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Grundlagentraining verbessern - Druckversion

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RE: Grundlagentraining verbessern - Rolli - 12.09.2023

(12.09.2023, 13:41)Drizzt schrieb:
(12.09.2023, 08:00)Reichtathletik schrieb: Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.
Du kommst bestimmt aus einem Großverein, oder?  Wink

... +1
Somit wären 50% der Vereine schon mal erledigt.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 14:09)Jakob94 schrieb:
(12.09.2023, 09:25)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2023, 08:52)Jakob94 schrieb: Bei uns im Kreis haben wir folgende Situation: Kinderleichtathletik bis in die U12 wird in einer Handvoll Vereinen betrieben, bei den Wettkämpfen sind regelmäßig ca. 10 Mannschaften je Altersklasse am Start.
Ab der U14 werden Kreismeisterschaften nicht mal mehr angeboten, weil es nur noch ein Bruchteil der Kinder aus der KiLa weitermacht.
In meinen Augen liegt das auch daran, dass viele TrainerInnen schlicht nicht die Zeit haben, den Ansprüchen, die die Leichtathletik an sie stellt, gerecht zu werden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es dann besser so ist, als wenn die mit begrenztem Wissen eine U16 trainieren. Man könnte aber auch umgekehrt argumentieren, dass diese Kinder der Leichtathletik für immer verloren sind und da doch ein Basic-Training, hinter dem kein großes Konzept steckt und das keine Spitzenleistungen produziert, die bessere Option wäre. Vielleicht ergibt sich daraus auch der Weg in andere leistungsstärkere Gruppen mit besser ausgebildeten Trainern.
Ich höre sowas öfter, allein mir fehlt der Glaube. Nicht der Glaube daran, dass Leute das wirklich (für sich) glauben (sehr viel Glaube gerade), sondern daran, dass es tatsächlich zutrifft. Die "Ansprüche" sind ja nicht primär zeitlicher Natur, sondern fachlicher Natur. Eine U16 trainiert je nach Anspruch 2-5x die Wiche würde ich mal behaupten. Was ich nicht unbedingt als ein Problem identifiziere und auch selten höre ist es, die Anzahl der Trainingstage zu gewährleisten (es sei denn, es mangelt an Sportstätten, was noch einmal ein anderes Thema ist), sondern die Qualität der einzelnen Trainingstage. Der zeitliche Mehraufwand dafür, sich zu überlegen, welche Inhalte ich sinnvoll im Jahresverlauf mache und insbesondere, was ich vermitteln muss, um in der U18 und U20 die entsprechenden Grundlagen (deshalb heißt es ja Grundlagentraining) zu haben, ist doch überschaubar. Es ist doch auch normal, dass wenn ich merke Athlet XY hat z.B. Schwierigkeiten mit dem Startblock, dass mich der Gedanke "wie kann ich ihm helfen" ohnehin weiter nach Hause begleitet und nicht am Sportplatz auf einmal verfliegt. 
Rahmentrainingspläne muss man ja auch nicht jedes Jahr neu erfinden, das ist ja das schöne an Rahmentrainingsplänen. Sie sind dann sogar eine Zeitersparnis, weil ich beim Planen des Trainings nicht jedes Mal von Null anfangen muss. Insofern ist z.B. das Lesen des RTP Grundlagentraining und/oder die C-Trainer-Ausbildung und gelegentliche Fortbildungen womöglich mittelfristig eher eine Zeitersparnis für die Trainer. Gleiches gilt dafür, einmal im Monat leichtathletiktraining zu lesen. Da haben Trainer dann oft sogar direkt eine fertig ausgearbeitete Stunde pro Heft drin im GLT und können noch was zu den Notwendigkeiten für Erwachsene lesen.

Wenn du beschreibst, dass ihr im Verein Schwierigkeiten habt, qualifizierte Coaches für U16 oder U14 zu finden, warum kommt ihr denen nicht entgegen? Warum verfasst ihr nicht gemeinsam Rahmentrainingspläne für den verein, haltet fest, was in U14, U16, etc vermittelt werden muss. Woran erkenne ich ein Lauf- ein Sprung- ein Wurf-Talent und welche Konsequenzen hat das für das Training mit ihm, sprich, was muss er dann zusätzlich zum allegmeinen "lernen"? So einen Überblick könnt ihr dann neuen Trainern stets (ggf mit Literaturtipps für mehr Infos) an die Hand geben und dann ist ihnen vielleicht auch schon sehr geholfen – und vor allen auch den Kids.

Klar, in der Bubble derer, die Leichtathletik leben, ist das alles selbstverständlich und kein Ding. Und wenn ich das Ganze nicht ehrenamtlich sondern Vollzeit  machen würde, wäre das sicherlich das Erste, was ich machen würde. Das ist aber leider nicht der Fall - wie wahrscheinlich im Bereich U14/U16 in 95% der Fälle. 
Und da müssen wir uns doch fragen, wie wir es schaffen können, dass der Drop-Out geringer wird und erstmal die Gesamtmasse an AthletInnen größer. Natürlich ist ein RTP ein gutes Hilfsmittel und natürlich wäre es wünschenswert, wenn der von Jeder und Jedem genutzt würde. 
Aber - und das ist mein wesentlicher Punkt - am Ende lieber ein Training mit gewissen Qualitätseinbußen als gar kein Training. Für die vielen Kids, die vor allem aus Spaß an der Bewegung da sind, ist es egal (solange kein völliger Blödsinn gemacht wird  und die sich verletzen) und für die Kids, die vielleicht das Potenzial haben, mal eine DM-Quali zu erreichen, ist es allemal besser als nichts und vielleicht ein Sprungbrett zu einem anderen Verein, in dem professioneller gearbeitet wird.

Ich würde mal die Gegenthese in den Raum werfen, dass Trainer mit Wissen des RTP die Drop-out-Quote deutlich senken würden. Und ich verstehe nachwievor das problem nicht. Der RTP Grundlagentraining hat grob 350 Seiten - überwiegend übrigens recht groß gedruckt. Wie kann man keine Zeit haben den mal an 2-3 Wochenenden zu lesen? Also ganz ehrlich, wer die Zeit nicht hat, der kann nicht ernsthaft Zeit haben, mehrfach die Woche unqualifiziertes Training zu geben.


RE: Grundlagentraining verbessern - Diak - 12.09.2023

vielleicht kehren wir mal zur Grundfrage zurück... was ihr gerade diskutiert, ist relativ müßig. Ja, wir sind dankbar für jeden, der engagiertes Training anbietet und auch ja, es wäre schön, wenn es mehr qualifiziertes Grundlagentraining gäbe. Wir können da sicher alle immer wieder aufeinander zugehen. Wenn ich an meine eigene Nase fasse, dann stelle ich fest, dass ich häufiger über schlechtes Training lästere, als den Mut aufzubringen, auf die entsprechenden Kolleg:innen zuzugehen und zu erklären, warum ihr Motiv sicher sehr lauter, die Realisierung aber gelegentlich großer Quatsch ist. Ehemalige Athletin von mir (Ärztin) "Das ist doch Körperverletzung, was der da macht, ich geh da jetzt rüber." wird sind beide nicht gegangen...

Zur Grundfrage treibt mich um, ob wir den Umfang im Grundlagentraining steigern müssten, um die mangelnde Bewegungserfahrung auszugleichen. Ich habe keine Belege, glaube aber, dass Talente sich besonders oft verletzen, weil ihre Körper im Verhältnis zu früher nicht genug Bewegungserfahrung haben und auch eine unzureichende Belastungsanpassung. Wir sind früher als kleine Jungs von Dächern gesprungen, auf die wir illegal geklettert waren. Das würde ich so nicht in die Neufassung des RTP schreiben, aber vielleicht war das für irgendwas gut... Wir machen hier zumindest gerade im Grundlagentraining mehr (dosierte) Einheiten, als ich früher habe machen lassen, und mir scheint das gut.


RE: Grundlagentraining verbessern - Rolli - 12.09.2023

(12.09.2023, 14:21)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2023, 14:09)Jakob94 schrieb:
(12.09.2023, 09:25)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2023, 08:52)Jakob94 schrieb: Bei uns im Kreis haben wir folgende Situation: Kinderleichtathletik bis in die U12 wird in einer Handvoll Vereinen betrieben, bei den Wettkämpfen sind regelmäßig ca. 10 Mannschaften je Altersklasse am Start.
Ab der U14 werden Kreismeisterschaften nicht mal mehr angeboten, weil es nur noch ein Bruchteil der Kinder aus der KiLa weitermacht.
In meinen Augen liegt das auch daran, dass viele TrainerInnen schlicht nicht die Zeit haben, den Ansprüchen, die die Leichtathletik an sie stellt, gerecht zu werden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es dann besser so ist, als wenn die mit begrenztem Wissen eine U16 trainieren. Man könnte aber auch umgekehrt argumentieren, dass diese Kinder der Leichtathletik für immer verloren sind und da doch ein Basic-Training, hinter dem kein großes Konzept steckt und das keine Spitzenleistungen produziert, die bessere Option wäre. Vielleicht ergibt sich daraus auch der Weg in andere leistungsstärkere Gruppen mit besser ausgebildeten Trainern.
Ich höre sowas öfter, allein mir fehlt der Glaube. Nicht der Glaube daran, dass Leute das wirklich (für sich) glauben (sehr viel Glaube gerade), sondern daran, dass es tatsächlich zutrifft. Die "Ansprüche" sind ja nicht primär zeitlicher Natur, sondern fachlicher Natur. Eine U16 trainiert je nach Anspruch 2-5x die Wiche würde ich mal behaupten. Was ich nicht unbedingt als ein Problem identifiziere und auch selten höre ist es, die Anzahl der Trainingstage zu gewährleisten (es sei denn, es mangelt an Sportstätten, was noch einmal ein anderes Thema ist), sondern die Qualität der einzelnen Trainingstage. Der zeitliche Mehraufwand dafür, sich zu überlegen, welche Inhalte ich sinnvoll im Jahresverlauf mache und insbesondere, was ich vermitteln muss, um in der U18 und U20 die entsprechenden Grundlagen (deshalb heißt es ja Grundlagentraining) zu haben, ist doch überschaubar. Es ist doch auch normal, dass wenn ich merke Athlet XY hat z.B. Schwierigkeiten mit dem Startblock, dass mich der Gedanke "wie kann ich ihm helfen" ohnehin weiter nach Hause begleitet und nicht am Sportplatz auf einmal verfliegt. 
Rahmentrainingspläne muss man ja auch nicht jedes Jahr neu erfinden, das ist ja das schöne an Rahmentrainingsplänen. Sie sind dann sogar eine Zeitersparnis, weil ich beim Planen des Trainings nicht jedes Mal von Null anfangen muss. Insofern ist z.B. das Lesen des RTP Grundlagentraining und/oder die C-Trainer-Ausbildung und gelegentliche Fortbildungen womöglich mittelfristig eher eine Zeitersparnis für die Trainer. Gleiches gilt dafür, einmal im Monat leichtathletiktraining zu lesen. Da haben Trainer dann oft sogar direkt eine fertig ausgearbeitete Stunde pro Heft drin im GLT und können noch was zu den Notwendigkeiten für Erwachsene lesen.

Wenn du beschreibst, dass ihr im Verein Schwierigkeiten habt, qualifizierte Coaches für U16 oder U14 zu finden, warum kommt ihr denen nicht entgegen? Warum verfasst ihr nicht gemeinsam Rahmentrainingspläne für den verein, haltet fest, was in U14, U16, etc vermittelt werden muss. Woran erkenne ich ein Lauf- ein Sprung- ein Wurf-Talent und welche Konsequenzen hat das für das Training mit ihm, sprich, was muss er dann zusätzlich zum allegmeinen "lernen"? So einen Überblick könnt ihr dann neuen Trainern stets (ggf mit Literaturtipps für mehr Infos) an die Hand geben und dann ist ihnen vielleicht auch schon sehr geholfen – und vor allen auch den Kids.

Klar, in der Bubble derer, die Leichtathletik leben, ist das alles selbstverständlich und kein Ding. Und wenn ich das Ganze nicht ehrenamtlich sondern Vollzeit  machen würde, wäre das sicherlich das Erste, was ich machen würde. Das ist aber leider nicht der Fall - wie wahrscheinlich im Bereich U14/U16 in 95% der Fälle. 
Und da müssen wir uns doch fragen, wie wir es schaffen können, dass der Drop-Out geringer wird und erstmal die Gesamtmasse an AthletInnen größer. Natürlich ist ein RTP ein gutes Hilfsmittel und natürlich wäre es wünschenswert, wenn der von Jeder und Jedem genutzt würde. 
Aber - und das ist mein wesentlicher Punkt - am Ende lieber ein Training mit gewissen Qualitätseinbußen als gar kein Training. Für die vielen Kids, die vor allem aus Spaß an der Bewegung da sind, ist es egal (solange kein völliger Blödsinn gemacht wird  und die sich verletzen) und für die Kids, die vielleicht das Potenzial haben, mal eine DM-Quali zu erreichen, ist es allemal besser als nichts und vielleicht ein Sprungbrett zu einem anderen Verein, in dem professioneller gearbeitet wird.

Ich würde mal die Gegenthese in den Raum werfen, dass Trainer mit Wissen des RTP die Drop-out-Quote deutlich senken würden. Und ich verstehe nachwievor das problem nicht. Der RTP Grundlagentraining hat grob 350 Seiten - überwiegend übrigens recht groß gedruckt. Wie kann man keine Zeit haben den mal an 2-3 Wochenenden zu lesen? Also ganz ehrlich, wer die Zeit nicht hat, der kann nicht ernsthaft Zeit haben, mehrfach die Woche unqualifiziertes Training zu geben.

Das kannst Du mal ruhig den Vereinen erzälen, die seit Jahren nach Trainern oder wenigstens Übungsleitern suchen.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 13:41)Drizzt schrieb:
(12.09.2023, 08:00)Reichtathletik schrieb: Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.
Du kommst bestimmt aus einem Großverein, oder?  Wink

Nein. Klassischer Dorfverein. Mit regelmäßigen Teilnahmen bei DM in U18 bis Hauptklasse.
Zitat:Kannst du das mal vorrechnen?
Wenn du einem angestellten Trainer rund 3.600 Euro monatlich zahlst (40h/Woche), hast du etwa Personalkosten von 4.500 Euro. Fahrtkosten oder Zuschüsse für Trainingslager rechne ich jetzt mal nicht ein, die kämen ja ggf auch bei einem Ehrenamtlichen zu Tage. Wenn ich jetzt davon ausgehe dass diese Person U12, U14 und U16 betreut - also den gesamten Bereich Grundlagentraining und wir von 3, 4, 5 Trainingseinheiten a 90 Minuten ausgehen sind das erst 18 Arbeitsstunden für das reine Präsenztraining. Gehen wir also weiter davon aus dass man in der U12 wie es meist der Fall ist sogar zwei identische Gruppen im Verein aufbauen kann – 4,5h Präsenz mehr = 22,5. Dann bleiben noch mehr als die Hälfte der Arbeitszeit, in der sich der Coach fortbilden kann, Training vor- und nachbereiten kann und vielleicht weitere Vereinsaktivitäten mit anschieben (dazu komme ich gleich).

Ich muss für die Finanzierung also 4,5k Euro pro Monat aufbringen. Bei einem Mitgliedsbeitrag von 25 Euro wären das 180 Mitglieder in den vier Gruppen – knapp 45. Schaffen wir erfahrungsgemäß nicht ganz. Gehen wir von 2x 25 in U12, 20 in U14 und 15 in U16 aus. Sind 85 – etwa die Hälfte.
Nun sollte aber allen klar sein, dass Jugendarbeit immer ein Zuschuss-Geschäft ist. Die Kosten entstehen im Wesentlichen aus dem Personal. Fahrtkosten, Zuschüsse, Startgelder sind hier noch überschaubar. Ein wie oben genannter Trainer hätte die Hälfte der Arbeitszeit noch um z.B. aktiv an der Sponsorenakquise mitzuwirken, woran es vielen Vereinen mangelt. Er könnte aktiv Wettkämpfe vorbereiten – womit man Einnahmen generieren kann. Er kann den Kontakt zu Schulen pflegen, weil es nicht erst nach Fierabend dazu Zeit hätte. Denkbar wäre sogar ein Teil der Personalkosten auszulagern, wenn es z.B. in der Region Sportförderschulen gibt, kann er dort Frühtraining geben. Ein Teil der Arbeitszeit könnte auch dafür aufgewendet werden, dass die Person für den verein profitable Kurse in der sonstigen Zeit gibt, z.B. von Krankenkassen finanzierte Geundheitskurse, Lauf-Einsteiger-Angebote etc. Letztlich ist das eine wirtschaftlcihe Abwägung. Und: Wenn durch ein qualitativ hochwertiges Angebot Erfolg kommt, kommen auch Zuschüsse, Sponsoren etc.

Jetzt noch kurz die Frage, was gebe ich als Verein denn sonst aus? U12, U14, U16 brauchen alle mindestens einen Übungsleiter, der 200-250 Euro im Monat "steuerfrei bekommt". Das sind auch rund 750 Euro. Die verteilen sich alle auf Leute, die von jetzt auf gleich sagen können: ich bin weg – und die Gruppe ist unbetreut. Das hast du bei einem Arbeitsvertrag in der Form nicht. Der Vorteil eines hauptamtlichen ist ja auch, dass dieser fachlich viel tiefer drin sein kann und klar ist, dass es ein durchgängiges, durchdachtes Angebot zwischen den Altersklassen gibt. Und wie oben angedeutet käme man (anfangs) ja auch mit weniger zeit aus, denkbar ist eine Anstellung auf 20- oder 30h-Basis.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 14:41)Diak schrieb: vielleicht kehren wir mal zur Grundfrage zurück... was ihr gerade diskutiert, ist relativ müßig. Ja, wir sind dankbar für jeden, der engagiertes Training anbietet und auch ja, es wäre schön, wenn es mehr qualifiziertes Grundlagentraining gäbe. Wir können da sicher alle immer wieder aufeinander zugehen. Wenn ich an meine eigene Nase fasse, dann stelle ich fest, dass ich häufiger über schlechtes Training lästere, als den Mut aufzubringen, auf die entsprechenden Kolleg:innen zuzugehen und zu erklären, warum ihr Motiv sicher sehr lauter, die Realisierung aber gelegentlich großer Quatsch ist. Ehemalige Athletin von mir (Ärztin) "Das ist doch Körperverletzung, was der da macht, ich geh da jetzt rüber." wird sind beide nicht gegangen...

Zur Grundfrage treibt mich um, ob wir den Umfang im Grundlagentraining steigern müssten, um die mangelnde Bewegungserfahrung auszugleichen. Ich habe keine Belege, glaube aber, dass Talente sich besonders oft verletzen, weil ihre Körper im Verhältnis zu früher nicht genug Bewegungserfahrung haben und auch eine unzureichende Belastungsanpassung. Wir sind früher als kleine Jungs von Dächern gesprungen, auf die wir illegal geklettert waren. Das würde ich so nicht in die Neufassung des RTP schreiben, aber vielleicht war das für irgendwas gut... Wir machen hier zumindest gerade im Grundlagentraining mehr (dosierte) Einheiten, als ich früher habe machen lassen, und mir scheint das gut.

Danke. Ich hab mich hier selbst zu oft verhaspelt.
Ich bin voll bei dir, wir müssen mehr Bewegung anbieten. Gerade im Ausdauer-Bereich passierte "früher" viel von allein. außerhalb des Trainings, weshalb auf Ausdauerspiele verzichtet werden konnte und Leichtathletik fast nur Sprint, Wurf, Sprung war. Ich glaube heute müssen wir alles spaß- und altersgerecht ins Training integrieren. Wenn ich sehe, wie die großen Gruppen teilweise minutenlang an der Weitsprunggrube stehen in der U12/14, bis sie wieder Springen und das mit Basketballtraining vergleiche, wo immer Action ist. 

Was das aufeinander zugehen angeht: Auch das stimmt. Ich merke aber dass dies oft sehr schwer ist. Nicht nur will man eigentlich sich nicht in die Belange anderer Trainer einmischen, auch schalten die wenn man es tut schnell auf Durchzug. Ich frage mich, ob das Leichtathletik-spezifisch ist, dass "wir" alle denken, wir wissen es besser. Der sehr verbreitete Unwille zur Fortbildung und zum Austausch, der hier ja auch schon mehrfach durchlang, macht mich auch sehr ratlos.


RE: Grundlagentraining verbessern - Jakob94 - 14.09.2023

(12.09.2023, 16:02)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2023, 14:41)Diak schrieb: vielleicht kehren wir mal zur Grundfrage zurück... was ihr gerade diskutiert, ist relativ müßig. Ja, wir sind dankbar für jeden, der engagiertes Training anbietet und auch ja, es wäre schön, wenn es mehr qualifiziertes Grundlagentraining gäbe. Wir können da sicher alle immer wieder aufeinander zugehen. Wenn ich an meine eigene Nase fasse, dann stelle ich fest, dass ich häufiger über schlechtes Training lästere, als den Mut aufzubringen, auf die entsprechenden Kolleg:innen zuzugehen und zu erklären, warum ihr Motiv sicher sehr lauter, die Realisierung aber gelegentlich großer Quatsch ist. Ehemalige Athletin von mir (Ärztin) "Das ist doch Körperverletzung, was der da macht, ich geh da jetzt rüber." wird sind beide nicht gegangen...

Zur Grundfrage treibt mich um, ob wir den Umfang im Grundlagentraining steigern müssten, um die mangelnde Bewegungserfahrung auszugleichen. Ich habe keine Belege, glaube aber, dass Talente sich besonders oft verletzen, weil ihre Körper im Verhältnis zu früher nicht genug Bewegungserfahrung haben und auch eine unzureichende Belastungsanpassung. Wir sind früher als kleine Jungs von Dächern gesprungen, auf die wir illegal geklettert waren. Das würde ich so nicht in die Neufassung des RTP schreiben, aber vielleicht war das für irgendwas gut... Wir machen hier zumindest gerade im Grundlagentraining mehr (dosierte) Einheiten, als ich früher habe machen lassen, und mir scheint das gut.

Danke. Ich hab mich hier selbst zu oft verhaspelt.
Ich bin voll bei dir, wir müssen mehr Bewegung anbieten. Gerade im Ausdauer-Bereich passierte "früher" viel von allein. außerhalb des Trainings, weshalb auf Ausdauerspiele verzichtet werden konnte und Leichtathletik fast nur Sprint, Wurf, Sprung war. Ich glaube heute müssen wir alles spaß- und altersgerecht ins Training integrieren. Wenn ich sehe, wie die großen Gruppen teilweise minutenlang an der Weitsprunggrube stehen in der U12/14, bis sie wieder Springen und das mit Basketballtraining vergleiche, wo immer Action ist. 

Was das aufeinander zugehen angeht: Auch das stimmt. Ich merke aber dass dies oft sehr schwer ist. Nicht nur will man eigentlich sich nicht in die Belange anderer Trainer einmischen, auch schalten die wenn man es tut schnell auf Durchzug. Ich frage mich, ob das Leichtathletik-spezifisch ist, dass "wir" alle denken, wir wissen es besser. Der sehr verbreitete Unwille zur Fortbildung und zum Austausch, der hier ja auch schon mehrfach durchlang, macht mich auch sehr ratlos.

Zum Thema aufeinander zugehen/in den Austausch kommen: Ich glaube, wir haben in der Leichtathletik ein bisschen das Problem, eine sehr traditionelle Sportart zu sein. Dazu kommt, dass gerade bei den älteren Schülern und Jugendlichen der Altersdurchschnitt der Trainer eher im oberen Bereich angesiedelt sein dürfte. Da hört man dann öfter Aussagen in Richtung "Das haben wir schon immer so gemacht"... 
Natürlich müssen wir jungen Trainer da bereit sein, zuzuhören, aber auf der anderen Seite sind wir näher an der Lebenswirklichkeit der Kids dran und vielleicht manchmal offener für Neues. 

Ganz konkret würde ich mir wünschen, dass der Austausch mehr gefördert wird. Warum gibt es seitens der Landesverbände keine monatlichen Online-Stammtische (ob jeweils mit konkreter Fragestellung oder komplett offen sei erstmal dahingestellt)? Warum nicht im Umfeld von Landesmeisterschaften U16 die Trainer zusammenbringen? Neben dem direkten Austausch ergibt sich dadurch vielleicht auch noch mehr: Ich greife doch viel eher zum Telefon, um einen Trainer aus einem Nachbarort bezüglich eines gemeinsamen Trainings anzurufen, wenn ich den kenne, als wenn das nur ein Name auf dem Papier ist.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 14.09.2023

(14.09.2023, 10:59)Jakob94 schrieb:
Zitat:

Zum Thema aufeinander zugehen/in den Austausch kommen: Ich glaube, wir haben in der Leichtathletik ein bisschen das Problem, eine sehr traditionelle Sportart zu sein. Dazu kommt, dass gerade bei den älteren Schülern und Jugendlichen der Altersdurchschnitt der Trainer eher im oberen Bereich angesiedelt sein dürfte. Da hört man dann öfter Aussagen in Richtung "Das haben wir schon immer so gemacht"... 
Natürlich müssen wir jungen Trainer da bereit sein, zuzuhören, aber auf der anderen Seite sind wir näher an der Lebenswirklichkeit der Kids dran und vielleicht manchmal offener für Neues. 

Ganz konkret würde ich mir wünschen, dass der Austausch mehr gefördert wird. Warum gibt es seitens der Landesverbände keine monatlichen Online-Stammtische (ob jeweils mit konkreter Fragestellung oder komplett offen sei erstmal dahingestellt)? Warum nicht im Umfeld von Landesmeisterschaften U16 die Trainer zusammenbringen? Neben dem direkten Austausch ergibt sich dadurch vielleicht auch noch mehr: Ich greife doch viel eher zum Telefon, um einen Trainer aus einem Nachbarort bezüglich eines gemeinsamen Trainings anzurufen, wenn ich den kenne, als wenn das nur ein Name auf dem Papier ist.
Das finde ich gut. Allerdings bin ich leider sehr skeptisch, was die Akzeptanz angeht. Ich habe durchaus schon so angebote erlebt und leider muss man oft feststellen, dass es zwar austausch-willige gibt, aber gerade die Kollegen, die man erreichen müsste/möchte/sollte, kommen nicht. 

Ich bin mal ketzerisch und sage, dass wie vielleicht mehr "Zwang" bräuchten. Es ist mitunter jammerschade zu erleben, wie du in manchen Vereinen tolle Trainer hast, die sich fortbilden, mit erfahrenen Kollegen austauschen, etc. und nebenan im "Großverein" gibt es Leute die nach dem von dir beschriebenen "haben wir immer so gemacht"-Prinzip Karrieren verbauen. Man möchte zwar meinen, gute Arbeit spricht sich rum, aber das braucht mitunter sehr sehr lange, wenn es überhaupt geht, weil außenstehende Eltern "Qualität" nicht immer bewerten können, woher auch. Und dann ist das Kind oft auch schon in den Brunnen gefallen (deshalb mein Ansatz zum Grundlagentraining, da ich der Überzeugung bin, wenn hier nicht die Weichen gestellt werden, ist später kaum was möglich)

Veranstaltungen wie die von dir beschriebenen könnten in meinen Augen durchaus Teil einer Lizenz-Verlängerung sein. Und wer an sowas nie teilnimmt, der bekommt halt keine Hallenzeiten, Stadionzeiten etc. Oder wenn Vereine nicht genug Trainer mit aktiver Lizenz vorweisen können, dann steigen die Mitgliedsbeiträge dieses Vereins im LV/DLV (wäre quasi ein Anreiz die Trainer zu Aus- und Fortbildungen zu schicken).

Damit sind wir aber wieder bei dem Thema: Die Hürden für Trainer werden höher. Ich befürchte aber fast, man muss das in Kauf nehmen. Wir brauchen mehr gutes GLT. Das wird in meinen Augen vernachlässigt. Wir konzentrieren uns auf die Ausbildung der Spitze, wir reformieren an der KiLA und machen dazu vielerorts Kampagnen, aber eigentlich sollten gerade im Grundlagentraining mit die besten Coaches eingesetzt werden. Vielleicht wäre es ein erster Schritt, wenn LVs und DLV gutes GLT als solches hervorheben.