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Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - Druckversion

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RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - Gertrud - 16.06.2017

(16.06.2017, 15:53)Drizzt schrieb: Das passiert meiner Meinung nach hier viel zu oft und mit einer Selbstverständlichkeit,da kann ich oft nur den Kopf schütteln. Sad

Ich gebe Ihnen recht, dass wir uns vorrangig um unsere eigenen Athleten kümmern sollen. Meine Athletinnen und Athleten hatten solche Probleme nicht. Andere sollen machen, was sie wollen und sich selbst fortbilden oder auch nicht. Jeder soll seinen Lohn ernten und nicht auf fremden Äckern pflügen. Ich sammele munter Material weiter und schüttele sehr oft meinen Kopf. Dabei belasse ich es jetzt auch. 

Ich könnte Ihnen heute schon zwei Protagonistinnen nennen, die aus meiner Sicht sehr gefährdet sind. Wer wie ich fast täglich mehrere Stunden recherchiert, hat eben eine andere Sicht auf die Dinge. 

Gertrud


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - eierluke - 16.06.2017

Da muß ich jetzt einmal einwerfen, dass dieses Forum auch dazu da ist: Fachsimpeln und Spass haben!
Es ist tatsächlich so, dass wir an vielem über das wir hier Lust haben zu diskutieren selber nicht ganz nah dran waren.
Interpretation und Mutmaßung gehört daher logischer Weise dazu.
Für mich selber möchte ich aber sagen, dass ich dann und wann sicher Fehler mache, jedoch nie absichtlich beleidige oder verunglimpfe und Dinge auch nicht versuche zu verdrehen, nur um meine Meinung zu stützen.
Ich bin im Gegenteil sehr erfreut, wenn ich dazulernen kann.
Mehrfach habe ich z.B. in diesem Thread die Frage gestellt, ob hier ein Zeitzeuge neue Fakten zu unklaren Punkten einbringen kann!   

Lieber Franz B. lasse uns doch lieber an deinem Insiderwissen teilhaben und erleuchte uns, statt einfach mal im generellen Rundumschlag zu meckern! Ich bin neugierig!


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - Gertrud - 16.06.2017

(16.06.2017, 20:53)eierluke schrieb: Lieber Franz B. lasse uns doch lieber an deinem Insiderwissen teilhaben und erleuchte uns, statt einfach mal im generellen Rundumschlag zu meckern! Ich bin neugierig!

Franz war ein "Verückter", ich war, bin eine "Verrückte"! Natürlich schießt man wahrscheinlich gelegentlich über das Ziel hinaus. Wir sind auch keine Hellseher. Jede/r macht Fehler, der arbeitet. Das kann daran liegen, dass man etwas noch nicht weiß oder einfach übersieht. Zudem sind die Körper alle unterschiedlich und daher manchmal schwierig zu handhaben. Ganz entscheidend ist aber, dass man sich sehr schnell korrigiert, wenn man Fehler feststellt und nicht 20 Jahre daran festhält.

Ich war total überrascht, als ich den Fuß meines Schützlings aufgrund einer wissenschaftlichen Abhandlung aus einer ganz anderen Perspektve sah und es mir wie Schuppen von den Augen fiel. Ich habe sofort ein paar Übungen konstruiert. Das ist z. B. meine absolute Stärke. Man sollte bereit sein, Neuheiten sofort zu verarbeiten und abzuwägen. Ich werde immer eine Suchende sein und nachforschen. Es muss einfach Spaß machen, dem Genpotenial und den enormen Belastungen zu trotzen.  Thumb_up

Die Gründe, die zu Frank schlingerndem Unterarm geführt haben, würden mich fachlich sehr interessieren.

Gertrud


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - dominikk85 - 17.06.2017

Ich will jetzt nur ungern spekulieren,  besonders da der Vater mitliest, aber für mich hört sich das mit dem Ellbogen nach UCL riss an.


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - aj_runner - 17.06.2017

(16.06.2017, 13:09)Franz.B. schrieb: Außerdem: Es entsteht manchmal der Eindruck, Frank Busemann sei von erfolgsgeilen egoistischen Idioten und Idiotinnen umgeben gewesen, die ohne Rücksicht auf Verluste draufgehauen hätten. Für alle beteiligten Trainer, Ärzte und Physios kann ich sagen: Das stimmt nicht! Ob ich so einer war, müssen andere beurteilen.

Von den im Forum aufgeführten Fakten sind die meisten richtig. Die daraus resultierenden Interpretationen und Ableitungen leider zu 97,5 % mehr oder weniger, meistens jedoch total unzutreffend. Es würde das Forum sprengen, hier für Aufklärung zu sorgen. Außerdem bin ich der Meinung, mich für jahrelange gewissenhafte  Trainerarbeit nicht rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen.
Lieber Franz B.,

Ihre Ausführungen ließen mir keine Ruhe und so habe ich nochmals in „Aufgeben gilt nicht“ – Frank Busemann, 2003 nachgelesen.
Grund: Ich hatte geschrieben, dass Frank Busemann das größte Selbstzerstörungspotenzial zugeteilt werden könne. U.a. Eierluke stellte dann die Frage, ob er „zu weich für die eigenen ehrgeizigen Ziele oder einfach falsch aufgebaut/ belastet“ wurde?

Nach einer Viertelstunde konnte ich folgende Sätze zusammentragen:
> S 64 (im Rahmen des Wechsels von den Hürden zum 10-Kampf; März 1996): Ich hatte vor kurzem in meinem Trainingstagebuch eine Skala eingeführt: …für Beschwerdefreiheit eine Null und für Abbruch auf Grund von zu großen Schmerzen eine Zehn. … Dazu notierte ich immer, wie viele Schmerztabletten ich genommen hatte.
> S 221 (2002 oder 2003 bei einem Vortrag sagte der DLV-Präsident bei der Vorstellung von FB): „… daneben sitzt Frank Busemann, unser Weltmeister im Verletztsein“.
> S. 240: „Mein Vater … besuchte zur Abwechslung wieder eine Trainierfortbildung. … Der Referent philosophierte über Krafttraining und hatte auch das Paradebeispiel eines schlecht trainierten Athleten parat – Frank Busemann.“ (Sein Vater wollte FB anschließend überreden, es mit dem Referenten zu probieren, was FB aber ablehnte)
> S 264: „Viele Ärzte und dieser Busemann vertrugen sich nicht. Vielleicht war es aber auch die Disbalance der Schulmedizin zu unerklärlichen Körperphänomenen eines Athleten. Zwei Spritzen, ein paar Tabletten, Salbe und Massage – alles paletti.
> S. 265/266: „Ich hatte dort schon (die Röhre) bestimmt schon Tage lang drin gelegen. Mit den Füßen, mit den Knien, mit der Hüfte, mit der Wirbelsäule, mit dem Ellenbogen, mit dem Kopf, mit der Hand, mit der Leiste. … Ich hatte in fünf Jahren bei der DKV über 50.000 Euro Kosten verursacht.“ (davon ca. 2.000 Euro, die nichts mit dem Sport zu tun hatten).

Ja, wir werten und wir bilden uns Urteile. Manchmal ist die Faktenlage sehr dünn, das sind zumindest die autorisierten Zeilen von FB. Das ganze Buch wimmelt nur so von diesen Ausführungen. Als ich vor über 10 Jahren das Buch gelesen habe, war ich mit FB einer Meinung, dass er zu den 0,3 Prozent Menschen gehört, die alles Pech der Welt auf sich vereinen. Durch die Diskussionen hier im Forum und auch durch eigene Erfahrungen sehe ich das heute inzwischen anders. Und dann stellt sich auch die Frage nach der Verantwortung.

Es wäre schön, wenn Sie wenigsten an ein oder zwei Beispielen ausführen würden, wo wir falsche Rückschlüsse ziehen.


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - eierluke - 17.06.2017

Danke für die recherche aj_runner. Auch mir läßt das Thema keine Ruhe.
Mit meinen vielleicht auch ein wenig aggresiv formulierten Fragen, wollte ich niemanden beleidigen.
Ich führe eine sehr dezidierte und umfangreiche Liste über die Zehnkämpfer mit den besten kumulierten Einzeilleistungen aller Zeiten (nahezu entsprechend mit der Liste der Athleten mit den besten zehnkampfleistungen aller Zeiten)
Wenn ich als auf die top 100 all time gucke sehe ich, dass die bei ihrer Zehnkamp-karriere bestleistung im Schnitt 25,92 Jahre alt waren (ich habe nur Jahre herangezogen - keine Tage/ Monate).

Warum hatte Frank Busemann seinen Karrierehöhepunkt in dem Jahr in dem er 21 wird und steigert sich danach nicht mehr?
Die Frage bitte ich nicht als Angriff auf irgendwelche Trainer, etc. zu verstehen, sondern sie dient nur meinem Verständnis. Pech, Veranlagung etc.?
Gibt es einen Lerneffekt für zukünftige Zehnkämpfer?


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - eierluke - 17.06.2017

Ich möchte auch betonen, dass Silber in Atlanta mit 8706 auch ohne weitere Steigerung schon ganz groß ist!
Nur denke ich halt auch immer mal daran, dass Gold in Sydney (wenn auch bei schlechterer Witterung) für vergleichsweise bescheidende 8641 weggingen ...


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - Gertrud - 01.11.2020

(17.06.2017, 21:54)eierluke schrieb: Ich möchte auch betonen, dass Silber in Atlanta mit 8706 auch ohne weitere Steigerung schon ganz groß ist!
Nur denke ich halt auch immer mal daran, dass Gold in Sydney (wenn auch bei schlechterer Witterung) für vergleichsweise bescheidende 8641 weggingen ...

Mein Reden seit Jahren: Das Wichtigste ist, die Gesundheit der AuA zu erhalten und somit keine Ausfallzeiten zu produzieren. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, auch wenn die "Schwalbe" oft mehr in den Vordergrund gerückt wird als eine "Dauerbrennerin". Diese Regularien haben auch etwas mit Intelligenz, Kenntnissen und Anerkennung zu tun. WinkThumb_up ‌Es kommt immer auf die Qualität der Analyse an. Thumb_up

Netzwerke können hervorragend sein, wenn sie leistungsoptimierend benutzt werden. Sie haben aber enorme Leistungsnachteile, wenn sie schwache Mitglieder und "Klüngel" beinhalten. Manchmal sollte man auch mal ausmisten.

Gertrud


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - dominikk85 - 01.11.2020

Immerhin hat Busemann Olympia silber und WM Bronze geholt. Man hätte natürlich auf mehr gehofft, aber das sind doch beachtliche Erfolge. 

Hätte er sie mit 25/26 geholt hätte keiner vom verschwendeten talent geredet.

Ein verschwendeten talent ist für mich eher eine Mary Cain die verheizt wurde bevor sie überhaupt was gewinnen konnte.


RE: Frank Busemann- ein verschwendetes Talent? - Gertrud - 02.11.2020

(01.11.2020, 23:45)dominikk85 schrieb: Immerhin hat Busemann Olympia silber und WM Bronze geholt. Man hätte natürlich auf mehr gehofft, aber das sind doch beachtliche Erfolge. 

Hätte er sie mit 25/26 geholt hätte keiner vom verschwendeten talent geredet.

Ein verschwendeten talent ist für mich eher eine Mary Cain die verheizt wurde bevor sie überhaupt was gewinnen konnte.

Das ist natürlich richtig; aber er hat halt diese Ergebnisse schon in jungen Jahren erzielt, in dem man annimmt, dass es erst richtig losgeht. Das empfinde ich schon als sehr schade. Sein Ellbogen z. B. war schon eine sehr wackelige Geschichte geworden. Ich mache mir in solchen Situationen immer sofort Gedanken über Verbesserungen. 

Ich empfinde es immer als besonders schade, wenn junge Menschen sehr oft in falsche Hände geraten oder nicht gewillt sind, einen vernünftigen Weg von Anfang an zu gehen und wichtige Zeit damit verschwenden. Ich werde in einigen Fällen am Seitenrand stehen und wichtige Hilfe leisten, weil der Mainstream das aus meiner Sicht nicht zu leisten imstande ist und diese Talente oft frühzeitig geschädigt sind, ehe es richtig beginnen kann.

Wer sich bisher für mich als Trainerin aus vollem Herzen entschieden hat, hat das bisher nicht im Ergebnis und der Verletztenstatistik bereut. Meine Anforderungen sind hart und kompromisslos, aber sehr ergebnis- und gesundheitsorientiert. Nicht alle Talente sind bereit, diesen Weg zu gehen - dann eben nicht! Wink ‌ ‌Das hat viel mit sehr großer Konsequenz und nicht mit Kirmes und Flohmarkt zu tun und nicht mit lockendem Geld, TL im Ausland (was auch irgendwann sein kann), übergeordnetem Team und Hörigkeit nach oben zu tun. Es wird einfach nur in jeder Facette ergebnisorientiert gearbeitet wie z. B. bei Duplantis.Wink

Gertrud