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Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - Druckversion

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RE: Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - lor-olli - 22.07.2026

Das generelle Problem im Radsport ist, dass gerade bei einer großen Tour, die Belastung für den Körper -medizinisch gesehen - diesen massiv überfordert. Die verbrauchte Menge an Kalorien ist durch eine normale Nahrungsaufnahme nicht zu kompensieren, der früher oft genutzte nächtliche Tropf nicht mehr erlaubt, also wird Raubbau als Prinzip betrieben. Bei dieser Gratwanderung kommt es schnell zu Kipppunkten, wenn auch nur eine Kleinigkeit aus dem Rahmen fällt: Magenverstimmung, Schlafstörung, leichter Infekt (auch wenn mit erlaubter Medikation gedämpft).

Das Risiko ist also unter diesen Umständen schon hoch, wenn sich dazu noch die gestiegene Geschwindigkeit (>50 km/h Schnitt über mehrere Stunden), riskante Abfahrten (so das teilweise die Motorradkameras nicht folgen können), Straßenschäden, (bescheuerte) Zuschauer dazugesellen, sind gefährliche Unfälle vorprogrammiert.

Das Doping in vielen Sportarten zur Pest wurde, ist bekannt, dass Sport, bei dem es um eine Menge Geld geht, zum Betrug reizt ebenfalls erklärlich (menschlich). Die Tour als das höchste erstrebenswerte Ziel lässt dann einige zu unsportlichen Mittel greifen und das wird sich nicht wesentlich ändern.

Kommt man dem Ziel eines sauberen Sports mit nächtlichen Tests näher? Ich fürchte nur unwesentlich, man wird einige wenige erwischen, aber es bleibt "das Hase und Igel Rennen" zwischen Dopingjägern und Dopingbetrügern. Trotzdem möchte ich die nächtlichen Tests nicht gänzlich abschreiben, ein Warnschuss, dass es auch die ganz großen Namen erwischen kann, wird vielleicht andere ein wenig mehr abschrecken - wirkt schon fast ein wenig verzweifelt …

Jeder der mal vor einem wichtigen Wettkampf nicht schlafen konnte, weiß wie sehr dies die Leistung beeinträchtigen kann, die Situation ist irgendwie festgefahren, vielleicht helfen wirklich nur bessere, neue Testmethoden. Die Zeiten (Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre) als ich Zehnkampf betrieben habe, wo nahezu ungehindert drauflos gedopt wurde, wünsche ich mir aber auf keinen Fall zurück. Ich habe zum Glück davon abgesehen - für die Spitze hätte es auch mit "Nachhelfen" nicht gereicht und ich habe auch einige heftige Nebenwirkungen bei einigen Konkurrenten gesehen (bis zur Sportinvalidität).


RE: Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - CoachnEngineer - 22.07.2026

(22.07.2026, 17:09)Freaky schrieb: Die Diskussion rund um die nächstlichen Tests scheint schon auch innerhalb der Teams und Fahrer weiter zu gehen. Dabei gar nicht mal unbedingt in Form von Kritik an den Tests als solchen, sondern eben vor allem um den Punkt, dass man da ganz schnell bei massiver Wettbewerbsverzerrung ist. Gibt jetzt nämlich offenbar immer mehr Kritik daran, dass eben einzelne Fahrer in der Top 10 mitten in der Nacht gestört werden und andere nicht, die ja damit einen offensichtlichen Vorteil haben in Bezug auf die Erholung.

Ganz nebenbei, auch wenn nicht so wirklich nachweisbar ist, dass es einen Zusammenhang gibt, hilft es in der Diskussion natürlich nicht, wenn ein Vingegaard mitten in der Nacht kontrolliert wird und auf der folgenden Etappe stürtzt und am nächsten Tag Lipowitz stürtzt und auch am Vortag, zwar nicht mitten in der Nacht, aber spät abends kontrolliert wurde

und wir sind halt hier auch wieder bei dem Punkt der möglichen Willkür der Kontrolleure bzw. der kontrollierenden Organisation. Wie heute während der TV Berichterstattung behauptet wurde, sind vermutlich noch keine französischen Mannschaften bislang nächtlichen Kontrollen unterzogen worden. Kann natürlich reiner Zufall sein. Aber diese Verantwortung der Chancengleichheit müssen die Kontrollorganisationen dann tatsächlich übernehmen und transparent mitteilen, wie sie ausgewählt haben. Ansonsten stehen sie halt, egal ob berechtigt oder nicht, schnell unter Verdacht der bewussten Einflussnahme auf den Wettbewerb. Ich hoffe einfach, dass diese Massnahme erstmal eine außerordentliche Aktion war, um einen Schritt weit mehr Klarheit über den möglichen Einsatz von Präparaten/Methoden mit Kurzzeitwirkung zu bekommen. Standard sollte das mE so nicht werden, zumal es so eigentlich von den Regeln der UCI nicht zweifelsfrei gedeckt ist.


RE: Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - Notalp - 23.07.2026

(22.07.2026, 20:08)CoachnEngineer schrieb:
(22.07.2026, 17:09)Freaky schrieb: Die Diskussion rund um die nächstlichen Tests scheint schon auch innerhalb der Teams und Fahrer weiter zu gehen. Dabei gar nicht mal unbedingt in Form von Kritik an den Tests als solchen, sondern eben vor allem um den Punkt, dass man da ganz schnell bei massiver Wettbewerbsverzerrung ist. Gibt jetzt nämlich offenbar immer mehr Kritik daran, dass eben einzelne Fahrer in der Top 10 mitten in der Nacht gestört werden und andere nicht, die ja damit einen offensichtlichen Vorteil haben in Bezug auf die Erholung.

Ganz nebenbei, auch wenn nicht so wirklich nachweisbar ist, dass es einen Zusammenhang gibt, hilft es in der Diskussion natürlich nicht, wenn ein Vingegaard mitten in der Nacht kontrolliert wird und auf der folgenden Etappe stürtzt und am nächsten Tag Lipowitz stürtzt und auch am Vortag, zwar nicht mitten in der Nacht, aber spät abends kontrolliert wurde

und wir sind halt hier auch wieder bei dem Punkt der möglichen Willkür der Kontrolleure bzw. der kontrollierenden Organisation. Wie heute während der TV Berichterstattung behauptet wurde, sind vermutlich noch keine französischen Mannschaften bislang nächtlichen Kontrollen unterzogen worden. Kann natürlich reiner Zufall sein. Aber diese Verantwortung der Chancengleichheit müssen die Kontrollorganisationen dann tatsächlich übernehmen und transparent mitteilen, wie sie ausgewählt haben. Ansonsten stehen sie halt, egal ob berechtigt oder nicht, schnell unter Verdacht der bewussten Einflussnahme auf den Wettbewerb. Ich hoffe einfach, dass diese Massnahme erstmal eine außerordentliche Aktion war, um einen Schritt weit mehr Klarheit über den möglichen Einsatz von Präparaten/Methoden mit Kurzzeitwirkung zu bekommen. Standard sollte das mE so nicht werden, zumal es so eigentlich von den Regeln der UCI nicht zweifelsfrei gedeckt ist.

Meines Wissens ist die Tour noch nicht zu Ende. Kontrollgerechtigkeit kann man also erst nach den 3 Wochen geltend machen. (In der letzten Woche haben die Fahrer ohnehin oft Schlafprobleme) Die Ungebührlichkeit von nächtlichen Kontrollen ins Spiel zu bringen und dann auch noch mögliche Willkür geltend zu machen, kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen. Tests dieser Art sind bei Akteuren oder Mannschaften meines Wissens einmalig. 

Und was den Verweis des Führenden auf die Stürze betrifft, so ist ihm wohl der Umstand entgangen, dass die Häufigkeit in den letzten Jahren ständig zunimmt. Unverkennbar bei den Klassikern genauso wie bei den Rundfahrten. (Aber davon kriegt der Überflieger bei 60km langen Solofahrten, bei denen die Verfolger trotz belgischer Reihe ständig abfaulen, natürlich nicht viel mit) Beim diesjährigen Giro gab es, glaube ich, gefühlt mehr Stürze als gefahrene Kilometer. Es wird schlichtweg mit immer mehr Risiko gefahren, selbst beim Zeitfahren. 

Also lasst den Radsport doch besser, wo er ist. Vergleiche dieser Art sind zum Hinken verurteilt.


RE: Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - Atanvarno - 23.07.2026

(23.07.2026, 08:48)Notalp schrieb: Und was den Verweis des Führenden auf die Stürze betrifft, so ist ihm wohl der Umstand entgangen, dass die Häufigkeit in den letzten Jahren ständig zunimmt. Unverkennbar bei den Klassikern genauso wie bei den Rundfahrten. (Aber davon kriegt der Überflieger bei 60km langen Solofahrten, bei denen die Verfolger trotz belgischer Reihe ständig abfaulen, natürlich nicht viel mit) Beim diesjährigen Giro gab es, glaube ich, gefühlt mehr Stürze als gefahrene Kilometer. Es wird schlichtweg mit immer mehr Risiko gefahren, selbst beim Zeitfahren. 

Also lasst den Radsport doch besser, wo er ist. Vergleiche dieser Art sind zum Hinken verurteilt.

Beides kann wahr sein. Stürze haben allgemein zugenommen, aber Vingegaards Sturz kann auf eine schlafmangelbedingte Unkonzentriertheit zurückzuführen sein.


RE: Nächtliche Dopingtests - Zumutung oder Notwendigkeit? - Notalp - 23.07.2026

Du kannst auch nach diesem Statement Recht haben. Aber die Wahrheit liebt manchmal auch die Wahrscheinlichkeit. Oder den Schluss auf eine Erklärung, die weniger komplex bzw. mit weniger Unsicherheitsfaktoren ausgestattet ist    Wink

https://www.sport.de/news/ne17000971/tour-de-france--massiver-fahrfehler-neue-vorwuerfe-nach-vingegaard-sturz/