Leichtathletikforum.com
Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Druckversion

+- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com)
+-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1)
+--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2)
+--- Thema: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie (/showthread.php?tid=667)

Seiten: 1 2 3 4 5 6


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Halloo - 18.11.2014

(18.11.2014, 15:16)Gertrud schrieb: Entscheidend ist aus meiner Sicht das Talent. Die Sichtweise, ob eine Athletin ein Talent ist,  entscheide ich für meinen Geschmack noch immer selbst. Beate Peters fiel bei Wilfried Hurst damals durch den Rost. Ich war von ihr auf Grund der physischen, aber vor allem der psychischen Fähigkeiten total überzeugt. 

Ich würde z. B. Chiara und ihrem Vater sicherlich reinen Wein einschenken. Ich halte das für ehrlich. Daher halte ich die Aussage von W. Heinig auch für ehrlich, wenn er sich nicht mit Mittelmaß beschäftigen möchte. Man muss es nicht „Ballast“ nennen.

Gertrud

Beate hat den Speer nahe an die 70m geworfen, und sie wird vorher nicht bei 30m rumgedümpelt haben. Fest steht, dass aus einem Ackergaul nie ein Rennpferd wird, und am Ende der Pub. ein Talent gut sichtbar ist. Ganz bestimmt sogar, wenn vorher schon jahrelang intensiv trainiert wurde. Ich möchte Chiara natürlich nicht mit einem Ackergaul vergleichen, sie ist sehr zierlich für eine Mehrkämpferin.  Ihre Stärken liegen auch nicht im Speerwurf (einer Siebenkampfdisziplin). Sie ist eine sehr engagierte Sportlerin, die viel für ihren Sport gibt und im Mehrkampf nach vorne kommen möchte. Genau wie Sie Frau Schäfer ist die junge Leichtathletin sehr extrovertiert (scheint mir wenigstens so), und eine Veröffentlichung folgt der anderen - wohl unterstützt oder organisiert durch die hier postende MUTTER. Das wurde im alten Forum, wie ein User treffend bemerkte, zerrissen. Der Druck von außen wird zu groß, umso größer wird/würde der Fall/die Enttäuschung sein. Also würden Sie und Chiara in Sachen Mitteilungsbedürfnis recht gut zusammen passen. Nur das Leistungsvermögen stünde gem. ihrer Trainingsphilosophie entgegen. Und wer weiß, für was das gut wäre. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, als ein Siebziger mit einem Mädel oder Buben in Chiaras Alter allein zu trainieren. Irgendwas würde fehlen, in jedem Fall der Kontakt im Training mit Gleichgesinnten. Das Für und Wider  muss man hier nicht diskutieren, da herrscht in Trainerkreisen wohl eine (fast) einheitliche Auffassung. Es geht nicht ausschließlich um Leistung, auch die soziale Seite ist zu beachten und sehr wichtig.
Chiara soll  ihren Sport betreiben und Spaß daran haben. Ich wünsche ihr jedenfalls sportliche Erfolge, die man auch im Stillen genießen kann. Irgendwann wird der organisierte Hype abflauen und sich alles relativieren.


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - MZPTLK - 18.11.2014

Man mag mit Gertruds Vorgehensweise konform gehen oder nicht,
aber im Gegensatz zu vielen anderen weiss man bei ihr, wo und wie es langgehen soll, und das ist vorbildlich.


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Halloo - 18.11.2014

(18.11.2014, 17:48)MZPTLK schrieb: Man mag mit Gertruds Vorgehensweise konform gehen oder nicht,
aber im Gegensatz zu vielen anderen weiss man bei ihr, wo und wie es langgehen soll, und das ist vorbildlich.

Vorbildlich?? Bleiben wir doch besser bei konsequent. Über Vorbildfunktion kann man trefflich streiten. Man kann das so oder so sehen,
Personen müssen sich  nicht unbedingt vorbildlich verhalten wenn man von ihnen weiß, wo es langgehen soll.
Frau Schäfer ist allerdings in vielen Dingen konsequent, was sich kontinuierlich in ihren Beiträgen spiegelt (Erfolge ihrer Schützlinge vergangener Zeit, Mobbing, Besserwisserei, natürlich auch die Trainingsphilosophie bezüglich "Perlen") Tongue
 


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Gertrud - 18.11.2014

(18.11.2014, 20:37)Halloo schrieb: Vorbildlich?? Bleiben wir doch besser bei konsequent. Über Vorbildfunktion kann man trefflich streiten. Man kann das so oder so sehen,
Personen müssen sich  nicht unbedingt vorbildlich verhalten wenn man von ihnen weiß, wo es langgehen soll.
Frau Schäfer ist allerdings in vielen Dingen konsequent, was sich immer wieder in ihren Beiträgen spiegelt (Erfolge ihrer Schützlinge vergangener Zeit, Mobbing, Besserwisserei, natürlich auch die Trainingsphilosophie bezüglich "Perlen") Tongue
 

Ich halte es für richtig, wenn man sich im Leben für etwas entscheidet. Jeder Mensch sollte Träume haben, wobei man nie weiß, ob sie sich erfüllen. Manche bleiben natürlich zeitlebens "Traumtänzer", weil die Umstände die Erfüllung nicht zulassen. 

Als Ghada Shouaa damals bei mit trainieren wollte, habe ich schweren Herzens verzichtet, weil zwei Athleten wie Sabine und Ghada in einer Gruppe schwierig zu handhaben sind und weil Ghada leider durch gewichtheberisches Training arg lädiert war. Sie hatte alles, was man sich als Trainerin erträumt: unglaubliche athropometrische Maße und enorme Willensqualitäten auch in großen Wettkämpfen und eine Aufmerksamkeit von wahnsinnigem Ausmaß. Ein solches Mädchen kann bei gesundem und sehr gezieltem Training den WR torpedieren. Sie hätte nur in ganz jungen Jahren in die richtigen Hände gehört. Sie hat sofort meine Trainingsansätze verstanden.

Es ist doch nun wirklich nicht illusorisch, wenn ich in meiner Position noch vom Training mit einem ehrgeizigen begabten Athleten träume. Ich betrachte es auch nicht als überheblich, wenn ich meine, dass ich alle Voraussetzungen dafür als Trainerin mitbringe. Ich strebe in meinem Alter sicherlich kein Amt in Verbänden an oder im Senioren- oder Behindertensport. Das Angebot hatten ich auch; aber das überlasse ich anderen und zwar nicht aus Überheblichkeit, sondern weil mein Herz für die Top-LA schlägt und man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann und sollte. Ich schaue auch nicht auf den Dorf-Übungsleiter herab, sondern wertschätze deren Arbeit. Nur aus meiner Sicht will ich mich auf Spezialisten im gehobenen Segment konzentrieren. Ich bin der Meinung, dass z. B. Breiten- und Leistungssport zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind.

Ich werde wahrscheinlich auch noch mit 90 Jahren (falls es mir vergönnt ist) wissenschaftliche Sportbücher lesen, weil mich körperliche Forschungen unheimlich faszinieren. 

Gertrud


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - MZPTLK - 18.11.2014

(18.11.2014, 20:37)Halloo schrieb:
(18.11.2014, 17:48)MZPTLK schrieb: Man mag mit Gertruds Vorgehensweise konform gehen oder nicht,
aber im Gegensatz zu vielen anderen weiss man bei ihr, wo und wie es langgehen soll, und das ist vorbildlich.

Vorbildlich?? Bleiben wir doch besser bei konsequent. Über Vorbildfunktion kann man trefflich streiten. Man kann das so oder so sehen,
Personen müssen sich  nicht unbedingt vorbildlich verhalten wenn man von ihnen weiß, wo es langgehen soll.
Genauso meinte ich das. Damit sollte nicht gesagt sein, dass alles, was Gertrud inhaltlich tut, vorbildlich sei(n muss), aber ich vermute, sie hat eine sehr hohe Quote.


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Hinkebein - 19.11.2014

(18.11.2014, 15:16)Gertrud schrieb: Ich würde z. B. Chiara und ihrem Vater sicherlich reinen Wein einschenken. Ich halte das für ehrlich. Daher halte ich die Aussage von W. Heinig auch für ehrlich, wenn er sich nicht mit Mittelmaß beschäftigen möchte. Man muss es nicht „Ballast“ nennen.

Gertrud

Ich sehe das genauso, auch jungen Athleten sollte man reinen Wein einschenken. Ansonsten ist die Enttäuschung später umso größer und der Fokus wurde falsch gesetzt.


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Gertrud - 19.11.2014

Die zentrale Frage ist sicherlich: "Wie werde ich erfolgreich?" Es ist doch erlaubt oder sogar notwendig, dass jeder Trainer, der mal Spitzenleute trainieren möchte, sich diese Frage stellt und sich dieser Frage auch stellt. Ich war an den Grenzen der Kapazität angelangt, als ich ich in Wattenscheid als nebenberufliche Trainerin fünf Athletinnen und Athleten auf einem gewissen Niveau trainiert habe. Das würde ich heute sicherlich auf den Kern zusammenschmelzen, weil diese Situation in meiner Akribieform sicherlich den Rahmen sprengt und auch für meine Gesundheit nicht gut war. Man muss nur individuell aus solchen Situationen Lehren ziehen. Letztens habe ich noch mit einer Athletin gesprochen, die bei einem Toptrainer in einer großen Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes "mittrainiert" hat. Ich finde, dass man im Topbereich fair sein und seine Aufmerksamkeit nicht teilen sollte. 

Deshalb kann ich Wolfgang Heinig auch nachempfinden, dass er sich bei einem "Diamanten" wie Tesfaye auf dieses "Juwel" vornehmlich konzentriert und sein Wissen als Bundestrainer ebenfalls weitergeben muss!!! Ich ziehe für meine Situation sehr klare Grenzen. Sollte ich jemals wieder einen Topathleten trainieren, gilt mein Augenmerk nur diesem Athleten. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur dann das Maximum herauskommt, und nur das will ich! Ich habe ganz präzise Vorstellungen, welche Leute ich auch im Wissenschaftsbereich daran beteiligen würde. Ich stelle ja anderen Trainern kein Bein. Im Gegenteil - ich bin in gewisser Weise sehr offen und diskussionsfreudig.

Ich habe ganz spezielle Vorstellungen hinsichtlich gesundheitlicher Permanentchecks, die die Verletzungsträchtigkeit in sehr engen Grenzen halten können, woran ich an der technischen Verfeinerung permanent arbeite, aber natürlich auf eine sehr spezielle Begleitung achten würde. In der Hinsicht würde ich schon meinen eigenen Kopf durchsetzen und mir nichts von außen aufsetzen (vielleicht zum Leidwesen einiger Wink) lassen. 

Gertrud


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Knueppler - 19.11.2014

(18.11.2014, 15:16)Gertrud schrieb: Ich würde z. B. Chiara und ihrem Vater sicherlich reinen Wein einschenken. Ich halte das für ehrlich. Daher halte ich die Aussage von W. Heinig auch für ehrlich, wenn er sich nicht mit Mittelmaß beschäftigen möchte. Man muss es nicht „Ballast“ nennen.

Gertrud

Naja, bezüglich ihres Talents sollte man nicht voreilig urteilen.
Im alten Leichtathletik-Forum hatte ein nicht ganz unbekannter Forist ihr nur "mittelmäßiges Talent" bescheinigt.
Schon damals musste ich darüber schmunzeln. Mit 15 Jahren springt sie nun immerhin schon 5,48m.
Im Sprint sehe ich bei ihr noch deutliches Entwicklungspotenzial, was sich dann kurz- bzw. mittelfristig auf die Weitsprungleistung auswirken würde. Aber gut, ich bin nicht ihr Trainer  ;-)


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - Halloo - 19.11.2014

(19.11.2014, 12:49)Knueppler schrieb:
(18.11.2014, 15:16)Gertrud schrieb: Ich würde z. B. Chiara und ihrem Vater sicherlich reinen Wein einschenken. Ich halte das für ehrlich. Daher halte ich die Aussage von W. Heinig auch für ehrlich, wenn er sich nicht mit Mittelmaß beschäftigen möchte. Man muss es nicht „Ballast“ nennen.

Gertrud

Naja, bezüglich ihres Talents sollte man nicht voreilig urteilen.
Im alten Leichtathletik-Forum hatte ein nicht ganz unbekannter Forist ihr nur "mittelmäßiges Talent" bescheinigt.
Schon damals musste ich darüber schmunzeln. Mit 15 Jahren springt sie nun immerhin schon 5,48m.
Im Sprint sehe ich bei ihr noch deutliches Entwicklungspotenzial, was sich dann kurz- bzw. mittelfristig auf die Weitsprungleistung auswirken würde. Aber gut, ich bin nicht ihr Trainer  ;-)

Nur weil  von einem LA-Mädel (bzw. von  ihrem familieren Umfeld)  soviel über das Private und Sportliche in die Öffentlichkeit getragen wird, ist das hier ein (Neben)thema geworden. Habe gerade mal bei der wieder vorhandenen Leichtathletik Datenbank nachgesehen, das kann jeder. Natürlich ist es nicht möglich, genaue Ferndiagnosen zu stellen, doch die Leistungsentwicklung in Relation zum langjährigen, intensiven und umfangreichen Training könnte besser sein - und veröffentlichte Videos sagen auch viel aus. Zur wohl stärksten Disziplin, dem Weitsprung: 5,48m sind für ein Mädel derAK 5,48m nicht schlecht, doch der zweitbeste diesjährige Wettkampf im Freien ist lt. Datenbank 23cm schwächer - bei ca. 10 Bewerben mit Weitsprung (viele Mehrkämpfe). Gelegentlich steht sogar eine 4 vor dem Komma.
Sicher wünschen wir dem Mädel viel Erfolg, weil sie soviel dafür investiert. Ist doch klar. Doch für die nationale Spitze wird es nicht reichen. Muss es auch nicht, wenn der Spaß bleibt. Ob der Spaß bei einem Zweiergespann Trainer/in-Aktive erhalten bliebe?????? Im Allgemeinen ist das eher im älteren Jugend-  und Erwachsenenbereich - wenn überhaupt - üblich, und das Konzept von Frau Schäfer wäre möglicher Weise angebracht.


RE: Gertrud Schäfers Trainingsphilosophie - LA2020 - 19.11.2014

Ihr ist sehr wohl bewusst, dass sie in der nationalen Ebene nicht mithalten kann. Das hat sie bei den Deutschen Meisterschaften ja selbst erfahren und die Konkurrenz gesehen. Darum geht es auch nicht. Wenn jeder nur Sport machen würde um ganz oben zu stehen, hätten wir keinen Sport. Unsere Tochter ist durchaus realistisch.

Von Anfang an war klar, dass ihr eigentliches Talent möglicherweise im Biathlon oder in der Langstrecke liegen könnte. Da hat sie aber nicht allzu viel Interesse daran. Hat aber beides bereits absolviert und ist gut auf den Brettern. Sie hat auch gerne ein Gewehr in der Hand. Aber erstens war uns das von Anfang an zu teuer, zweitens wollte sie die LA nicht aufgeben. Für diese Wintersport-Karriere ist es damit im Prinzip nun auch zu spät.

Für das was sie in der Leichtathletik erreichen kann, sind die Begebenheiten hier ausreichend. Ja, sie trainiert sehr ausgiebig, aber nicht mit dem hauptsächlichen Ziel der Leichtathletik. Ihr Hauptziel ist ein Sportstudium. Auch das ist fraglich. Man muss erst einmal das Abitur haben. Dann kann sie weiter sehen. Aber im Prinzip kann man ihr stets einen sportlichen Knochen vorwerfen, sie nimmt ihn an. Auch im Bereich Calisthenics, was derzeit sogar eher in den Fordergrund tritt und die Leichtathletik sogar verdrängen könnte. Das wäre dann eine Randsportart noch viel weiter am Rand neben der Randsportart Leichtathletik.

Von einem Trainer der ggf. höherwertigere Athleten trainieren will und sich darauf beschränkt, muss man natürlich Klarheit und Wahrheit erwarten können. Da hat Frau Schäfer natürlich Recht und sicherlich wäre sie da auch geradlinig.