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Alexander Gladitz - Druckversion

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RE: Alexander Gladitz - dominikk85 - 09.03.2015

(07.03.2015, 14:39)DerC schrieb:
(05.03.2015, 22:45)Robb schrieb: Das bringt aber nichts, wenn ihm die Schnelligkeitsausdauer fehlt und das scheint mir das Hauptproblem der deutschen Läufer zu sein.
Genau so ist das. Pavel Maslak hat ja gerade im Interview von einer interessanten Einheit berichtet:

"Ein hartes Tempoausdauerprogramm, das ich regelmäßig absolviere, sind 3x3x300 Meter. Meine Bestleistung – bezogen auf die Durchschnittszeit für die neun Läufe – steht bei 39,73 Sekunden."

Interview mit Pavel Maslak

Und was ist das für ein Programm? Das ist ein Mittelstreckenprogramm. Die Zeiten sind ja nicht soo schnell ... im schnitt 13,25 über 100, macht ne 53 über 400 bzw 1'46 über 800. Etwa 85 % der Geschwindigkeit von 45,0 über 400.

Maslak würde die deutschen 400m Läufer über jede längere Strecke noch gnadenloser zersägen als schon über 400m. Genauso übrigens ein Harald Schmid in Bestform, gegen den würde über 800m kein aktueller deutsche 400m Läufer einen Stich sehen (die dt 800m Läufer leider tendenziell auch nicht). Das Problem ist nicht die Unterdistanz. Das Problem ist die spezielle Ausdauer, die Überdistanz. Erst wenn die hoch genug ist, werden auch die härtesten spezifischen programme verkraftet.

In D wird vermutlich versucht die Abkürzung zu nehmen: Harte spezifische Programme, Sprintausdauer, aber die Basis ist zu mager. Das sieht man auch schön daran, dass die besten meist nur 1-2 relativ gute Tage pro Jahr haben. Die Stabilität käme aus der höheren Ausdauer, die wird aber wohl vernachlässigt.

Im prinzip wäre die Lösung nicht so schwer: Schickt die 400m Läufer zu den Mittelstreckentrainern ... Teufel

Gruß

C
Maslak ist aber auch bei der EM die ersten 200 in 20.99 gelaufen. Dazu muss man die 200 schon mal mindestens in 20.50 laufen können.

Das kann bei uns keiner der 400m Läufer. Die Ausdauer muss dann aber auch noch stimmen, eine Esther cremer müsste ja von der 100m Bestzeit eigentlich auch schneller laufen, aber bei ihr fehlt ja schon die 200m Ausdauer (11.44 aber nur 23.10, eine 400m Läuferin sollte mit der 100m zeit eigentlich ne 22.80 laufen).

Es ist also garnicht so einfach, man muss einen schnellen Mann haben der auch noch gute ausdauerfähigkeiten hat. Das gibt es nicht oft. Die unterdistanzleistung muss da sein, aber sie reicht halt allein nicht aus ( und auch Ausdauer ist zu einem Großteil Veranlagung, nicht jeder kann da top werden).


RE: Alexander Gladitz - Robb - 09.03.2015

(09.03.2015, 21:10)PeterSaalmann schrieb:
(07.03.2015, 14:39)Der C schrieb: Das Problem ist nicht die Unterdistanz. Das Problem ist die spezielle Ausdauer, die Überdistanz. Erst wenn die hoch genug ist, werden auch die härtesten spezifischen programme verkraftet.

Im prinzip wäre die Lösung nicht so schwer: Schickt die 400m Läufer zu den Mittelstreckentrainern ... Teufel

Demnach sind Jonas Hanßen und Felix Franz ja auf dem richtigen Weg, die beiden sind im Winter über Cross gelaufen; Hanßen auch richtig lange zwischen 3 und 4 km. Von Hanßen weiß auch, das er am Anfang und Ende der Saison teilweise Mittelstrecken läuft (800/1000).
Felix Franz ist Cross gelaufen? Welche Strecken? Ich hab bei unseren 400m Hürden Läufern immer die Befürchtung, dass sie an eine Grenze stossen, weil keiner von ihnen die 400m flach unter 46 Sekunden laufen kann. Nur mit solchen Zeiten läuft man aber unter 48,5 über die Hürden.


RE: Alexander Gladitz - PeterSaalmann - 09.03.2015

Franz ist gegen einige Hürdenläufer/Mittelstreckler in Pforzheim 600 Cross gelaufen (innerhalb 30min),, danach mein ich noch 2-3 bei sich in der Region.
Die Hürdenläufer die ich kennen sind im Winter auch auf Profilrunden gegangen, sowas  600-1000 * 5 in die Richtung hatten die als Programm.
Pforzheim und Darmstadt waren aber bei Speedcross (600m) nicht schlecht besetzt was Hürdenläufer angeht. Die Namen hab ich aber nicht genau im Kopf, ich mein Heimann ist da auch gelaufen, ich kenn mich bei allen was kürzer als 800m ist nicht so gut aus


RE: Alexander Gladitz - DerC - 10.03.2015

(09.03.2015, 21:23)dominikk85 schrieb: Die Ausdauer muss dann aber auch noch stimmen, eine Esther cremer müsste ja von der 100m Bestzeit eigentlich auch schneller laufen, aber bei ihr fehlt ja schon die 200m Ausdauer (11.44 aber nur 23.10, eine 400m Läuferin sollte mit der 100m zeit eigentlich ne 22.80 laufen).
Und wenn man aktuelle 100m Zeiten (oder vielleicht noch besser fliegende 50m oder so) unserer männlichen Langsprinter nehmen würde, würde man wahrscheinlich feststellen, dass das bei vielen ähnlich ist. D. h., allein bei den 200 zu schauen ist quatsch.

(09.03.2015, 21:23)dominikk85 schrieb: Es ist also garnicht so einfach, man muss einen schnellen Mann haben der auch noch gute ausdauerfähigkeiten hat. Das gibt es nicht oft. Die unterdistanzleistung muss da sein, aber sie reicht halt allein nicht aus ( und auch Ausdauer ist zu einem Großteil Veranlagung, nicht jeder kann da top werden).
Hat jemand versprochen, dass es leicht sei? Aber wir hatten ja die Talente wie Zender. So jemand muss auf den 400 oder 800 durchkommen.

Es wird jetzt hoffentlich besser werden, falls sich der deutsche Kurzsprint auf höherem Niveau stabilsieren kann. Das sollte mehr 200m LäuferInnen dazu treiben, es mal mit den 400 zu versuchen. Wenn ich der entsprechende Trainer wäre, würde ich eh alle 200m Läufer einen 400er pro Jahr laufen lassen. Das schadet den Jamaikanern seltsamerweise auch nicht. Und man könnte so Talente finden.

Ausdauer ist der Teil, der gut trainierbar ist, wenn die Veranlagung nicht ganz genau passt. Meine Theorie ist, dass jeder eine theoretische Idealstrecke hat, auf der er seine beste Leistung bringen kann. Diese Strecke stimmt normalerweise nie genau mit den klassischen olympischen Strecken überein. Wo die Idealstrecke liegt, wird durch Training und Veranlagung bestimmt.

Wenn ein Läufer jetzt aktuell 300m als Idealstrecke hat, muss man das durch Training möglichst nah an die 200 oder 400 verschieben, falls man sich entscheiden will … oder eben beides Laufen. Wenn Wille und Disziplin da sind, ist die Verschiebung nach oben im Schnitt leichter, weil Grundschnelligkeit stärker vom angeborenen Talent abhängt als Ausdauer.

Aber auch da gibt es grenzen. Manche LäuferInnen sind sehr vielseitig, sie können vom 800 zum 10000m Läufer werden und über eine solche Platte gute Leistungen anbieten. Andere haben einen kleineren Spielraum, gerade bei den richtig guten 400m Leuten geht es normalerweise maximal bis 800 oder 1000 hoch.

Wichtig ist die Identifikation der Veranlagung und die Abstimmung des Trainings darauf. Im Wettkampf laufen Läufer A (Idealstrecke 356m) und B (Idealstrecke 509 m) beide 400m gegeneinander. Training und Wettkampftaktik sollten sich aber unterscheiden.

(09.03.2015, 21:28)Robb schrieb: Ich hab bei unseren 400m Hürden Läufern immer die Befürchtung, dass sie an eine Grenze stossen, weil keiner von ihnen die 400m flach unter 46 Sekunden laufen kann. Nur mit solchen Zeiten läuft man aber unter 48,5 über die Hürden.
Gollnow ist 2013 unter 46 gelaufen. Bei Königsmark und Franz halte ich es für wahrscheinlich, dass sie 2014 an den Tagen, an denen sie ihre SBs über 400m H gelaufen sind, flach unter 46 hätten bleiben können, wenn auch nicht so viel. Da muss man ein wenig aufpassen, weil die 400 flach in Topform nicht unbedingt gelaufen werden.

Aber prinzipiell fehlt da eben noch einiges ... zumindest wenn man z. B. mit Harald Schmid vergleicht. Könnten sie ne tiefe 45 anbieten, würde über die Hürden eben auch mehr gehen.

gruß

C


RE: Alexander Gladitz - DerC - 10.03.2015

(09.03.2015, 21:39)PeterSaalmann schrieb: Franz ist gegen einige Hürdenläufer/Mittelstreckler in Pforzheim 600 Cross gelaufen (innerhalb 30min),, danach mein ich noch 2-3 bei sich in der Region.
Die Hürdenläufer die ich kennen sind im Winter auch auf Profilrunden gegangen, sowas  600-1000 * 5 in die Richtung hatten die als Programm.
Pforzheim und Darmstadt waren aber bei Speedcross (600m) nicht schlecht besetzt was Hürdenläufer angeht. 
Das sind sicher Elemente die man für einige Läufer erfolgreich benutzen kann. Es sind auch seit Jahren Elemente von Clyde Harts erfolgreichen Trainingsprinzipien bekannt. Da wurde Ausdauer auch über recht langsame 200er mit kurzen Pausen aufgebaut - nah am klassischen Intervalltraining, wie wir es von Mittel- und Langstrecke kennen.

gruß

C


RE: Alexander Gladitz - dominikk85 - 12.03.2015

(10.03.2015, 09:01)DerC schrieb: Es sind auch seit Jahren Elemente von Clyde Harts erfolgreichen Trainingsprinzipien bekannt. Da wurde Ausdauer auch über recht langsame 200er mit kurzen Pausen aufgebaut - nah am klassischen Intervalltraining, wie wir es von Mittel- und Langstrecke kennen.
die Athleten die Hart bekommt haben aber meistens ein ganz anderes Grundschnelligkeitsniveau, wenn ich 10.20 Sprinter bekomme fällt es leichter sich auf die Ausdauer zu konzentrieren.

wenn meine 400m Läufer dagegen die 200m schon über 21 laufen muss man andere Schwerpunkte setzen.


RE: Alexander Gladitz - Robb - 12.03.2015

Mich würde eine Analyse der beiden 200m Teilzeiten deutscher 400m Läufer interessieren, wieviel verlieren sie auf den zweiten 200m im Vergleich zur Weltklasse? Ich hab bei den meisten Deutschen das Gefühl, sie verlieren auf den zweiten 200m zuviel. Mit entsprechender Ausdauer müßte man auch gar nicht so schnell sein über 200m, Renny Quow lief im Finale der WM in Berlin die ersten 200m in 22,43s, die zweiten in 22,59s, also fast zeitgleiche Abschnitte. Merritt lief die zweiten 200m eine Sekunde langsamer als die ersten, gibts irgendwo Zeiten deutscher Läufer?


RE: Alexander Gladitz - CassiusKlay - 12.03.2015

Das sind dann aber reine 400m-Läufer oder sogar ehemalige Mittelstreckler. Schau dir Pavel Maslak an..in Prag lief er im Finale 20.99/24.35, also auch nicht sonderlich gut hinten Wink

Die deutschen, "guten" 400m-Läufer sind meistens recht schnell, weil sich vermutlich niemand das Training eines Langsprinters antun will...


RE: Alexander Gladitz - DerC - 12.03.2015

(12.03.2015, 11:28)dominikk85 schrieb:
(10.03.2015, 09:01)DerC schrieb: Es sind auch seit Jahren Elemente von Clyde Harts erfolgreichen Trainingsprinzipien bekannt. Da wurde Ausdauer auch über recht langsame 200er mit kurzen Pausen aufgebaut - nah am klassischen Intervalltraining, wie wir es von Mittel- und Langstrecke kennen.
die Athleten die Hart bekommt haben aber meistens ein ganz anderes Grundschnelligkeitsniveau, wenn ich 10.20 Sprinter bekomme fällt es leichter sich auf die Ausdauer zu konzentrieren.

wenn meine 400m Läufer dagegen die 200m schon über 21 laufen muss man andere Schwerpunkte setzen.
Nein. Das ist ein Trugschluss. Gerade wenn ein Langsprinter nicht so grundschnell ist, muss er mehr über die Ausdauer kommen. Du kannst ja die Grundschnelligkeit nicht beliebig verbessern.

Man muss sich auf das konzentrieren was man verbessern kann. Leute wie Thomas Schneider oder Gaba sind nicht erst seit gestern dabei,  sicher dass man da noch viel über die Grundschnelligkeit machen kann? 

Man kann dagegen fast immer noch an einer besseren Umsetzung von 200 auf 400 arbeiten, einzige Ausnahme wären u. U. wirklich AthletInnen, die von den 800 kommen oder vielleicht sowas wie ein austrainierter Weltrekordler.

Auf der anderen Seite:  Der 10,20 Sprinter muss möglichst viel von dieser Fähigkeit erhalten, er kann sich auch nicht nur auf die Ausdauer konzentrieren.

Und nicht vergessen: Schon für die 200 spielt die Sprintausdauer eine große und auch so etwas wie aerobe Ausdauer eine signifikante Rolle. D. h., mit 200m Zeiten gibst du nicht die reine grundschnelligkeit wieder. Auch die 200m Zeit kann schon ein zeichen von Ausdauermangel beinhalten bzw. auf der anderen Seite eine große Sprintausdauer zeigen.

Mangelnder Speed von unten kann aber nie eine Ausrede sein für falsches Training oder falsche Taktik.

Übrigens: Maslak ist in der Euphorie in Prag wohl etwas zu schnell angegangen. Außerdem ist es auch etwas anderes, wenn die antreibende ernsthafte Konkurrenz fehlt. 

Gruß

C


RE: Alexander Gladitz - Atanvarno - 14.06.2015

(05.03.2015, 12:04)CassiusKlay schrieb: Was haltet ihr von Alexander Gladitz bzw. wie schätzt ihr sein Potential für die kommenden Jahre ein? Kann er vielleicht den deutschen Langsprint neu beleben?

Ich persönlich halte eine 45,xy noch in diesem Jahr für möglich.
Seine Grundschnelligkeit ist schon jetzt herausragend und ermöglicht ziemlich schnelle Rennen über die Stadionrunde.
Chapeau Thumb_up