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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion

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RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - dominikk85 - 12.09.2025

Wichtig imo ist eine Kultur wo sich andere Trainer, Athleten und Eltern trauen solche Sachen auch zu melden und das diese Leute dann auch gehört werden und nicht im schlimmsten Falle dann sogar als nestbeschmutzer diffamiert werden.

Ich will mitwisser die nichts gesagt haben nicht von jeder Verantwortung Freisprechen, idealerweise sollte der Schutz von Athleten, besonders minderjährigen über der eigenen Karriere stehen, aber in der Realität können das viele nicht und da ist es an den Verbänden eine Atmosphäre zu schaffen wo man so was angstfrei melden kann.

Außerdem darf Leistung Täter nicht beschützen. Es ist ja oft in Unternehmen so das man mittelmäßige leute für relative Kleinigkeiten feuert, aber man high performern sehr viel durchgehen lässt. Das ist bei Trainern sicher nicht anders, bei einem Erfolgstrainer sind leider die Hemmnisse oft deutlich größer.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 12.09.2025

(12.09.2025, 07:38)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2025, 07:16)mark1967 schrieb: Ich kann das Verhalten von Roy Schmidt voll und ganz nachvollziehen. Wenn man sich mit Details nach außen wagt und deswegen mit Konsequenzen zu rechnen hat (die natürlich nie direkt auf etwas Konkretes Bezug nehmen), dann sind die gleichen Leute, die fordern, man möge doch mal Klartext reden, ganz schnell abgetaucht...

Ansonsten sehe ich gewisse Ähnlichkeiten zwischen diesem Thema und dem Thema Doping. Auch im Umgang des Verbands damit.

Die Parallelen zu Doping bzw. Medikamentenmissbrauch sind manchmal ja sogar personeller Natur, wie in einigen der Berichten beschrieben wird. Häufig sind Situationen, in denen Doping auf Betreiben von Trainern stattfindet ja auch Machtmissbrauch. Die Struktur ist letztlich ähnlich.
Da die Beziehung zwischen Trainer und Athlet immer asymmetrisch ist, v.a. bei Jugendlichen Athleten, nicht nur wegen Wissensvorsprung, liegt ja meistens ein Machtmissbrauch vor, wenn irgendetwas Schädliches oder Illegales gemacht wird.

Ich würde da dennoch differenzieren in der Intention des Trainers. Also, wenn ein Trainer Doping anordnet oder wie jetzt in dem Beispiel aus Hannover irgendwelche Medikamente zum Ziele der Leistungssteigerung 10 Tage vor einem Wettkampf, dann muss ja nicht die Hauptintention des Trainers der Befriedigung seines Machtgefühls sein, auch wenn es natürlich Machtmissbrauch zur Folge hat.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Rawal - 12.09.2025

(12.09.2025, 13:05)dominikk85 schrieb: Wichtig imo ist eine Kultur wo sich andere Trainer, Athleten und Eltern trauen solche Sachen auch zu melden und das diese Leute dann auch gehört werden und nicht im schlimmsten Falle dann sogar als nestbeschmutzer diffamiert werden.

Ich will mitwisser die nichts gesagt haben nicht von jeder Verantwortung Freisprechen, idealerweise sollte der Schutz von Athleten, besonders minderjährigen über der eigenen Karriere stehen, aber in der Realität können das viele nicht und da ist es an den Verbänden eine Atmosphäre zu schaffen wo man so was angstfrei melden kann.

Außerdem darf Leistung Täter nicht beschützen. Es ist ja oft in Unternehmen so das man mittelmäßige leute für relative Kleinigkeiten feuert, aber man high performern sehr viel durchgehen lässt. Das ist bei Trainern sicher nicht anders, bei einem Erfolgstrainer sind leider die Hemmnisse oft deutlich größer.
Wie sollen Verbände eine angstfreie Atmosphäre schaffen, wenn sie sich nicht mal selbst in der Lage sehen, bei augenscheinlich schwerwiegenden Verstößen Einfluss zu nehmen. Weil z.B. arbeitsrechtliche Weisungsbefugnisse fehlen und offensichtlich auch sonst keine „scharfe“ Handhabe besteht -> Stellungnahme LVS.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Diak - 12.09.2025

(12.09.2025, 13:23)Rawal schrieb: Wie sollen Verbände eine angstfreie Atmosphäre schaffen, wenn sie sich nicht mal selbst in der Lage sehen, bei augenscheinlich schwerwiegenden Verstößen Einfluss zu nehmen. Weil z.B. arbeitsrechtliche Weisungsbefugnisse fehlen und offensichtlich auch sonst keine „scharfe“ Handhabe besteht -> Stellungnahme LVS.

indem sie immer wieder deutlich machen, für welche Werte sie stehen, auch an anderen Stellen kritikfähig und -offen sind, für Vertrauen auf allen Ebenen sorgen, das Thema immer wieder explizit (durch Kampagnen, z.B.) in den Fokus stellen, konsequent handeln, wo sie es können und auch, indem sie so wie hier von den Sachsen dargestellt handeln, auch wenn wir unzufrieden sind, dass das nicht schneller und konsequenter geht. 

Zur Verantwortungsfrage für Mitwisser möchte ich ergänzen, dass auch Verbände doch nicht ständig Leute einstellen wie Großunternehmen, die von sonstwo kommen. Es ist doch auch im Sinne der Verbände / Vereine selbst, sich über die fachliche Qualität hinaus umzuhören, wie jemand woanders aufgetreten ist. Mich hat z.B. mal ein befreundeter Kollege aus dem Süden angerufen, weil er wissen wollte, was an Gerüchten über einen Kollegen aus dem Norden dran wäre, der ein Nähe-Distanz-Problem hat(te?). Das habe ich differenziert und ohne üble Nachrede aber in der nötigen Deutlichkeit beantwortet...


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - trackANDfield - 12.09.2025

(12.09.2025, 13:05)dominikk85 schrieb: Wichtig imo ist eine Kultur wo sich andere Trainer, Athleten und Eltern trauen solche Sachen auch zu melden und das diese Leute dann auch gehört werden und nicht im schlimmsten Falle dann sogar als nestbeschmutzer diffamiert werden.

Ich will mitwisser die nichts gesagt haben nicht von jeder Verantwortung Freisprechen, idealerweise sollte der Schutz von Athleten, besonders minderjährigen über der eigenen Karriere stehen, aber in der Realität können das viele nicht und da ist es an den Verbänden eine Atmosphäre zu schaffen wo man so was angstfrei melden kann.

Außerdem darf Leistung Täter nicht beschützen. Es ist ja oft in Unternehmen so das man mittelmäßige leute für relative Kleinigkeiten feuert, aber man high performern sehr viel durchgehen lässt. Das ist bei Trainern sicher nicht anders, bei einem Erfolgstrainer sind leider die Hemmnisse oft deutlich größer.

Ich habe auf das mögliche Fehlverhalten eines (anderen) Trainers hingewiesen. Habe eine Stellungnahme einer ehemaligen Sportlerin vorgelegt. 

Daraus ein Zitat: "Er hat mich auch jedes Mal fertig gemacht, sobald ich etwas aß oder trank, das in seinen Augen schuld dran sein könnte warum ich „nicht dünn genug“ bin. Ich habe dadurch höchstwahrscheinlich eine Art von körperdysmorphe Störung entwickelt und fühle mich bis heute fett (trotz Normalgewicht für meine Körpergröße). Es hieß immer nur, wie viel „besser“ ich ja sein könnte, wurde ich nicht so schwer sein.
… hat er mir gedroht mich aus der Gruppe rauszuwerfen, wenn ich es nicht schaffe ein bestimmtes Gewicht innerhalb einer Zeitspanne (von keinem Monat) zu erreichen."

Es wurde scheinheilig "untersucht" und nun bin ich der Depp und werde zur Zielscheibe. 

Das System schützt sich selbst ... solange der Erfolg stimmt.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - aj_runner - 12.09.2025

(12.09.2025, 19:09)trackANDfield schrieb: Es wurde scheinheilig "untersucht" und nun bin ich der Depp und werde zur Zielscheibe. 

Das System schützt sich selbst ... solange der Erfolg stimmt.

Gehe ich Recht in der Annahme, dass bei den diskutierten Fällen es sich (zumind. fast) ausschließlich um Hauptamtliche Trainer handelt, die ggf. in Personalunion noch weitere Verantwortungsbereiche wie Landes- oder Bundestrainer haben? Dann würde ich ja die Kreis der potenziellen Täter stark eingrenzen.
Nach diesem Medienecho wäre es das mindeste, dass jeder Arbeitgeber mit seinen angestellten Trainer einen eindeutigen Verhaltenskodex durchgeht und diesen auch unterschreiben lässt. Das müsste dann zumind. für jeden eine Warnung sein, spätestens ab jetzt sein Verhalten zu ändern. Ergänzend weiß ich nicht, wie ein AG nach dieser Doku sich noch erlauben könnte, zukünftig wegzuschauen.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Garl - 12.09.2025

Eine Verhaltensänderung vieler Beteiligter (Trainer wie Funktionäre etc.) in der Zukunft wäre sehr wünschenswert und muss in meinen Augen auch das primäre Ziel sein. Vor allem die Präventionsarbeit sollte spätestens jetzt in den Fokus rücken. Vor allem Kinder und Jugendliche sollten regelmäßig darüber unterrichtet werden, welches Verhalten von Trainern und Verantwortlichen zum Sport gehört und welches Verhalten "nicht normal" (fast alle negativ Beispiele wurden ja bereits hier genannt) ist und gemeldet werden darf/muss. Sie sollten jederzeit wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - gocgn - 12.09.2025

(12.09.2025, 21:32)Garl schrieb: Vor allem Kinder und Jugendliche sollten regelmäßig darüber unterrichtet werden, welches Verhalten von Trainern und Verantwortlichen zum Sport gehört und welches Verhalten "nicht normal" (fast alle negativ Beispiele wurden ja bereits hier genannt) ist und gemeldet werden darf/muss. Sie sollten jederzeit wissen, a wen sie sich vertrauensvoll wenden können.

Genau das ist eventuell ein wichtiger Punkt, um gewisses Selbstvertrauen auf zu bauen. Als Athletin ist man da ggf. in jüngeren Jahren unsicher was “normal” ist und was Grenzüberscheitend ist. Vor allem in jungen Jahren was zwischenmenschliche Beziehungen angeht.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - dominikk85 - 13.09.2025

Mike powell ist auch gesperrt worden. Steht zwar nicht worum es geht, aber klingt auch in die richtung 

Mike Powell: Long jump world record holder suspended indefinitely - BBC Sport https://share.google/eE0yak8EoIVQt7aPN


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Paragraf - 13.09.2025

Der DLV äußert sich: https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/81118-angebote-und-konzepte-noch-besser-adressieren