![]() |
|
Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten (/showthread.php?tid=5231) |
RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - aj_runner - 16.04.2023 (15.04.2023, 08:56)Gertrud schrieb: Es kann viele Variationen nebeneinander geben. Es gibt nicht nur die eine Lösung.Das ist sicherlich richtig und es gibt immer Ausnahmen und Gegenbeispiele. In den Mittel- und Langstrecken würde ich auf jeden Fall zentralisieren, im Sprint hat es bei Gina auch nicht geschadet. Das schließt nicht aus, dass es mehrere Zentren geben kann. 2020 / 2021 hat es einen unheimlichen Leistungsschub über 10 K, HM + Marathon gegeben, weil es nur wenige Wettkampfgelegenheiten gab und sich die Guten nicht aus dem Weg gegangen sind. Das hätte auch im Training seine postivien Effekte. Die Langstreckler praktizieren das in den TL ja heute schon in internationalen Gruppen, aber auch nicht durchgängig. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Athletix - 18.04.2023 Ich habe etwas den Eindruck, dass die Diskussion Zentralisierung oder Dezentralisierung, die ja auch zu anderen Themen (z. B. Grauvogel ) bereits intensiv geführt wurde, inzwischen wieder zu sehr in Richtung Trainingsoptimierung geht. Welche Lösung im jeweiligen Fall am besten ist, wird m. E. ganz entscheidend auch vom jeweiligen Einzelfall abhängen - und da sind unbedingt Aspekte wie Zeitmanagement der Athleten und Trainer/innen gravierend in die Überlegungen einzubeziehen. Aus meiner Sicht sind Mittel- und Langstreckentraining von allen Disziplinblöcken am ehesten für eine Dezentralisierung geeignet. Insofern wäre, da hier die jeweilige individuelle Belastungssteuerung auch vorgegeben werden kann, ohne das ein/e Trainer/in zwingend daneben stehen muss. In diesen Fällen wäre an den Stützpunkten eher eine gute Leistungsdiagnostik, die als Grundlage für die Trainingssteuerung genutzt werden kann, eine Hilfestellung für die Basis vor Ort. Bei Technikern und Sprintern ist eine persönliche Anwesenheit der Trainer/innen tendenziell eher von Bedeutung, da hier technische Tipps bzw. Ausführungskorrekturen wichtig sind. Ingesamt plädiere ich aber auch für individuelle Lösungen. Noch eine Rückfrage zum letzten Beitrag: Mir leuchtet auf Anhieb nicht ein, worauf sich die Begründung zum Leistungsschub gerade in den Jahren 2020/2021 bezieht. Ist mit der Begründung, dass sich die Guten zu dieser Zeit nicht aus dem Wege gegangen sind, auf deren Wettkampfaktivitäten Bezug genommen? Das war doch die Zeit, in der es verstärkt Einschränkungen durch Corona gab und in der die modernen Schuhmodelle immer mehr an Bedeutung gewannen. Auch an den Leistungen sehe ich in bei einigen Aktiven zwar Fortschritte, nicht aber in der grundsätzlichen Entwicklung im Straßenlauf. Auch den Rückschluss, das dies Auswirkungen auf das Training hatte, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Von daher wäre hier eine Erläuterung, wie dies gemeint ist, ganz hilfreich. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Reichtathletik - 18.04.2023 (18.04.2023, 14:09)Athletix schrieb: Noch eine Rückfrage zum letzten Beitrag:Ich habe den Beitrag, auf den du deine Frage beziehst zwar nicht geschrieben, kann aber zu der Zeit auch ein bisschen etwas beitragen vielleicht. In der Zeit gab es wenige Wettkämpfe, auf die sich ALLE konzentriert haben. Ohne EInschränkungen ist es oft so, dass zum einen viele doch eher mehrere Wettkämpfe machen und nicht so sehr fokussiert auf einen Peak arbeiten, zum anderen ist es so, dass die Umstände dazu beigetragen haben, dass Training und die Periodisierung noch einmal kritisch hinterfragt wurden statt einen Plan aus der Schublade zu holen. Eine weitere Ironie: Da nur ausgewählte Athleten alle Sportstätten nutzen durften bzw. den Zugang zu Wettkämpfen etc hatten waren für einige die Trainingsbedingungen in dieser Zeit sogar BESSER: Leere Stadien wo sonst noch Breitensportler oder Kindergruppen sind, als Trainingsgruppe war nicht der heterogene Verein möglich sondern nur die Kadergruppe auf insgesamt hohem Niveau, etc. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Athletix - 18.04.2023 Das bei einer Reduzierung des Wettkampfangebots bei den verbliebenen Startmöglichkeiten zwangsläufig eine größere Leistungskonzentration gegeben war, leuchtet ein. Ich habe mir einmal die Straßenaufbestenlisten der Männer der Jahre 2019 bis 2022 angeschaut. Daraus kann man ableiten, dass lediglich auf einer Strecke (Halbmarathon) signifikante Fortschritte festzustellen sind. Ob da wirklich auch im Training eine Konzentration stattgefunden hat, könnte aber nur einer von mehreren möglichen Gründen sein. Man könnte genauso vermuten, dass die Coronasituation viele Läufer/innen erst recht dazu animiert hat, alleine oder in kleinen Gruppen zu trainieren. Vielleicht ist der wesentliche Grund im Spitzenbereich aber auch die Weiterentwicklung der Laufschuhe. Da die Leistungsfortschritte weitgehend nur auf der Halbmarathonstrecke stattgefunden haben, könnte auch ein anderer Grund eine Rolle spielen. Da viele der großen Marathonveranstaltungen ausgefallen sind, könnte es auch sein, dass vermehrt Starts im Halbmarathon gesucht wurden. Dafür spricht auch, dass in 2022 das Niveau im Halbmarathon wieder nachgelassen hat und es dafür über 10 km und im Marathon wieder aufwärts geht. Das wären dann auch plausible Erklärungen, die mit Veränderungen im Training oder Zentralisierung/Dezentralisierung gar nichts zu tun haben. Das Thema bleibt spannend, gerade weil die Fakten doch recht unklar sind. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Delta - 19.04.2023 (14.04.2023, 22:33)Mateng schrieb:Alles geht nicht. Wenn jemand sagen wir mal von 7 - 18 Uhr auf dem Stützpunkt ist, dann hat diese Person auch Freizeit und Familie. Ergo muss ab 18 Uhr eine andere Lösung gelten.(14.04.2023, 11:16)Reichtathletik schrieb: ... nicht wenige Hauptamtler haben mir bereits gesagt, dass sie um 18 Uhr keine Zeit hätten, weil sie nach Feierabend auch mal zeit bräuchten.Ein Gedanke in diese Richtung: RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Peter - 19.04.2023 [font]Trainer A ist von 8 Uhr bis 17 Uhr am Stützpunkt und hat eine Familiie, mit der er den Abend und möglichst viel Wochenende verbringen möchte. Trainer B ist alleinstehend und hat die Leichtathletik als Hobby, für das er ganz flexibel Zeit aufbringen kann. Beides hat seinen Platz und ist für Athleten je nach eigener Lebenssituation mehr oder weniger gut geeignet. Ich bin überzeugt, dass weniger große Talente verloren gingen, wenn sie an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf/Studium Optionen erkennen und eigene Lebenswege besser planen könnten. BK-Athleten kennen die Szene wahrscheinlich besser und wissen wen es gibt und wer wie arbeitet, Athleten aus der 2. Reihe eher weniger. Und diese müssen sich ohne großen Überblick entscheiden. Ich gebe hier mal als Beispiel die Athletin Celina Leffler, U18 Weltmeisterin ohne vorher für den Bundeskader geeignet gewesen zu sein. Sie hat sich bereits vor dem Weltmeistertitel für einen Studienorte entscheiden müssen. Sicherlich gibt es noch einige andere großartige Talente, die das passende Umfeld nicht finden, obwohl es vielleicht existiert. Ich frage also noch einmal: Wie kann der Athlet mit Potenzial sein optimales Umfeld und den besten Trainer für sich finden?[/font] RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Delta - 19.04.2023 Zentral ist der klare Vorteil im Spitzensport. Ob Skifahrer in Österreich, Schweiz, Norwegen alle haben zentral Ski Gymnasien mit Schule und Sport. Logisch gibt es da regionale Skiclubs aber nur bis so ca 18 Jahre und sobald Kader geht es sehr zentral zu. Amerikanische LA Universitäten sind zentrale Sportstätten. Da erübrigt sich jede Diskussion. Die Holländer haben mehr oder weniger eine DDR Struktur. Was hat Australien gemacht für Olympia 2000 - eine Kopie des DDR Schwimm Zentrums. Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Sportclubs haben zuwenig Geld um mit Staatlichen Einrichtungen zu konkurrenzieren. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Diak - 20.04.2023 (19.04.2023, 20:43)Peter schrieb: Ich frage also noch einmal: Wie kann der Athlet mit Potenzial sein optimales Umfeld und den besten Trainer für sich finden?indem er sich kümmert... Athlet:innen erleben Trainer.innen beim coaching, können bei überregionalen Meisterschaften Kontakt aufnehmen, miteinander über ihre Trainer:innen sprechen. Häufig gut funktioniert der Weg über die Landestrainer: Uni suchen, dann den zuständigen Landestrainer oder Stützpunktleiter kontaktieren und erfragen, wie die Bedingungen und Kapazitäten vor Ort aussehen. Zitat:Zentral ist der klare Vorteil im Spitzensport. Ob Skifahrer in Österreich, Schweiz, Norwegen alle haben zentral Ski Gymnasien mit Schule und Sport.nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich. Ski ist massiv abhängig von den Sportstätten, Leichtathletik quasi nicht. Ich kann mit einer halbwegs vernünftigen Anlage überall Spitzenleistungen erzielen. Skispringer werde ich hier oben vermutlich nicht so gut entwickeln können... RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - krebsan - 20.04.2023 (19.04.2023, 23:26)Delta schrieb: Zentral ist der klare Vorteil im Spitzensport. Ob Skifahrer in Österreich, Schweiz, Norwegen alle haben zentral Ski Gymnasien mit Schule und Sport. Logisch gibt es da regionale Skiclubs aber nur bis so ca 18 Jahre und sobald Kader geht es sehr zentral zu. Amerikanische LA Universitäten sind zentrale Sportstätten. Da erübrigt sich jede Diskussion. Die Holländer haben mehr oder weniger eine DDR Struktur. Was hat Australien gemacht für Olympia 2000 - eine Kopie des DDR Schwimm Zentrums. Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Sportclubs haben zuwenig Geld um mit Staatlichen Einrichtungen zu konkurrenzieren.Für Schullösungen sind professionelle Trainingsstrukturen entscheidend. Wenn jemand tagsüber von der Schule Zeit bekommt für Training, dann sollte das Training auch tagsüber stattfinden können. Zumindest in der Schweiz happert es da gewaltig. Auch, weil nicht einfach ein LA-Trainer reicht, sondern für jede Disziplinengruppe wieder ein anderer. Wenn also nicht plötzlich ganz viel Geld in die Leichtathletik kommt, dann geht es nicht ohne eine gewisse Zentralisierung, so dass die wenigen angestellten Trainer/innen möglichst viele Athlet/innen tagsüber betreuen können. Auf der anderen Seite hat in der Regel auch für die Jugendlichen die Schule Priorität, zudem wohnen sie meist zu Hause. Das führt dazu, dass die zentralen Angebote dann doch nicht genutzt werden. RE: Leistungsförderung zentral, dezentral oder mit beiden Varianten - Diak - 20.04.2023 (20.04.2023, 10:03)krebsan schrieb: Für Schullösungen sind professionelle Trainingsstrukturen entscheidend. Wenn jemand tagsüber von der Schule Zeit bekommt für Training, dann sollte das Training auch tagsüber stattfinden können. Zumindest in der Schweiz happert es da gewaltig. Auch, weil nicht einfach ein LA-Trainer reicht, sondern für jede Disziplinengruppe wieder ein anderer.entscheidend ist die Ausrichtung an den Bedürfnissen der jeweiligen Athlet:innen. Oft ist Schultraining unzureichend mit dem individuellen Training abgestimmt und es wird morgens irgendwas trainiert. Ich selbst mache das so, dass ich morgens mit Schülerinnen vorwiegend allgemeine und spezielle Athletik und Koordination mache, mit Athlet:innen, die ich enger betreue, auch Kraft und Technik. Das kann ich durchaus so gestalten, dass alle Disziplingruppen genug davon haben, das Vereintraining sinnvoll ergänzt wird und auf individuelle Bedarfe gezielt gucken. Was wenig bringt, ist Vormittagstraining für ganze Sportklassen, das nicht oder kaum mit dem Vereinstraining koordiniert ist. |