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Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Druckversion

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RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - mariusfast - 16.08.2025

(16.08.2025, 07:34)Diak schrieb: wer sich für einen Überblick zu Thema interessiert, dem sei hier leichtathletiktraining vom Juli 2023 ans Herz gelegt, ich habe da in einem Übersichtsartikel einiges über optimales Elternverhalten zusammengefasst. 

Ich stolpere über den Threadtitel, vielleicht übertrieben sprachsensibel: Die wichtigste Unterstützung für das Kind ist die Liebe der Eltern, die in der Tat bedingungslos sein sollte. Die Unterstützung des sportlichen Handelns ist ehrlicherweise durchaus an Bedingungen geknüpft, die ich für richtig und wichtig halte: Eure Hauptverantwortung liegt in der körperlichen und seelischen Gesundheit des Kindes, also kein Umfeld, das Doping tolerieren würde, unbedingt eines, das für Gewaltfreiheit einsteht und die langfristige Leistungsentwicklung in den Blick nimmt. Meiner Erfahrung nach ist dazu hilfreich, wenn Eltern und Trainer:innen zentrale Werte teilen. Darüberhinaus unterstelle ich, dass auch das Verhalten des Kindes (Fleiß, Begeisterung, Kameradschaftlichkeit) Bedingungen darstellt. 

Zu den Erwartungen möchte ich ergänzen, dass diese nicht explizit sein müssen, um die Entwicklung langfristig zu stören. Auch große Hoffnungen von Eltern, die sich nicht selten in eben dieser bedingungslosen und distanzarmen Unterstützung manifestieren, erzeugen potentiell einen erheblichen impliziten Druck und Enttäuschungspotential. 

In dem Artikel versuche ich darzulegen, dass die optimale Elternrolle in großer Nähe und Interesse am ganzen Kind bei gleichzeitiger relativer Distanz zum sportlichen Handeln besteht. Meine Befragungen von Kaderathlet:innen zum Thema führen immer wieder in Varianten auf die Formel: "auf der Tribüne sitzen und Güte ausstrahlen"

Versucht also gern, dem Kind möglichst oft die Unterstützung zu schenken, die es sich wünscht, und sprecht darüber, was es sich wünscht (wird zu selten gemacht und ist oft erhellend) Uns Trainern ist Verbindlichkeit wichtig und die Unterstützung / Rücksichtnahe bei Terminplanungen. Der Familienurlaub darf also gern mit der Jahresplanung synchronisiert werden, muss/sollte aber nicht immer ausfallen. Und wenn Omma 90 wird und findet, dass das Kind dabei sein sollte, dann ist das vielleicht wichtiger, als die eine Trainingseinheit. 

Für den sportlichen Erfolg ist nicht entscheidend, ob es nächstes Jahr der Bundeskader wird, kapriziert möglichst wenig Erwartungen darauf, denn Entwicklung erfolgt nicht linear. Erfolg hat, wer sich möglichst unabhändig von aber mit Unterstützung durch die Institutionen gut aufstellt. Wenn immer möglich, sollte das am Wohnort oder wohnortnah erfolgen. Eliteschulen des Sports gehen nicht mit besseren sportlichen Leistungen aber mit schwächeren Schulabschlüssen einher! Ein Internat ist nur geboten, wenn im Umfeld auch mit kreativen Lösungen und viel Fahrerei nichts zu machen ist.

Für konkrete Fragen stehe ich gern zur Verfügung
Ich frage mich was man dann damals die DDR richtig gemacht hat. Da waren sie ja auch in Internaten untergebracht und in extra Schulen oder, wo sie zusätzl. Noch gefördert wurden und auf den Leistungssport indiv. angepasst wurde. Und nein bei den Noten kann man diesmal nun wirklich nicht "Doping" als alleinige Begründung nehmen. Dort hat es ja auch geklappt und gute Noten waren Voraussetzungen, dass man im Internat bleiben kann

Zur Wichtigkeit von Bundeskaderzugehörigkeit , die Voraussetzung für Professionalisierung ist, 
 zitiere ich mal aj_runner aus dem Hindernis Thread. 

  1. Zitat:[quote pid="208958" dateline="1754860700"]
    Bebendorf machte eine Ausbildung, ohne dass auf den Sport Rücksicht genommen wurde. Beide (Ruppert  & Bebendorf) entwickelten sich erst in Richtung internationale Spitze, nachdem sie bei der Bundeswehr angestellt wurden.

    [/quote]

Also bezogen darauf, dass Bebendorf und Ruppert erst jetzt Ende 20 so einen Sprung machten und es auch schon Mitte 20 möglich gewesen wäre in einem abgestimmteren System

Edit: Dass die Noten in der Oberstufe abfallen können, wenn man den Leistungssport  noch intensiviert, hat vllt. Auch etwas damit zu tun, dass es noch mehr Betreuung benötigt etc. .Also mein Blick geht dann daher wie kann man es verbessern anstatt Eliteschule sind ja eh scheiße, weil ich mich kontextlos auf irgendeine Studie beziehe.

Wir hatten das Thema eh schon X Mal. Man darf nicht  ignorieren, dass der Normalo den Leistungssport beendet in der Jugend, weil die Schule wichtiger ist.
Und das mit den schlechteren sportlichen Leistungen an Eliteschulen d. SPORTS. Das ist mir viel zu pauschal. Hattten wur auch schon x mal. Wenn nicht die richtigen Stützpunkte mit Trainer etc da sind, bringt es bspw. natürlich nichts, oder wenn die talentierten Athleten gar nicht erst dort hingehen, weil sie erst mit 16 anfangen richtig Leistungssport zu machen


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Atanvarno - 16.08.2025

(16.08.2025, 16:37)mariusfast schrieb: Wir hatten das Thema eh schon X Mal.

Und warum ignorierst du das bspw. in diesem Thread mit Studien belegte Fazit?

Zitat:Bilanziert man die Ergebnisse zusammenfassend, dann gehen die EdS nicht mit erhöhten Erträgen in Form von Erfolgen im Spitzensport einher, aber mit geringeren Bildungsabschlüssen und Berufsaussichten.



RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - ThomasB - 17.08.2025

Erstmal vielen Dank für die vielen Beiträge hier – auch wenn ich den Thread nicht eröffnet habe, freue ich mich sehr über die entstandene Diskussion.

Vieles von dem, was bereits geschrieben wurde, kann ich unterschreiben. Gerade die Punkte zur Elternrolle – unterstützen, aber nicht überfordern, nah dran sein und trotzdem Raum lassen – treffen es sehr gut. Wir versuchen genau diesen Mittelweg: präsent zu sein, ihn zu begleiten, ihn aber auch zu schützen.
Stichwort schützen: Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, hier offen zu schreiben, ohne zu viele Rückschlüsse auf seine Person zuzulassen. Das möchte ich nach Möglichkeit vermeiden. Wenn jemand spezielle Tipps hat oder genaueres wissen möchte, dann jederzeit gerne per privater Nachricht.

Das Thema Sportinternat kam übrigens nicht von uns, sondern von ihm selbst. Nachdem er es angesprochen hatte, haben wir uns zunächst informiert, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Das Ganze kam ziemlich unerwartet, sicher auch deshalb, weil sich sein sportlicher Ehrgeiz in der letzten Saison verselbstständigt hat und wir dadurch in eine völlig neue Situation geraten sind.

Schulisch läuft es bei ihm hervorragend, der Notendurchschnitt ist quasi nicht zu toppen. Wir haben ihn damals bewusst frei entscheiden lassen, welche Schulart er wählt – er hat sich für die Realschule entschieden, in der er bestens integriert, beliebt und erfolgreich ist. Viele Sportschulen haben jedoch keine Realschule, ein Wechsel wäre also meist nur über das Gymnasium möglich. Das würde bedeuten, ein funktionierendes Umfeld zu verlassen – mit dem Risiko, dass es schulisch nicht so weiterläuft wie bisher. Eigentlich war vorgesehen, erst nach der 10. Klasse über Gymnasium oder FOS zu entscheiden.
Wäre er bereits auf dem Gymnasium, wäre manches einfacher. Zudem ließe sich so ein Wechsel ohnehin nicht von heute auf morgen umsetzen: Fristen und Vorgaben müssen beachtet werden, realistisch wäre frühestens das Schuljahresende. Aber auch dann stellt sich die Frage: Macht ein Wechsel vor dem Abschlussjahr wirklich Sinn?

Sportlich war er dieses Jahr u.a. Landesmeister. Mit seinen Ergebnissen liegt er in einzelnen Disziplinen teils unter den Top 5 der letzten fünf Jahre im betreffenden Bundesland. In der deutschen Bestenliste finden sich Top-10-Platzierungen. Auch in Disziplinen, die er nur testweise gelaufen ist und die offiziell erst in den kommenden Jahren auf dem Plan stehen, waren die Zeiten vielversprechend.

Insgesamt ist er sehr ehrgeizig – sportlich wie schulisch. Manchmal denke ich, das ist für sein Alter fast zu viel, andererseits beeindruckt mich diese Konsequenz. Das reicht von täglichen Physioübungen über Ernährung bis hin zu bewusster Schlafplanung – alles komplett eigenständig, ohne Impuls von unserer Seite. Er trainiert deutlich mehr, als der Verein anbieten kann, und sucht sich zusätzliche Möglichkeiten. Meine Unterstützung besteht nicht nur darin, ihn zu Wettkämpfen und Training zu fahren. Wir gehen auch gemeinsam auf die Bahn, ich stoppe Zeiten, lese mich in Trainingsmethoden ein – und versuche, im Rahmen unserer Möglichkeiten ein sinnvolles Zusatzprogramm aufzustellen. Dauerhaft kann das aber keine Lösung sein, schon alleine weil mir hier jegliche Qualifikation fehlt.

Zur Leichtathletik ist er vergleichsweise spät gekommen – wie so oft über die Schule und auf Empfehlung eines Sportlehrers. Wie in vielen kleinen Vereinen liegt der Schwerpunkt vor Ort verständlicherweise zunächst darauf, Kindern im jüngeren Alter Freude an Bewegung zu vermitteln. Das funktioniert auch gut und daraus entwickeln sich immer wieder Talente. Kommt man aber an den Punkt, an dem es in einer bestimmten Disziplin um gezielte, technisch anspruchsvolle Weiterentwicklung geht, sind die Möglichkeiten naturgemäß begrenzt. Das meine ich keineswegs böse oder respektlos – Ehrenamt ist unbezahlbar, und ich schätze das Engagement im Verein sehr. Aber gerade jetzt, wo es um die Optimierung der Lauftechnik oder den nächsten Schritt in einer technischen Disziplin ginge, tritt unweigerlich Stillstand ein.
Die nächstgelegenen Vereine mit entsprechendem Trainerteam sind über eine Stunde einfache Fahrt entfernt – mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar.

Uns ist klar, dass er später sein Geld mit schulischen Leistungen verdienen wird, nicht mit Sport. Aber solange er diesen Ehrgeiz und diese Freude daran hat, möchten wir ihm den bestmöglichen Weg ermöglichen.
Er ist kein Überflieger, der spielerisch alle Disziplinen beherrscht. Kein Überflieger, wie er alle paar Jahrgänge mal dabei ist. Er ist ein guter Performer in seinem Jahrgang – und es wäre spannend zu sehen, welche Fortschritte er unter professioneller Anleitung noch machen könnte.

Jetzt, zum Ende der Freiluftsaison, ist es für ihn natürlich frustrierend, dass noch nicht klar ist, wie es weitergeht. Vielleicht bringen die anstehenden Kadermaßnahmen Orientierung oder neue Kontakte – darauf hoffe ich im Moment.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - mariusfast - 17.08.2025

(16.08.2025, 18:39)Atanvarno schrieb:
(16.08.2025, 16:37)mariusfast schrieb: Wir hatten das Thema eh schon X Mal.

Und warum ignorierst du das bspw. in diesem Thread mit Studien belegte Fazit?

Zitat:Bilanziert man die Ergebnisse zusammenfassend, dann gehen die EdS nicht mit erhöhten Erträgen in Form von Erfolgen im Spitzensport einher, aber mit geringeren Bildungsabschlüssen und Berufsaussichten.

Kinder auf allen weltweiten Eliteschulen (was sowieso für  pauschale Schlussfolgerungen sehr ungeeignet ist, da div. KORRELATOREN berücksichtigt werden müssen), haben im Vergleich zu Kinder auf normalen Schulen, v.a. im Erwachsenenalter nicht mehr Erfolg im Sport und schlechtere Abschlüsse im Vergleich zu denjenigen Leistungssportler, die auf normale Schulen gehen. So und jetzt das Spannende was interpretierst  du daraus? 


Ich habe nicht nur hier, sondern im anderen Thread bereits  mögliche Gründe angerissen, wieso das mit der Statistik so sein könnte und dass es nicht zwingend daran liegen muss, dass man Sport und Schulen grds. Koppelt. IN DEN USA funktioniert es ja auch. Ich denke grds. Ist das In De der einzige Weg, um auch diejenigen mitnehmen zu können, denen in der Schule nicht alles zufliegt. In De bleiben ja nur diejenig übrig aus normalen Schulen, die in der Schule Überflieger sind. Vlllt. Gehen ja auch in EdS schlechtere Schüler, weil sie sich noch Unterstützung erhoffen. Du sugerrierst halt mit deinem oberen Fazit, es sei belegt, dass der Unterricht an EdS schlechter sei. 

Nochmal EIN weiteres Beispiel zur grdsl. PROBLEMATIk von Interprationen einer Statistik. Ja in  DE haben die meisten der ehem. ELITE- UND internatsschüler im Erwachsenenalter weniger Erfolg. Das ist mir halt dann zu platt sagen, ja Eliteschulen und Internat bringt grds. nichts. Sondern vllt liegt es an DEN Trainern, die den Athleten überlastet und verheizt haben.Dass ein behutsamer Aufbau perfekt klappen kann, zeigt ja das. Beispiel Krause und Heinig oder aktuelles Beispiel Mikitenko und Stalf, der ja auch selbst bei Heinig war und wohl bei ihm sehr viel gelernt hat. 

Zudem gehen doch in De in der LA eh kaum welche in so ein System, weshalb es keinen guten Vergleichsmaßstab gibt, um zu sagen, ja an Eliteschulen wirst du dann später nicht besser oder gar schlechter im Sport oder wirst automatisch schlechtere Noten schreiben (wie gesagt, wenn im Internatssystem dann mehr trainiert wird, muss das ausgeglchen werden, mit noch mehr Unterstützung. Hier müsste also evtl. Noch mehr passieren als der Fall ist.)


V.a. Wie gesagt ist es logisch, dass ein Benitz später besser wird als einer aus dem Internat und  Eiteschulen. Das hat aber eher was mit dem System in der LA zu tun, dass wir erst mit 15 anfangen im Laufbereich zu trainieren. Die wenigen, die dann mit 14 bereits gut sind und dann in Eliteschulen gehen, haben somit nicht unbedingt das größte Talent, sondern sind halt schon so gut, weil die anderen noch gar nicht richtig angefangen haben.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - mariusfast - 17.08.2025

(17.08.2025, 09:54)ThomasB schrieb: Erstmal vielen Dank für die vielen Beiträge hier – auch wenn ich den Thread nicht eröffnet habe, freue ich mich sehr über die entstandene Diskussion.

Vieles von dem, was bereits geschrieben wurde, kann ich unterschreiben. Gerade die Punkte zur Elternrolle – unterstützen, aber nicht überfordern, nah dran sein und trotzdem Raum lassen – treffen es sehr gut. Wir versuchen genau diesen Mittelweg: präsent zu sein, ihn zu begleiten, ihn aber auch zu schützen.
Stichwort schützen: Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, hier offen zu schreiben, ohne zu viele Rückschlüsse auf seine Person zuzulassen. Das möchte ich nach Möglichkeit vermeiden. Wenn jemand spezielle Tipps hat oder genaueres wissen möchte, dann jederzeit gerne per privater Nachricht.

Das Thema Sportinternat kam übrigens nicht von uns, sondern von ihm selbst. Nachdem er es angesprochen hatte, haben wir uns zunächst informiert, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Das Ganze kam ziemlich unerwartet, sicher auch deshalb, weil sich sein sportlicher Ehrgeiz in der letzten Saison verselbstständigt hat und wir dadurch in eine völlig neue Situation geraten sind.

Schulisch läuft es bei ihm hervorragend, der Notendurchschnitt ist quasi nicht zu toppen. Wir haben ihn damals bewusst frei entscheiden lassen, welche Schulart er wählt – er hat sich für die Realschule entschieden, in der er bestens integriert, beliebt und erfolgreich ist. Viele Sportschulen haben jedoch keine Realschule, ein Wechsel wäre also meist nur über das Gymnasium möglich. Das würde bedeuten, ein funktionierendes Umfeld zu verlassen – mit dem Risiko, dass es schulisch nicht so weiterläuft wie bisher. Eigentlich war vorgesehen, erst nach der 10. Klasse über Gymnasium oder FOS zu entscheiden.
Wäre er bereits auf dem Gymnasium, wäre manches einfacher. Zudem ließe sich so ein Wechsel ohnehin nicht von heute auf morgen umsetzen: Fristen und Vorgaben müssen beachtet werden, realistisch wäre frühestens das Schuljahresende. Aber auch dann stellt sich die Frage: Macht ein Wechsel vor dem Abschlussjahr wirklich Sinn?

Sportlich war er dieses Jahr u.a. Landesmeister. Mit seinen Ergebnissen liegt er in einzelnen Disziplinen teils unter den Top 5 der letzten fünf Jahre im betreffenden Bundesland. In der deutschen Bestenliste finden sich Top-10-Platzierungen. Auch in Disziplinen, die er nur testweise gelaufen ist und die offiziell erst in den kommenden Jahren auf dem Plan stehen, waren die Zeiten vielversprechend.

Insgesamt ist er sehr ehrgeizig – sportlich wie schulisch. Manchmal denke ich, das ist für sein Alter fast zu viel, andererseits beeindruckt mich diese Konsequenz. Das reicht von täglichen Physioübungen über Ernährung bis hin zu bewusster Schlafplanung – alles komplett eigenständig, ohne Impuls von unserer Seite. Er trainiert deutlich mehr, als der Verein anbieten kann, und sucht sich zusätzliche Möglichkeiten. Meine Unterstützung besteht nicht nur darin, ihn zu Wettkämpfen und Training zu fahren. Wir gehen auch gemeinsam auf die Bahn, ich stoppe Zeiten, lese mich in Trainingsmethoden ein – und versuche, im Rahmen unserer Möglichkeiten ein sinnvolles Zusatzprogramm aufzustellen. Dauerhaft kann das aber keine Lösung sein, schon alleine weil mir hier jegliche Qualifikation fehlt.

Zur Leichtathletik ist er vergleichsweise spät gekommen – wie so oft über die Schule und auf Empfehlung eines Sportlehrers. Wie in vielen kleinen Vereinen liegt der Schwerpunkt vor Ort verständlicherweise zunächst darauf, Kindern im jüngeren Alter Freude an Bewegung zu vermitteln. Das funktioniert auch gut und daraus entwickeln sich immer wieder Talente. Kommt man aber an den Punkt, an dem es in einer bestimmten Disziplin um gezielte, technisch anspruchsvolle Weiterentwicklung geht, sind die Möglichkeiten naturgemäß begrenzt. Das meine ich keineswegs böse oder respektlos – Ehrenamt ist unbezahlbar, und ich schätze das Engagement im Verein sehr. Aber gerade jetzt, wo es um die Optimierung der Lauftechnik oder den nächsten Schritt in einer technischen Disziplin ginge, tritt unweigerlich Stillstand ein.
Die nächstgelegenen Vereine mit entsprechendem Trainerteam sind über eine Stunde einfache Fahrt entfernt – mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar.

Uns ist klar, dass er später sein Geld mit schulischen Leistungen verdienen wird, nicht mit Sport. Aber solange er diesen Ehrgeiz und diese Freude daran hat, möchten wir ihm den bestmöglichen Weg ermöglichen.
Er ist kein Überflieger, der spielerisch alle Disziplinen beherrscht. Kein Überflieger, wie er alle paar Jahrgänge mal dabei ist. Er ist ein guter Performer in seinem Jahrgang – und es wäre spannend zu sehen, welche Fortschritte er unter professioneller Anleitung noch machen könnte.

Jetzt, zum Ende der Freiluftsaison, ist es für ihn natürlich frustrierend, dass noch nicht klar ist, wie es weitergeht. Vielleicht bringen die anstehenden Kadermaßnahmen Orientierung oder neue Kontakte – darauf hoffe ich im Moment.

Genau das bestätigt doch meinen Punkt mit den Normalos. In unserem System Leistungssport wird überwiegend nur an die Gymnasiasten und auch dort nur an die Überflieger gedacht. Also schonmal etwas was man an den EdS verbessern könnte, bevor man es grds. als nicht erfolgreich abschreibt.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Diak - 17.08.2025

(17.08.2025, 11:50)mariusfast schrieb:  Du sugerrierst halt mit deinem oberen Fazit, es sei belegt, dass der Unterricht an EdS schlechter sei. 

überhaupt nicht. Das wäre ja auch völlig absurd. Ich hab überhaupt nichts gegen EdS und die Kollegen dort, Atanvarno vermutlich auch nicht, zumindest habe ich nie derartiges von ihm gelesen. Es geht um strukturelle Fragen. In Deutschland wird das Narrativ genährt, frühe Zentralisierung an Eliteschulen und Stützpunkten wäre der einzige Weg. Dieses System kostet den Steuerzahler jährlich hunderte Millionen Euro und die vielfachen empirischen Belege für sein weitgehendes Scheitern werden ignoriert, polemisiert oder durch anekdotische Pseudoevidenz vermeintlich widerlegt. 

Du nennst richtige Aspekte, die für die Aufrechterhaltung von Teilen des Systems sprechen:
 
- es Bedarf Schulen, die auf die besonderen Bedarfe von Leistungssportler:innen Rücksicht nehmen und diese unterstützen. (das darf rechtlich übrigens nicht in Form von Vergünstigungen erfolgen, sondern nur von Nachteilsausgleichen. Es heißt deswegen nicht Nachhilfe, sondern Nachführunterricht. Wenn dann bei den Sportschülern die nötigen Punktzahlen im mündlichen Abitur schon mit Bleistift in den Protokollen stehen, dann entspricht das nicht ganz der Idee der Gleichberechtigung) 

- es Bedarf schulischer Angebote für schulisch schwächere Leistungssportler

- es Bedarf Internate für Talente aus strukturschwachen Räumen, die regional kein adäquates Angebot bekommen. 

- es Bedarf der Zentralisierung im Wintersport dorthin, wo Schanzen, Eiskanäle und Kunstschnee sind. Ein kompetenter Trainer kann Leichtathletiktalente in fast allen Disziplinen mit rudimentärsten Bedingungen entwickeln. Häufig sind schlechte strukturelle Voraussetzungen sogar gute Prädikatoren für langfristigen Erfolg (das könnte ich jetzt auch nur anekdotisch bzw. logisch begründen, von Empirie weiß ich hier nichts) 

All das ginge auch sehr viel schlanker und billiger. Unterhalte Dich mit Sportschülern und frag sie, wie vielen Mitgliedern ihrer Sportklassen sie echtes sportliches Potential zuschreiben (die schätzen verdammt gut) 

Du fragst zurecht nach Gründen, warum das System scheitert. Hier eine kurze Auswahl: 

1) es beschäftigt zu viele Trainer, die sehr gut darin sind, kurz- und mittelfristig erfolgreich zu sein und belohnt sie dafür. Wir brauchen aber eine langfristige Leistungsentwicklung

2) es fördert große und in der Tendenz unpersönliche Strukturen. Leichtathletik ist Indivdualsportart, das Individuum kann in so großen Systemen nur in Ausnahmefällen angemessen gesehen und berücksichtig werden. (Wenn Du ernsthaft interessiert an dem Thema bist, beschäftige Dich mit den Arbeiten von Prof. Timo Stiller. Er hat für seine Habil Weltklasseathleten aus dem System befragt, alle sagen das gleiche: "das System hat alles für meinen sportlichen Erfolg getan [und war gut darin!], aber es hat mich nie jemand gefragt, was ich eigentlich brauche") 

3) es scheitert meist an der Kooperation mit den Verbänden und Trainern (und benennt widerum jene als verantwortlich dafür, ich vermute oft zurecht)

4) es setzt Familien durch die mit ihm verbundenen narrativen Strukturen (nur so wird es was) unter Druck, bestehende und gelingende Systeme zu verlassen, sehr oft mit hohen Kosten (Einsamkeit, Ernährung)  verbunden.

5) es fußt selten auf einer fundierten Talentsichtung

6) es investiert insofern ohne Ende Ressourcen in Athlet:innen ohne Perspektive

Vergleichst Du unser Schulsystem mit dem Collegesystem oder dem Highschoolsystem? Letzteres ist doch völlig anders aufgestellt als bei uns???


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - mariusfast - 17.08.2025

@Thomas Wieso nicht auf eine Eliteschule d Sports aufs Gymnasium gehen und dann das Abitur ein Jahr länger machen als Regelzeit? Das hat ja auch Jana Becker und Vanessa Mikitenko so gemacht. Bei Mikitenko gibt es auch eine Spezialpodcastfolge mit dem Auslaufenpodcast, in der Sie darüber sehr positiv berichtet. Also sie ist sehr dankbar aufs Internat und in die Eliteschule gegangen zu sein. Sie führte ihren Leistungssprung darauf zurück.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - OldSchoolRunner - 17.08.2025

(17.08.2025, 17:09)mariusfast schrieb: @Thomas Wieso nicht auf eine Eliteschule d Sports aufs Gymnasium gehen und dann das Abitur ein Jahr länger machen als Regelzeit? Das hat ja auch Jana Becker und Vanessa Mikitenko so gemacht. Bei Mikitenko gibt es auch eine Spezialpodcastfolge mit dem Auslaufenpodcast, in der Sie darüber sehr positiv berichtet. Also sie ist sehr dankbar aufs Internat und in die Eliteschule gegangen zu sein. Sie führte ihren Leistungssprung darauf zurück.
Also ich habe Thomas so verstanden, dass dies nicht so einfach ist, weil sein Sohn derzeit auf der Realschule ist.
Generell wäre es schön, wenn Du Argumenten und Erläuterungen z.B. von Diak aufgeschlossener gegenüberstehen würdest.
 Von Becker und Mikitenko auf andere zu schließen, ist mir viel zu einfach. Die beiden trainieren schon sehr lange bei Benjamin Stalf.
Für sie scheint diese Kombination mit der Sportschule und dem Trainer zu passen.
Woher nimmst Du die Gewissheit, dass es bei Thomas' Sohn ähnlich wäre, ohne Details zu Internat, Disziplinen und Trainer zu kennen?


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - mariusfast - 17.08.2025

(17.08.2025, 17:48)OldSchoolRunner schrieb:
(17.08.2025, 17:09)mariusfast schrieb: @Thomas Wieso nicht auf eine Eliteschule d Sports aufs Gymnasium gehen und dann das Abitur ein Jahr länger machen als Regelzeit? Das hat ja auch Jana Becker und Vanessa Mikitenko so gemacht. Bei Mikitenko gibt es auch eine Spezialpodcastfolge mit dem Auslaufenpodcast, in der Sie darüber sehr positiv berichtet. Also sie ist sehr dankbar aufs Internat und in die Eliteschule gegangen zu sein. Sie führte ihren Leistungssprung darauf zurück.
Also ich habe Thomas so verstanden, dass dies nicht so einfach ist, weil sein Sohn derzeit auf der Realschule ist.
Generell wäre es schön, wenn Du Argumenten und Erläuterungen z.B. von Diak aufgeschlossener gegenüberstehen würdest.
 Von Becker und Mikitenko auf andere zu schließen, ist mir viel zu einfach. Die beiden trainieren schon sehr lange bei Benjamin Stalf.
Für sie scheint diese Kombination mit der Sportschule und dem Trainer zu passen.
Woher nimmst Du die Gewissheit, dass es bei Thomas' Sohn ähnlich wäre, ohne Details zu Internat, Disziplinen und Trainer zu kennen?
Dachte mir nur, vllt. hilft Ihnen ja die Info mit dem gestreckten Jahr weiter, vllt. ist dann der Sprung von Realschule auf Gymnasium machbarer (ohne jetzt eine Ahnung davon zu haben). Wollte es nur einwerfen. Sollte jetzt keine Empfehlung sein und v.a. kein Vergleich zu der Situation zu Becker und Mikitenko. Ich habe keine Gewissheit, dass das bei seinem Sohn klappen wird. Dazu habe ich tatsächlich zu wenig Infos und bin kein Hellseher. Da hast du Recht. 

Ich habe doch in meinem vorletzten Beitrag darauf hingewiesen, dass das mit den unpassenden Trainern/falschen Systemen ein Grund sein kann für die schlechte Entwicklung im Erwachsenenalter einiger Athleten (und nicht die EDS dafür der Grund sein müssen etc.). Als Gegenbeispiel habe ich ja genau das von Stalf und Becker genommen.

 Da Atavarno und Diak ja schon die eine Seite reingebracht haben, dass die Ergebnisse der EDS und der INternate nicht ausreichend sind, habe ich lediglich versucht durch Gegenbeispiele, wie die von Becker, einen differenzierteren Blick, weg von der Pauschalisierung (EDS sind grds. das Problem) hinzubekommen. Also Ziel war zu fragen, wie können wir das System verbessern. 

Die einzige klare Meinung, die ich habe, ist,  dass ich denke es müsste auf alle Fälle eine andere Lösung her als es derzeit mit der Verantwortung auf die Eltern der Fall ist, hin zu einer Erleichterung der Doppelbelastung von Schule und Sport.  

Auf den Beitrag von Diak werde ich aus Zeitgründen später eingehen.


RE: Bedingungslose Unterstützung durch die Eltern? - Diak - 17.08.2025

zumindest in den Großstädten sind die EdS übrigens nicht zwingend Gymnasien, sondern oft Gemeinschafts- /Stadtteilschulen, also Schulen, die alle Abschlüsse anbieten. Der Sprung auf ein Gymnasium funktioniert zur Oberstufe meist besser als vorher und stellt für engagierte und erfolgreiche Realschüler meist kein Problem dar. Mit Schulzeitstreckung und Sportlerprivilegien schon gar nicht.