber es kommen eine ganze Reihe junger Läuferinnen nach, die sich noch verbessern könnten. Die "Löcher", auch in den Läufen, liegen anderswo bzw. ist das Problem der Abstand zwischen wenigen Athleten, die Weltklasseanschluss haben, und dem Rest.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - aj_runner - 06.10.2017

(06.10.2017, 07:00)ingo schrieb: Ich kenne mich nicht so gut aus, aber gibt es in Deutschland Fälle, bei denen ein Wechsel zu den Hindernissen im Erwachsenen Bereich geklappt hat? Ausgenommen mal die Anfangsphase bei den Frauen bis 2008.

Antje Möldner


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - aj_runner - 06.10.2017

(06.10.2017, 05:49)dominikk85 schrieb: Sie könnte ja auch mal die Hindernisse probierenSmile.

Das würde ja nicht bedeuten, dass sie die 1500 aufgeben muss, der Franzose MB war ja auch EM in beiden Disziplinen, es ist also möglich beides zu machen.

Dazu hat sie in einem Interview schon Stellung bezogen. Die Verletzungsgefahr ist zu groß, deshalb lassen sie das Experiment bleiben.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - beity - 06.10.2017

Ob jetzt Klosterhalfen Hindernisse laufen kann?
Kann sie fast unbeobachtet mal ausprobieren.
Mittags in Leverkusen auf die Bahn gehen.
Trainer stellt fix 5 Hürden (nicht die Hindernisse!) auf die Hindernismarkierungen, anstelle des Wassergraben eben eine Hürde.
Vorher eingelaufen, dann 2000Meter und konstant versuchen 72' Runden zu laufen. Wenn das annähernd unfallfrei funktioniert und das ganze mehr aussieht wie überlaufen und nicht wie Hocksprung mit 78 Meter Anlauf, ja dann kann man mal auch über Wassergraben und überhaupt nachdenken.
Die Aktion wie von mir beschrieben dauert gerade mal inklusive Auf-und Abbau 20 Minuten. Aber sollte das funktionieren dann aber nur im WK probieren wenn sie auf Anhieb die 9 Minuten angeht.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - alex72 - 07.10.2017

(06.10.2017, 09:23)aj_runner schrieb:
(06.10.2017, 05:49)dominikk85 schrieb: Sie könnte ja auch mal die Hindernisse probierenSmile.

Das würde ja nicht bedeuten, dass sie die 1500 aufgeben muss, der Franzose MB war ja auch EM in beiden Disziplinen, es ist also möglich beides zu machen.

Dazu hat sie in einem Interview schon Stellung bezogen. Die Verletzungsgefahr ist zu groß, deshalb lassen sie das Experiment bleiben.

Würde mich sehr wundern wenn die Verletzungsrate bei Hindernisläufern höher wäre als bei mittelsrecklern wäre. Das ist kein Argument gegen Hindernisse


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Drizzt - 07.10.2017

Nun,für KK und ihren Trainer scheint es schon ein Argument zu sein. Wink


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Jo498 - 07.10.2017

Vielleicht nicht die Verletzungsrate bei etablierten Hindernisläufern. Aber bei der Umstellung bzw. wenn man es "einfach so" mal versucht, kann man schon mal blöd stürzen. Wobei beity natürlich recht hat, dass man es in der beschriebenen Weise relativ gefahrlos testen kann.

Aber der Hauptpunkt ist doch, dass, wenn jemand nicht eine besondere Neigung zum Hindernislauf verspürt, man dahin wechselt, weil man sich bessere Chancen ausrechnet (bzw. recht wenig Aussichten auf der Flachstrecke hat). Bevor man Klosterhalfen fragt, warum sie nicht auch Hindernis laufen will, müsste man viele andere DLV-Läufer/innnen zwischen 1500 und 10000 der letzten 15 Jahre fragen, warum sie nicht auf Hindernis wechseln.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Atanvarno - 07.10.2017

(07.10.2017, 14:18)alex72 schrieb: Würde mich sehr wundern wenn die Verletzungsrate bei Hindernisläufern höher wäre als bei mittelsrecklern wäre. Das ist kein Argument gegen Hindernisse

Das vielleicht nicht, aber aus dem oben verlinkten Beitrag von George Malley

Zitat:Mistakes in the steeplechase are brutal and bloody.

Die Hürde bei dem von beity oben vorgeschlagenen Test gibt nach, wenn man mit dem Knie hängenbleibt, der Hindernisbalken nicht.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - Jo498 - 07.10.2017

Die Hindernisse sind furchteinflößend. Ich bin als Jugendlicher zweimal (einmal 1500, einmal 2000) mehr schlecht als recht Hindernisse gelaufen; an Details, etwa wie genau ich vorher mit Hürden trainiert habe, erinnere ich mich nicht mehr. (Ich war kein guter Hürdenläufer und bin nie im Wettkampf als Schüler Hürden gelaufen.)
Meiner vagen Erinnerung nach bin ich aus Angst/zur Sicherheit auf viele Hindernisse draufgetreten (was man eigentlich nur beim Wassergraben macht). Im Graben bin ich zwar nicht baden gegangen wie Sussmann, aber auch mehrmals suboptimal und zu tief reingekommen. Du bist sofort klatschnass, was die Stimmung auch nicht hebt. Sicher ist das auch eine Typfrage und man kann sich bestimmt besser darauf vorbereiten als ich damals.
Aber ich rate jedem, der meint, dass man das locker mal probieren sollte, es eben zu probieren. Vorher Versicherungslage checken...  Teufel Das könnte zu einer Meinungsänderung und mehr Respekt vor der Disziplin führen. Es ist jedenfalls nochmal was ganz anderes als Crosslauf mit Matsch und ein paar Strohballen zum Drüberhüpfen.
Bei der U20 EMin Grosseto ist sowohl im Männer- wie im Frauenfinale einer gestürzt und blieb erst einmal liegen...

Ich finde absolut nachvollziehbar, dass man sich das nicht antun will, wenn man genügend andere Strecken hat, die einem liegen und auf denen man Erfolg hat.


RE: Klosterhalfen in London - falsche Taktik oder fehlende Form? - beity - 07.10.2017

Es wurde die Frage aufgeworfen, ob Hindernislauf wirklich verletzungsanfälliger ist als Mittelstreckenlauf. Kenne jetzt dazu keine Studie, aber
​auf nationaler Ebene kenne ich einige, die mit Mitte/Ende zwanzig sich von den Hindernisssen verabschiedet hatten und dann auf 5000 Meter oder länger gingen ohne jetzt die ganz große Chance vergleichbares zu erreichen ( Waldemar Cierpinski mal als Ausnahme)
​Mir im Sinn kommt auch ein Österreicher, immerhin 8.10 (!) über die Hindernisse, der nach folgendem Erlebnis es dann doch eher auf flach versuchte und mit gewissen Erfolg.
​Für die, die nicht zu zart besaitet sind:

https://www.youtube.com/watch?v=g_s6ahuPCwQ