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Grundlagentraining verbessern - Druckversion

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RE: Grundlagentraining verbessern - muffman - 12.09.2023

In Deutschland gibt es ab U16 100m. In meinen Augen war die Umstellung von 75 auf 100m damals eine komplette Idiotie. Das hat für 14-Jährige wenig mit Sprint zu tun.

Hast du meinen Beitrag überhaupt gelesen Delta? Niemand redet davon Wettkämpfe und Meisterschaften abzuschaffen. Frühe „hohe“ Meisterschaften verleiten dazu frühe Erfolge zu suchen anstatt sich geduldig an einen langfristigen Aufbauplan zu halten. Es geht immer darum WIE starke Leistungen in jungen Jahren erreicht werden. Würden sich alle Trainer da an bestimmte Grundsätze halten, wäre das auch kein Problem. Die Realität sieht aber anders aus. Ist schon auf Landesebene zu beobachten. Das ist ja auch eines der Probleme der schlechten Talentsichtung in DE.


RE: Grundlagentraining verbessern - Atanvarno - 12.09.2023

(12.09.2023, 06:53)muffman schrieb: In Deutschland gibt es ab U16 100m. In meinen Augen war die Umstellung von 75 auf 100m damals eine komplette Idiotie. Das hat für 14-Jährige wenig mit Sprint zu tun.

Ist aber, wenn ich das richtig erinnere, explizit auf Wunsch von Teilen der Bundestrainerschaft geschehen, damit die Athleten besser auf die internationalen U18-Meisterschaften vorbereitet sind.

Auch die LA-Geschichte verläuft eben in Zyklen. Wir hatten mal aus den negativen Auswüchsen der U16-Einzelmeisterschaften die richtigen Konsequenzen gezogen (weg mit der Einzel-DM, stattdesssen Block-DM, altersgerechte Strecken (75m in der U16, 300m in der U18), Blockmehrkämpfe), nur um dann aus dem Wunsch nach kurzfristigem Erfolg bei den internationalen Nachwuchsmeisterschaften die alten Sachen wieder aus der Mottenkiste zu ziehen. Mal schauen, ob und wann der nächste Zyklus beginnt Wink


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 07:49)Atanvarno schrieb:
(12.09.2023, 06:53)muffman schrieb: In Deutschland gibt es ab U16 100m. In meinen Augen war die Umstellung von 75 auf 100m damals eine komplette Idiotie. Das hat für 14-Jährige wenig mit Sprint zu tun.

Ist aber, wenn ich das richtig erinnere, explizit auf Wunsch von Teilen der Bundestrainerschaft geschehen, damit die Athleten besser auf die internationalen U18-Meisterschaften vorbereitet sind.

Auch die LA-Geschichte verläuft eben in Zyklen. Wir hatten mal aus den negativen Auswüchsen der U16-Einzelmeisterschaften die richtigen Konsequenzen gezogen (weg mit der Einzel-DM, stattdesssen Block-DM, altersgerechte Strecken (75m in der U16, 300m in der U18), Blockmehrkämpfe), nur um dann aus dem Wunsch nach kurzfristigem Erfolg bei den internationalen Nachwuchsmeisterschaften die alten Sachen wieder aus der Mottenkiste zu ziehen. Mal schauen, ob und wann der nächste Zyklus beginnt Wink

Erleben wir auch mit Blick auf 3.000m Hindernis in der U20. Und dann wundern wir uns wieder, dass wir so erfolgreich in der U20 sind aber nicht mehr in der Hauptklasse...

Aber war eigentlich nicht das primäre Diskusionsziel von mit hier.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 06:38)Jakob94 schrieb:
(11.09.2023, 20:18)Reichtathletik schrieb:
(11.09.2023, 20:02)Jakob94 schrieb:
(10.09.2023, 10:24)Reichtathletik schrieb: Das dehnt sich in manchen Fällen leider aber auch auf die Trainer aus. Für viele ist U14, U16 noch nur "Freude an der Bewegung", zu wenig wird auch auf Umfeld und das was man den Menschen sonst so fürs Leben mitgibt geachtet. Wir sind ein Sportangebot keine Freizeitbetreuung. Wenn ich höre, dass Trainer in der U16 ihr Training spontan überlegen, finde ich das furchtbar. Auch hier darf, nein sollte, es schon einen grundlegenden Jahresrahmentrainingsplan geben!

Da bin ich zwiegespalten: Natürlich sollte irgendwo ein Konzept im Training drin stecken - aber manchmal glaube ich auch, dass genau dieser Anspruch die Leichtathletik in die Ecke schiebt, wo sie aktuell ist. Wenn es darum geht, Talente weiterzuentwickeln, hast du natürlich komplett recht. Aber vielleicht sollten wir in der U14 und U16 noch viel mehr an die Jugendlichen denken, die nicht bei Landesmeisterschaften vorne mit dabei sind, bei denen es nie darum gehen wird, eine DM-Quali zu erreichen und die nie mit irgendwelchen Kaderstrukturen in Kontakt kommen werden. Weil genau diese Jugendlichen fallen in meinen Augen hinten runter, was ich schade finde und was der Leichtathletik sicherlich auch nicht zugute kommt.

Wenn man zum Fußball schaut, gibt es dort bis in die höheren Altersklassen viele SpielerInnen, die in genau diese Kategorie fallen und am Ende den Sport zur Nummer 1 in Deutschland machen. Warum schaffen wir als Leichtathletik es nicht auch, die vielen Kinder und Jugendlichen, die Leichtathletik aus Spaß an der Sache auf einem niedrigen Niveau machen, zu halten?
Aber warum soll Spaß den ausschließen, dass man nach einem Konzept trainiert und versucht besser zu werden? Auf den Fußball übertragen sagen wir ja auch nicht bei den Nicht-Potentiellen-Profis wir machen in der U16 am Tag vor dem Spiel Bergansprints?

Das schließt sich natürlich nicht aus! Aber der Anspruch an einen Trainer ist halt ein deutlich höherer, wenn es darum geht, nach Konzept zu trainieren. Und das sehe ich dann wieder schwierig, weil durch vielleicht der eine oder andere abgeschreckt wird, der zwar Bock hätte, mit einer Gruppe LA im Bereich U16 zu machen, aber vielleicht keine Zeit für eine Lizenz oder die Lektüre des RTP hat.
Am Ende müssen wir uns über JEDEN freuen, der irgendwie bereit ist, Teile seiner Freizeit mit der Leichtathletik zu verbringen und sollten das nicht durch zu hohe Ansprüche verkomplizieren.

Jetzt bringst du genau das Problem auf den Punkt, das mich stört: Wie kann man denn bitte vermeintlich genug Zeit haben, eine U16 sinnvoll zu betreuen, aber nicht die Zeit für eine C-Lizenz oder das Lesen des RTP haben? Das sind doch wohl die Eingangsvoraussetzungen. Wir betreuen hier in der U16 Menschen, die nur EINE Karriere haben. Diese sinnvoll zu traineren, damit geht auch ein bisschen Verantwortung einher.
Ja, wir müssen uns über alle freien, die sich beteiligen, aber altersgerechtes Training, dass auf eine mögliche(!) Leistungssportkarriere vorbereitet und Spaß macht ist doch kein "zu hoher Anspruch". Das sollte der Mindestanspruch sein. Wir haben in Deutschland auc Ärzte-Mangel. Aber da sagen wir auch zu recht nicht, wir sollten uns über jeden freuen, der behandelt und dürfen nicht erst ein anspruchsvolles Medizinstudium erwarten...
Und nochmal: Es gäbe sogar zahlreiche Optionen, das GLT in Vereinen zu verbessern, ohne dass direkt jeder Trainer topausgebildet sein muss:
- Rahmentrainingspläne in den Vereinen (Trainer aus U16, U18, U20, Hauptklasse legen fest, welche Mindestvoraussetzungen die Leute können müssen, um in die nächste Gruppe aufzusteigen, z.B. welche Übungen, welche Techniken, welche Kenntnisse)
- Interner Austausch in den Vereinen: Es geht mir nicht in den Kopf, aber es gibt Vereine, da reden Schüler- ud Erwachsenentrainer nicht miteinander. Eigentlich sollte man einmal im Monat oder so zusammen sitzen

Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.


RE: Grundlagentraining verbessern - muffman - 12.09.2023

(12.09.2023, 08:00)Reichtathletik schrieb:
Zitat:
Das schließt sich natürlich nicht aus! Aber der Anspruch an einen Trainer ist halt ein deutlich höherer, wenn es darum geht, nach Konzept zu trainieren. Und das sehe ich dann wieder schwierig, weil durch vielleicht der eine oder andere abgeschreckt wird, der zwar Bock hätte, mit einer Gruppe LA im Bereich U16 zu machen, aber vielleicht keine Zeit für eine Lizenz oder die Lektüre des RTP hat.
Am Ende müssen wir uns über JEDEN freuen, der irgendwie bereit ist, Teile seiner Freizeit mit der Leichtathletik zu verbringen und sollten das nicht durch zu hohe Ansprüche verkomplizieren.

Jetzt bringst du genau das Problem auf den Punkt, das mich stört: Wie kann man denn bitte vermeintlich genug Zeit haben, eine U16 sinnvoll zu betreuen, aber nicht die Zeit für eine C-Lizenz oder das Lesen des RTP haben? Das sind doch wohl die Eingangsvoraussetzungen. Wir betreuen hier in der U16 Menschen, die nur EINE Karriere haben. Diese sinnvoll zu traineren, damit geht auch ein bisschen Verantwortung einher.
Ja, wir müssen uns über alle freien, die sich beteiligen, aber altersgerechtes Training, dass auf eine mögliche(!) Leistungssportkarriere vorbereitet und Spaß macht ist doch kein "zu hoher Anspruch". Das sollte der Mindestanspruch sein. Wir haben in Deutschland auc Ärzte-Mangel. Aber da sagen wir auch zu recht nicht, wir sollten uns über jeden freuen, der behandelt und dürfen nicht erst ein anspruchsvolles Medizinstudium erwarten...
Und nochmal: Es gäbe sogar zahlreiche Optionen, das GLT in Vereinen zu verbessern, ohne dass direkt jeder Trainer topausgebildet sein muss:
- Rahmentrainingspläne in den Vereinen (Trainer aus U16, U18, U20, Hauptklasse legen fest, welche Mindestvoraussetzungen die Leute können müssen, um in die nächste Gruppe aufzusteigen, z.B. welche Übungen, welche Techniken, welche Kenntnisse)
- Interner Austausch in den Vereinen: Es geht mir nicht in den Kopf, aber es gibt Vereine, da reden Schüler- ud Erwachsenentrainer nicht miteinander. Eigentlich sollte man einmal im Monat oder so zusammen sitzen

Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.
Thumb_up


RE: Grundlagentraining verbessern - Jakob94 - 12.09.2023

Bei uns im Kreis haben wir folgende Situation: Kinderleichtathletik bis in die U12 wird in einer Handvoll Vereinen betrieben, bei den Wettkämpfen sind regelmäßig ca. 10 Mannschaften je Altersklasse am Start.
Ab der U14 werden Kreismeisterschaften nicht mal mehr angeboten, weil es nur noch ein Bruchteil der Kinder aus der KiLa weitermacht.
In meinen Augen liegt das auch daran, dass viele TrainerInnen schlicht nicht die Zeit haben, den Ansprüchen, die die Leichtathletik an sie stellt, gerecht zu werden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es dann besser so ist, als wenn die mit begrenztem Wissen eine U16 trainieren. Man könnte aber auch umgekehrt argumentieren, dass diese Kinder der Leichtathletik für immer verloren sind und da doch ein Basic-Training, hinter dem kein großes Konzept steckt und das keine Spitzenleistungen produziert, die bessere Option wäre. Vielleicht ergibt sich daraus auch der Weg in andere leistungsstärkere Gruppen mit besser ausgebildeten Trainern.


RE: Grundlagentraining verbessern - Reichtathletik - 12.09.2023

(12.09.2023, 08:52)Jakob94 schrieb: Bei uns im Kreis haben wir folgende Situation: Kinderleichtathletik bis in die U12 wird in einer Handvoll Vereinen betrieben, bei den Wettkämpfen sind regelmäßig ca. 10 Mannschaften je Altersklasse am Start.
Ab der U14 werden Kreismeisterschaften nicht mal mehr angeboten, weil es nur noch ein Bruchteil der Kinder aus der KiLa weitermacht.
In meinen Augen liegt das auch daran, dass viele TrainerInnen schlicht nicht die Zeit haben, den Ansprüchen, die die Leichtathletik an sie stellt, gerecht zu werden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es dann besser so ist, als wenn die mit begrenztem Wissen eine U16 trainieren. Man könnte aber auch umgekehrt argumentieren, dass diese Kinder der Leichtathletik für immer verloren sind und da doch ein Basic-Training, hinter dem kein großes Konzept steckt und das keine Spitzenleistungen produziert, die bessere Option wäre. Vielleicht ergibt sich daraus auch der Weg in andere leistungsstärkere Gruppen mit besser ausgebildeten Trainern.
Ich höre sowas öfter, allein mir fehlt der Glaube. Nicht der Glaube daran, dass Leute das wirklich (für sich) glauben (sehr viel Glaube gerade), sondern daran, dass es tatsächlich zutrifft. Die "Ansprüche" sind ja nicht primär zeitlicher Natur, sondern fachlicher Natur. Eine U16 trainiert je nach Anspruch 2-5x die Wiche würde ich mal behaupten. Was ich nicht unbedingt als ein Problem identifiziere und auch selten höre ist es, die Anzahl der Trainingstage zu gewährleisten (es sei denn, es mangelt an Sportstätten, was noch einmal ein anderes Thema ist), sondern die Qualität der einzelnen Trainingstage. Der zeitliche Mehraufwand dafür, sich zu überlegen, welche Inhalte ich sinnvoll im Jahresverlauf mache und insbesondere, was ich vermitteln muss, um in der U18 und U20 die entsprechenden Grundlagen (deshalb heißt es ja Grundlagentraining) zu haben, ist doch überschaubar. Es ist doch auch normal, dass wenn ich merke Athlet XY hat z.B. Schwierigkeiten mit dem Startblock, dass mich der Gedanke "wie kann ich ihm helfen" ohnehin weiter nach Hause begleitet und nicht am Sportplatz auf einmal verfliegt. 
Rahmentrainingspläne muss man ja auch nicht jedes Jahr neu erfinden, das ist ja das schöne an Rahmentrainingsplänen. Sie sind dann sogar eine Zeitersparnis, weil ich beim Planen des Trainings nicht jedes Mal von Null anfangen muss. Insofern ist z.B. das Lesen des RTP Grundlagentraining und/oder die C-Trainer-Ausbildung und gelegentliche Fortbildungen womöglich mittelfristig eher eine Zeitersparnis für die Trainer. Gleiches gilt dafür, einmal im Monat leichtathletiktraining zu lesen. Da haben Trainer dann oft sogar direkt eine fertig ausgearbeitete Stunde pro Heft drin im GLT und können noch was zu den Notwendigkeiten für Erwachsene lesen.

Wenn du beschreibst, dass ihr im Verein Schwierigkeiten habt, qualifizierte Coaches für U16 oder U14 zu finden, warum kommt ihr denen nicht entgegen? Warum verfasst ihr nicht gemeinsam Rahmentrainingspläne für den verein, haltet fest, was in U14, U16, etc vermittelt werden muss. Woran erkenne ich ein Lauf- ein Sprung- ein Wurf-Talent und welche Konsequenzen hat das für das Training mit ihm, sprich, was muss er dann zusätzlich zum allegmeinen "lernen"? So einen Überblick könnt ihr dann neuen Trainern stets (ggf mit Literaturtipps für mehr Infos) an die Hand geben und dann ist ihnen vielleicht auch schon sehr geholfen – und vor allen auch den Kids.


RE: Grundlagentraining verbessern - Drizzt - 12.09.2023

(12.09.2023, 08:00)Reichtathletik schrieb: Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.
Du kommst bestimmt aus einem Großverein, oder?  Wink


RE: Grundlagentraining verbessern - Jakob94 - 12.09.2023

(12.09.2023, 09:25)Reichtathletik schrieb:
(12.09.2023, 08:52)Jakob94 schrieb: Bei uns im Kreis haben wir folgende Situation: Kinderleichtathletik bis in die U12 wird in einer Handvoll Vereinen betrieben, bei den Wettkämpfen sind regelmäßig ca. 10 Mannschaften je Altersklasse am Start.
Ab der U14 werden Kreismeisterschaften nicht mal mehr angeboten, weil es nur noch ein Bruchteil der Kinder aus der KiLa weitermacht.
In meinen Augen liegt das auch daran, dass viele TrainerInnen schlicht nicht die Zeit haben, den Ansprüchen, die die Leichtathletik an sie stellt, gerecht zu werden. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es dann besser so ist, als wenn die mit begrenztem Wissen eine U16 trainieren. Man könnte aber auch umgekehrt argumentieren, dass diese Kinder der Leichtathletik für immer verloren sind und da doch ein Basic-Training, hinter dem kein großes Konzept steckt und das keine Spitzenleistungen produziert, die bessere Option wäre. Vielleicht ergibt sich daraus auch der Weg in andere leistungsstärkere Gruppen mit besser ausgebildeten Trainern.
Ich höre sowas öfter, allein mir fehlt der Glaube. Nicht der Glaube daran, dass Leute das wirklich (für sich) glauben (sehr viel Glaube gerade), sondern daran, dass es tatsächlich zutrifft. Die "Ansprüche" sind ja nicht primär zeitlicher Natur, sondern fachlicher Natur. Eine U16 trainiert je nach Anspruch 2-5x die Wiche würde ich mal behaupten. Was ich nicht unbedingt als ein Problem identifiziere und auch selten höre ist es, die Anzahl der Trainingstage zu gewährleisten (es sei denn, es mangelt an Sportstätten, was noch einmal ein anderes Thema ist), sondern die Qualität der einzelnen Trainingstage. Der zeitliche Mehraufwand dafür, sich zu überlegen, welche Inhalte ich sinnvoll im Jahresverlauf mache und insbesondere, was ich vermitteln muss, um in der U18 und U20 die entsprechenden Grundlagen (deshalb heißt es ja Grundlagentraining) zu haben, ist doch überschaubar. Es ist doch auch normal, dass wenn ich merke Athlet XY hat z.B. Schwierigkeiten mit dem Startblock, dass mich der Gedanke "wie kann ich ihm helfen" ohnehin weiter nach Hause begleitet und nicht am Sportplatz auf einmal verfliegt. 
Rahmentrainingspläne muss man ja auch nicht jedes Jahr neu erfinden, das ist ja das schöne an Rahmentrainingsplänen. Sie sind dann sogar eine Zeitersparnis, weil ich beim Planen des Trainings nicht jedes Mal von Null anfangen muss. Insofern ist z.B. das Lesen des RTP Grundlagentraining und/oder die C-Trainer-Ausbildung und gelegentliche Fortbildungen womöglich mittelfristig eher eine Zeitersparnis für die Trainer. Gleiches gilt dafür, einmal im Monat leichtathletiktraining zu lesen. Da haben Trainer dann oft sogar direkt eine fertig ausgearbeitete Stunde pro Heft drin im GLT und können noch was zu den Notwendigkeiten für Erwachsene lesen.

Wenn du beschreibst, dass ihr im Verein Schwierigkeiten habt, qualifizierte Coaches für U16 oder U14 zu finden, warum kommt ihr denen nicht entgegen? Warum verfasst ihr nicht gemeinsam Rahmentrainingspläne für den verein, haltet fest, was in U14, U16, etc vermittelt werden muss. Woran erkenne ich ein Lauf- ein Sprung- ein Wurf-Talent und welche Konsequenzen hat das für das Training mit ihm, sprich, was muss er dann zusätzlich zum allegmeinen "lernen"? So einen Überblick könnt ihr dann neuen Trainern stets (ggf mit Literaturtipps für mehr Infos) an die Hand geben und dann ist ihnen vielleicht auch schon sehr geholfen – und vor allen auch den Kids.

Klar, in der Bubble derer, die Leichtathletik leben, ist das alles selbstverständlich und kein Ding. Und wenn ich das Ganze nicht ehrenamtlich sondern Vollzeit  machen würde, wäre das sicherlich das Erste, was ich machen würde. Das ist aber leider nicht der Fall - wie wahrscheinlich im Bereich U14/U16 in 95% der Fälle. 
Und da müssen wir uns doch fragen, wie wir es schaffen können, dass der Drop-Out geringer wird und erstmal die Gesamtmasse an AthletInnen größer. Natürlich ist ein RTP ein gutes Hilfsmittel und natürlich wäre es wünschenswert, wenn der von Jeder und Jedem genutzt würde. 
Aber - und das ist mein wesentlicher Punkt - am Ende lieber ein Training mit gewissen Qualitätseinbußen als gar kein Training. Für die vielen Kids, die vor allem aus Spaß an der Bewegung da sind, ist es egal (solange kein völliger Blödsinn gemacht wird  und die sich verletzen) und für die Kids, die vielleicht das Potenzial haben, mal eine DM-Quali zu erreichen, ist es allemal besser als nichts und vielleicht ein Sprungbrett zu einem anderen Verein, in dem professioneller gearbeitet wird.


RE: Grundlagentraining verbessern - Jakob94 - 12.09.2023

(12.09.2023, 08:00)Reichtathletik schrieb: Im Rahmen der Professionalisierung des Sports glaube ich auch, dass mehr Vereine es sich leisten können sollten, 1-2 Trainer festanzustellen und die 40h die Woche dann eben auf fast alle Gruppen von U14 bis Hauptklasse zu verteilen. Das kostet unterm Strich auch nicht mehr als in jeder Altersklasse 2-3 Leuten eine Übungsleiter-Lizenz zu zahlen.

Kannst du das mal vorrechnen?