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DOSB-Olympianormen stehen (wieder) fest - Druckversion

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RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Atanvarno - 15.09.2015

Ich hab mir den Spaß gemacht und nachstehende E-Mail am 4.9. an Thomas Kurschilgen geschickt. Einer Antwort wurde ich (wie erwartet) nicht gewürdigt. Jemand anders mit mehr Erfolg?

Zitat:Sehr geehrter Herr Kurschilgen,

zunächst einmal möchte Sie (stellvertretend für Athleten, Trainer und
Betreuer) zum sehr positiven Abschneiden des DLV bei den
Weltmeisterschaften in Peking beglückwünschen.

Wie alle Leichtathletikfans hoffe ich natürlich auf ein ähnlich
erfolgreiches Ergebnis der deutschen Leichtathletikmannschaft bei den
Olympischen Spielen in Peking.

Mit großem Interesse habe ich daher die am 3.9. im Internet-Portal
leichtathletik.de veröffentlichen Qualifikationsnormen gelesen
http://www.leichtathletik.de/news/news/detail/die-olympia-normen-fuer-rio-2016-stehen-fest/

In verschiedenen Disziplinen ist es zu einer teilweise deutlichen
Verschärfung der vom Weltverband IAAF gesetzten Normen gekommen.

Im Fachforum leichtathletikforum.com hat ein Nutzer eine Aufstellung
gemacht, in der die vom DLV/DOSB gesetzten Normen mit den daraus
resultierenden Platzierungen in der bereinigten Weltjahresbestenliste
und dem in Peking nötigen Ergebnis für Platz 12 in der jeweiligen
Disziplin (=erweiterte Endkampfchance) gegenübergestellt wurden.
http://leichtathletikforum.com/showthread.php?tid=1366&pid=37075#pid37075

Dabei zeigten sich einige Auffälligkeiten, die ich mit der von Ihnen
gemachten Aussage in obigem Artikel
"Die Normanforderungen [...]stellen im interdisziplinären Vergleich
eine große Ausgewogenheit dar" nicht in Einklang bringen kann.

So belegt man beispielsweise mit den geforderten 10,14 Sekunden (2/100
schneller als IAAF-Norm) im 100m-Sprint der Männer Platz 39 der
bereinigten Bestenliste. Die um 30 Sekunden verschärfte Norm im
10000m-Lauf der Frauen führt hingegen zu Platz 18.
Im Kugelstoßen der Frauen liegt man mit der verschärften DOSB-Norm
sogar auf Platz 15.

Diese deutliche Diskrepanz scheint mir mit den im Artikel genannten
Kriterien zur Normfindung nicht erklärlich.

Wäre es Ihnen möglich, den Prozess der Normfindung transparenter zu
machen und die detaillierten Kritierien darzulegen, nach denen es zu
diesen Unterschieden kam.
Nach aktuellem Informationsstand entsteht gewiss nicht nur bei mir der
Eindruck einer gewissen Willkür bzw. Ungerechtigkeit bei der
Normfindung, der aber wahrscheinlich mit Zusatzinformationen leicht
zerstreut werden könnte.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit
sportlichem Gruß

xxxxxxxx



RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Atanvarno - 15.09.2015

Offener Brief von Kurt Ring an den DLV-Vizepräsidenten Leistungssport Professor Dr. Hartmut Grothkopp, in dem Ring harte Kritik an den Normverschärfungen durch den DLV übt.

Ich kann mich übrigens bei einigen Formulierungen in dem Brief des Verdachts nicht erwehren, dass Herr Ring hier mitliest Wink


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Robb - 15.09.2015

Mich wundert, dass er auf die "interdisziplinäre Ausgewogenheit" nicht eingegangen ist. Ich hab das schon öfters gesagt, es bräuchte ein paar Kurt Rings beim DLV, dann wäre vieles besser.


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Sinafan - 15.09.2015

(15.09.2015, 19:30)Atanvarno schrieb: Ich kann mich übrigens bei einigen Formulierungen in dem Brief des Verdachs nicht erwehren, dass Herr Ring hier mitliest Wink

Er hat mich mal in einer seiner Kolumnen direkt aus dem Forum zitiert, also kann man davon bedenkenlos ausgehen.


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - longbottom - 15.09.2015

Naja, da stehen aber teilweise auch Sachen drin, die einfach nicht haltbar sind.

z.B.

Zitat:Beim Sommermärchen 2006, als die Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland stattfanden, wurden die DFB-Kicker trotzdem überschwänglich gefeiert, obwohl sie als Mitfavoriten nur Dritte wurden.

1. Waren die Fußballer damals keine Mitfavoriten. Im Gegenteil, nach dem Vorrundenaus bei der EM 2004 waren sie als Außenseiter gestartet. Der dritte Platz war eine positive Überraschung.

2. Hinkt der Vergleich ohnehin, da es gar nicht um die Sportler geht, die realistische Chancen haben, Dritter zu werden.

Zitat:Die stets positiven Kommentare auch bei allen Vorkampfausscheidern zeigt dies überdeutlich.

Ja, ich kann mich noch gut an die stets positiven Kommentare zum Beispiel zum Abschneiden von Sosthene Moguenara erinnern. Tongue Auch von Betty Heidler, immerhin eine Endkampfteilnehmerin, war man schlichtweg begeistert. Angel

Generell gab es in Peking tatsächlich hauptsächlich positive Kommentare, was aber auch daran lag, dass die Leistung bei der großen Mehrheit der Athleten gut war. Die wenigen Enttäuschungen waren da letztlich egal, gelobt wurden sie in der Öffentlichkeit aber bestimmt nicht. Ich empfehle hier außerdem mal, das Forum zu Zürich 2014 nachzulesen, um sich in Erinnerung zu rufen, wie die Kommentare sind, wenn es generell nicht so läuft.

Zitat:Die Unterschiede zwischen internationaler Norm und nationaler Norm nehmen geradezu groteske Formen an. Wo liegt letztendlich der Unterschied zwischen 13,47sec und 13,46sec über 110m Hürden der Männer? Würde ein Athlet, wie bei der WM 2015 geschehen, beim Unterschied von 1 Hundertstel erneut Gnade finden? Allein ein Hauch mehr Rückenwind oder weniger Gegenwind können diese Hundertstel ausmachen. Hat sich nicht derjenige, der die „deutsche“ Formel erfunden hat, total verrannt? Im Hochsprung der Männer lässt sich das Zentimeterproblem leichter lösen. Man legt einfach immer 2,30m auf.

Hier hat Kurt Ring natürlich völlig Recht, bzw. bei der Beurteilung der Hochsprung-Situation ist er sogar noch zu gnädig. Denn dass man immer 2,30m auflegen kann, gilt nur für deutsche Meetings. Bei den internationalen Sportfesten wird es eher sogar so sein, dass 2,29m aufgelegt werden, um den Sportlern die Chance zu geben, die IAAF-Norm zu erfüllen. Und dann fallen 2,30m als Höhe automatisch weg, da die Steigerung nicht 1cm betragen darf. Diese Steigerung um einen Zentimeter macht es den Hochspringern also zumindest auf internationaler Bühne sogar noch etwas schwerer, da sie da vermutlich mindestens 2,31m überspringen müssen.

Zitat:Im Zeichen der zunehmenden Globalisierung im Allgemeinen und der Europäisierung im ganz Speziellen verstößt der DLV mit seinen Extra-Normen gegen das Gleichheitsprinzip, das politisch im Grundgesetz des Artikels 3 fest verankert ist. In einem vereinigten Leichtathletik-Europa sind längst nicht alle gleich. Ein kleines Beispiel dafür: Die Österreicherin Jenni Wenth wird mit ihren 2015 erzielten 15:16min über 5000m bei den Olympischen Spielen antreten können.

Mit solchen Argumenten kommt man nicht weit, und sie gehen auch zu weit. Denn das Gleichheitsprinzip bei einer Olympianominierung gibt es sowieso nicht, dafür sorgen alleine schon die unterschiedlichen internationalen Qualifikationskriterien pro Sportart. Hinzu kommt, dass viele Verbände die Leichtathletik-Normen verschärfen, nicht nur der DLV. Die Niederlande haben zum Beispiel noch schwerere Normen.

Und dann das:

Zitat:Letzte Plätze, die können die Athleten aus den Drittstaaten Österreich, Schweiz oder Tschechien belegen!? Wir sind ein privilegiertes Land. Hatten wir das nicht schon einmal? Ist solch Gedankengut eigentlich gerade in Deutschland noch vertretbar?
 
Wenn er darauf anspielt, worauf ich glaube, dass er anspielt, ist das völlig daneben. Thumb_down Ein derartiges Verbrechensregime mit der Verschärfung von Sport-Normen zu vergleichen, geht zu weit! Und meiner Meinung nach tragen solche Vergleiche auch kaum dazu bei, die in Teilen berechtigte Kritik (z.B. bei der 5000m-Norm) ernster zu nehmen.


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Robb - 15.09.2015

Mich würde interessieren, wie diese Sitzungen des BAL ablaufen. Da sitzen ja nicht nur Vertreter des DLV drin, sondern auch Menschen, denen man mehr Sachverstand und Realismus zutrauen würde. Nils Winter als Athletenvertreter (warum eigentlich kein aktiver Athlet?) und Michael Huke (Vertreter der Spitzenvereine) sollten als ehemalige Aktive eher die Interessen der Sportler vertreten, möchte man meinen. Werden die Normen überhaupt diskutiert oder vom DLV vorgeschlagen und durchgewunken?


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - alist - 16.09.2015

*Lach* die nimmermüde Diskussion um die Normen....
Ich bin ja eher ein Pro-Norm-Vertreter, die WM in Peking hat gezeigt, dass Athleten, die die Norm nicht schaffen, bei einer WM oder bei Olympia eigentlich auch nichts zu suchen haben. Bis auf Florian Orth hätte keiner der diskutierten Athleten in Peking eine Chance gehabt, den Vorkampf/-lauf zu überstehen.

Angesichts der Leistungen von Peking finde ich die Olympia-Normen eher noch moderat. Ein 800m-Leistungsvermögen von 1:45,40 deutet nicht unbedingt auf Finalchance hin. Da müssten die Normen eher 10,00 (100m), 20,20 (200m), 44,80 (400m), 1:44,50 (800m) lauten... und das will ja auch keiner.

Hart finde ich allerdings die Wurfnormen, 66m Diskus Männer, 78m Hammer Männer (das hätte in Peking zur Medaille gereicht), 18,50m Kugel Frauen... das ist heftig.

Ich bin auch der Meinung, dass die Norm im tatsächlichen Olympiajahr erbracht werden soll. Was nützt es zb. einem Richard Ringer, der vielleicht 2016 aus verschiedenen Gründen nicht schneller als 13:40 laufen kann, mit der Norm aus 2015 nach Rio zu fahren. Wir hier im Forum sind dann die ersten, die schlechte Leistungen kritisieren. In diesem Jahr hat das mit den Normen ganz gut funktioniert.
Eine Olympianominierung ist sicherlich kein Grundrecht nach Grundgesetz, das ist schlichtweg albern.


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - Atanvarno - 16.09.2015

(16.09.2015, 07:47)alist schrieb: die WM in Peking hat gezeigt, dass Athleten, die die Norm nicht schaffen, bei einer WM oder bei Olympia eigentlich auch nichts zu suchen haben.

Warum hat jemand, der im Vorlauf ausscheidet, nichts bei Olympia zu suchen?


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - longbottom - 16.09.2015

(16.09.2015, 07:47)alist schrieb: Ich bin auch der Meinung, dass die Norm im tatsächlichen Olympiajahr erbracht werden soll. Was nützt es zb. einem Richard Ringer, der vielleicht 2016 aus verschiedenen Gründen nicht schneller als 13:40 laufen kann, mit der Norm aus 2015 nach Rio zu fahren. Wir hier im Forum sind dann die ersten, die schlechte Leistungen kritisieren. In diesem Jahr hat das mit den Normen ganz gut funktioniert.
Eine Olympianominierung ist sicherlich kein Grundrecht nach Grundgesetz, das ist schlichtweg albern.

Der Haken an der Sache ist der, dass nächstes Jahr schon Anfang Juli Nominierungsschluss ist, und zwar seitens des IOC aus. Da kann man also nichts gegen machen. Man hat also für die Olympiaquali im Kalenderjahr doch deutlich weniger Zeit als für die WM-Quali.

Für die 5000m bedeutet das, dass man nicht viele Chancen hat, die Norm zu erfüllen. Vor allem, wenn man dann noch bei DM und EM startet, wo schnelle Rennen vermutlich wegfallen.

Auch diese Saison ist Ringer mit einem schlechten Rennen gestartet, und hat dann danach gezeigt, dass die Form gekommen ist. Bzw. muss er ja nicht einmal schlechte Form haben. Es reicht ja schon, wenn man auf ein Rennen setzt, das verbummelt wird, wie z.B. die 5000m von Eugene dieses Jahr. Es hat schon seinen Grund, warum die IAAF einem zwei Sommer Zeit gibt, die Normen zu erfüllen, was bei einer WM ja nicht so ist.

Es hätte dem DLV schon gut zu Gesicht gestanden, die 5000 Meter zu den Disziplinen zu nehmen, für die man 2016 nur noch eine Bestätigungsnorm braucht. Ist bei den Distanzen ab 10.000m und im Mehrkampf ja auch so.


RE: DOSB-Olympianormen stehen fest - jonas - 16.09.2015

Mittlerweile stehen auch die ersten Normen für den kleineren Saison-Höhepunkt 2016, der EM in Amsterdam, fest und zwar für die Langstreckenläufe:

http://www.leichtathletik.de/fileadmin/user_upload/05_Nationalmannschaft/Nominierungsrichtlinien/2015_09_11-NomRL-HM-10000m-5.000m-EM2016-EF.pdf